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BUNDESLIGA: DER GROSSE SPORT BILD-REPORT: IMMER WENIGER MACHT


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 29/2019 vom 17.07.2019

Besonders Spitzenklubs wie Bayern und Dortmund machen sich unabhängig von ihren Trainern. Vor allem bei Transfers. Ein neuer Trend. Starke Trainer wie Funkel sind immer seltener


FÜR DIE TRAINER

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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 29/2019

Es sind drei Worte, die immer an die Amtszeit von Pep Guardiola (48) beim FC Bayern erinnern werden: „Thiago oder nix“, hatte der Spanier vor seiner ersten Saison in München gesagt. Mit diesem Transfer-Auftrag an Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge (63) und den damaligen Sportdirektor Matthias Sammer (51) machte er 2013 seine Stellung im Klub deutlich.

Die Bayern-Bosse marschierten los und holten den Wunschspieler ...

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... des Trainers für 25 Millionen Euro Ablöse vom FC Barcelona. Bei Niko Kovac (47) ist das heute anders. Er hat sich seit dem Amtsantritt 2018 mehrere Spieler wie seinen Ex-Stürmer Luka Jovic (21) von Eintracht Frankfurt gewünscht. Doch die Bosse inklusive Sportdirektor Hasan Salihamidzic (42) haben ihm keinen Wunsch erfüllt.

Diese Vorgänge zeigen, wie sich die Machtposition des Trainers beim FC Bayern verändert hat. Pep war Chef. Er gab sogar bei Transfers die Linie vor. Der FC Bayern war glücklich, diesen Trainer zu haben, und bereitete ihm das Feld. Heute wird der Eindruck vermittelt, dass Kovac glücklich sein muss, den FC Bayern trainieren zu dürfen.

Die Macht der Trainer wird vor allem bei den Spitzenklubs geringer. Sie machen sich immer unabhängiger von ihren Übungsleitern.


Pep machte mit drei Worten klar, wer der Boss ist und wer zu folgen hat.


In Dortmund hat Lucien Favre (61) heute wesentlich weniger Einfluss auf Klub und Transfers als noch Jürgen Klopp (52), der den BVB zwischen 2008 und 2015 lenkte. Der Champions-League-Sieger von 2019 mit Liverpool gab noch vor, ab welchem Zeitpunkt der Titel als Ziel ausgegeben wurde, und hatte bei Spielerkäufen das letzte Wort. Bei Favre kam Borussia-Boss Hans-Joachim Watzke (60) während der Rückrunde mehrmals zur Mannschaft, um eine emotionale Ansprache zu halten. Favre, so wurde intern ausgemacht, hat an der Stelle eine Schwäche, die ihn in der Klub-Hierarchie blockiert. Guter Trainer, ja. Oft ein toller Taktiker. Aber kein Einpeitscher und zu zögerlich und schwankend in der Kaderplanung.

Also kommt Mats Hummels (30) vom FC Bayern zurück, ohne dass er der ausdrückliche Wunschspieler von Favre war. Der BVB wollte ihn. Favre kriegt ihn. Im vergangenen Sommer lehnte der BVB-Trainer noch einen klassischen Mittelstürmer ab. Seit dem Winter sucht Dortmund nun genau diesen Spielertypen.

Leipzigs Timo Werner wollte nicht, momentan hofft der BVB, dass Mario Mandzukic (33) von Juventus Turin kommt (siehe auch Seite 22). Die Bosse haben in ihrer Analyse nach der abgelaufenen Saison darüber mit dem Trainer gesprochen. Viele Vereine machen sich in den Überlegungen frei von Trainern – was aus ihrer Sicht auch logisch erscheint. In Leverkusen etwa gibt Sportchef Rudi Völler (59) die Linie vor. Offensiver und attraktiver Fußball soll gezeigt werden. Dafür holt er mit Sportdirektor Simon Rolfes (37) und Kaderplaner Tim Steidten (40) sowie dem Referenten Stefan Kießling (35) die Spieler.

