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BRANDSCHUTZORDNUNG C NACH DIN 14096


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first class - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 10.11.2021

Wir übernachten in einem Hamburger 4-Sterne- Hotel. Kaum eingecheckt zwingt uns die Sirene zu den Fluchtwegen. Mit nur wenigen anderen Gästen kommen wir hinter dem Haus auf einer Wiese ohne weitere Beschilderung an. Sammelplatz: Fehlanzeige. Am Eingang stehen Mitarbeitende und diskutieren mit Gästen, die damit der Feuerwehr den Zugang behindern. Hilfreiche Informationen: Fehlanzeige. Keiner der Mitarbeitenden macht klare Ansagen. Glücklicherweise war es ein Fehlalarm. Im Februar 2017 sind wir in Dubai. The Torch mit 79 Stockwerken brennt. Wie beim ersten Brand 2015 bringen die Mitarbeitenden mehrere Hundert Bewohner in Sicherheit, klopfen an allen Türen, sind gut trainiert. Die Brände in Baiersbronn und zuletzt in Ettlingen mit verletzten Gästen sind noch in Erinnerung. Die Brandschutzstatistik nennt für 2019 ca. 600 Tote und alle 8 Minuten einen gemeldeten Brand. BMZ, BSO-A und BSO- B, FIZ, ...

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... Online-Alarmierung ist uns allen geläufig. Wie steht es jedoch um den Beitrag der Führungskräfte zur Rettung von Leben für den Zeitraum, bis die Feuerwehr eintrifft. Ist uns bewusst, welche Verantwortung wir für diese 7 bis 10 Minuten haben? Ist alles geregelt und trainiert für diese Phase? Die BSO-A und -B hängen im Hotel an allen Nahtstellen. Die BSO-C muss zwingend von Fachleuten erstellt werden, aber von uns dann auf das Haus und das Team angepasst werden. Auch auf Tag- und Nachtmodus, da bei letzterem häufig nur ein Mitarbeiter oder ein externer Sicherheitsdienst im Haus ist. Einbestellte externe Brandschutzbeauftragte sind im Ernstfall nicht im Haus. Feuerwehren sollen den Brand bekämpfen und nicht durch unsere Versäumnisse bei dieser Aufgabe eingeschränkt werden. Dies könnte auch versicherungsrechtliche Folgen haben. Wir verweilten auch im Highway-Hotel in Herbolzheim. Die Brandschutztüren auf den Fluren sind rund um die Uhr mit Holzkeilen fixiert. Unsere diesbezüglichen Hinweise an die Mitarbeiter blieben ohne Reaktion.

Zielstellung

Wir wollten in Interviews erfahren, wie Hoteldirektoren mit der BSO-C vertraut und ihre Teams trainiert sind. In der C müssen alle Abläufe detailliert beschrieben sein. Sie erst im Ernstfall zu lesen wäre eine Katastrophe. Die Abläufe komplett den Brandschutzhelfern zu überlassen, würde unserer moralischen Verpflichtung gegenüber unseren Gästen und dem Team nicht genügen. Wir fragten bei 25 Hotels einen Interviewtermin an. Wider Erwarten bekamen wir bei der Themennennung fast nur Absagen. Auffällig ist, dass Direktoren von Konzernhäusern auf die Zentrale und deren Verantwortliche verweisen. Im Brandfall sind diese nicht vor Ort. Die Anfrage bei der Presseabteilung der Deutschen Hospitality wurde nicht einmal beantwortet. Auszüge aus den Interviews haben wir anonymisiert in einer Tabelle dargestellt.

Positive Beispiele

Hotel Balance, Leipzig Ein älteres, aber gepflegtes 126-Zimmer-Hotel. Von hinten für die Feuerwehr schwer zugänglich. Mitarbeiter-Hinweise sind Anlage der Dienstverträge. Die BSO umfasst auch die detaillierte Rettung von eingeschränkten Gästen per Trage. Dank des General Managers Falko Kindermann ist vieles vorbildlich. Auch angesichts einer Offline-BMZ. Der sofortige Druck der Gästeliste für die Feuerwehr ist selbstverständlich.

