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BUND-PROJEKT: „ÖKOLOGISCHE NISCHE FRIEDHOF“:Wenn der Frühling summt!


Friedhofskultur - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 01.03.2019

Wenn die Tage länger werden und die ersten Frühjahrsboten ihre Blüten öffnen, dann beginnt bald das emsige Gesumme der Hummeln und Wildbienen. Auch Friedhöfe mit ihrem vielfältigen Blütenangebot bringen den Frühling zum Summen.


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Bildquelle: Friedhofskultur, Ausgabe 3/2019

Im orangeroten Pelz sind Fuchsrote Sandbienen ein Hingucker für jeden Beobachter.


Wildbienen brauchen Nistplätze.


Kurz nachdem der erste Schnee geschmolzen ist, erblüht das Gefleckte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis ). Mit ihren trichterförmigen Blüten, die sich nach der Bestäubung von einem zartrosa in ein tiefblau färben, gehört sie zu den bekanntesten Frühlingsboten, die das ...

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Kurz nachdem der erste Schnee geschmolzen ist, erblüht das Gefleckte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis ). Mit ihren trichterförmigen Blüten, die sich nach der Bestäubung von einem zartrosa in ein tiefblau färben, gehört sie zu den bekanntesten Frühlingsboten, die das Ende des Winters ab März verkünden. Zugleich ist sie eine sehr ergiebige Bienenweide. Trotz der noch milden Temperaturen sind schon Wildbienen unterwegs. Es sind überwiegend dicht behaarte, größere Arten, die auch bei niedrigen Temperaturen fliegen können. Hummelköniginnen haben ihre Winterverstecke verlassen und stärken sich am Nektar, um in einem neuen Nest ein eigenes Volk zu gründen.

Frühlingsboten fördern

Auch die Frühlings-Pelzbiene(Anthophora plumipes ) ist schon unterwegs und fliegt im rasanten Tempo von Blüte zu Blüte. Neben dem Lungenkraut sind vor allem Blaukissen (Aubrieta ) und Lerchensporn (Corydalis ) beliebte Pollenquellen. Der gedrungene, bepelzte Körper lässt uns zuerst an Hummeln denken. Für Beobachter besonders spannend sind die festen Flugbahnen der Männchen. Ihre Flugbahn führt sie über Wochen immer wieder zu denselben Blüten, sobald deren Nektarvorräte wieder aufgefüllt sind. Anhand der gelben Gesichtsfarbe können Männchen leicht erkannt werden. Wer etwas für Frühlings-Pelzbienen tun möchte, kann für blühende Beete im Frühjahr sorgen. Die Weibchen nisten am liebsten in leichter Hanglage in lehmigen Boden. Eine künstliche Alternative bilden Lehmwände, die dekorativ gestaltet werden können.

Vielfältige heimische Pflanzen bieten den Bienen Nahrung.


Geeignete Nisthilfen ziehen das Insekt des Jahres 2019 an.


Lungenkraut: gute Blütenpflanze für Frühlingspelz-Bienen.


Weidenkätzchen-Blüte

Frühblüher wie Lungenkraut, Blaustern (Scilla ), Schlüsselblume (Primula ) und Krokus (Crocus ) können farbenprächtige Blütenteppiche bilden, doch auch schon einzeln gepflanzt helfen sie den Wildbienen. Heimische Sträucher und Bäume bieten zur Blüte ein Massenangebot an Blüten. Unsere Weiden (Salix ) sind wichtige Nektar- und Pollenquelle von über 40 Bienenarten. Hierzu gehören etwa in Niedersachsen acht spezialisierte Sandbienenarten (Andrena ), die ausschließlich Weidenpollen sammeln, ohne den sie nicht überleben können. Auch für fast 100 Schmetterlingsarten sind Weiden unersetzlich, entweder als Futterstrauch für Raupen oder als Nektartankstelle.

