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Brandneu: Ubuntu 22.04 LTS


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LinuxWelt - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 27.05.2022
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Bildquelle: LinuxWelt, Ausgabe 4/2022

Die LTS-Versionen der Ubuntu-Firma Canonical sind Meilensteine für die Linux-Gemeinde. Viele Ubuntu-Nutzer, erst recht Serveradministratoren warten bei Neuinstallationen und Upgrades grundsätzlich die LTS-Versionen ab und lassen die halbjährlichen Zwischenversionen links liegen. Ganz Vorsichtige warten sogar auf das erste Point Release mit Fehlerbereinigungen, das im aktuellen Fall 22.04.1 LTS heißen wird und für August 2022 geplant ist.

„„Ein“ neues Ubuntu 22.04 LTS („Jammy Jellyfish“)? Nein - viele, denn ein neues Ubuntu bedeutet stets sieben neue Ubuntus: Neben Canonicals Hauptedition mit Gnome-Desktop und der Serveredition gibt es fünf offizielle Ubuntu-Varianten, die den Systemcode schon während der Entwicklung erhalten und zeitgleich mit der Hauptedition erscheinen: Kubuntu, Xubuntu, Lubuntu, Ubuntu Mate, Ubuntu Budgie. Diese unterscheiden sich durch den jeweils anders gewählten Desktop (KDE, ...

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... XFCE, LXQT, Mate, Budgie), zum Teil auch beim Installationsprogramm. Die Systembasis ist identisch.

Auch zahlreiche inoffizielle Ubuntu-Derivate wie Linux Mint, Peppermint-OS, Elementary OS oder Zorin-OS erneuern ihre Systembasis im Turnus von Ubuntu LTS und dessen Point Releases. Dies dauert erfahrungsgemäß etliche Monate und wird bis Juli/August zu aktualisierten, auf Ubuntu 22.04 basierten Versionen führen.

Neues bei Systembasis und Software

Wer Ubuntu kennt, weiß seit Jahren, dass die Ubuntu-Firma Canonical neue Versionen pünktlich wie ein Uhrwerk veröffentlicht und nicht darauf wartet, dass zugkräftige Innovationen abgeschlossen sind (siehe auch Kasten „Ubuntu-Release-Politik“). Was die Entwickler nicht termingerecht abschließen, bleibt dann einfach außen vor und wird geschoben.

Für die aktuelle Version 22.04 waren zwei größere Innovationen angekündigt, nämlich ein neuer Installer (ein großes Projekt), ferner ein eigenständiger Firmwareinstaller (im kleineren Systemzubehör anzusiedeln). Beides fiel unter den Tisch und ist wohl für die nächste Zwischenversion im Herbst zu erwarten. Daher verbleiben nur wenige generelle Neuerungen, die für alle Ubuntu-Varianten gelten. Das Wichtigste ist der aktuelle Linux-Kernel 5.15, der signifikante Verbesserungen enthält. Neben Feintuning beim Standarddateisystem Ext4 und beim alternativen Dateisystem BTRFS sind zwei Details hervorzuheben: Der Kernel-eigene Treiber für das NTFS-Dateisystem hat neben Lesezugriff nun auch Schreibzugriff auf dem Microsoft-Dateisystem. Durch den Wegfall des externen Treibers NTFS-3G ergeben sich Leistungsverbesserungen. Schneller werden auch Samba-Netzwerkfreigaben, weil ein neues Kernelmodul bisherige Aufgaben des Samba-Servers selbst übernimmt.

Firefox ist Standardbrowser in allen offiziellen Ubuntu 22.04. Wie es die Zwischenversion 21.10 bereits vorgemacht hat, wird Firefox nun ausschließlich als Snap-Paket angeboten. Auch die Übergangsfrist, neben dem Firefox-Snap noch ein traditionelles DEB-Paket anzubieten, ist mit Ubuntu 22.04 beendet. Folglich müssen nun auch alle anderen Ubuntu-Varianten das Snap-Paket verwenden, das nun direkt vom Hersteller Mozilla gepflegt wird. Wie sich die demnächst nachfolgenden inoffiziellen Derivate in dieser Situation verhalten werden, wird durchaus spannend: Wer einen Firefox anbieten will, wird auch einen Snap-Daemon anbieten müssen – womit Distributionen wie Linux Mint bekanntermaßen Schmerzen haben.