Für diese Profis wird der passende Trainer ausgesucht. Derzeit ist das Peter Bosz (55). Natürlich darf er was zu Zugängen, Verkäufen und Vertragsverlängerungen sagen. Aber er entscheidet nicht in letzter Konsequenz. Sein Machtbereich endet an der Kabinentür. Allein die Tatsache, dass im sportlichen Bereich vier Leute über ihm stehen, macht das Verhältnis deutlich. Bosz kann sich so allerdings voll auf die Mannschaft, das Training und die Spiele konzentrieren.

Die Trainer-Legende Otto Rehhagel (80) hatte bereits vor knapp einem Jahr auf der Bühne des SPORT BILD-Awards vor dem schwindenden Einfluss der Trainer gewarnt: „Leute, die vielleicht kreditwürdig sind, entscheiden dann, ob ein Trainer gut oder schlecht ist.

Das muss man sich mal vorstellen.“ Zu seiner Zeit wäre kein Spieler gekommen, den er nicht selbst vorgeschlagen hat. Wie groß seine Macht war, belegt ein Beispiel: 1990 holte er Stürmer Klaus Allofs zu Werder, obwohl der Vereinsarzt die Verantwortung für die Verpflichtung ablehnte. Rehhagel sagte, dass Allofs einfach weniger trainiert, wenn es regnet und die Knochen dann schmerzen …

Das heißt nicht, dass früher alles besser war. Für die Trainer war es aber leichter. Und das sieht man gerade jetzt in der Transferphase. Wie gut auch immer das Verhältnis der Trainer zu ihren Bossen ist, immer mehr Fußballlehrer dürfen die Ein- und Verkäufe nur noch abnicken.

WELCHER TRAINER HAT WIE VIEL MACHT?

Heribert Bruchhagen (70), bis 2018 Vorstandschef beim HSV und zuvor bei Eintracht Frankfurt, weiß auch, dass die Macht der Trainer gesunken ist. Er pflegte den Satz: „Der Trainer hat bei mir immer einen Stern mehr.“ Dessen Einschätzung war ihm viel wichtiger als die des Sportdirektors. Weil aber genau die Manager immer mehr Helfer (zum Beispiel Kaderplaner) bekommen, wächst deren Macht – und die der Trainer sinkt.

So richtig starke Trainer gibt es in der Bundesliga immer seltener. Friedhelm Funkel (65) etwa hat eine herausragende Machtposition in Düsseldorf inne. Er hat die Mannschaft im Griff und den ganzen Verein gleich mit. Als Klubchef Robert Schäfer (43) im Frühjahr gehen musste, wurde ihm in erster Linie vorgeworfen, dass er die Vertragsverlängerung mit Funkel im Winter im ersten Anlauf hatte scheitern lassen.


Spannend wird sein, wie sich die neuen Trainer in ihren Vereinen behaupten.


Das macht deutlich, wie mächtig Funkel ist. Er steht für ehrlichen Fußball, er kennt das Geschäft und die Abläufe. Da macht ihm in Düsseldorf niemand etwas vor.

Ähnlich ist es in Freiburg, wo ohne die Zustimmung von Trainer Christian Streich (54) im sportlichen Bereich nichts geht. Die mächtigen Trainer machen die Underdogs zu Überraschungen.

Bei ihnen würde sich kein Vorstand damit brüsten, wie beim FC Bayern geschehen, dass man den Trainer in Sachen Taktik und Mannschaftsführung auf den richtigen Weg gebracht habe. Dadurch werden Trainer klein. Vor allem gegenüber der Mannschaft, wo die Trainer aber durchgreifen und die klare Führungsrolle übernehmen sollen.

