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Buga Heilbronn: Leistungsschau der Gärtner: Blumen zwischen Innovation, Wasser und Architektur


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 15/2019 vom 13.04.2019

Kurz vor Eröffnung der Bundesgartenschau in Heilbronn gewährte der Ausstellungsbevollmächtigte Rüdiger Eckhardt der TASPO einen exklusiven Blick auf die letzten Vorbereitungen und den großen Endspurt. Bei einem Rundgang zu allen gärtnerischen Ausstellungsbeiträgen wuchs die Vorfreude stetig.


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Foto: Iris Jachertz


„Das Schöne ist, dass es hier keine Hundert Meter gibt, wo es nichts gibt.“
Rüdiger Eckhardt


Die wichtigste Frage gleich zum Einstieg: Werden Sie fertig? Sind die Vorbereitungen im Plan?
Eckhardt: Ganz klar: Ja! Es wird noch überall gebaut, verlegt, gepflanzt und dekoriert, aber wir von der Buga sind zuversichtlich, dass trotz der vielen Dinge, die noch zu erledigen und fertigzustellen sind, die Arbeit zu schaffen ist. Ein freies Wochenende wird es allerdings vor der Eröffnung nicht mehr geben …

Ist das kühle und trübe Wetter ein Problem?
Eckhardt: Im Gegenteil: Das kühle Wetter kommt eigentlich wie gerufen. Wir hatten Ende März schon ein paar sehr warme Tage, der Frühlingsflor explodierte quasi in den Beeten. Wenn es so warm geblieben wäre, dann wären wohl zur Eröffnung schon viele Tulpen verblüht. Jetzt zeigen sich die Frühlingsblüher aber von ihrer allerbesten Seite. Die Beete sehen top aus! Zur Eröffnung nächste Woche darf aber gern wieder die Sonne scheinen!

Gibt es persönliche Highlights der Schau, bezogen auf die gärtnerischen Beiträge?
Eckhardt: Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Insgesamt bin ich der Meinung, dass die Planer und Gärtner Großartiges geleistet und hervorragende Pflanzenqualitäten geliefert haben – die Staudengärtner zum Beispiel oft noch besser als eigentlich von uns gefordert. Derzeit begeistert mich besonders der Rosengarten. Natürlich blühen dort noch keine Rosen, dafür HunderttausendeMuscari . Wolfgang Schück vom Büro Loma in Kassel schuf eine Landschaft, die an Dünen an der Nordsee erinnert. Abfließendes Wasser formt den Sand, daraus entstehen unzählige Hügel und Täler. Die blauen Blüten symbolisieren die Wellen. Der Pavillon in der Mitte des Gartens wird unsere „Beach Bar“, inklusive Strandkörben und Liegestühlen. Der Rosengarten ist alles andere als ein klassischer Rosengarten im herkömmlichen Sinn.

Das maritime Thema erwartet man in Süddeutschland eher weniger – dennoch zieht sich das Thema durch weite Teile der Ausstellung …
Eckhardt: Das liegt an dem vielen Wasser, das uns hier umgibt: Zunächst einmal gibt es das Neckarufer, gegenüber vom Neckarbogen, dem neuen Heilbronner Stadtteil. Im Norden der Buga wird es eher ruhiger. Flora und Fauna der Auenlandschaft werden über die Steganlage erlebbar. Der historische Wilhelmskanal und die Kraneninsel und schließlich noch der Karlssee mitten auf dem Gelände und der Floßhafen machen den maritimen Eindruck komplett. Und statt einem Buga-Bähnchen oder einer Seilbahn gibt es bei uns ein Buga-Schiffsshuttle, das zwischen drei Haltestellen pendelt!

