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Bühne frei


Bergsteiger - Das Tourenmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 13.08.2021

Blauburgunderweg

Artikelbild für den Artikel "Bühne frei" aus der Ausgabe 9/2021 von Bergsteiger - Das Tourenmagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Wein so weit das Auge reicht, am Blauburgunderweg von Montan nach Glen

Er braucht viel Zuwendung, ist sensibel und eigenwillig. Der Blauburgunder gilt als die Diva unter den Weinsor¬ten. »Für Winzer ist er die Kö¬nigsdisziplin«, erklärt Daniel Pfitscher. Nur mit viel Fingerspitzenge¬fühl wird aus ihm ein edler Tropfen. Im Keller des Weinguts Pfitscher bei Mon¬tan bekommt er in Holzfässern seinen Feinschliff. Alle zwei Wochen wird er verkostet und gibt sich dabei ausgespro¬chen launisch. »Man muss ihn wie ein pubertierendes Kind behandeln.« Daniel Pfitscher ist im Familienunternehmen für den Vertrieb zuständig. Für ihn spielt der Blauburgunder in einer eigenen Li¬ga. Weinkenner schwärmen von seiner Eleganz und Leichtigkeit. Geschulte Gau¬men erkennen Aromen von Erdbeere, Kirsche und Veilchen.

Auf der sonnigen Hangterrasse von Montan, 15 Kilometer südlich von Bozen, findet der Blauburgunder Bedingungen, wie er sie liebt. Aus dem Süden weht die wanne Ora. ...

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... Die Nächte sind kühl, die kalkhaltigen Böden nicht zu trocken. Auf den Lagen bei den Weilern Gien und Ma- zon wächst einer der besten Blauburgun¬der weltweit. Pionieren wie Klaus Pfit¬scher, Daniels Vater, ist es zu verdanken, dass die begehrte Traube nach Südtirol kam. Bis in die 1970er-Jahre baute man vorwiegend den günstigen Vernatsch an. Junge Winzer wollten Neues wagen. »Sie waren richtige Rebellen«, erzählt Daniel Pfitscher. In anderen europäischen Wein¬anbaugebieten sammelten sie Erfahrun¬gen und brachten sie mit zurück, gegen den Widerstand der älteren Generatio¬nen. Es erwies sich als weitsichtig — Süd¬tirol steht heute beim Wein für Qualität.

Ein Weg für den Wein

Die Region hat dem König der Weine ei¬nen eigenen Weg gewidmet. »Wir wollten dem Blauburgunder eine Bühne geben«, erklärt Lukas Varesco von der Touris¬musgenossenschaft Casteifeder — eine Bühne, die einer Diva würdig ist. Der Blauburgunderweg ist eine spannende Entdeckungsreise in die Welt des Wein- anbaus und ein Streifzug durch eine Re-gion, die reich an Geschichten ist. Eine einfache Wanderung mit verschiedenen Stationen, an denen Wanderer Histo¬ risches und Kurioses, Sagenhaftes und Überraschendes erfahren. Sie lernen den Saltner kennen, einen furchte inflößen¬den Gesellen mit Federn, Hellebarde und Säbel, der Weindiebe abschrecken sollte. Von Erntehelferinnen aus abgelegenen Tälern wird erzählt, für die die Weinlese ein Heiratsmarkt war.

Auch die Fleimstalbahn ist Thema, eine 51 Kilometer lange Strecke, die einst Auer mit Predazzo verband. Man baute sie während des Ersten Weltkriegs, um die Versorgung der Frontlinie im Fleims- tal sicherzustellen. Rund 6000 Menschen waren beteiligt, vor allem russische Kriegsgefangene — ein eindrucksvolles Bauwerk mit tragischer Geschichte. Sechs Tunnel, acht Brücken und sieben Viaduk¬te wurden in Handarbeit errichtet. »Un¬glaublich, was dort in nur zwei Jahren entstand«, staunt auch Lukas Varesco. Für ihn ist die ehemalige Bahntrasse, heute eine beliebte Aussichtspromenade, ein Herzstück des Blauburgunderwegs. Weit reicht der Blick über das Südtiroler Un¬terland, zum Kälterer See und bis nach Bozen. Die langen Reihen der Reben schraffieren das sanft gewellte Plateau von Montan. Verstreute Weinhöfe mit dicken Mauern stehen bereits seit mehr als 600 Jahren an Ort und Stelle. Beinahe nahtlos gehen die Weinberge in die be¬waldeten Hänge des Naturparks Trudner Horn über, der Naturpark mit der grö߬ten Artenvielfalt in Südtirol.

Während in Kaltem auf der anderen Seite des Etschtals das Geschäft mit dem Tourismus blüht, ist es in Montan ruhig geblieben. Die Uhren gehen dort ein we¬nig langsamer. Den Unterländern wird eine gewisse Gemütlichkeit nachgesagt. So gibt es auf dem Blauburgunderweg manch stille Ecke zu entdecken — alte Ortskeme mit Atmosphäre, Ansitze mit ausladenden Erkern und kunstvollen Bogenfenstern, Kirchen mit verborgenen Schätzen.

Jetzt im September hängen die Trau¬ben blauschwarz und sonnengereift an den Reben, der Stoff, aus dem die Blau-burgunderträume sind. Das Rascheln des Weinlaubs, Stimmengewirr und das schnappende Geräusch der Rebenschere ist zu hören. Die Weinlese ist in vollem Gange. In Montan ist das Weinmachen zu einem großen Teil Handarbeit. In den steilen Lagen sind Maschinen wenig nützlich. Eine Einkehr gehört am Blau¬burgunderweg natürlich dazu. Auf der Terrasse des Goldenen Löwen in Montan treffen sich die Einheimischen zum Ape¬ritif. Neuigkeiten werden ausgetauscht. Ein Blauburgunder leuchtet rubinrot im Glas. Man schließt die Augen, riecht, schmeckt ... In diesem Moment ist der Himmel ein Stück näher gerückt.

