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Brackwasser: Bewohner eines besonderen Bereichs


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aquaristik - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 06.04.2022

KOMPAKT stellt Aquarienbewohner vor, die nicht in jedem Becken zu finden sind. Diese unregelmäßige Serie soll Lust machen, Neues auszuprobieren und den schnellen, prak schen Eins eg erleichtern.

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Bildquelle: aquaristik, Ausgabe 3/2022

Die Kaisergrundel gehört zu den attrak vsten Arten, die sich im Brackwasser wohlfühlen.

Wanderer zwischen den Welten

Die meisten Fische und Wirbellosen sind an ein Leben entweder im Salz-oder Süßwasser angepasst und können nicht so einfach wechseln. Der Körper dieser Lebewesen reagiert je nach Salzgehalt völlig anders. Das liegt an einem natürlichen Vorgang, der Osmose.

Süßwasserfische haben im Körper meist einen höheren Salzgehalt als das umgebende Wasser. Bei der Osmose versuchen sich zwei Salzlösungen unterschiedlicher Konzentration aneinander anzugleichen. Deswegen dringt immer Wasser durch die Fischhaut ein; Süßwasserfische brauchen deshalb nicht zu trinken, sondern geben ständig Urin ans Wasser ab.

Bei Seewasserfischen ist es genau umgekehrt: Sie müssen ständig trinken (und scheiden das ...

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... Salz aus dem Seewasser über einen besonderen Mechanismus ab). Deswegen ist ein genereller Salzzusatz im Süßwasseraquarium auch nicht sinnvoll, er belastet fast immer den Organismus der Lebewesen.

Einige Fische sind aber in der Lage, sich umzustellen. Das bedeutet, dass sie sowohl in Süß-als auch in Salzwasser überleben können. Im Salzwasser trinken sie, im Süßwasser nicht. Diese Fische nennt man euryhalin. Von diesen Lebewesen – überwiegend Fischen – wird hier die Rede sein.

Vertragen Brackwasserfische Süß-und Seewasser?

Die meisten Brackwasserfische vertragen als euryhaline Fische hartes Süßwasser mit einem pH-Wert über 7 ebenso gut wie reines Seewasser – zumindest über einen gewissen Zeitraum. Allerdings sollte der Wechsel nicht zu plötzlich erfolgen, sonst wird der Organismus überfordert. Bei einigen Fischen ist die Übergangszeit so gering, dass sie von reinem Süß-zu Seewasser wechseln können und umgekehrt.

Wann spricht man von Brackwasser?

Zum Brackwasser werden Wässer gerechnet, deren Kochsalzgehalt über dem im Fischkörper liegt, also bei über 0,9 % = 0,9 g/l. Diese Wässer schmecken für uns schon fast unangenehm salzig, denn die Geschmacksgrenze des Menschen liegt bei knapp unter 0,5 g/l. Seewasser enthält aber im Schnitt 35 g/l. Alles, was dazwischen liegt, ist also eigentlich Brackwasser. In der aquaristi schen Praxis wird aber ein Wasser meist dann als Brackwasser bezeichnet, wenn es zwischen 5 und 20 g/l Kochsalz enthält.

Brackwasser ansetzen

Man benutzt normales Leitungswasser sowie Meersalz aus dem Fachhandel. Frisch angesetztes Wasser mit einem relativ hohen Salzgehalt, wie er für Brackwasser typisch ist, ist sehr aggressiv und nicht sofort für Fische geeignet. Bei einer Neueinrichtung wartet man sowieso lange genug, beim wie im Süßwasseraquarium obligatorischen Wasserwechsel sollte man nur Wasser verwenden, das nach dem Ansetzen mindestens drei Tage gealtert ist – möglichst belüftet. Verdunstetes Wasser im Becken wird mit Leitungs-oder Umkehrosmosewasser ersetzt. Wer den Salzgehalt genau ermitteln will, kann ein Aräometer benutzen, das die Dichte und damit die Salinität genau anzeigt.