Eine Buga ist immer auch ein Experimentierfeld für Landschaftarchitekten. Was ist in Heilbronn besonders zukunftweisend?
Eckhardt: Auf der Sommerinsel auf der Ostseite des Karlssees finden die Besucher nicht nur die beiden bionischen Holz- und Faserpavillons, wo sie sich über das Bauen der Zukunft informieren können, sondern auch die Rasenwellen, die sogenannten Ripples. Auch für diesen Entwurf zeichnet Wolfgang Schück verantwortlich. Er experimentiert mit der digitalen Topografie im Landschaftsbau. Unsere Geschäftsführung wünschte und förderte die Erprobung von innovativen Technologien – daher wurde hier ein ungewöhnliches und überaus spannendes Projekt realisiert: Die gesamten Landschaftsformationen der Sommerinsel wurden parametrisch erzeugt. Der tonige Boden eignet sich perfekt zum Modellieren. Die Planungsdaten wurden in die Software der Großbagger gespeist. Über GPS-Daten formten die Maschinen das Gelände dann exakt. Der Fahrer saß nur zur Kontrolle mit im Fahrzeug und kommunizierte mit den Architekten, die von ihrem Büro aus die Umsetzung live verfolgten.

Ist denn auch die Bepflanzung außergewöhnlich?
Eckhardt: Gerade blühen noch unzählige cremefarbene Narzissen oben auf den konstruierten Hügeln. Sie sind sozusagen die Schaumkronen auf den Wellen. Diese Zwiebeln wurden maschinell gesetzt. Durch die künstliche Landschaft zieht sich der farblich abgestimmte Wechselflor. Besonders sind die sogenannten Einsaaten. Wir zeigen Pflanzengesellschaften, die eher in Südeuropa zu finden sind. Außerdem eine Gräser- und Steppenlandschaft. Wir sind gespannt, wie sie mit dem hiesigen Klima zurecht kommen.

Neues und vorher nie Dagewesenes wird es auf der Buga sicher noch mehr geben – können Sie einige weitere Beispiele nennen?
Eckhardt: Alle gärtnerischen Beiträge einschließlich der Konzeption der Schauen in der Blumenhalle sind besonders und oft auch einzigartig. Der Beitrag der Baumschulen zum Beispiel ist auf der Brücke am Eingang Campuspark platziert. Hier spaziert der Besucher durch eine „Schwebende Baumschule“: Auf der einen Seite stehen Großcontainer, auf der anderen ein Topfquartier inklusive Gießwagen. Die Pflanzen werden je nach Jahreszeit getauscht. Zudem stellen die Gärtner im Wechsel besondere Maschinen aus, mit denen in Baumschulen gearbeitet wird. Im nördlichen Bereich der Buga, in den sogenannten „Neuen Ufern“, gibt es einen riesigen Gemüsegarten inklusive Gewächshaus. Am besten kommen Sie samstags – da wird die Ernte an die Besucher verteilt …

Die wechselnden Schauen in der Blumenhalle sind auf Gartenschauen immer eine besondere Attraktion für die Besucher …
Eckhardt: … stimmt! Deshalb wagen wir uns auch hier an ein völlig neues Konzept. Zunächst einmal haben wir mit dem alten Fruchtschuppen eine klasse Location. Es werden 23 Blumenschauen gezeigt. Für diese wurden Geschichten geschrieben, die die jeweiligen Floristenteams als Erzählpfad in ihrer Blumenschau ausgestalten. Abgestimmte Ton- und Lichttechnik untermalt die Erzählungen. Es wird keine stille Halle sein. Zum 80er-Jahre-Motto spielen wir die Hits aus der Zeit. Gabriele Haufe, Dozentin an der Floristmeisterschule Stuttgart, ist die verantwortliche Floristin. Sie stimmt jede Schau mit unserem Innenarchitekten und den jeweiligen Floristenteams ab. Darunter sind auch Branchengrößen wie Mehmed Yilmaz oder Klaus Wagener. Für mich persönlich wird das noch eine besondere Herausforderung, die Floristenteams und die Gärtner am Ende zusammenzubringen – aber ich freue mich darauf.

Ein weiterer Besuchermagnet sind die Mustergräber. Wie und wo ist der Beitrag der Friedhofsgärtner integriert?
Eckhardt: Die 67 Mustergräber befinden sich auf der Forscherinsel – unter alten Bäumen und mit Blick auf den Neckar. Ein wie ich finde sehr schöner und würdiger Ort für den Friedhofsbeitrag. Neben den Gräbern gibt es zwei offene Flächen, die fließenden Formen und das NaturRuh. Drei Tage vor der Eröffnung rücken 150 Friedhofsgärtner an und bepflanzen alle Gräber. Das ist ein zeitlicher Kraftakt, der uns und den Gärtnern logistisch alles abfordert. Aber meine Kollegin Kathrin Lindner hat das im Griff. Das Ganze wiederholt sich dann noch zweimal, wenn auf Sommer- und Herbstflor gewechselt wird!

