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»BRENNE FUR DEINE IDEE!«


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founders magazin - epaper ⋅ Ausgabe 34/2022 vom 28.02.2022

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Stehen Gründern heutzutage alle Türen offen? »Die Zeiten haben sich vollständig geändert«, sagt unser Interviewpartner. Und: »Als ich gründen wollte, hat mir keine Bank auch nur 50.000 D-Mark geben wollen. Es gab kein Venture Capital, keine Investoren oder Business Angels. Das Internet, das mit all seinen Möglichkeiten heute so hilfreich ist, steckte damals noch in den Kinderschuhen. Ich habe Geschäftspartner noch in den Gelben Seiten suchen müssen.«

Wir sprechen mit einem, der es wissen muss: Gerold Wolfarth. Das Unternehmertum liegt dem heutigen Gründer verschiedener innovativer Projekte im Blut. Schon in seiner Jugend managte er den elterlichen Bauernhof, aus dem Kinderzimmer heraus gründete er später seine bk Group – ein Unternehmen, das heute Weltmarktführer im Objektausbau und Facility Management ist. Die Idee des jungen Gründers war damals ebenso neu wie effizient: »Was wäre, wenn Kunden sämtliche Gewerke für den Ausbau und die Betreuung ihres Shops aus einer Hand bekämen? Zu einem pauschalen Preis. Und sich dadurch voll und ganz auf ihr Kerngeschäft konzentrieren könnten?« Mit Motivation, Mut und Verkaufstalent schuf der jetzige Großunternehmer quasi aus dem nichts eine Firma, deren Umsatz im Jahr 2018 bereits etwa 40 Millionen Euro betrug und die mittlerweile 235 Mitarbeiter aus 33 Ländern beschäftigt.

Durch die Krise zur Kompetenz

»Social Entrepreneur. Start-up-Investor. Mentor. Chairman THE GROW. Autor«, so liest sich Wolfarths LinkedIn-Profil. Auf jeder Ebene, so scheint es, ist der bk-Group-CEO erfolgreich. Doch das war nicht immer so, denn etwa sechs Jahre nach ihrer Gründung etwa schlitterte seine Firma in Schwierigkeiten: »Zu viele Aufträge für zu wenige gute Mitarbeiter«, fasste Wolfarth vor einigen Jahren die damalige Lage gegenüber dem »Business Insider« zusammen. Und er fügte hinzu, in einer solchen Situation fänden sich viele Startups kurz nach der Gründung wieder.

»ES GAB KEIN VENTURE CAPITAL, KEINE INVES-TOREN ODER BUSINESS ANGELS. DAS INTERNET, DAS MIT ALL SEINEN MÖGLICHKEITEN HEUTE SO HILFREICH IST, STECK-TE DAMALS NOCH IN DEN KINDERSCHUHEN.«

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Wie so oft zu Beginn seiner Karriere wünschte sich der junge Wolfarth auch in dieser schwierigen Zeit einen Mentor, jemanden, der ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen würde. Doch für ihre Solidarität war die Gründersparte damals nicht bekannt. »Einem anderen helfen war nicht angesagt – er oder sie könnte ja einmal der nächste Konkurrent werden«, erinnert sich Wolfarth. Sicher, gut gemeinte Tipps von Außenstehenden gab es auch früher schon: Ein Bankberater etwa riet dem Unternehmer, seine Prinzipien zu überdenken. »Wenn Sie Ihren Papa-Tag mal streichen und die Zeit in Ihre Firma investieren würden, dann hätten wir diese Situation jetzt gar nicht«, lautete der damalige Ratschlag. Doch das kam für Wolfarth auch in Anbetracht seiner Krise nicht infrage, schließ-

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»DIE MEISTEN INVESTOREN INVESTIEREN IN MENSCHEN UND ERST ZWEITRANGIG IN EIN GESCHÄFTSMODELL.«

lich hatte er doch bewusst die Entscheidung für eine Vier-Tage-Woche getroffen, um sich montags gänzlich seinen Kindern zu widmen. Auch die bk Group verkaufen wollte er trotz gutem Angebot nicht. Rückblickend sieht er diese Entscheidung als eine der besten an, die er in seinem Leben getroffen hat.

Leidenschaftlicher Einsatz für Überzeugungen

Als »einer, der nur so handelt, wie er es für richtig hält«, so lässt sich der Gründer Wolfarth wohl am besten beschreiben. Mit einer Entschlossenheit und einer Konsequenz, die später zum Vorbild vieler angehender Unternehmer werden würde, meisterte er die Krise der bk Group. Er mobilisierte seine privaten Mittel, verpfändete sogar sein Haus, um nach wie vor montags für seine Familie da zu sein – und erkannte: Es ist möglich, gleichzeitig sowohl in beruflicher als auch in privater Hinsicht erfolgreich zu sein. Diese Aussage zieht sich wie ein roter Faden durch seinen Ratgeber »Gewinn ist nur ein Nebenprodukt«, der aus diesem Anlass heraus einige Zeit später, im Juni 2019, erstveröffentlicht wurde.