Service im Überblick bitte umblättern

In den Weinbergen von Montan konnte Franziska Baumann den Winzern über die Schulter schauen und hatte so manches Rendezvous mit der Blauburgunder-Diva.

WANDERN IM SÜDTIROLER UNTERLAND

Im südlichsten Südtirol ist der Herbst die richtige Wanderzeit. Dann färben sich die vielen Weinberge bunt.

1 | Blauburgunderweg

einfach

4 ½ Std. 475 Hm 14 km

Charakter: Alles rund um den Wein auf einem abwechslungsreichen Themenweg, die interaktiven Stationen sind auch für Kinder spannend. Der Weg ist ganzjährig begehbar und mit einem eigenen Logo markiert.

Start: Auer (242 m)

Route: Auer – Weingut Pfitscher – Montan – Mazon –Pinzon – Castelfeder – Auer Varianten: Kleinere Runden starten in Auer (2 Std.) und in Montan (1 Std.). Für 2022 ist eine Route ab Neumarkt geplant (2 ½ Std.).

Tourenkarte Heftmitte: 5

2 | Cisloner Alm (1249 m)

einfach

4 Std. 820 Hm 12,6 km

Charakter: Tour im artenreichen Naturpark Trudner Horn, mit Möglichkeiten zur gemütlichen Almeinkehr und Ausblicken zum Mendelkamm und zur Brenta Start: Montan (497 m)

Route: Montan – Schloss Enn – Rienznerhof – Cisloner Alm – Kalditscher Höfe – Montan

3 | Dürerweg

einfach

510 Hm/ 500 Hm

3 ½ Std. 9,5 km

Charakter: Auf den Spuren von Albrecht Dürer, der 1494 nach Venedig unterwegs war. Mit Blick ins Etschtal und zur Brenta. Sehenswert sind auch der Skulpturengarten in Buchholz und die Haderburg.

Start: Laag (213 m) im Etschtal Route: Laag – Laukusbach –Buchholz – Salurn – Ruine Haderburg – Salurn – Rückkehr mit Bus ab Salurn

4 | Bletterbachschlucht

mittel

4 Std. 500 Hm 7 km

Charakter: Spannender Ausflug in die Erdgeschichte. 6 Euro Eintritt, Helmpflicht, Verleih im Besucherzentrum

Start: Besucherzentrum Geoparc Bletterbach (1545 m)

Route: Besucherzentrum – Bletterbachschlucht – Butterloch – Talschluss Gorz –Lahneralm – Besucherzentrum Info: www.bletterbach.info

CASTELFEDER

Ein geheimnisumwitterter Ort

Castelfeder hat vieles erlebt. Die Anhöhe, die südlich von Auer aus dem Etschtal ragt, wurde bereits vor mehr als 3000 Jahren besiedelt. Kein Wunder – hat man dort oben doch einen guten Überblick. Funde lassen auf Urnengräber und Brandopferplätze schließen. Legenden ranken sich um eine felsige Fruchtbarkeitsrutsche, die manchen Kinderwunsch erfüllt haben soll. Von einer Befestigungsanlage und einer Kapelle sind noch die Ruinen zu sehen. Die Landschaft von Castelfeder ist ein eigener Mikrokosmos.

Mauerreste, glatt geschliffene Porphyrfelsen, trockenes Steppengras und knorrige Eichen geben dem Platz eine besondere Atmosphäre. Castelfeder gilt als Kraftplatz und wurde als »Arkadien Tirols« bezeichnet.

▶ BLAUBURGUNDERWEG

WIE HINKOMMEN?

Ausgangspunkte für den Blauburgunderweg sind Auer, Neumarkt und Montan. Direkte Zugverbindung von München nach Bozen, von dort verkehren Busse nach Auer und Neumarkt sowie von Auer weiter nach Montan.

WO ANKLOPFEN?

Tourismusgenossenschaft Castelfeder an der Südtiroler Weinstraße, Hauptplatz 5, I-39040 Auer, Tel. 00 39/ 04 71/81 02 31, www.castelfeder.info

WO EINKEHREN?

Im Berggasthof Dorfner in Gschnon an den Hängen des Trudner Horns kommen viele Zutaten vom eigenen Hof. Traditionelle Südtiroler Küche wird raffiniert abgewandelt. Montags ist Ruhetag. www.dorfner.itDas Weingut Pfitscher erhielt als erste Kellerei Italiens das Qualitätssiegel KlimaHausWine, das für Klimaverträglichkeit und Nachhaltigkeit steht. Das Weingut liegt am Blauburgunderweg und ist für Verkostung und Verkauf geöffnet. www.pfitscher.it

WO SCHLAFEN?

Besonderes Ambiente bietet das familiäre Garni Amplatz im Zentrum des Weindorfs Montan in einem Hof aus dem 14. Jhd. www.garni-amplatz.it

NICHT VERSÄUMEN

In Neumarkt trifft italienisches Lebensgefühl auf Tiroler Geschichte. Ein Bummel durch den ältesten Markt Tirols mit seinen Gassen, Gewölben, Innenhöfen und Laubengängen gleicht einer Zeitreise ins Mittelalter.

BESTE ZEIT

Am schönsten im Frühjahr und Herbst

SICH ORIENTIEREN

Tabacco-Karte 1: 25 000, »Südtiroler Weinstraße« Einen Flyer zum Blauburgunderweg mit einer Wegskizze gibt es beim Tourismusbüro in Auer und unter www.blauburgunder.it/blauburgunderweg