Ob das Firefox-Snap technische Nebenwirkungen hat, muss sich noch zeigen. Interessant wird vor allem die Frage, ob bei einem Systemupgrade von LTS-Version 20.04 auf Ubuntu 22.04 der Übergang vom traditionell installierten Firefox zur Snap-Varianten überall lückenlos funktioniert – ob also das Nutzerprofil mit allen Daten übernommen wird.

Wayland nur in der Hauptedition

Canonical will mit Ubuntu seit Jahren den neuen Displayserver Wayland vorantreiben, der früher oder später das alte Xorg ersetzen soll. In der Ubuntu-Hauptedition mit Gnome-Desktop ist Wayland jetzt Standard. Damit folgt die LTS-Version der Entscheidung der letzten Interimsversionen 21.04 und 21.10. In allen anderen offiziellen Editionen ist Wayland jedoch nicht einmal als Option anzutreffen. Selbst in Kubuntu 22.04, dessen KDE-Plasma-Desktop in der Wayland-Unterstützung ebenfalls weit fortgeschritten ist, fehlt die Wayland-Option. Der Einsatz des alternativen Displayservers Wayland kann unter Kubuntu aber nachgerüstet werden. Mit

genügt eine relativ kleine Komponente, um nach der nächsten Anmeldung die Wayland-Option am Anmeldebildschirm anzubieten. Diese ist relativ unscheinbar links unten neben „Virtuelle Tastatur“ anzutreffen. Die Wahl lautet „Plasma (X11)“ und „Plasma (Wayland)“. Wayland bietet eine vereinfachte, mithin leistungsstärkere Grafik- und Videoausgabe und bedeutet eine der größten aktuellen Umstellungen am Linux-Desktop. Diese ist, das ist allgemeiner Konsens, überfällig und mittelfristig unaufhaltsam. Trotzdem geht die Wayland-Unterstützung der Linux-Desktops zäh voran: Gnome geht voraus, KDE und Mate sind immerhin in Sichtweite. Aber es gibt nach wie vor selbst unter Gnome so viele Baustellen, dass oft altes Xorg als Standard vorgezogen wird.

UBUNTU-RELEASE-POLITIK

Ubuntu STS, Ubuntu LTS, Point Releases: Man sollte die Ubuntu-Release-Politik kennen, um zwischen Interimsversionen, Langzeitversionen und Servervariante richtig entscheiden zu können.

Ubuntu STS (Short Term Support): Es gibt halbjährliche Zwischenversionen im April und im Oktober. Diese erhalten als Versionsnummer die jeweilige Jahreszahl mit Monat – also etwa 22.10 für die nächste Zwischenversion (Oktober 2022).

Solche Interimsversionen bieten den neuesten Stand von Linux-Kernel, Desktop- und Softwareentwicklung, haben aber mit jeweils neun Monaten Support nur relativ kurze Gültigkeit.

Wer den flotten Zyklus mitmachen will, muss halbjährlich das Upgrade auf die nächstfolgende Version erledigen. Das ist über die „Aktualisierungsverwaltung“ weitgehend automatisierbar.

Ubuntu LTS (Long Term Support): Im April aller geradzahligen Jahre erscheinen die LTS-Versionen mit fünf Jahren Support für Canonicals Hauptversion mit Gnome und drei Jahre Support für alle weiteren offiziellen Flavours (Kubuntu & Co.). Für einen sorgenfreien Langzeitbetrieb sind auch drei Jahre völlig ausreichend, sofern man Kubuntu & Co. alle zwei, drei Jahre per Upgrade über die „Aktualisierungsverwaltung“ auf die nächstfolgende LTS-Version hievt.

Point Releases: LTS-Versionen erhalten etwa halbjährlich „Point Releases“, die dann von 1 bis 5 nummeriert werden – also 22.04.1, 22.04.2 und so fort. Diese versammeln auf erneuerten ISO-Installationsmedien alles, was eine LTS-Version bislang an Updates erhalten hat. Hauptsächlicher Zweck dieser Point Releases ist es, bei Neuinstallationen unnötige Downloads zu vermeiden. Es ist technisch problemlos, heute ein originales Ubuntu 22.04 zu installieren und dann mit der Aktualisierungsverwaltung auf den Stand der Dinge zu bringen, jedoch erspart ein späteres Installationsmedium 22.04.x umfangreiche Downloads für Anwender sowie für die Spiegelserver. Für laufende Ubuntu-Systeme spielen Point Releases keine Rolle, da alle nötigen Updates online installiert werden.

Point Releases haben noch eine zweite Funktion: Sie liefern ab dem zweiten Point Release einen neueren Linux-Kernel. Diese Ergänzung nennt Ubuntu LTS Enablement Stack-Support oder auch HWE-Stack (Hardware Enablement Stack). Der HWE-Stack soll die konservativen LTS-Versionen auf dem aktuellen Stand halten und zur Installation auf neuester Hardware befähigen.