Zu beachten ist, dass Weiden zweihäusig sind, es gibt daher männliche und weibliche Pflanzen. Die weiblichen Kätzchen sind grünlich, während männliche Blüten durch leuchtend gelbe Staubbeutel auffallen. Da nur die männlichen Pflanzen ein Pollenangebot liefern, sollten sie auf keinem Friedhof fehlen.

Durch eine geschickte Auswahl verschiedener Weidenarten, kann vom Winterende bis zur Obstblüte ein kontinuierliches Blütenangebot geschaffen werden. Besonders empfehlenswert sind Sal-Weide (Salix caprea ), Purpur-Weide (Salix purpurea ) und Mandel-Weide(Salix triandra ). Die männlichen Pflanzen sind optisch sehr ansprechend, und wachsen gut auf normalen Böden. Auch für kleinere Bereiche eignen sie sich gut, da sie nach der Blüte zurückgeschnitten werden können.

Grauweiße Spezialistinnen

Eine der häufigen Wildbienen auf Weiden ist die Große Weiden-Sandbiene(Andrena vaga) . Mit der grauweißen Behaarung auf dem Rücken und dem glänzenden, schwarzen Hinterleib lässt sich diese fast 1,5 Zentimeter große Biene von März bis April gut beobachten. Die Nester werden auch auf schütter bewachsenen Flächen angelegt. Häufig nisten viele Weibchen auf engen Raum, so dass sich auf einem Quadratmeter schon mal über 30, durch einen kleinen Hügel erkennbare Nesteingänge befinden.

Fuchsrote Bestäuber

Nicht nur die Frühjahrsblumen können farbenfroh sein. Schon der Name der Fuchsroten Sandbiene (Andrena fulva ) verrät das auffällige Merkmal. Mit Ausnahme vom schwarzen Kopf ist diese Art über den gesamten Leib orangerot behaart.

Im Gegensatz zur verwandten Großen Weiden-Sandbiene hat sie keine Blütenpräferenz. Ob Ehrenpreis (Veronica ), Zweigriffliger Weißdorn (Crataegus laevigata ) oder Schlehe (Prunus spinosa ), die Weibchen sammeln den Pollen wo sie können.

Am beliebtesten sind Stachel- und Johannisbeeren (Ribes uva-crispa undRibes rubrum ). Doch nicht überall fliegen die roten Bienen. Nester können nur dort gegraben werden, wo Blätter, Halme und Wurzeln dies nicht verhindern. Beste Voraussetzung für ihre Ansiedlung schafft, wer an geeigneten Stellen auf dem Friedhofsgelände lichte Vegetation in Rasenflächen und offene Fugen zwischen Gehwegplatten zulässt und auch mal auf Bodenbedeckung durch Rindenmulch verzichtet.

Beratung und Kontakt

Der BUND Niedersachsen berät im Projekt „Ökologische Nische Friedhof“ interessierte Friedhöfe zum Thema Wildbienen. Kontakt: Jakob Grabow-Klucken, E-Mail: jakob.klucken@nds.bund.net, Tel.: 0511-96569-12. Termine und Infos zum Projekt unter www.bund-niedersachsen.de/wibi-friedhof.jk

Insekt des Jahres 2019

Obwohl 70 Prozent unserer heimischen Wildbienen in der Erde nisten, können wir sie auch mit geeigneten Nisthilfen fördern. Besonders beliebt sind die angebotenen Hohlräume aus Holz, Bambus oder Schilf bei der Roten Mauerbiene (Osmia bicornis ). Gekürt wurde diese häufige Art nun zum „Insekt des Jahres 2019“, damit ist sie Botschafterin für die bedrohte Wildbienen- und Insektenwelt. Mit ihrer rostroten Behaarung auf dem Hinterleib und dem weißgrau behaarten Rücken ist sie leicht zu erkennen. Wichtig ist, dass Nisthilfen sonnenexponiert ausgerichtet und sauber verarbeitet werden. Die Niströhren sollten einen maximalen Durchmesser von neun Millimetern haben.

