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BUCHMESSE LEIPZIG: Sie lässt die alten Helden weiterleben


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SUPERillu - epaper ⋅ Ausgabe 13/2019 vom 21.03.2019

DerKinderbuchverlag Berlin feiert 70. Geburtstag. Andrea Baron vom Beltz-Verlag bringt die beliebtesten Klassiker aus DDR-Zeiten neu heraus. Auf der Leipziger Buchmesse, die am 21. März öffnet, zeigt sie eine große Auswahl


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Bildquelle: SUPERillu, Ausgabe 13/2019

Und wenn sie nicht gestorben sind …: Beltz-Lektorin Andrea Baron mit der von Werner Klemke illustrierten Grimmschen Märchensammlung (Erstausgabe 1962, Neuausgabe 2012)


Bestseller bleiben Bestseller“, sagt Andrea Baron, 35. Sie ist als Lektorin bei der Verlagsgruppe Beltz zuständig für den „ Beltz KinderbuchVerlag“, wie der Nachfolger des „Kinderbuchverlags Berlin“ heute heißt. ...

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... Zuletzt hat sie, pünktlich zur Leipziger Buchmesse, den DDR-Klassiker „Der Märchenschimmel“ (Rodrian/ Meyer-Rey) als Neuausgabe eingerichtet. Für Fred Rodrian (1926-1985) wurde das 1959 erstmals publizierte Buch zum erfolgreichsten überhaupt. Es spricht viel dafür, dass der „Schimmel“ auch jetzt ein Renner wird.

Unter den rund 4 700 Titeln, die der Ostberliner Kinderbuchverlag von 1949 bis 1990 veröffentlichte, müssen viele solcher Hits gewesen sein. Sonst wäre an dieser Stelle nicht eine sagenhafte Gesamtauflage zu vermelden: 270 Millionen! Lektorin Baron: „Der DDR-Verlag verfügte über einen riesigen Fundus - ein wichtiges Stück deutscher Kinderbuchgeschichte. Die erfolgversprechendsten dieser Bücher legen wir bei Beltz neu auf.“

Als 2002 das Weinheimer Verlagshaus die Rechte des „Kinderbuchverlags Berlin“ übernahm, wurde mit dem „Beltz KinderbuchVerlag“ ein eigener Geschäftsbereich (Imprint) gegründet. Erfolgreichster Einzeltitel mit beeindruckenden 130 000 Exemplaren ist „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“ (Erstausgabe 1969, Neuausgabe 1999). Übertroffen wird das nur vom 2009 erschienenen Sammelband „Erzähl mir vom kleinen Angsthasen“, von dem 250 000 Stück über den Ladentisch gingen und der sich monatelang in der Kinderbuch-Bestsellerliste hielt.

Die Lektorin weiß , weshalb sich rund 80 Prozent der Auflage in Ostdeutschland verkaufen: „Buchtitel und Autoren haben dort noch immer einen familiären Klang, wecken Erinnerungen. Deshalb verändere ich die Reprints auch kaum. Denn ein Kinderbuch muss zuerst den Käufern, nicht den Kindern gefallen.“ Wie gut, dass Andrea Baron mit einem Bestand arbeitet, bei dem das schon millionenfach klappte.

Dieses Foto zum 40. Verlagsjubiläum am 1. Juni 1989 zeigt viele der rund 150 Mitarbeiter vor dem Verlagsgebäude Behrenstraße 40 in Berlin-Mitte


Die Originale muss sie sich oft über Ebay besorgen oder von der Berliner Staatsbibliothek ausleihen. Denn die Reste des Verlagsarchives, die Beltz 2002 übernahm, geben nicht mehr viel her. Einiges ging im turbulenten Nachwende-Jahrzehnt bei Eigentümerwechseln und Umzügen verloren, anderes wurde an Archive abgegeben - ein Schicksal, das der Kinderbuchverlag mit der gesamten DDR-Verlagsbranche teilt. Immerhin, es gibt ihn noch!

Denn das trifft nur noch auf zehn von den 78 Verlagen zu, die es 1989 in der DDR gab. Sie produzieren mit acht Prozent ihrer ehemaligen Mitarbeiter 18 Prozent der Titel aus dem letzten DDR-Jahr. Damit entfallen auf den Osten (ohne Berlin) 2,2 Prozent der Titel und 0,9 Prozent des Umsatzes der gesamtdeutschen Buchbranche. Diese Zahlen, die der Autor und Verleger Christoph Links für sein Buch „Das Schicksal der DDR-Verlage“ recherchierte, stammen von 2009. Es wäre überraschend, hätten sie sich „verbessert“.

einige der rund 4 700 Titel des „Kinderbuchverlags Berlin“, der jährlich über 628 Tonnen Papier zugeteilt bekam und damit ein Schwergewicht unter den DDR-Verlagen war. Rechts: Der „Angsthase“ von Elizabeth Shaw (Erstausgabe 1964) ist auch heute noch ein Bestseller-Garant


Katrin Pieper war ab 1975 Cheflektorin des Kinderbuchverlags, 1992 gründete sie den „leiV“-Verlag


„Buchtitel und Autorennamen wecken bei den Käufern im Osten offenbar viele Erinnerungen.“
Andrea Baron, Lektorin


Beim Einrichten der Neuausgaben wird nur die Orthografie aktualisiert, die Optik etwas aufgehellt


Man kann diese Entwicklung kritisieren und die Praxis der Treuhand hinterfragen: Warum verkaufte sie Ost-Verlage lieber an die direkte West-Konkurrenz, statt beherzten Mitarbeitern eine Neustart-Chance zu geben? So wurde 1992 das Übernahmekonzept der langjährigen Cheflektorin des „Kinderbuchverlags Berlin“, Katrin Pieper, abgelehnt, der Ost-Verlag mit 16 Lektoren für 1 DM an einen West-Verleger verhökert.

Man kann sich aber freuen, dass Andrea Baron aus dem alten Berliner Bücher-Fundus nun Jahr für Jahr sechs alte Schätze hebt, dass der „Kinderbuchverlag Berlin“ weiterlebt und dieser Tage seinen 70. Geburtstag begeht. Am 22. März wird im Rahmenprogramm der Leipziger Buchmesse im Theater der Jungen Welt groß gefeiert!

Der Angsthase und der kleine Uli flüchten vor dem bösen Fuchs


FOTOS: SUPERillu/Tim Wegner (4), Neues Deutschland Archiv, BELTZ Der Kinderbuchverlag