Lediglich beim Ubuntu Server bleibt der HWE-Stack standardmäßig inaktiv. Optional ist der HWE-Stack aber auch dort erreichbar („Boot & Install with HWE Kernel“).

So ist die Anzeige grafischer Programme über das Netzwerk via SSH noch nicht möglich (X11-Forwarding). Tools wie xprop (Fenstereigenschaften), xkill (Fensterkiller) oder scrot (Bildschirmfoto) arbeiten unter Wayland nicht erwartungsgemäß. Auch Gnome-Erweiterungen funktionieren nicht unter Wayland.

Wenn daher die Ubuntu-Hauptedition Wayland als Standard setzt, ist das innovativ, aber nicht unbedingt benutzerfreundlich. Typischen Desktopnutzern, die eine Desktop-Fehlfunktion nicht zielsicher auf ein Wayland-Problem eingrenzen können, empfehlen wir die Rückkehr zu Xorg. Diese Möglichkeit ist auf allen Linux-Desktops, die Wayland verwenden, am Anmeldebildschirm vorgesehen. In Ubuntu 22.04 finden Sie rechts unten ein Zahnradsymbol und hier das Angebot „Ubuntu on Xorg“.

Editionen (1): Ubuntu 22.04 (Gnome)

Canonicals Hauptedition profitiert vom jüngst erschienenen Gnome 42, dessen Neuheiten es größtenteils übernimmt. Gnome 42 bietet einen systemweiten Dunkelmodus. In den Systemeinstellungen (gnome-control-center) gibt es unter „Darstellung“ an oberster Stelle die Entscheidung zwischen „Hell“ und „Dunkel“. Was Benutzern als triviale Optikänderung erscheinen mag, ist eine komplexe Aufgabe, da es gilt, alle Klick-Controls in Menüs, Fenstern und Titelleisten für beide Darstellungsweisen gut sichtbar und kontrastiv zu gestalten. Neu an gleicher Stelle („Darstellung“) sind die Akzentfarben gleich unterhalb der „Hell/Dunkel“-Wahl. Die Akzentfarbe wirkt sich auf Symbole und Markierungen aus und hat damit erheblichen Einfluss auf die Gesamtoptik. Eine gezielte Auswahl lohnt sich.

Die Gnome-Systemeinstellungen sind generell überarbeitet. Neben dem schon genannten Punkt „Darstellung“ sind die Punkte „Multitasking“, „Datenschutz“ und „Online-Konten“ hervorzuheben.

Ein neues, Gnome-eigenes Screenshotund Screencast-Werkzeug macht externe Tools überflüssig. Nach der Taste „Druck“ erscheint ein Auswahldialog für Vollbild, Fenster oder Auswahlmarkierung. Mit dem zentralen Aufnahmeknopf landet das Bild in der Zwischenablage und als Datei unter „~/Bilder/Bildschirmfotos/“ (auf deutschem System).

Dorthin gibt es auch noch einen direkten Klickweg, weil die Meldung „Bildschirmfoto aufgenommen“ das Angebot „In Dateien anzeigen“ macht. Falls eine Desktop-Videoaufzeichnung gewählt wird, erscheint in der Systemleiste ein Sekundenzähler der Aufzeichnung, die mit Klick darauf beendet wird. Videos landen unter „~/Videos/Bildschirmaufzeichnungen“. Das Tool ist exzellent und einfach, andererseits aber kein Ding, worauf die Ubuntu-Gemeinde sehnsüchtig gewartet hätte.

Wie gehabt bleibt Ubuntu Gnome das Schwergewicht unter den Ubuntu-Flavours: Ein bis 1,5 GB RAM-Verbrauch wird das System immer anzeigen – ohne jede Softwarenutzung. Ideale Hardware für das System sind jüngere PCs und Notebooks. Dennoch haben die Ubuntu-Entwickler es geschafft, das Desktopsystem auch auf dem Raspberry Pi 4 mit nur zwei GB RAM zu flüssigem Betrieb zu überreden, dies allerdings nur durch die Kernel-Funktion zswap mit komprimierter Auslagerung.

