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BOXER ODER BETRÜGER?


BoxSport - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 21.07.2021

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Bildquelle: BoxSport, Ausgabe 8/2021

Inszenierte und geschauspielerte Knockouts sind in Filmen wie ?Rocky III? Usus. Alexander Kage soll das Modell auf die Wirklichkeit übertragen haben

Der Fall scheint geklärt, der Täter rasch ermittelt. Das Delikt: gekaufte Kämpfe. Der Delinquent: Alexander Kage, 21, Boxnewcomer im Profibusiness, Halbschwergewichtler. Folgerichtig schlagzeilte „Bild.de“ am 2. Juni: „Skandal um Kämpfe im deutschen Boxen!“ Fürwahr, die Indizien sind erdrückend. Beweise sind es indes nicht. Der unfreiwillige Protagonist dieses Schlagabtausches außerhalb des Rings, Kage, war wochenlang abgetaucht, schaltete seinen Instagram-Account ab, löschte sein Facebook- Profil. Nun kommt er aus der Deckung, nimmt Stellung, liefert seine Version. Warum erst jetzt? „Ich fühlte mich nach dem ‚Bild‘-Bericht machtlos“, sagt Kage im Telefonat mit BOXSPORT. Gleich mehr.

DREHBUCH FÜR RÄUBERPISTOLE

Zunächst das: Das Springer-Blatt veröffentlichte WhatsApp-Sprachnachrichten Kages samt Vertragswerk für einen manipulierten Fight. Der sollte am 1. Mai im bayerischen Gersthofen über ...

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... die Bühne gehen. Janne Forsman, Boxer aus Finnland, war als Kontrahent vorgesehen. Gegen Gage, 1.500 Euro, sollte er auf die Bretter gehen, mittels Niederschlag. In der zweiten Runde. So steht es gewissermaßen als Regieanweisung in dem englischsprachigen Vertrag. Übersetzt steht darin: „In der ersten Runde boxen beide Boxer leicht. Forsman schlägt nur leicht und wenig. Und nur mit ein paar Jabs. Kage muss die Runde gewinnen. Es ist die Aufgabe von Forsman, Kage gut aussehen zu lassen. Forsman schlägt nicht oft.“ Und weiter: „Zu Beginn der zweiten Runde macht Kage mehr Druck und Forsman geht zu Boden. Nach diesem Knockout steht er nicht wieder auf. Zu Beginn der zweiten Runde ist der Kampf vorbei und Kage gewinnt.“ Mehr noch. Das Schriftstück hat folgende Klausel: Sollte ein Vertragspartner die Vereinbarung brechen, würde eine „Vertragsstrafe“ von 20.000 Euro fällig, für einen extralegalen Deal wohlgemerkt. Datiert ist das Elaborat auf den 27 April 2021.

Einzelne Inhalte der Sprachnachrichten, die von „Bild“ Kage zugeschrieben werden, bestätigen dieses abgekartete Spiel. So klingt es zumindest. In einer Passage heißt es: „Ich will einfach nur den Sieg. Das ist alles.“ In einer weiteren: „Ist das hundertprozentig klar und umsetzbar?“ Auch die „Gage“ für die inszenierte Niederlage wird erwähnt: „Ich habe das ganze Geld hier in meiner Wohnung. Ich sende dir den Vertrag und hoffe, dass Janne und du (Forsmans Manager Markus Lammi; d. Red.) ihn unterschreiben.“

Lammi zeigte sich gegenüber der „Bild“ empört, bezichtige Kage als „Betrüger“. Der Präsident der Baltic Boxing Union (BBU), einem Kleinstverband aus dem finnischen Tampere, behauptet, nur zum Schein auf Kages Offerte eingegangen zu sein. Im Kampf sollte Forsman Kage „dann einfach umhauen“. Dazu kam es nicht, der Kampf platzte, die „Vertragsparteien“ gingen im Streit auseinander.