Tipp

Man kann das Brackwasser auch, etwa um Platz zu sparen, als Seewasser ansetzen, also mit 35 oder sogar 40 g/l. Zur Verwendung verdünnt man es einfach entsprechend (bei Seewasser mit 40 g/l gibt man also die dre ifache Menge Süßwasser zu, um Brackwasser mit 10 g/l zu erhalten).

Pflanzen im Brackwasseraquarium

Überraschend viele Pflanzen lassen sich noch mit einem Salzgehalt bis etwa 1 % (also 10 g/l) halten. Dazu gehören so bekannte Vertreter wie Speerblätter (Anubias), einige Wasserkelche (besonders Cryptocoryne ciliata), Vallisnerien (Vallisneria spp.), Javamoos (Taxiphyllum barbieri), Javafarn (Microsorum pteropus), Wasserpest (Elodea und Egeria spp.) und Zwerg-Ohrbüschelfarn (Salvinia minima). Besonders zu erwähnen sind hier noch Nixkraut (Najas guadalupensis), Raues Hornblatt ( Ceratophyllum demersum) und die Salzbunge (Samolus valerandi).

Wichtig ist, alle Pflanzen für das Brackwasseraquarium erst einige Wochen einzugewöhnen, also den Salzgehalt nur langsam zu erhöhen. Bei einem Salzgehalt ab etwa 20 g/l kommen vor allem Makroalgen infrage, besonders die Grünalge Caulerpa.

Allerdings sind Pflanzen im Brackwasseraquarium kein Muss. Viele Fische lassen sich auch gut im pflanzenlosen Aquarium mit guter Filterung und regelmäßigem Wasserwechsel halten.

Fische im Brackwasseraquarium

Es gibt viele Fischarten, die im Brackwasser gut leben können. Die hier vorgestellten Arten stellen nur eine Auswahl dar. Ein Kriterium ist, dass diese Spezies sich nicht nur in Brackwasser wohlfühlen, sondern auch im Handel zumindest gelegentlich zu bekommen sind.

Lebendgebärende

Es ist kaum bekannt, dass Guppys (Poecilia reti culata) zu den euryhalinen Fischen gehören. Sie können sogar in reinem Salzwasser leben. Das hat man früher ausgenutzt, indem man im Handel dem Guppywasser reichlich Salz zusetzte und damit Parasiten verhinderte. Heute geschieht das nicht mehr. Deswegen sollten Guppys – wie viele andere Fische, die im Handel im Süßwasser gehalten werden – langsam an den Salzgehalt gewöhnt werden.

Bei den Mollys gibt es sogar Arten, die zuerst in einem Korallenriff gefangen wurden (Poecilia orri). Einige weitere Verwandte mit kurzen Rückenflossen sind ebenfalls salztolerant. Besonders der Segelkärpfling (P. velifera) kommt in sehr hartem Wasser, Brack-und sogar Seewasser vor. Gleiches gilt für die vielen Varianten, von denen etliche heute vor Florida im Meer anzutreffen sind (durch Hochwasser aus Zuchtt eichen entkommen).

Wirbellose im Brackwasseraquarium

Einige Schnecken lassen sich sogar nur in Brackwasser nachzüchten und können deswegen auch hier gehalten werden. An Garnelen ist es in der Aquaris-k vor allem die Felsengarnele (Palaemonetes varians; Foto), die gerne im Meerwasserbereich als Futtergarnele verkau wird. Manchmal wird auch die Rote Hawaiigarnele (Halocaridina rubra) gehalten.

Aus Mittelamerika kommt einer der ungewöhnlichsten lebendgebärenden Aquarienfi sche: das Vierauge (Anableps anableps). Auch er ist vom harten Süß-bis zum Seewasser hin direkt an der Wasseroberfläche anzutreffen. Die bis 30 cm langen Fische haben ihren Namen davon, dass ihr Auge geteilt ist und sie gleichzeitig nach oben aus dem Wasser und nach unten ins Wasser schauen können. Ihre Aquarien sollten eine große Fläche haben, brauchen allerdings nicht ti ef zu sein. In vielen Büchern fi ndet man noch, dass Vieraugen Lebendfutt er, besonders Fliegen, brauchen. Tatsächlich sind es Allesfresser, die sogar Algen und Futter vom Boden fressen.

