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BREITBANDLAUTSPRECHER EXTREM


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LP Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 25.02.2022

Test: Lautsprecher Cube Audio Nenuphar Mini

Artikelbild für den Artikel "BREITBANDLAUTSPRECHER EXTREM" aus der Ausgabe 3/2022 von LP Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: LP Magazin, Ausgabe 3/2022

Gespieltes

Anouar Brahem Blue Maqams

Nina Simone At Carnegie Hall

Bill Evans Trio Live At The Village Vanguard

e.s.t. Live In Hamburg

Eigentlich sollte ich Ihnen raten, sich bei der Suche nach einem neuen Lautsprecher bei den aktuellen Modellen der einschlägig bekannten Boxengroßisten umzusehen. Die haben mit ihren Produkten mittlerweile einen so hohen Qualitätsstandard erreicht, dass noch nicht einmal mehr der Selbstbau einer konventionellen Standbox lohnt. Allerdings gebe ich zu, dass das eine ziemlich pragmatische Herangehensweise an das Thema ist und die liegt nicht jedem. Manche Zeitgenossen suchen die Herausforderung und wollen das Besondere. Koste es was es wolle. Kosten tut es in diesem Falle 12900 Euro pro Paar und ist so besonders, dass man lange nach Vergleichbarem suchen muss.

Die Nenuphar Mini ist ein Produkt des noch relativ jungen Herstellers ...

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... Cube Audio aus Polen. Jener zeichnet sich dadurch aus, dass er sich mit Haut und Haaren dem Archetypus aller Lautsprdcher verschrieben hat, nämlich dem Full-Range-Breitbänder. Soll heißen: Hier obliegt es einem einzigen Treiber, den gesamten musikalisch relevanten Frequenzbereich wiederzugeben. Die heutzutage praktisch obligatorische Aufteilung des Geschehens in zwei, drei oder noch mehr Wege entfällt. Okay, Cube Audio hat auch Modelle mit Subwooferunterstützung, den Kern bildet aber immer ein Breitbänder. Diese Preziosen sind wahre Extremisten in Sachen Konstruktion, Cube Audio baut alle Treiber in Eigenregie. Eigentlich versteht man sich hauptsächlich als Treiberhersteller und verkauft die Preziosen auch einzeln. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es Modelle mit acht und zehn Zoll Durchmesser, es wurden aber schon Prototypen eines 15-Zoll-Typen gesichtet.

Standbox Nenuphar Mini steckt eines der aufwändigsten Chassis von Cube Audio mit dem Namen F8 Neo, das Flaggschiff unter den Acht-Zoll-Typen. Man kann ein Paar davon für 5500 Euro auch ohne Lautsprecherbox drum herum erwerben, falls man für die Konzeption eines passenden Gehäuses seine eigenen Vorstellungen hat. Bei der Nenuphar Mini stecken die Leckereien in meterhohen Standboxen, deren Besonderheiten sich nicht auf den ersten Blick erschließen. Der Lautsprecher muss ein wenig nach hinten geneigt betrieben werden, die Box „atmet“ nämlich über eine Öffnung im Boden. Das Gehäusevolumen wird mittels einer schrägen Trennwand in zwei Abschnitte einer sich zum Boden hin erweiternden „Leitung“ unterteilt. Der Treiber strahlt ziemlich weit am Anfang in diese Leitung ein. Der Hersteller nennt diese Anordnung eine TQWT – „Tapered Quarter Wave Tube“, zu Deutsch in etwa „konisches Viertelwellenlängenrohr“. An dieser Stelle muss ich allerdings mein Veto einlegen, dem Nenuphar-Mini-Gehäuse fehlt nämlich am Ende der Leitung die Querschnittsreduktion – wenn Sie so wollen, eine Bassreflexöffnung – um den Vorgaben des TQWT-Prinzips zu genügen. So wie ich das sehe, haben wir es mit einem lupenreinen einmal gefalteten Horngehäuse zu tun, das gegen den Boden strahlt, was die Messungen der Box auch bestätigen.