Pullman Hotel Dresden Newa 14 Etagen lassen die Frage nach der längsten Drehleiter in Dresden aufkommen. Eine DDR-geprägte Bauweise und Statik machen es General manager Daniel Schlomann mit der BSO-C nicht leicht. Nicht optimal behindertengerecht, aber ein Feuerwehrfahrstuhl erleichtert auch die Rettung eingeschränkter Gäste. Der GM kennt seine BSO-C, wie seine Westentasche.

Fazit der Umfrage

Insgesamt ein teils erschreckendes Ergebnis. Dass angefragte Direktoren eine BSO-C nicht kennen oder auf ihre Zentralen verweisen, macht nachdenklich. Welche Verantwortung übernehmen sie dann im Brandfall? Dass das 84-Zimmer Hotel Bora in Radolfzell mit trainierten Zweier-Teams alle Zimmer räumt und der GM bei Eintreffen der Feuerwehr eine „Gebäude-leer“-Info nach 8 Minuten aussprechen kann, ist ein positives Beispiel und zeigt, dass es so gehen kann. Es ist mit unsere Aufgabe, für jede Art von Gefahr Antworten und Drehbücher anzudenken. Wenn diese Katastrophen eingetreten sind, müssen wir gegenüber Angehörigen, Geschädigten, Versicherungen und Behörden Zeugnis zur von uns fixierten Gefahrenabwehr ablegen. Da helfen Worte oder Ausflüchte wenig.

Unsere Empfehlungen

Wir wissen sehr wohl, dass sich bei einem Alarm immer weniger Gäste an das Gebotene halten. Schuld daran sind an diesem Umstand auch die vielen und zugleich teuren Fehlalarme. Wir fliegen Weltraumtouristen in den Orbit und bekommen diese Technik teilweise nicht in den Griff. Nehmen sie die beteiligten Firmen in die Pflicht.

Fluchtwegebeschilderungen im Zimmer und den Fluren in Miniformaten nutzen dem Gast wenig. Bei Panik überhaupt nicht. Prüfen sie das, was ihnen von Ingenieurbüros vorgelegt wird und lassen sie korrigieren. Die höchste Drehleiter in Deutschland ist 68 Meter lang. Wird sicher nicht zwingend an Ihrem Standort präsent sein.

Prüfen Sie die Einsatzhöhen vor Ort. Optimieren Sie die Kooperation mit der Feuerwehr. Vor allem dann, wenn es eine Freiwillige ist. Hier tragen Sie und Ihr Team deutlich mehr Verantwortung zur Eigenleistung. Ein Vollbrand, gar über mehrere Zonen hinweg, ist heute eher unwahrscheinlich. Das lässt Ihnen somit Handlungsraum für angepasste Rettungsmaßnahmen. Legen Sie eindeutig fest, wer, wann vor Ort ist und im Ernstfall die Hauptverantwortung trägt. Trainieren Sie Leben zu retten bis zum Eintreffen der Feuerwehr. Berücksichtigen Sie durch Rauchgas bereits bewusstlose sowie ältere oder eingeschränkte Gäste.

Den Planern empfehlen wir, neben den Auflagen zur Fluchtwegebeschilderung an den Fußleisten entlang fluoreszierende Hinweise anzubringen. Die Sammelplatz-Beschilderung muss von allen Ausgängen abgehend verständlich sein. Planen Sie den Umgang mit Ihren Gästen, falls diese länger am Sammelplatz verweilen müssen. Für jede Tageszeit und bei jedem Wetter.

ZUM AUTOR

Peter Rothenhäusler, ehem. Hoteldirektor und Experte im Bereich Servicequalität, nimmt exklusiv für first class Hotels im ganzen DACH- Raum unter die Lupe und deckt in diesem Zuge eventuelle Schwachstellen auf.