Spannend wird sein, wie sich die neuen Trainer in ihren Vereinen behaupten. Gleich sieben Neue gibt es vor dem Saisonstart. Bei RB Leipzig stand schon vor einem Jahr fest, dass Julian Nagelsmann (31) auf Ralf Rangnick (61) folgt. In so einer langen Zeit kann man sich viele Dinge für die Zukunft überlegen. Julian Nagelsmann hat bei seinen Bossen Umbaumaßnahmen durchgesetzt. Er hat jetzt eine runde Kabine bekommen. So eine hat auch Pep Guardiola bei Manchester Ciy, wo er genauso mächtig ist wie einst beim FC Bayern.

Ob Nagelsmann jemals so mächtig wie Guardiola wird? In München konnte der sogar den einflussreichen Mannschaftsarzt HansWilhelm MüllerWohlfahrt (76) im April 2015 für eine ChampionsLeaguePleite im Viertelfinale gegen den FC Porto (1:3) verantwortlich machen. Zu viele Spieler seien verletzt. Punkt. Guardiola trieb MüllerWohlfahrt zum Rücktritt. Und die Bosse ließen ihn gewähren.

Man stelle sich vor, Niko Kovac hätte nach dem ChampionsLeagueAus gegen Liverpool die Schuld beim Doc gesucht. Selbst der Vereinsarzt der Bayern hätte ihn wahrscheinlich öffentlich angezählt. Das ist wieder Dr. MüllerWohlfahrt. Nach Guardiolas Ende kehrte er zurück …

LUCIEN FAVRE (61)

Trainer seit 1. Juli 2018 Vertrag bis 2021

Bei Profis Vertrauen eingebüßt


Mitspracherecht bei Transfers Favre wird in die Transferplanungen des Klubs eingeweiht, hat bei Verpflichtungen aber nicht das letzte Wort. Die Bosse Hans-Joachim Watzke (60) und Michael Zorc (56) entscheiden. Favres Meinung wird trotzdem in die Überlegungen einbezogen. So holte der BVB vergangenen Sommer keinen klassischen Mittelstürmer, weil Favre klarmachte, dass dieser Spielertyp nicht in seine Pläne passe. Jetzt aber will der BVB noch einen Mittelstürmer verpflichten!

Rückhalt der Bosse Favres Vertrag wurde vor Kurzem erst bis 2021 verlängert. Ein Zeichen, dass die Verantwortlichen mit seiner Arbeit zufrieden sind. Aber: Dass der Kontrakt trotzdem nur um ein Jahr verlängert wurde, zeugt nicht von grenzenlosem Vertrauen. Dass die Bayern einen Neun-Punkte-Rückstand auf Dortmund noch aufgeholt haben, wirkt nach!

Respekt der Spieler Fachlich ist Detailfreak Favre bei allen Spielern hoch angesehen, weil seine Ideen und Erkenntnisse ihnen helfen, sich zu verbessern. Doch in der Rückrunde büßte Favre bei vielen Spielern Vertrauen ein, als er mit unerklärlichen Veränderungen (beim 0:5 in München Mahmoud Dahoud statt Mario Götze in der Startelf) für Verunsicherung im Team sorgte.

Standing bei den Fans Zwischen Favre und den Fans besteht keine besondere Bindung. Der Schweizer ist selten emotional, taucht nie vor der Kurve auf. Respekt genießt er beim Anhang trotzdem, denn innerhalb weniger Monate hat er der Mannschaft ein Konzept verpasst und lässt Fußball spielen, mit dem die Fans sich identifizieren können: mutig, leidenschaftlich, aggressiv.

Fazit Favre hat Mitsprache-, aber kein Entscheidungsrecht. Der Schweizer wird respektiert, aber genießt trotz fachlicher Qualität nicht das Standing wie einst Jürgen Klopp.

Mitspracherecht bei Transfers Marco Rose ist gerade erst angekommen, spricht bei Transfers trotzdem schon mit. Um Neuzugang Breel Embolo (22, für 10 Mio. von Schalke) bemühte sich Manager Max Eberl (45) schon länger, doch vor dessen Verpflichtung telefonierte auch Rose mit ihm. Durfte mit Stefan Lainer (26) einen Spieler für 12 Mio. von seinem Ex-Klub Salzburg mitbringen.

