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BROWNING „X-BOLT PRO CARBON“ Leicht gemacht


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 18/2019 vom 19.09.2019

Bei Browning purzeln die Pfunde. Nur knapp 2,7 kg bringt der neue Repetierer auf die Waage. Claudia Elbing und Michael Schmid führten ihn im Kaliber .30-06 Spr. auf der Blattjagd.


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Foto: Claudia Elbing

Zeitgemäß: Das „M 14 x 1“ Gewinde ist serienmäßig.


Ein Hitzerekord jagt den anderen. Bei 33 °C ist die lange Hose zu viel, eine Jacke sowieso und erst recht eine schwere Büchse. Schon der Gedanke an den Pirschgang treibt Schweißtropfen auf die Stirn. Was uns eher lästig ist, kommt Rehwild Ende Juli wie gerufen. Die Ricken locken, und die Böcke treiben. Also nichts wie raus. Insektenspray auf Arme und Beine, ...

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Ein Hitzerekord jagt den anderen. Bei 33 °C ist die lange Hose zu viel, eine Jacke sowieso und erst recht eine schwere Büchse. Schon der Gedanke an den Pirschgang treibt Schweißtropfen auf die Stirn. Was uns eher lästig ist, kommt Rehwild Ende Juli wie gerufen. Die Ricken locken, und die Böcke treiben. Also nichts wie raus. Insektenspray auf Arme und Beine, Mütze, Sonnenbrille und natürlich die neue „X-Bolt Pro Carbon“. Für körperlich fordernde Jagdbedingungen ist die superleichte Testbüchse wie geschaffen.

Mit der auf der IWA 2019 vorgestellten Modellreihe „Pro“ erweitert Browning das „X-Bolt“-Angebot. Zusätzlich zu bewährten Standards, wie dem trockenstehenden „Super-Feather-Trigger“ und der doppelten Kunstharzbettung, bieten die drei Modelle Ausstattungsmerkmale, wie Kannelierung, handgeläppte Läufe und Wolfram-Cerakote-Beschichtung auf allen Metallteilen. Neben der klassisch holzgeschäfteten „X-Bolt Pro Grade 5“ und der auf Präzision getrimmten „X-Bolt Pro Long Range GRS“ präsentiert sich die „Carbon“ als sportliche, funktionale Variante. Erhältlich ist die Büchse (Preis: 2290 €, ohne ZF) in den Kalibern .243 Win., 6,5 mm Creedmoore, .270 Win., 7 mm Rem. Mag., .308 Win. und .30-06 Spr. Im Lieferumfang enthalten ist eine Cerakote-beschichtete Ring-Festmontage (30 mm).

Erst gestern hatten wir bei Revierarbeiten aus den Augenwinkeln einen Bock beim Treiben beobachtet. Nur kurz, dann verschwanden beide Stücke in der dichten Naturverjüngung aus Fichte, Tanne und Buche. Mal sehen, ob die beiden heute noch zu Gange sind. Nur wenige Handgriffe und die „X-Bolt Pro Carbon“ ist startklar. Über einen in einer Mulde positionierten und so gegen unbeabsichtigte Betätigung geschützten Druckhebel wird das Magazin entriegelt. Die formschöne, leichte Kunststoffpackung fasst bogenförmig angeordnet vier Patronen (4 + 1) und ist im Handumdrehen aufmunitioniert. Ein Klaps auf den Boden und das Magazin rastet zuverlässig an zwei federbelasteten Punkten ein.

Der Verschluss lässt sich fast spielfrei und mit wenig Druck nach vorn schieben. Bei kannelierten Systemen mit reduzierter Führungsfläche ist das keine Selbstverständlichkeit. Verriegelt wird mit drei sternförmigen Warzen und einer 60°-Drehbewegung in der Stahlhülse. Der 53 cm lange Lauf ist fest verschraubt, ein einfacher Kaliberwechsel scheidet damit aus. Lästig ist der sich immer wieder lockernde Abschluss des Kammerstängels. Das darf bei einem Premium-Repetierer eigentlich nicht passieren. Hier wurde die Klebstoff-Sicherung im Gewinde vergessen.

Der Abschluss des Kammerstängels lockerte sich wiederholt. Eine Klebstoffsicherung im Gewinde fehlte.