Editionen (2): Kubuntu 22.04 (KDE)

Kubuntu hat als Standardsoftware die üblichen Kandidaten wie Firefox (Snap), Thunderbird, Libre Office und VLC in den aktuellen Versionen an Bord. Beim generell exzellenten KDE-Systemzubehör ist das aktualisierte Softwarecenter Discover 5.24 herauszuheben. Die KDE-Plasma-Oberfläche ist mit Version 5.24 ebenfalls brandaktuell und zeigt als wichtigste Neuerung nach der Tastenkombination Super-W eine Komplettübersicht über geöffnete Fenster, virtuelle Arbeitsflächen (oben) und Suchfeld. Diese Übersicht entspricht optisch wie funktional der „Aktivitäten“-Übersicht von Gnome. Neben dem schnellen Wechsel zu einem anderen Fenster ist per Drag & Drop auch die Umverteilung auf andere Arbeitsflächen möglich. In den gewohnt minutiösen Systemeinstellungen will sich KDE nicht von Gnome überholen lassen und zeigt unter „Erscheinungsbild –› Farben“ bereits seit Version 5.23 eine Palette von Akzentfarben, um Menüeinträge oder Dateiobjekte im Dateimanager einzufärben. Typisch KDE geht der Plasma-Desktop einen Schritt weiter als Gnome und erlaubt auch benutzerdefinierte Farben.

Kubuntu 22.04 ist wie die Gnome-Hauptedition eine gute Wahl für modernere Hardware. System plus Desktop können sich ab Start mit etwa 600 bis 700 MB RAM bescheiden, werden aber nach längerer Sitzung mindestens ein GB RAM beanspruchen.

Editionen (3): Xubuntu 22.04 (XFCE)

Bei Xubuntu gibt es selten Spektakuläres zu berichten, weil dessen Oberfläche XFCE meist über Jahre stagniert. Auch das in Xubuntu 22.04 enthaltene XFCE 4.16 hat seine letzten Änderungen bereits Ende 2020 erlebt. Trotzdem gilt Xubuntu nach der Hauptedition (Gnome) als das beliebteste Ubuntu, weil es geringe Ansprüche an die Hardware stellt, mit praktisch jeder CPU und GPU läuft und in der aktuellen Version 22.04 mit etwa 500 MB für System plus Desktop auskommt. Das ist etwas mehr als bei Lubuntu, aber dafür gibt es hier ein Menü mit Suchfunktion und einen zwar sachlichen, aber hervorragend konfigurierbaren Desktop mit intuitiv einstellbaren Systemleisten.

An Software liefert Xubuntu die üblichen Standardkandidaten Firefox (Snap), Thunderbird, Libre Office und sogar Gimp mit. Seit der letzten Zwischenversion 21.10 ist auch das mächtige Systemtool Gnome-Disks („Laufwerke“) standardmäßig vorinstalliert. Das auf Heft-DVD vertretene Xubuntu „Core“ hat einen reduzierten Softwareumfang und muss in jedem Fall ergänzt werden.

Editionen (4): Lubuntu 22.04 (LXQT)

Die näheren Ursachen sind uns nicht bekannt: Lubuntu 22.04 verbleibt bei der Desktopversion LXQT 0.17, obwohl seit Anfang des Jahres die LXQT-Version 1.0 vorliegt und etwa in Manjaro bereits genutzt wird. Hier stehen wohl die Stabilitätsansprüche einer LTS-Edition vor dem Innovationsanspruch.

Lubuntu war früher das ganz kleine Ubuntu. Der damals für das „L“ verantwortliche LXDE-Desktop ist ein grafischer Dienstleister – nicht mehr. Mit dem seit Lubuntu 18.10 genutzten LXQT-Desktop wird die Oberfläche deutlich attraktiver, verliert aber auch ein wenig den expliziten Sparfokus. Mit 380 bis 450 MB RAM-Verbrauch ab Anmeldung bleibt Lubuntu 22.04 aber immer noch das eindeutig sparsamste Ubuntu. Außerdem ist Lubuntu besonders schnell betriebsbereit und weiterhin das reaktionsschnellste Ubuntu. Die Bedienung mit sehr einfachem Hauptmenü und die Anpassungsmöglichkeiten sind funktional, aber nicht mehr als befriedigend.

UBUNTU 22.04 LTS: ZWEI EDITIONEN AUF HEFT-DVD

Von den sechs offziellen Ubuntu-Editionen (plus Serveredition) finden Sie zwei Desktop-Ubuntus bootfähig als Livesystem mit Installationsoption auf der Heft-DVD. Es handelt sich um die Hauptedition mit Gnome und um das kleinere ressourcensparende Xubuntu in der Core-Version. Letztere enthält System, XFCE-Desktop, Browser und Standard-Systemzubehör, aber kaum Anwendungssoftware. Alle übrigen offiziellen Ubuntu-Flavours erhalten Sie unter den angegebenen Downloadadressen.

