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Brustkrebs bald besiegt?


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 6/2020 vom 31.01.2020

Weltweit steigt die Überlebensrate für Brustkrebs, die Heilungs-Chancen sind so groß wie bei kaum einer anderen Tumor-Erkrankung. Dafür sorgen Rechner mit künstlicher Intelligenz, clevere Spür-Gene und ultrakurze Bestrahlungen


Sensationelle Studien und neue Therapien

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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 6/2020

Die Mammografie des Brustgewebes ist wichtiger Bestandteil der Früherkennung. Neue Geräte zeigen auch kleine Tumore


Dr. Kay Friedrich


Medizinischer Leiter Mammazentrum am Krankenhaus Jerusalem, Hamburg

Er ist die Urangst fast jeder Frau. Mit der Diagnose Brustkrebs verbinden mehr als 90 Prozent von ihnen Chemo- therapie, Kampf, ...

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... Hoffnungslosigkeit, Tränen … Tatsächlich bekommt jede achte Frau laut Statistik des Zentrums für Krebsregisterdaten in Berlin diese häufigste weibliche Tumor-Erkrankung. „Doch dank modernster Früherkennung und neuer, maßgeschneiderter Therapien hat die Diagnose heute an Schrecken verloren“, sagt Privat-Dozent Dr. Kay Friedrichs, medizinischer Leiter des Mammazentrums Hamburg am Krankenhaus Jerusalem. „Noch nie war Brustkrebs so gut heilbar wie heute.“ Die beste Nachricht: Im Frühstadium können Ärzte ihn schon heute zu rund 80 Prozent besiegen. Und in naher Zukunft wird die Erfolgsrate noch weiter steigen.

Mikroperlen statt Infusions-Chemo

Krebszellen tarnen sich zwar meisterhaft vor den Killerzellen des Immunsystems. Doch neuartige Wirkstoffe zeigen sie der Körperabwehr so genau an wie ein Smartphone- Navi. An der Universität Yale ist es z. B. in einer Pilotstudie gerade gelungen, Zehntausende Gene mikrobiologisch so zu verändern, dass sie gewissermaßen als Wolfsrudel auf Krebszellen-Jagd gehen. Sie spüren versprengte Tumorzellen sogar in den entlegensten Körperregionen auf. Die Abwehr hat dann leichtes Spiel. Oft kann dann eine Chemotherapie erspart bleiben. Um die quälenden Infusionen zu vermeiden, verpacken Bioingenieure der japanischen Tohoku-Universität die Zellgifte in winzigste Mikroperlen. Diese steuern sie dann per Ultraschall über das Lymphsystem zielgenau zu den Tumoren – eine Chemo ohne Nebenwirkung. Und eine jetzt am Institute of Cancer Research London vorgestellte Medikamenten- Studie zwingt Krebszellen durch die Substanz BOS172722 dazu, sich schneller zu teilen. Das macht sie angreifbarer, empfindlicher, sie sind leichter abzutöten. Das Mittel wird derzeit an Frauen mit dem hoch aggressiven, triple negativen Brustkrebs klinisch erprobt.

Neue Strahlentherapie wirkt sekundenschnell

Auch bei der Strahlen-Behandlung gibt es Neues. Ein Strahlen-Beschleuniger an der Universität Stanford gibt die gesamte Röntgendosis mit einem einzigen Impulsblitz punktgenau nur auf die Krebszellen ab, verschont umliegendes Gewebe. Statt der üblichen fünf bis zehn Minuten dauert die Bestrahlung gerade mal eine Sekunde. Das Gerät befindet sich derzeit im klinischen Test. Bereits im Einsatz ist die „intraoperative Elektronen- Radiotherapie“. Ein Linearbeschleuniger erzeugt einen hoch dosierten Elektronenstrahl, der noch während der Operation direkt aufs Tumorbett gerichtet wird. Ein bis zwei Minuten lang, auf den Punkt, schonend für benachbartes Gewebe und Organe. Strahlenzentren setzen auch immer stärker auf die neue Hypofraktionierte Strahlentherapie, die die Gesamtbehandlungszeit auf etwa drei Wochen verkürzt. Weil sie statt üblicher 2 Ray pro Sitzung eine etwas höhere Strahlendosis von 2,6 bis 3,3 Ray hat. „Und das bei gleicher Therapiesicherheit, aber mit selteneren Nebenwirkungen wie z. B. akuten Hautreaktionen“, sagt Dr. Friedrichs.