Durchdacht und praxisorientiert ist das Sicherungssystem der „X-Bolt“. Der für Rechts- und Linkshänder gut zu erreichende Schieber auf dem Kolbenhals blockiert sowohl Züngel als auch Schlagbolzenmutter. Ein praktischer Drucktaster auf dem Kammerstängel hebt die Kammersperre auf und erlaubt Laden im gesicherten Zustand. Gut sichtbare, rote Markierungen an Schlösschen und Sicherung signalisieren den gespannten, feuerbereiten Zustand.

Auf einer dicht bewachsenen Rückegasse führt die Pirsch durch das Altholz. In der Mitte lockt eine große, sonnige Kulturfläche. Treibt der Bock noch? Das Mückenspray hält lästige Plagegeister fern, dafür sorgen Himbeeren und Brennnesseln für gut durchblutete Waden. Die Hände sind längst feucht, und in regelmäßigen Abständen fallen Schweißtropfen auf die Büchse. Kein Problem, im gesamten Testzeitraum verhinderte die Wolfram-Cerakote-Beschichtung der Metallteile zuverlässig Korrosionsbildung. Auch Kratzer waren trotz intensiver Nutzung nicht zu verzeichnen. Als robust und unempfindlich bewährte sich die Oberfläche des Karbonschaftes.

Eine Wohltat sind die immer wieder eingelegten Lauschund Beobachtungspausen. Im Schatten der alten Fichten kommt der Körper zur Ruhe. Nichts ist zu sehen und nichts zu hören. Macht Blatten jetzt Sinn? Ungeduld ist ein schlechter Ratgeber, also besser nicht. Weiter geht es bergauf, in Richtung Lichtung. Dabei punktet die nur 2,7 kg schwere Büchse als echtes Sportgerät. Gut ausbalanciert und mit einer führigen Gesamtlänge von 107 cm ist die „X-Bolt Pro Carbon“ auch unter hochsommerlichen Bedingungen kein Klotz am Bein. Der kannelierte, an der Mündung nur 14 mm starke Lauf und der extrem leichte Karbonschaft ermöglichen das abgespeckte Gewicht.

Fotos: Claudia Elbing

Der Verschluss gleitet leicht und fast spielfrei in der Stahlhülse.


Mit vier Patronen (4 + 1) ist das Magazin ein guter Vorrat.


Die Außenhaut, das Laufbett und der Rückstoßblock bestehen aus einer Kunststoffmatrix mit doppellagig eingebetteten Karbonfasern. Das ausgehärtete Material ist in Faserrichtung extrem zugfest und steif. Um unterschiedliche Belastungen zu bewältigen, wechseln die Gewebelagen karoartig im Laminat. Gefüllt ist der Karbonmantel mit einem leichten Schaumstoffkern. Das bringt zusätzliche Stabilität, und der typisch hohle Klang vieler billiger Kunststoffschäfte entfällt. Für einen passgenauen Systemsitz sorgt eine doppelte Kunstharzbettung. Sie erfüllt bei der Testwaffe ihren Zweck, sorgfältig gearbeitet sind die Plastikkleckse jedoch nicht. Sicheres Waffenhandling garantieren die rauen Handauflagen an Vorderschaft und Pistolengriff.

Am Altholzrand angekommen, schweift der Blick über die gut einzusehende Kultur – nichts. Vielleicht machen die beiden Pause und liegen gut getarnt im weichen Moos. Warten oder blatten? Beherzt geht der Griff zum Instrument. Kaum ist der erste Kitzfiep verklungen, stehen wie hingezaubert Geiß und Bock auf 80 m in den kniehohen Fichten. Ein kurzer Rundumblick und wie von der Tarantel gestochen geben beide Gas. Ist das jetzt Treiben oder eine Flucht? Hier hilft nur Tempo. Im Laufschritt geht es über die Kultur, die leichte Büchse am langen Arm. Die Rehe verschwinden in einer kleinen Eichendickung.