Rückhalt der Bosse Groß. Eberl verpflichtete Rose zu einem Zeitpunkt, als dessen Vorgänger Dieter Hecking (54) noch Chancen auf die Champions-League-Quali hatte. Der ganze Klub ist vom Trainer und seiner Philosophie überzeugt. Selbst Rückschläge zu Saisonbeginn werden nicht dafür sorgen, dass Rose infrage gestellt wird.

Respekt der Spieler Rose wurde vom Team positiv aufgenommen, seine offene Art kommt zu Beginn gut an. Telefonierte schon vor dem Trainingsauftakt mit Führungsspielern wie Lars Stindl (27), Yann Sommer (27), Christoph Kramer (25). Die Spieler wollen sich auf seine Art von Fußball einlassen, glauben an den Erfolg.

Standing bei den Fans Rose wurde beim Trainingsauftakt mit viel Applaus empfangen. Obwohl Hecking den Klub nach zwei Jahren Abstinenz zurück nach Europa führte, wurde er vom Anhang nie richtig geliebt. Mit seinen Erfolgen in Salzburg (Meister 2018, Double 2019) weckt Rose bei Gladbachs Fans Hoffnung.

Fazit Rose genießt das uneingeschränkte Vertrauen des Vereins. Bei Spielern und Fans kommt er gut an, sein Wort hat bei Manager Max Eberl Gewicht.

Zwei Millionen-Stars zum Einstand!


MARCO ROSE (42)

Trainer seit 1. Juli 2019 Vertrag bis 2022

CHRISTIAN STREICH (54)

Trainer seit 29. Dezember 2011 Vertrag bis 2021

Unantastbar wie kein Zweiter!


Mitspracherecht bei Transfers Ohne die Zustimmung von Christian Streich geht in Freiburg kein Transfer über die Bühne. Die Scouting-Abteilung macht Vorschläge, aber am Ende bestimmt ganz klar der Chef, welcher Spieler kommt. Trotzdem kommt es zwischen den alten WG-Kumpels Streich und Sportdirektor Klemens Hartenbach (54) mitunter zu konträren Diskussionen. Will der Coach einen Spieler unbedingt, fährt er auch schon mal selbst zu dessen Wohnort, um ihn von einem Wechsel zu überzeugen. Manchmal reicht dazu aber auch ein kurzes Telefonat.

Rückhalt der Bosse Streich ist der mit Abstand dienstälteste Trainer der Liga. Der Coach ist das Gesicht des Vereins, sein Name ist mit der Freiburg-DNA verwurzelt. Das Vertrauen in Streich geht so weit, dass er auch im Falle eines Abstiegs fest im Sattel sitzt. Fakt ist: Der Trainer ist unkündbar, Streich kann sich beim SC nur selbst entlassen.

Respekt der Spieler Viele Spieler wechseln nur wegen Streich nach Freiburg. Der Trainer ist dafür bekannt, junge Talente einen großen Schritt nach vorne zu bringen. Dafür fordert er unheimlich viel. Aber Streich ist innerhalb der Mannschaft nicht unumstritten. Die Liebe zu einem Spieler kann bei ihm ganz schnell abkühlen. Dann lässt er einen Profi links liegen, degradiert Spieler auch schon mal in die zweite Mannschaft.

Standing bei den Fans Streich ist unantastbar. Der Coach genießt in Freiburg Kult-Status. Die Fans vergöttern ihn, lassen nichts auf ihren Trainer kommen. Er wird sogar für seine berüchtigten Ausraster an der Seitenlinie gefeiert.

Fazit Streich ist seit Jahren der mächtigste Trainer der Bundesliga.

WELCHER TRAINER HAT WIE VIEL MACHT?

JULIAN NAGELSMANN (31)

Trainer seit 1. Juli 2019 Vertrag bis 2023

Spricht mit Spielern und Beratern!