Zwar gehören Rote Mauerbienen zu dem emsigsten Bestäubern, die kaum eine heimische Pflanze auslassen, doch haben insbesondere Ahorn (Acer ), Eichen (Quercus ) und Hahnenfuß (Ranunculus ) eine hohe Bedeutung als Pollenquelle. Wer auf seinem Friedhof Rasenflächen in extensive Wiesen umwandelt, kann sich im Frühjahr am satten Gelb der Hahnenfüße erfreuen und hilft unserem Insekt des Jahres 2019 und vielen mehr.
Jakob Grabow-Klucken, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Niedersachsen, Hannover

So gelingt das Anlegen von Blumenwiesen

Blumenwiesen verdanken ihren Blütenreichtum nährstoffarmem Boden. Daher gilt: Je mehr Nährstoffe, desto weniger Blüten! Auch das Liegenlassen des Mähgutes wirkt als Dünger. Wird es entnommen, kann jede Fläche abgemagert und blütenreicher werden. Für Blumenwiesen sind Frühjahr und Herbst die Aussaatzeit. Was bei einer Umwandlung zu tun ist:
•Am Anfang steht die Standort- und Bodenanalyse. Standort und Bewuchs sind jeweils einzigartig. Invasive Neophyten sollten identifiziert und entnommen werden. Vor der Einsaat muss das Saatbett frei von Wurzel- und Samenunkräutern sein.
•Schritt 1: Bodenbearbeitung
Gesamten Bewuchs der Fläche abmähen, danach pflügen oder fräsen. Wurzelunkräuter erfordern den mehrmaligen Einsatz eines Grubbers.
•Schritt 2: Bodenbearbeitung
Liegenlassen der Schwarzbrache für vier bis sechs Monate und mehrmalige flache Bodenbearbeitung mittels Kreiselegge, Egge oder Fräse, um Samenunkräuter zu reduzieren. Überlegenswert ist es, die Fläche abzumagern, also zehn bis 20 Zentimeter Sand, Kies oder Schotter in die obere Bodenschicht einzuarbeiten.
•Schritt 3: Auswahl und Bezug des Saatgutes
Manches Saatgut trägt einen verheißungsvollen Namen wie „Müllers Bienensommer“ oder „Super Bienenweide“.1 Das Saatgut beinhaltet hier überwiegend Kulturpflanzen und Exoten, meist einjährig. Gräser sind nicht enthalten: ohne Gras – keine Wiese2. Wildbienen sind spezialisiert auf einheimische Wildpflanzen, manchmal auf eine einzige Art. Empfehlenswert ist deshalb zertifiziertes Regiosaatgut einheimischer Wildpflanzen aus gesicherten Herkünften.3 Auch Heudruschverfahren oder Saatgutübertragungen von Naturschutzflächen sind möglich.
•Schritt 4: Säen
Das Saatgut kreuzweise ausbringen und anwalzen (Bodenschluss). Nach dem Säen ist Geduld gefragt.4 Je nach Wetter keimt die Saat nach rund sechs Wochen (unter „normalen“ Bedingungen).
•Schritt 5: Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen im ersten Jahr Häufig keimen die Samen schneller, die sich bereits im anstehenden Boden befunden haben. Hat der Bewuchs rund 30 Zentimeter Höhe erreicht, sollten Sie überprüfen, ob es sich um die Saat handelt oder um einjährige Ackerunkräuter. Melde und andere unerwünschte Kräuter werden sofort mittels eines sogenannten Schröpfschnitts gemäht (fünf bis sechs Zentimeter Höhe), das Schnittgut wird entfernt. Ohne Schröpfschnitt kann es zum Totalverlust kommen. Eventuell sind ein zweiter und dritter Schröpfschnitt notwendig, so dass die Wiese im ersten Jahr nicht zur Blüte gelangt.
Rund drei Monate nach dem Auflaufen der Einsaat sind unbedingt Wurzelunkräuter wie Weißklee und Brennnessel sowie invasive Neophyten zu entfernen. Dies zwei bis drei Monate später erneut wiederholen. Rosemarie Gemba, Fachberaterin für Naturerlebnisräume, Edemissen

Angelegte Wildblumenwiese neben einem Firmengebäude.