Das definierte Kippen des Gehäuses besorgen zwei nadelscharfe Spikes, für die man auf alle Fälle passende Untersetzer benutzen will, zumal man an der Positionierung des Lautsprechers öfter wird arbeiten müssen. Weil: Einfach so hinstellen und Musik hören – das ist bei einem so extremen Konzept wie diesem hier nicht. Die Box hat Charakter, und dem sollte man im Betrieb Rechnung tragen. Jener Umstand resultiert aus zwei Dingen: erstens dem völligen Fehlen jeglicher Form von elektrischer Filterung und zweitens dem ziemlich extremen Treiber. Jener ist nun wirklich ein prächtiges Stück Lautsprecherbau und vereinigt viele Merkmale aus der Frühzeit des Lautsprechers an sich mit sehr modernen technischen Elementen. Die Membran zum Beispiel ist tatsächlich vierteilig. Neben dem großen Konus für die tiefen Töne gibt es noch drei „Schwirrkonusse“, die die Hochtonwiedergabe in unterschiedlichen Bereichen unterstützen sollen. Ohne so etwas wäre der Treiber nicht zu nennenswerter Wiedergabe hoher Frequenzen geeignet. Die Membranen bestehen aus sehr steifem Papier. Den Antrieb dieses Ensembles besorgt eine stattliche Ansammlung von 81 zylindrischen Neodymmagneten, Stahlplatten auf beiden Seiten fokussieren deren Energie dort, wo sie wirken soll. Die sehr kurze Schwingspule bewegt sich immer komplett im Magnetfeld dieser Anordnung, man nennt das einen „Unterhangantrieb“ Sein Hauptvorteil ist die geringe Masse, die der bewegliche Teil davon auf die Waage bringt.

Ebenfalls hoch interessant: die Zentrierspinne, die den Schwingspulenträger an Ort und Stelle hält. Hier gibt’s keine der üblichen geriffelten Gewebemodelle, sondern die schon fast sprichwörtlich gesägte Pertinaxspinne, eine Art flacher Feder aus Hartpapier, die viel weniger Dämpfung hat als übliche Konstruktionen. All das steckt in einer mehrteiligen geschraubten Korbkonstruktion. Nicht ein Teil dieses zweifellos hoch spannende Treibers stammt aus den Regalen der Lautsprecherindustrie, hier ist jede einzelne Komponente eine Sonderanfertigung. So einen Treiber zu bau- en ist eine Kunst und das noch viel mehr, wenn man ihn ohne Filterung betreiben will. Dann muss man nämlich Sorge dafür tragen, dass der praktisch unvermeidliche Frequenzganganstieg zu hohen Pegeln hin nicht unerfreuliche Dimensionen annimmt. Das hat Cube Audio alles in allem sehr gut hinbekommen.

Gemessenes

Messtechnik-Kommentar Der Frequenzgang der Nenuphar Mini zeigt ein paar Besonderheiten. Der Lautsprecher produziert tiefe Töne bis unter die 50-Hertz-Marke, das ist für fast alle Lebenslagen ausreichend. Ab etwa 200 Hertz beginnt der Frequenzgang auf Achse seinen unvermeidlichen Anstieg. Auf Achse tut der Lautsprecher im Hochtonbereich endeutig des Guten zuviel, mittels korrekter Ausrichtung lässt sich das aber recht gut korrigieren. Man kann dem Breitbänder durchaus eine obere Grenzfrequenz von knapp 20 Kilohertz attestieren. Der mittlere Wirkungsgrad liegt bei knapp 90 Dezibel, das ist angemessen. Wir haben es mit einem Acht-Ohm-Lautsprecher zu tun, auffällig ist das saubere Verzerrungsverhalten bei moderaten Pegeln.

Mitspieler

Plattenspieler:

· TechDAS Air Force III

Tonarme:

· Reed 3P

· Transrotor SME 5009

Tonabnehmer:

· DS Audio DSE1

· Ortofon Windfeld Ti

Phonovorstufen:

· DS Audio

· MalValve preamp three phono

· Lehmann Decade Jubilee

Vorverstärker:

· NEM PRA5

· Grandinote Genesi

Endverstärker:

· Silvercore Collector’s Edition

· Grandinote Demone

Gegenspieler

Lautsprecher:

· DIY Mini Onken / Focal / JBL

Ja, richtig. Wir hatten den Cube Audio-Achtzöller schon vor geraumer Zeit unter der Ägide unseres Selbstbaumagazins Klang + Ton in der Mache. Sprich: Wir hatten ein Paar dieser außergewöhnlichen Treiber vor dem Mikrophon, haben die akribisch vermessen, analysiert und für durchaus spannend befunden. An der Realisation eines Projektes damit allerdings sind wir irgendwie gescheitert, weil uns nichts dem Preisschild angemessen Außergewöhnliches dazu eingefallen ist. Die Nenuphar Mini nun lässt mich ein wenig beschämt aus der Wäsche gucken. Technisch ist sie eigentlich keine Sensation, sondern ein solides Standardkonzept, in dem sich der Breitbänder offenbar wohl fühlt. Aber sie ist eben nicht das große sensationelle Ding, das hier eigentlich angemessen wäre. Der Witz an der Sache ist: Das tut offenbar auch nicht Not, es spielt nämlich auch so schlicht fantastisch., wenn man sich der besondereses Lautsprechers einfach hingibt. Und sich von der vollkommen geschlossenen und Leichtigkeit des minimalistischen Konzeptes in den Bann ziehen lässt. Was ziemlich schnell geht. Die Nenuphar Mini ist zwar kein gradwunder, braucht aber nicht viel Leistung, so das eine Vielzahl von Verstärkern in Betracht kommt. Der

Hersteller hat eine Liste mit geeigneten Kandidaten veröffentlicht, in der viele illustre Namen und Konzepte vertreten sind, von 300B-Röhreneintaktern bis hin zu Schaltverstärkern aus modernen Multimedialösungen. Ich lassen den Job zunächst den wunderbaren Hybrid „Collector’s Edition“ von Silvercore machen, das passt perfekt. Der Trick bei der Nenuphar Mini ist der Winkel, mit dem sie in Richtung Zu- hörer strahlen. Gerade aufs Ohr – das ist eindeutig zuviel Präsenzbereich. In den meisten Fällen kommt man mit einer fast parallelen Ausrichtung zurecht und die tonalen Verhältnisse passen bestens. Dieser Lautsprecher ist ein Schatzkiste, in dem unendlich viele Details stecken, der eine wunderbar souveräne Bühne aufspannt und den Zuhörer ganz tief und selbstverständlich in die Musik zieht. Ja, es gibt Einschränkungen beim Maximalpegel und in Sachen Bassausdehnung, aber die verlieren schlagartig an Bedeutung, wenn Musik spielt. Wenn zum Beispiel Anouar Brahems Saitenanrisse völlig ansatzlos im Raum explodieren und Jack DeJonettes Beckentupfer wie von Geisterhand leicht und flüssig daneben Platz nehmen. Alle Musiker auf „Blue Maqams“ präsentieren sich unglaublich locker und unangestrengt. Die Nenuphar Mini lässt uns so tief ins Geschehen eindringen, wie ich es selten erlebt habe. Nina Simones Gänsehaut-Performance bei ihrem Carnegie-Hall-Konzert begeistert mindestens genauso. Bei Bill Evans live eingfangenem Klavier drehe ich die Lautsprecher noch etwas weiter nach außen, dann stimmt auch hier der Ton. Der bruchlosen Abbildung der Nenuphar Mini tut das keinen Abbruch, die Mittenortung funktioniert nach wie vor perfekt. So, und jetzt lassen Sie mich bitte in Ruhe hier und besorgen sich gefälligste einen eigenen Hörtermin mit der Nenuphar Mini. Ich muss derweil noch ganz viele Platten auflegen.

Cube Audio Nenuphar Mini

· Paarpreis: 12.900 Euro

· Vertrieb: KlangLoft München mediabit GmbH, Aschheim

· Telefon: 089 96058981

· Internet: klangloft.de

· Garantie: 2 Jahre

· Abmessungen (B xHx T): 250 x 1000 x 400 mm

· Gewicht: ca. 30 kg

Cube Audio Nenuphar Mini

HiFi Lautsprecher Test-Jahrbuch 2022

Fazit

Keinerlei Filterung, Breitband pur: Selten ging dieser minimalistische Ansatz so hervorragend auf wie bei der Nenuphar Mini. Für den puren Musikgenuss gibt’s kaum Überzeugenderes.

Holger Barske