ERKLÄRUNGSVERSUCHE

Kage leugnet im Gespräch mit BOXSPORT nicht, dass Ausschnitte der Sprachnachrichten von ihm sind, „und meine Stimme zu hören ist“. Nur seien diese aus dem Zusammenhang gerissen, der Dramaturgie wegen neu zusammengesetzt worden. Warum das? „Damit ich schlecht dastehe.“ Er vermutet ferner, dass eine Stimme, die seiner ähnelt, den Sprachnachrichten beigemischt worden sein könnte, technisch sei das ohne weiteres machbar, meint Kage. „Ich und mein Team haben überlegt, Sachverständige zu beauftragen, Stimmenvergleiche einzuholen.“ Daraus wurde nichts. Zu teuer, zu aufwändig, so Kage weiter.

Und was ist mit dem Vertrag? Kage will diesen nicht aufgesetzt haben. Solch ein Dokument könne quasi jeder am Heimlaptop basteln, auch Monate später und bei passender Gelegenheit in den sozialen Medien verbreiten, sagt er. Und: Ein Beweismittel sei das eh nicht. In der Tat, der Vertrag trägt keine Unterschriften. Weder von Kage noch von Forsman oder Lammi.

Kage zögert anfangs, geht dann doch im Gesprächsverlauf in die Offensive, erzählt Folgendes: Es gebe einen echten Vertrag, vom 15. April 2021, unterschrieben von Forsman-Manager Lammi. BOX- SPORT liegt dieser vor. Darin: Keine Hinweise auf Manipulationen des Kampfes, keine Anleitung für eine Schmierenkomödie im Ring. Sondern: Wer für was während der Anreise und des Aufenthalts der Boxdelegation aus Finnland aufkommt. Dazu medizinische Nachweise, die zu erbringen sind.

Lammi kennt auf BOXSPORT-Anfrage den Vertrag, auch mit seiner Unterschrift. Nur: Es sei keine finale Vereinbarung gewesen. „Kage wollte, dass dort erwähnt wird, wie der Kampf läuft, wie er es in all seinen Kampfverträgen getan hat“, so Lammi. „Und dann sagte ich ihm, er solle einen Vertrag schreiben, während er die ganze Zeit immer mehr Forderungen hatte.“

Exakt das wirft wiederum Kage Lammi vor: immer mehr Forderungen. Das ist nicht alles. Lammi soll ein Ultimatum gestellt haben, wann Kage Geld überweisen muss. Es soll sich um rund 1.700 Euro gehandelt haben, erinnert sich Kage. Eine Art „Kompensation“ für den geplatzten Forsman-Kampf. Das sollen Auszüge von WhatsApp-Nachrichten in englischer Sprache zwischen den beiden Streithähnen belegen, die Kage BOXSPORT zeigt. Ein weiteres Detail: Sollte Kage die „Deadline“ verstreichen lassen, würden Presse und Boxverbände ein „Informationsschreiben“ erhalten. „Das passiert als nächstes“, so angeblich Lammi zu Kage. „Du wolltest eine klare Antwort, und du hast sie bekommen.“ Lammi, der im Sommerurlaub weilte, ließ die BOXSPORT-Nachfrage zu diesen Korrespondenzen unbeantwortet.

„KAGE WOLLTE, DASS DORT ERWÄHNT WIRD, WIE DER KAMPF LÄUFT, WIE ER ES IN ALL SEINEN KAMPF-VERTRÄGEN GETAN HAT. UND DANN SAGTE ICH IHM, ER SOL-LE EINEN VERTRAG SCHREIBEN, WÄHREND ER DIE GANZE ZEIT IMMER MEHR FORDE-RUNGEN HATTE.“

TALENTFREIER FIGHTER?