Ubuntu 22.04, Hauptedition mit Gnome auf Heft-DVD, Download https://ubuntu.com/download/desktop (3,2 GB)

Xubuntu 22.04 (XFCE-Desktop), softwarereduzierte Core-Edition auf Heft-DVD (1,1 GB), Download https://xubuntu.org/download (2,4 GB)

Kubuntu 22.04 (KDE-Desktop), Download https://kubuntu.org/getkubuntu (3,4 GB)

Lubuntu 22.04 (LXQT-Desktop), Download https://lubuntu.me/downloads (2,4 GB)

Ubuntu Mate 22.04 (Mate-Desktop), Download https://ubuntu-mate.org/download (2,7 GB)

Ubuntu Budgie 22.04 (Budgie-Desktop), Download https://ubuntubudgie.org/downloads (2,6 GB)

Ubuntu Server 22.04, Installer für Server (Desktop optional), Download https://ubuntu.com/download/server (1,3 GB)

Bei der Softwareausstattung kommt Lubuntu nicht an Schwergewichten wie Firefox (auch hier als Snap), Libre Office, VLC oder KDE-Partitionsmanager vorbei, begnügt sich aber sonst mit sparsamen Alternativen wie Dateimanager Pcmanfm oder Taskmanager Htop. Dies lässt sich auf Wunsch mit dem ansehnlichen Discover aus dem KDE-Umfeld jederzeit korrigieren. Discover ist wie in Kubuntu in der nagelneuen Version 5.24 enthalten. Das Werkzeug vereinigt Softwarecenter (inklusive Flatpak) mit Aktualisierungsverwaltung und Firmwareupdater.

Editionen (5): Ubuntu 22.04 Mate

Ubuntu Mate hat neben der mittlerweile obligatorischen Snap-Umgebung und etlichen vorinstallierten Snap-Paketen (Firefox, Software-Boutique, Ubuntu-Mate-Welcome) auch einen Flatpak-Daemon vorinstalliert, ohne allerdings bereits Flatpaks mitzuliefern. Version 22.04 enthält weiterhin den Mate-Desktop 1.26, der schon in der Zwischenversion Ubuntu 21.10 eingesetzt wurde. Version 1.26 erhielt diverse neue Detailfunktionen wie einen sicheren Gastzugang für Fremdnutzer, eine Extra-Sidebar für Lesezeichen im Dateimanager und erweiterte Optionen zur Fensterpositionierung. Die zunehmende Wayland-Unterstützung entlang den Mate-Versionen 1.22, 1.24 und 1.26 wird zwar betont (siehe https://mate-desktop.org), jedoch verzichtet Ubuntu Mate 22.04 auf eine entsprechende Anmeldeoption.

Ubuntu Mate zielt auf Nutzer, die einen klassischen und dabei anpassungsfähigen Ubuntu Mate zielt auf Nutzer, die einen klassischen und dabei anpassungsfähigen Desktop jenseits von Gnome und KDE bevorzugen. Der Desktop ist relativ anspruchslos, das System fordert aber mit etwa 600 MB RAM ab Anmeldung doch deutlich mehr als Xubuntu (oder gar Lubuntu).

Editionen (6): Ubuntu 22.04 Budgie

Diese Ubuntu-Variante präsentiert den Budgie-Desktop in Version 10.6.1. Die Gnome-ähnliche Oberfläche unterscheidet sich von Gnome durch klassische Elemente wie Menü, Systemleiste und einblendbare Seitenleiste. Sie punktet durch vorbildliche Bedienerführung mit kontrastiver Optik und klarem Schriftbild. Die Hardwareanforderungen sind etwas geringer als jene der Hauptedition mit Gnome und liegen etwa auf Höhe der Kubuntu-Edition.

Der überarbeitete „Window Shuffler“ ist eine Budgie-Spezialität, um Tasks in vorgegebene Fensterlayouts zu arrangieren, der Shuffler kann aber auch als Programm-Multistarter dienen. Zahlreiche kleinere Detailverbesserungen gibt es für die Leistenapplets, das Menüapplet und die ausklappbare und somit platzsparende „Raven“-Infoleiste.

Ubuntu Budgie hat neben dem Zwangs-Snap Firefox auch sein Willkommentool als Snap integriert. Die sonstige Standardsoftware entspricht mit aktuellem Libre Office, Thunderbird, Celluloid, Rhythmbox weitgehend den typischen Kandidaten.