Wolfarths Karriere als Vorbild für aufstrebende Start-ups

Die Ratgeberliteratur ist nicht Wolfarths einziger Weg, um anderen mit seiner Expertise unter die Arme greifen zu können: Angehenden Gründern bietet er auf der Basis seines Erfahrungsschatzes persönliche Coachings an. Ob Lebensmittelhandel oder IT-Start-up: Die Themen können noch so vielfältig sein – Wolfarth nimmt sich ihrer an. Die Hauptverantwortung für den Unternehmenserfolg sieht er ohnehin in der mentalen Einstellung der Gründenden: Stünden diese voll und ganz hinter ihrer Idee, könne er ihnen mit einer feinmaschigen und individuellen Betreuung weiterhelfen, so seine Überzeugung. Selbstverständlich sei es auch wichtig, dass seine Coachees branchenspezifisches Fachwissen aufwiesen, Durchhaltevermögen besäßen und sich darüber hinaus gut verkaufen könnten, denn er weiß: »Die meisten Investoren investieren in Menschen und erst zweitrangig in ein Geschäftsmodell.« Daher blieben angehenden Unternehmern oftmals lediglich Sekunden, um mit ihrer Idee und von sich selbst überzeugen zu können. Durch seinen Erfahrungsschatz versteht Wolfarth auch, dass nicht in jedem Menschen ein Gründer oder eine Gründerin schlummert. Doch sofern die Person für ihre Idee brenne, ließe sich alles Weitere erlernen, so das Credo des langjährigen Unternehmers.

Erfolgsfaktoren in einer vernetzten Welt

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Welchen Stellenwert haben äußere Faktoren noch in einer immer digitaler werdenden Welt? Diese Frage könne man so pauschal nicht beantworten, sagt Wolfarth. Schließlich richte sich die Bedeutung der einzelnen Aspekte nach den Gegebenheiten der jeweiligen Branche – hier sei vor allem die Kundenerwartung entscheidend. Wie persönlich etwa der Kundenkontakt sein müsste, sei also bei einem Online-Lieferdienst völlig anders zu bewerten als bei einem Herrenausstatter. Zudem ließe sich zwar insgesamt feststellen, dass die Frage nach dem Standort des Start-ups allmählich an Wichtigkeit verliere, dennoch sei nicht von der Hand zu weisen, dass ein Unternehmen, das Mobilität in den Fokus rücke, in einem Ballungsraum besser aufgehoben sei.

Die Bedeutung, die der Digitalisierung in der Start-up-Szene zukäme, ließe sich seiner Ansicht nach gar nicht hoch genug einstufen. Das beginne bereits mit der Kommunikation: »Junge Gründerinnen und Gründer wollen den Austausch und die digitale Welt bietet uns unendliche Möglichkeiten«, erklärt Wolfarth. Zwar könnten auch Start-ups im analogen Bereich schnell wachsen, dass aber viele seiner Kollegen den Schwerpunkt immer noch auf althergebrachte Kommunikationsmittel setzen, findet er schade. Er selbst macht es anders: Um junge Gründer beziehungsweise Gründerinnen erreichen und unterstützen zu können, nutzt er für seine Kurse insbesondere digitale Kanäle: So könnten die Teilnehmenden seiner diversen Mentoring-Programme per Videocall jederzeit engmaschig betreut werden. Darüber hinaus gäbe es für die Mentees die Möglichkeit, sich in Gruppencalls miteinander zu vernetzen.

»An Klimabewusstsein führt kein Weg vorbei«

Den Erfolg nicht nur erreichen, sondern auch dauerhaft festhalten können – das strebt Gerold Wolfarth sowohl für sich selbst als auch für die Laufbahn seiner Mentees an. »Nur wer sich auch einmal zurücknehmen und die Dinge von außen betrachten kann, wird langfristig erfolgreich sein können.« Diesen Leitsatz hat er ausgehend von seinen eigenen beruflichen Erfahrungen formuliert. Für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens spielt seiner Meinung nach auch die Klimabilanz eine immer relevanter werdende Rolle. Klimabewusstsein müsse dem Unternehmer zufolge einen hohen Stellenwert einnehmen, schließlich gäbe es keinen Planeten B. Die Verantwortung für ein nachhaltiges Leben sieht er unter anderem bei den Unternehmen. Hier geht er selbst mit gutem Beispiel voran: Seit dem Jahr 2021 ist seine bk Group AG klimapositiv. Im Jahr 2022 eröffnet er nach eigenen Angaben zudem mit der bk World »die modernsten Ladeparks der Welt«, um damit die »Tankstelle der Zukunft« zu kreieren – ebenfalls klimapositiv!

»NUR WER SICH AUCH EINMAL ZURÜCKNEHMEN UND DIE DINGE VON AUSSEN BE- TRACHTEN KANN, WIRD LANGFRISTIG ERFOLGREICH SEIN KÖNNEN.«

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