Kages Kampfbilanz ist makellos, auf dem Papier zumindest. Fünf Fights, fünf Siege, alle vorzeitig durch Knockout oder Aufgabe. Aber: Hinweise auf Schiebereien hatte es bereits im vergangenen Herbst gegeben. Die Gegner, die Kage als Quereinsteiger seit seinem Profidebüt im März 2019 vor den Fäusten hatte, gingen auffallend flott zu Boden, ohne erkennbare Wirkungstreffer. Kage, der Kurzarbeiter, der seinen Job im Seilquadrat kompromisslos erledigt, so sein Image.

Und stolz präsentierte der frühere Mixed- Martial-Arts-Kämpfer Ende Juni 2020 seinen ersten internationalen Profititel im Boxsport. Gegen den damals 35-jährigen Mario Obenauer stieg er um den vakanten Youth-Champion-Titel der BBU in den Ring – und gewann den Gürtel durch Niederschlag. Sein Konterpart absolvierte bis dahin neun Profikämpfe, verlor alle. Jungchampion Kage sprach auf seinem inzwischen abgeschalteten Instagram- Account von einem „renommierten Verband“ und dass weitere BBU-Titelkämpfe anstehen würden.

Kage rechtfertigt die Auswahl schwacher Kämpfer, spricht von „Aufbaugegnern“. Das sei beim Karrierestart so üblich, sagt der gebürtige Hannoveraner, der im Frühjahr 2020 in den Harz nach Bad Harzburg bei Goslar gezogen war. Dennoch: Wegbegleiter meinen, Kage fehle boxerisch jede Qualität. Jan Camp, dreimaliger Niedersachsenmeister im olympischen Boxen, coachte ihn interimsmäßig. Sein Ex-Schützling, meinte der Weltergewichtler süffisant gegenüber BOXSPORT, könne sich nicht einmal die Bandagen richtig binden. Ein „Fake-Boxer“, mehr nicht. Ein anderer Kurzzeittrainer, der ungenannt bleiben will, teilt schriftlich auf BOXSPORT-Anfrage mit: „Wenn man sich als ‚Profi‘ bezeichnet, sollte man wenigstens das Grundlagentraining beherrschen und nicht erst mit dem Eintritt ins Profilager damit anfangen.“

Camp will eigenen Aussagen zufolge das Coaching von Kage im September vergangenen Jahres nach einem „blamablen Kampf“ in Hamburg bei einem Universum-Fightabend beendet haben, sofort sogar. Kage, man ahnt es, widerspricht, sagt, zum persönlichen Zerwürfnis sei es erst Wochen später gekommen und hätte nichts mit dem Auftritt bei Universum zu tun gehabt. Beide haben Rechnungen offen. Camp, dessen Profi-Premiere jüngst bei einer Open-Air-Boxgala im türkischen Alanya war, spitzt zu, bietet Kage einen Ringvergleich an. Ohne Gage, für die Ehre. Gewissermaßen eine unterhaltsame Showeinlage um die informelle Harzer Meisterschaft. Bestenfalls.

FORTSETZUNG FOLGT

Was nun, Herr Kage? „Ich trainiere täglich hart“, betont „The German Nightmare“, der als gelernter Einzelhandelskaufmann parallel bei einer Sicherheitsfirma beschäftigt ist. Er will sich weiter als Profiboxer versuchen, trotz zahlreicher, begründeter Anschuldigungen (Kage redet lieber von „Mutmaßungen“ und „haltlosen Vorwürfen“). Und sowieso: Bisher habe er nur „draufgezahlt“. Kage besitzt, sagt er, auch nach dem Trouble eine gültige Profilizenz, offenbar eine von der German Boxing Association (GBA). Ein Verband, der seitens des offiziellen Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB) nicht anerkannt ist. Bei Wettkämpfen erteilt der BDB „verbandsfremden Faustkämpfern“ bisweilen so genannte Notlizenzen, die nur für einen Fightabend gelten. Davon dürfte Kage profitiert haben. Beide Verbände waren für BOXSPORT zwecks Nachfrage nicht erreichbar.