Künstliche Intelligenz zerstört den Krebs punktgenau

Eine noch gezieltere Zerstörung von Krebszellen erreichen Rechner mit künstlicher Intelligenz. An der Universität London ist es bereits gelungen, einen bestimmten Brustkrebs-Typ in fünf neue Unterformen zu untergliedern. Und für jede einzelne die passende Therapie gleich mit herauszufiltern: Zwei sprachen in der Studie z. B. besser auf eine Immuntherapie an, bei der das Abwehrsystem aktiviert wird. Bei einer Unterart zeigte sich, dass der Östrogenrezeptor-Blocker Tamoxifen nicht so gut wirkte wie Aromatase-Hemmer. Die Methode wird noch während der Operation eingesetzt, sodass schon nach kürzester Zeit der optimale Behandlungsplan eingeleitet werden kann.

Tumor wird schon im Frühstadium aufgespürt

Auch bei der Früherkennung von Brustkrebs hilft Künstliche Intelligenz. Sie erhöht die Treffsicherheit der fortgeschrittensten Mammografie, der digitalen Tomosynthese (einige Kassen zahlen, Selbstzahler- Kosten ca. 120 Euro), um fast 10 Prozent. Und die neuartige 3-D-Mammografie entdeckt 41 Prozent mehr und kleinere Tumore als die klassische Methode. „Sie verbessert vor allem bei dichtem Brustgewebe jüngerer Frauen die Früherkennung, indem sie Schichtaufnahmen macht“, erklärt Dr. Friedrichs. Es kommt auch seltener zu erneuten Untersuchungen wegen einer zuerst unklaren Diagnose.

Knochenzellen gegen Metastasen

Oseoblasten sind Knochenzellen, die Tumore bremsen können


An der Stanford University School of Medicine haben Bio-Ingenieure ein synthetisches Eiweiß-Molekül entwickelt, das überaktive Signal- Rezeptoren auf der Krebszellen-Oberfläche erkennt und vernichtet. Gesunde Zellen bleiben verschont. Und an der Thomas Jefferson University haben Forscher entdeckt, dass bestimmte Knochenzellen, Osteoblasten, das Wachstum von Metastasen stark verlangsamen. Bahnbrechend wirken auch niederfrequente, elektromagnetische Felder, die an der Universität Ohio entwickelt worden sind. Sie verhindern Tochtergeschwulste.

Vorbeugung: Zuckerverzicht hilft

→Eine niederländische Studie zeigt z. B., dass 26 Prozent der Brustkrebs-Erkrankungen nach der Menopause auf eine ungesunde Lebensweise zurückzuführen sind: Übergewicht, Alkohol, Bewegungsmangel, Rauchen, Schlafdefizite, zu wenig Ballaststoffe. Hier kann Vorbeugung ansetzen: Allein schon die Reduzierung von Zucker etwa in Getränken oder Süßspeisen senkt das Risiko um 22 Prozent, berichtet jetzt das British Medical Journal. Und eine aktuelle Harvard-Studie an über 180 000 Frauen belegt: Frauen, die nach dem 50. Lebensjahr abnehmen und ihr Gewicht halten, laufen um bis zu 26 Prozent seltener Gefahr, an einem Brustkrebs zu erkranken.

Eine Studie zeigte, dass viel Vollkorn in der Ernährung vor Brustkrebs schützen kann


Fotos: 123RF, Alamy Stock Photo, Getty Images, privat