Eine kurze Verschnaufpause und mit bereits auf dem Dreibein gebetteter Waffe erfolgt der nächste Fiep. Zuerst passiert nichts, doch nach der zweiten Serie leuchtet es rot aus den Eichen. Staksig wagt sich die Geiß aus dem schützenden Grün. Wenige Sekunden später folgt der Bock. Beide stehen auf 50 m spitz. Leise gleitet der Sicherungsschieber nach vorn. Der Leuchtpunkt des auf vierfach gestellten Leica „Fortis 62 – 12 x 50“ zeigt auf den Stich. Das geht gar nicht, Wildbrethygiene und Waidgerechtigkeit verbieten diesen Schuss. Nur wenige Sekunden später stellt sich der Bock breit. Das Absehen saugt sich hinter dem Blatt fest. Langsam erhöht der Zeigefinger den Druck auf das griffig, breite Züngel. Trocken und ohne Vorweg bricht der Schuss bei einem praxisorientierten Auslösegewicht von 1100 g.

Der Bock steilt hoch und liegt nach kurzer Flucht. Blitzschnell ist die Browning nachgeladen. Die dank federbelastetem Ausstoßer und Auszieher sicher ausgeworfene Hülse fliegt im hohen Bogen ins Gras. Etwas länger dauert die erneute Zielaufnahme. Die superleichte Büchse springt im Schuss wie ein bockiger Esel. Erst nach längerem Suchen zeigt deshalb das Absehen wieder auf das Ziel. Im Körper ist keine Bewegung mehr. Die Geiß flüchtet und zieht laut schreckend durch das angrenzende Altholz.

Ein Druck auf den Taster hebt die Kammersperre auf.


Der Schieber auf dem Kolbenhals blockiert das Züngel und die Schlagbolzenmutter. Ein roter Punkt signalisiert „Feuer“.


Fotos: Claudia Elbing

Am Stück leuchtet ein kleiner roter Fleck hinter der Blattschaufel. Wie abgezirkelt hat das bleifreie Browning „BXS Solid Expansion“ den Wildkörper gefasst. Kein Wunder: Bereits auf dem Schießstand überzeugte die Büchse mit dem 11,7 g schweren Kupfer-Deformationsprojektil durch exzellente Schussleistung. Das geht zu einem guten Teil auf das Konto der handgeläppten, also mit einer Schleifpaste nachpolierten Läufe. Die Streukreise lagen ausnahmslos unter 25 mm (5 Schuss, 100 m, Harris-Zweibein). Das beste Schussbild brachte es gerade mal auf 20 mm. Auch mit anderen Laborierungen kam die „X-Bolt Pro Carbon“ bestens zurecht. 22 mm betrug der Streukreis mit der 9,5 g schweren Brenneke „TUG nature“, 24 mm mit der Geco „Plus“, 11 g.
Um der leichten Büchse solche Ergebnisse abzuringen, braucht es routinierte und wesensfeste Schützen. Egal wie man die Waffe bettet, das Absehen bleibt ständig in Bewegung. Es fehlt, und das lässt sich nicht wegdiskutieren, die präzisionsfördernde Ruhe eines soliden, 3,5 kg schweren Repetierers. Noch beherrschbar ist der Rückstoß der Browning. Hier macht sich die hohe elastische Energieaufnahme des Karbonschaftes positiv bemerkbar.

Auch die weiche, mit zwei Distanzelementen längenverstellbare „Inflex II“-Schaftkappe (Kolbenmaß wahlweise 345, 353 oder 360 mm) schluckt einen Teil des Kicks. Trotzdem passen Kaliber und Büchse nicht zusammen. Mit der ebenfalls erhältlichen .308 Win. wäre, bei geringfügig reduzierter Leistung, ein höherer Schießkomfort zu erzielen. Handzahm wird dagegen die „X-Bolt Pro Carbon“ mit einem aufgesetzten Schalldämpfer (im Test ERA „SOB 2“). Dank serienmäßigem „ M 14 x 1“-Mündungsgewinde ist das ohne Zusatzkosten möglich.

Mit leicht und führig ist dann jedoch Schluss. Die Kombination bringt es ohne Zielfernrohr auf fast 3,2 kg und eine Gesamtlänge von 118 cm.

Fazit: Im Test hat sich die „X-Bolt Pro Carbon“ als robustes, präzises und ultraleichtes Sportgerät bewährt. Das richtige Kaliber vorausgesetzt, ein perfekter Partner für körperlich fordernde Jagdabenteuer. Wer hohen Schießkomfort schätzt, ist mit einer schweren Büchse besser bedient.

Nicht formschön, aber zweckmäßig: die Kunstharzbettung sorgt für passgenauen Systemsitz.


Browning mag Browning: Ausgezeichneter 20-mm-Streukreis mit der „BXS“.