Zwischenfazit: Der Fall ist nicht geklärt, zumindest nicht lückenlos. Kage ist Beschuldigter, kein Verurteilter. Aussage steht gegen Aussage, ganz klassisch. Zugegeben, die Ausgangslage für den „Buhmann“ scheint ungünstig. Prognose: Fortsetzung folgt. Und wer weiß, vielleicht geht Kage erstmals über die volle Distanz, für seine Rehabilitation.

SEIT DER GRÜNDUNG VON „SES BOXING“ IM JAHR 2000 HAT ULF STEINFORTH ÜBER 150 EVENTS AUSGERICHTET. DOCH STATT AUF MERITEN SETZT DER ERFAHRENE PROMOTER LIEBER AUF ZUKUNFTSPLÄNE – FÜR SEINEN STALL UND SEINE BOXER.

„ICH FÜHRE JEDEN IN SEIN ,FINALE‘“

INTERVIEW FRANK SCHWANTES

Herr Steinforth, wie groß war die Freude über den geglückten Re-start Anfang Juni? Sie durften erstmals in diesem Jahr wieder vor 1.000 Zuschauern veranstalten.

Das war ein ganz wichtiges Signal für uns, auch für alle Mitarbeiter und Sportler von SES Boxing. Wir mussten im letzten Jahr die letzte von vier SES-Box-Veranstaltungen ohne Publikum ausgetragen – woraufhin ich mir persönlich gesagt habe: Wenn das so weitergeht ohne Zuschauer, veranstalte ich lieber nicht. Auch wenn wir heute nicht wissen, ob die derzeitigen Bedingungen für Box-Veranstaltungen so bleiben werden, sind wir für die Zukunft optimistisch.

Sportlich war der Event auf der Seebühne in Magdeburg, bei dem Agit Kabayel im Mittelpunkt stand, wirklich top. Agit ist der weltweit am besten gerankte deutsche Schwergewichtler und hat mit dem erfahrenen Kevin Johnson einen internationalen Prüfstein gemeistert. Somit ist er ein Kandidat für größere Aufgaben.

Dennoch wurde Ihre Freude getrübt, weil es Randale am Rande des Events gab. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Für diese Ausschreitungen waren nur einige wenige verantwortlich. Meiner Ansicht nach ist dies der Pandemie geschuldet. Es zeigt sich immer wieder, dass einige den Lockdown und dessen Folgen nicht verkraftet haben. Insofern ist ein solches Fehlverhalten kein Problem von Box-Veranstaltungen, sondern leider in vielen Teilen der Gesellschaft zu Hause. Ich nehme die Randalierer auch nicht in Schutz, sondern sie müssen bestraft werden und bei uns mit einem lebenslangen Hausverbot rechnen.

ULF STEINFORTH

Erfolge im Boxen feierte der 53-Jährige bereits 1999 im Amateurlager, als er den 1. BC Magdeburg zur Deutschen Mannschaftsmeisterschaft führte. Neben seinem Profi-Boxstall leitet Steinforth seit 2014 auch die Geschäfte der Magdeburger Bierbrauerei „Sudenburger Brauhaus“.

Kabayel ist in den Ranglisten der großen vier Weltverbände gut platziert, kommt als Top-15-Boxer für einen WM-Kampf in Frage. Welchen Weg wollen Sie gehen, um ihn zu einem WM-Fight zu bringen?

Das ist nicht so einfach. Zum einen steht erneut die Pflicht für WBC-Champ Tyson Fury gegen Deontay Wilder an, zum anderen sind die Pläne zu einer Unification im Schwergewicht schon länger bekannt. Wir hatten bereits im Dezember 2020 einen WM-Fight für Agit gegen Tyson Fury – die Verträge waren unterschrieben, die Vorbereitung lief – fixiert, der dann aber wegen der Pandemie abgesagt wurde. Wir wurden kurz zuvor auch von der IBF angefragt für einen Eliminator gegen Filip Hrgovic, konnten das zu diesem Zeitpunkt aber nicht wahrnehmen. Doch ich bin lange genug im Geschäft und weiß: Einer wie Agit bekommt seine Chance. Wir müssen Geduld haben und werden uns weiter nach vorne arbeiten.