Kugelfische

Als typische Brackwasserfische gelten die Kugelfische. Dabei kommen die meisten der im Handel angebotenen Arten (es sei denn, in der Seewasserabteilung) tatsächlich aus reinem Süßwasser, manchmal sogar Weichwasser. Aber einige Arten fühlen sich tatsächlich im Brackwasser besonders wohl. Das gilt etwa für den Grünen Kugelfisch (Dichotomyctere nigroviridis).

Dieser wird gerne unterschätzt: Er kann eine Länge von 17 cm erreichen und ist gegenüber artfremden Fischen nicht unbedingt friedlich. Deswegen eignet er sich vor allem für ein Artenbecken mit einer Kantenlänge ab etwa 120 cm. Zu erwähnen ist noch, dass er – wie eigentlich alle Kugelfische – nur mit Lebend-oder Frostf utter zu ernähren ist. Muscheln und Schnecken stehen ganz oben auf seinem Speisezett el.

Grundeln

Die überwiegende Anzahl der mehr als 2.000 beschriebenen Grundeln (Ordnung Gobiiformes) lebt in reinem Seewasser. Unter den Brackwasserarten gibt es einige attraktive Vertreter. Auch sie brauchen wie die Kugelfische fast alle Lebendoder Frostf utter.

Zu den Schläfergrundeln (Familie Eleotridae) zählt die Kaisergrundel (Hypseleotris compressa), deren Männchen im Balzkleid zu den schönsten Aquarienfi schen zählen. Sie werden bis zu 10 cm groß und lassen sich in hartem Wasser gut halten, ein leichter Salzgehalt tut ihnen gut. Sie laichen auch relativ problemlos ab, aber aus den unzähligen, winzigen Eiern schlüpfen die Larven schon nach weniger als einem Tag und sind nur mit feinstem Futter aufzuziehen. Bislang gelang dies nur mit den winzigen Austernlarven, die aber kaum jemand hat.

Regelmäßig im Handel sind als Vertreter der Echten Grundeln (Familie Gobiidae) die kleinen Bienen-oder Goldringelgrundeln (Brachygobius). Sie erreichen maximal 4 cm Länge, die meisten bleiben kleiner. Auch für sie ist ein Artaquarium ideal, sie können aber mit anderen kleinen Brackwasserfischen vergesellschaftet werden. Die Männchen besetzen eine kleine Höhle (Röhre), dort kommt es auch zum Ablaichen. Die Zucht und Aufzucht (Artemia) ist relativ einfach.

Schlammspringer

Wer ein Aquarium mit Landteil einrichten will, für den sind die Schlammspringer geeignet (Familie Oxudercidae). Die verschiedenen angebotenen Arten sind nicht immer leicht zu unterscheiden. Die Fische leben zeitweise außerhalb des Wassers, weil sie sich das Wasser zur Kiemenatmung in eine Art Maulbeutel packen können.

Sie brauchen einen schlammigen Bodengrund, in den sie ihre Höhlen graben können. Die Arten werden zwischen 9 und 15 cm groß und sind etwas für größere Aquarien. Die Allesfresser nehmen Granulat-und Flockenfutter an (auf dem Landteil füttern!), aber gerne auch Lebendfutter und Insekten. Mit ihren verbundenen Bauchflossen können sie sich am Glas anheften, Aquarien deshalb gut abdecken.