Von den Mustergräbern zu den Mustergärten – denn sicher zeigen auch die Landschaftsgärtner wieder publikumswirksam ihr Können?
Eckhardt: Allerdings! Hervorheben möchte ich hier die Beleuchtungstechnik als besonderen Teil der Ausstellung. Es lohnt sich, abends länger auf der Buga zu bleiben, um sich Inspirationen für Beleuchtungskonzepte im Privatgarten zu holen. Auch der Berufswettkampf der Auszubildenden im GaLaBau findet bei uns auf dem Gelände statt.

Nachhaltigkeit, essbare und insektenfreundliche Pflanzen und zudem Regionalität sind aktuelle Trendthemen. Finden sie auf der Buga statt – bezogen auf die gärtnerischen Beiträge?
Eckhardt: Natürlich! Der größte Teil des Wechselflors wächst in torffreien Substraten, die vorher eigens auf ihre Buga-Tauglichkeit geprüft wurden. Biene & Co. können sich auf 400 Meter an einem bunten Blütenflor laben: Die Brücke am Eingang Campuspark wird zu beiden Seiten des Geländers mit Balkonkästen bestückt und mit entsprechenden Nektarpflanzen bepflanzt. Und Leckermäuler kommen auf der „Superfood-Meile“, einem Teil unseres Wechselflors, zumindest optisch auf ihre Kosten. Das Gesehene lässt sich dann im eigenen Beet nachmachen! Regional wird es zum Beispiel bei der Pflege: Hier konnte ich zum Glück viele Kollegen aus dem Zierpflanzenbau und Friedhofsgärtner motivieren, die die einzelnen Bereiche auf der Buga verantworten. Fast alle kommen aus der Gegend. Auch das gab es so übrigens noch nie auf einer Buga. Durch die große Anzahl an Gärtnern lassen sich Umpflanzaktionen viel schneller abwickeln und an vielen Stellen parallel arbeiten.

Wer als Gärtner auf der Buga mitmacht, wird für seine Leistung bewertet und ausgezeichnet. Aber bringen die Medaillen den Gärtnern etwas? Sind sie Motivation genug für die Gärtner, bei einer Buga dabei zu sein?
Eckhardt: Wir rechnen mit 2,2 Millionen Besuchern. Es gibt aus meiner Sicht keine bessere Plattform, sich und seinen Berufsstand zu präsentieren. Den Floristen bei der Blumenschau bieten wir eine tolle Möglichkeit, ihre Kreativität auszuleben. Landschaftsgärtner können visionär arbeiten. Die Pressestellen der Deutschen Bundesgartenschau Gesellschaft (DBG) und der Buga übernehmen die Pressearbeit der Gärtner, versorgen auch deren Heimatpresse mit Material und Informationen über die jeweilige Teilnahme. Wir verteilen Informationen über die teilnehmenden Betriebe an die Besucher. Natürlich überlegen wir, wie es künftig für die Gärtner noch attraktiver werden kann, bei einer Buga mitzumachen. Darüber sprechen wir dann beim nächsten Mal …

Ich bin gespannt! Verraten Sie aber noch, wie ich als Gärtner eine Medaille bekommen kann?
Eckhardt: Es gilt, bestimmte Qualitätskriterien zu erfüllen – sei es bei den Pflanzen als auch bei Bau und Pflege. Ein Preisgericht beurteilt diese nach einem festgelegten System. Im Bereich Stauden oder GaLaBau tagt es mehrmals, denn auch Baufortschritt oder Pflanzenentwicklung gehen in die Bewertung ein. Es werden Punkte vergeben – je nachdem, wie viele ein Gärtner erreicht, bekommt er eine Medaille. Im Bestfall den Staatsehrenpreis des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), der am Ende der Buga verliehen wird!

Die Autorin

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Iris Jachertz
Die TASPO-Chefredakteurin ließ sich bei einem Rundgang über das Buga-Gelände von der Euphorie und Vorfreude anstecken – und kommt sicher wieder!

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