Nerven Sie Rematch-Klauseln wie bei Fury vs. Wilder, weil diese Ihr Business blockieren?

Nein, das ist normal in diesem Geschäft und das handhaben wir genauso. Wenn wir mit einer anderen Promoter einen freiwilligen Kampf vereinbaren, dann räumen wir uns entsprechende Optionen ein. Und was Titelkämpfe betrifft, so ergeben sich immer wieder freie Slots und Möglichkeiten, sofern mein Boxer dafür entsprechend platziert und als Gegner interessant genug ist.

Mit Cruisergewichtler Roman Fress oder Halbschwergewichtler Adam Deines sind weitere Fighter mit Titelpotenzial im SES-Stall zu Hause. Wer schafft den Durchbruch in Richtung Weltspitze?

Die Niederlage von Adam Deines im März gegen Weltmeister Artur Beterbiev (T.K.o. 10. R.; d.Red.) war eine jener, bei denen ich erhobenen Hauptes wieder nach Hause gefahren bin. Für mich ist klar: Der Junge hat sich weiterentwickelt, kann dort oben mitspielen – Adam Deines wird uns in Zukunft noch überraschen. Da wiederholt sich SES-

Geschichte: Alle Boxer, die wir zu Weltmeistern gemacht haben, verloren zuvor ihren ersten großen Kampf, verkauften sich dabei aber gut. Roman Fress hat bei seinem K.o.-Sieg gegen Kamel Kouaouch nun seine erste internationale Bewährungsprobe cool gemeistert. Mit dem Interconti-Titel der WBO können sich nun neue Möglichkeiten ergeben. Roman hat Talent und eine tolle Entwicklung bei uns genommen, auch dank seines Trainers Robert Stieglitz, der ihn in die Spur gebracht hat.

Die Boxfans warten sehnlichst auf das vereinbarte Rematch zwischen Robin Krasniqi und Dominic Bösel. Wann steigen die beiden in den Ring?

Wir arbeiten daran. Robin und Dominic jedenfalls sind bereit. Ohne einen konkreten Termin zu nennen, kann ich sagen: Es wird in naher Zukunft bekanntgegeben.

Sie unterhalten seit langem eine erfolgreiche Kooperation mit dem Mitteldeutschen Rundfunk, der Ihre Box-Events im TV überträgt. Wird diese Zusammenarbeit über das Jahr 2021 fortgesetzt?

Über TV-Verträge und dergleichen geschäftliche Hintergründe gebe ich grundsätzlich öffentlich keine Auskunft, unsere Kooperation ist jedenfalls seit vielen Jahren sehr erfolgreich.

Allerdings ist es ein offenes Geheimnis, dass in den Landesrundfunkanstalten der ARD nur wenige Fürsprecher des Boxsports sitzen. Müssen Sie sich sorgen?

Die nachlesbaren Quoten für unsere Box-Übertragungen im MDR sind nur die Einschaltquoten von den drei Bundesländern im Sendegebiet – der Durchschnitt in den Spitzenwerten bundesweit liegt jeweils immer zwischen gut 500.000 bis zu einer Million Zuschauern. Bei unserer letzten bundesweiten Übertragung in der ARD haben wir mit dem Kampf Bösel vs. Krasniqi gar 2,5 Millionen Zuschauer erreicht, solche Zahlen sprechen Bände. Deshalb bin ich optimistisch, dass die Fans weiterhin spannende Kämpfe mit SES-Boxern im TV zu sehen bekommen.

Was halten Sie von dem Weg, den Sauerland nun mit der Sportvermarktungs-Agentur Wasserman Group geht?