Blauaugen

Ein kleiner Brackwasserfisch ist das Blaurücken-Blauauge (Pseudomugil cyanodorsalis, etwa 4 cm). Das stammt aus dem Norden Australiens und kann dort innerhalb eines Tages mehrmals vom Brack-ins Süßwasser wechseln. Die Haltung im Brackwasser hat den Vorteil, dass sie besonders gut mit Artemia-Nauplien gefüttert werden können, die dort stundenlang überleben. Gelegentlich ins Brackwasser geht auch Gertruds Blauauge (Pseudomugil gertrudae).

Schützenfische

Sieben Arten der Gatt ung Toxotes (Familie Toxoti dae) wurden beschrieben, meist eingeführt wird aber der Schützenfisch (Toxotes jaculatrix). Die namengebende Besonderheit der Schützenfi sche besteht darin, dass sie aus bis zu knapp zwei Metern einen Wasserstrahl über eine spezielle Rinne im Maul zielgenau auf Insekten schießen können, die auf Pflanzen sitzen. Schon im 16. Jahrhundert oder noch früher machten sich Indonesier das zunutze, indem sie in der Mitte eines Raums ein Wasserbecken mit zentralen Pflanzen aufstellten, in dem Schützenfische gehalten wurden und so die Insekten in den Wohnhütten bekämpften. Dies könnte man sogar als erstes Aquarium bezeichnen.

Schützenfische brauchen Lebendfutter (Grillen, Spinnen etc.) auf der Wasseroberfläche, fressen allerdings gelegentlich auch Pellets oder Granulat. Wer ihr natürliches Jagdverhalten beobachten will, muss sie in einem hohen Paludarium pflegen. Der Wasserteil für diese bis zu mindestens 20 cm groß werdenden Fische sollte eine Fläche von mindestens anderthalb Quadratmetern haben.

Silberflossenblätter

Die Gatt ung Monodactylus hat vier Mitglieder, von denen zwei – das Silberflossenblatt ( M. argenteus) und das durch einen schwarzen Streifen hinter der Rückenfl osse gut unterscheidbare Seba-Flossenblatt ( M. sebae) – regelmäßig im Handel sind. Die schwimmfreudigen Fische brauchen ein Aquarium von mindestens 200 cm Kantenlänge bei einer Höhe ab 60 cm. Die bis knapp 20 cm groß werdenden Fische fühlen sich nur in einer Gruppe von mindestens sechs Exemplaren wohl. Als Allesfresser ist ihre Ernährung einfach, sollte nur nicht einseitig, etwa Trockenfutter, sein. Über eine Nachzucht ist nichts bekannt.

Argusfische

Der Argusfi sch (Scatophagus spp.) ist ein typischer Brackwasserbewohner. Die bis zu über 20 cm großen Fische brauchen große Aquarien, am besten deutlich über 1.000 l Inhalt. Auch sie fühlen sich nur in der Gruppe wohl. Ihre Ernährung ist denkbar einfach, sie sind Allesfresser. Der Gatt ungsname bedeutet übersetzt „Kotfresser“ und deutet genau darauf hin. Über Nachzuchten ist nichts bekannt.

Paradiesflosser

Ein ganz ungewöhnlicher Fisch für salziges Wasser ist der Paradiesfl osser (Polynemus paradiseus). Durch seine zu langen Fäden umgestalteten Brustfl ossen hat er ein einzigartiges Aussehen. Auch er wird bis knapp 20 cm groß und braucht große Aquarien. Das Wasser muss sehr sauber sein, organische Belastungen schaden ihm. Als Futter können Insektenlarven (etwa gefrorene Mückenlarven) gereicht werden. Dieser Fisch darf nicht mit Arten zusammen gehalten werden, die an Flossen zupfen oder zu klein sind.

Empfehlung

Es gibt viel mehr Brackwasserfische, die Auswahl ist aber gegenüber den „normalen“ Süßwasserfischen sehr klein und sie sind selten im Handel zu fi nden. Trotzdem kann ein Brackwasseraquarium sehr viel Freude machen, denn viele Bewohner sind attrak v und zeigen eine auffallende Färbung sowie ein interessantes Verhalten.