Mitspracherecht bei Transfers Kein Transfer wird ohne seine Zustimmung vollzogen. Den finanziellen Rahmen hält Klub-Boss Oliver Mintzlaff (43) sehr eng, Transfers über 25 Mio. werden auch für Nagelsmann nicht möglich sein. Mit Markus Krösche (38) hat er einen auf diesem Level noch unerfahrenen Sportdirektor. So wird Nagelsmann viel Macht eingeräumt. Die nutzt er, indem er Gespräche mit Spielern und Beratern führt.

Rückhalt der Bosse Nagelsmann war die 1aLösung von Mintzlaff, der sich den begehrten Trainer schon vor einem Jahr gesichert hat. Der bedingungslose Rückhalt ist vorerst garantiert.

Respekt der Spieler Die Leipziger wissen, dass sie mit Nagelsmann einen der begehrtesten Trainer Deutschlands bekommen haben. Stürmer Yussuf Poulsen (25) meinte, Nagelsmann könne sie auf die nächste Stufe heben. Den frischen Wind begrüßen alle. Nagelsmann ist Fachmann – und Kumpeltyp. Das kommt in der jungen Truppe (Altersdurchschnitt 22,9 Jahre) gut an. Bei einigen Spielern wird sich Nagelsmann den Respekt etwas mehr verdienen müssen: wie bei Emil Forsberg (27), der sehr innig mit Vorgänger Rangnick war. Bei anderen wird es leichter sein, wie bei Diego Demme (27), der zuletzt monierte, Rangnick habe die letzten Monate kaum mit ihm gesprochen.

Standing bei den Fans Nach zwei Publikumslieblingen (Hasenhüttl, Rangnick) muss sich Nagelsmann den Respekt erst verdienen. Nach dem Training schreibt er in der Regel bis zu einer halben Stunde Autogramme.

Fazit Nagelsmann ist bei RB mehr als nur Trainer.

Mitspracherecht bei Transfers Wagner ist in alle Transfers voll involviert. Benito Raman (24) wurde auf Wunsch des neuen Trainers für 13 Millionen Euro von Düsseldorf geholt. Hintergrund: Wagner will bei Schalke den Spielstil ändern: Schluss mit der tief stehenden Defensive und den hohen, langen Bällen. Dafür Tempo-Fußball mit frühem Pressing. Dafür braucht er Sprinter, die Boss Jochen Schneider (48) und Kaderplaner Michael Reschke (61) verpflichten.

Rückhalt der Bosse Schalke versteht sich als Führungsteam, zu dem Wagner nun selbst gehört. Im Klub sind sie sehr angetan von Wagners akribischer Arbeit mit der Mannschaft. Dort kommt auch sehr gut an, dass Wagner die Zügel anzieht. Mehr Training, mehr Kontrolle. Die Mannschaft, so heißt es im Klub, braucht eine klare Struktur und klare Ansagen. Wagner erfüllt diesen Anspruch.

Respekt der Spieler Die Profis haben erkannt, dass mehr Training notwendig ist. Dennoch sind sie nicht begeistert, nun um 8 Uhr morgens antreten zu müssen. Für eine Blutkontrolle und zum Stretching, bevor es auf den Platz geht.

Standing bei den Fans Beim ersten Training verweigerten die Anhänger dem neuen Trainer den Applaus. Der ist eigentlich üblich, wenn ein neuer Coach antritt. Das zeigt: Wagner, der zu Schalkes Uefa-Cup-Siegermannschaft von 1997 gehörte und später als Trainer für den Rivalen Dortmund arbeitete, hat keinen Bonus. Er muss sich die Liebe neu erarbeiten.

Fazit Die Bosse schenken ihm Vertrauen. Das macht ihn einflussreich im Klub. Um sich eine große Machtbasis aufzubauen, muss er auch Mannschaftft und Fans gewinnen – mit Ergebnissen.