Ich habe immer wieder mit Sauerland zusammengearbeitet, der Stall hat viel im deutschen Profiboxen bewegt und als Konkurrent stets das Geschäft belebt. Wir selbst haben in der Vergangenheit mit bedeutenden Sportvermarktern wie Sport Five zusammengearbeitet, tun dies bis heute mit Lagardère Sports und sind grundsätzlich offen für jegliche Kooperationen. Dazu vermarktet eine große kanadische Agentur unsere internationalen TV-Rechte. Wenn der Weg, den Sauerland jetzt als Wasserman Boxing geht, etwas Positives im Boxen bewegt, freut mich das.

Gibt es andere Geschäftsfelder im Box-Business, die Sie für zukunftsfähig und finanziell einträchtig halten?

Wir investieren gerade eine große Summe in die Digitalisierung, inklusive unseres Fernsehund Filmarchivs, das im Box-Bereich das wohl größte in Deutschland ist. Uns gehört auch das komplette Archiv des früheren Universum-Stalls, außerdem haben wir vor kurzem weitere Box-Aufnahmen aus den 80er-Jahren hinzugekauft.

Nun arbeiten wir das Filmmaterial auf, verbessern und digitalisieren es nach neuesten Methoden. Somit machen wir uns fit für ein wichtiges Thema der Zukunft.

Wie lässt sich damit Geld verdienen?

Wir veräußern Nutzungsrechte an Bewegtmaterial schon seit einigen Jahren an Veranstalter und TV-Sender auf der ganzen Welt, das ist ein einträgliches Geschäft. Manche Kunden generieren daraus „Box-Classics“ oder ähnliche Formate für ihre Plattformen. Diese Aufnahmen wollen wir nun mit unserem Digital-Team auf ein qualitativ höheres Niveau heben, weil es daran ein gesteigertes Interesse gibt.

Frauenboxen, Teilnahme an einer deutschen Profibox-Liga – oder was sonst könnte künftig zum Portfolio Ihres Stalls passen?

Auch wenn ich es begrüße, dass bald auch Boxerinnen um die Ali-Trophy der „World Boxing Super Series“ kämpfen, steht Frauenboxen bei uns zunächst nicht im Fokus. Wir denken über andere Formen von Veranstaltungen nach, mit einem etwas anderen Spirit, vielleicht auch in Turnier-Form. Konkret wollen wir in einer Gewichtsklasse etwas Neues ausprobieren, mehr kann ich dazu jetzt nicht sagen. Ansonsten werden wir uns noch stärker im Nachwuchsbereich engagieren und zum Beispiel um Junioren-WM-Titel boxen. Diese Kämpfe waren immer wieder Sprungbretter für unsere Boxer und deren Karrieren, angefangen bei Robert Stieglitz bis zu Dominic Bösel. Unsere Talente wie Artur Henrik, Tom Dzemski oder Jürgen Uldedaj sind jung und erst Anfang zwanzig. Dazu sind Dzemski, Uldedaj, Peter Kadiru und Michael Eifert bereits Junioren- Weltmeister. Mein Credo lautet: Ich führe jeden, der es sportlich verdient hat, in sein „Finale“. Das habe ich in über zwanzig Jahren SES immer wieder bewiesen und darauf bin ich stolz.

SES: FESTE GRÖSSE IN BOX-DEUTSCHLAND

• Am 16. März 2000 gegründet, wurde „Sport Events Steinforth“ der erste Profibox-Stall in Ostdeutschland.

• Große Erfolge feierten die Magdeburger mit Fightern wie Robert Stieglitz, Natascha Ragosina, Lukas Konecny, Jan Zaveck oder Dominic Bösel.

• Seit 2016 überträgt der MDR unter der Marke „Sport im Osten – Boxen Live“ regelmäßig die Box-Galas des SES-Stalls.

„WIR WERDEN UNS NOCH STÄRKER IM NACHWUCHSBE-REICH ENGAGIEREN UND ZUM BEISPIEL UM JUNIOREN-WM- TITEL BOXEN.“