Muss Spieler und Fans noch gewinnen


DAVID WAGNER (47)

Trainer seit 1. Juli 2019 Vertrag bis 2022

SANDRO SCHWARZ (40)

Trainer seit 1. Juli 2017 Vertrag bis 2022

Unumstritten auch in Schwächephasen


Mitspracherecht bei Transfers Sportvorstand Rouven Schröder (43) holt nur Spieler, die Schwarz will. Beide sprechen immer von Profilen mit Eigenschaften, die Spieler mitbringen sollen. Die werden gemeinsam aufgestellt. Aber: Schröder hat qua Position die Kontrolle.

Rückhalt der Bosse Unumstritten. Der Vorsitzende Stefan Hofmann (56) ließ auch in Schwächephasen nie Zweifel aufkommen. Dazu steht Mainz auf langfristige Zusammenarbeit mit Trainern.

Respekt der Spieler Normal. Keine offensichtlichen Brüche, aber durchaus unzufriedene Spieler (Levan Öztunali, Alexandru Maxim, vorübergehend Stefan Bell). Schwarz’ Vorteil: Die Mannschaft ist insgesamt frei von schwierigen Alphatieren.

Standing bei den Fans Könnte besser sein. Obwohl er Profi bei 05 war, ist Schwarz für die Fans noch weit vom Tuchel- oder gar Klopp-Status entfernt.

Fazit Im überschaubaren Mainz kann er in Ruhe arbeiten.

Mitspracherecht bei Transfers Sportchef Armin Veh (58), der Achim Beierlorzer verpflichtet hat, baut für seinen neuen Trainer die Mannschaft um. Es kommen nur noch Tempo-Spieler. Und die auch nur in enger Absprache mit Beierlorzer. Das letzte Wort hat allerdings Veh. Er ist der Boss, der Trainer der derzeit einflussreichste Mitarbeiter.

Rückhalt der Bosse Veh gefällt die offensive Spielweise und die offene, kommunikative Art des Trainers. „Er ist ein guter Typ. Und gute Typen sind meistens auch gute Trainer“, sagt Veh. Klar ist aber auch: Beierlorzer muss liefern. Er hat die volle Rückendeckung, solange er den FC vom Abstiegskampf fernhält. Sonst wird es ungemütlich.

Respekt der Spieler Bei den Spielern hatte der Trainer durch seine positive Ausstrahlung einen guten Start. Ex-Trainer Markus Anfang (45) war häufig sehr angespannt. Nun blüht die Mannschaft emotional auf.

Standing bei den Fans Top! Beierlorzer ist ein Typ, der mitreißt. Ein charmanter und bodenständiger Sympathieträger. Sein Glas ist immer halbvoll. Das mögen die Kölner.

Fazit Beierlorzer hat das Potenzial, in Köln zum mächtigen Hoffnungsträger aufzusteigen. Sportchef Veh wird ihn stärken und damit selbst immer stärker sein.

Er bekommt seine Tempo-Spieler!


ACHIM BEIERLORZER (51)

Trainer seit 1. Juli 2019 Vertrag bis 2021

FLORIAN KOHFELDT (36)

Trainer seit 30. Oktober 2017 Vertrag bis 2021

Kaum jemand so fest im Sattel wie er


Mitspracherecht bei Transfers Bei Zugängen sprechen sich Sportchef Frank Baumann (43) und Florian Kohfeldt (36) immer ab. Beide haben ein sehr enges Verhältnis zueinander. Kohfeldt sucht sich häufig gezielt Spieler aus und gibt seine Wünsche an Baumann weiter. Der muss dann gucken, was finanziell realisierbar ist. So war es bei Davy Klaassen (26), Yuya Osako (29), Niclas Füllkrug (26). Auch Michael Gregoritsch (25), den Werder aktuell umwirbt, ist Kohfeldts Wunschspieler. Oft ist der Trainer bei Verhandlungen mit dabei, so wie bei Klaassen, der im Vorjahr für die Rekord-Ablöse von 15 Mio. von Everton kam. Als der Transfer zu platzen drohte, schickte Kohfeldt dem Holländer eine Video-Botschaft. Dann flog er im Privatjet nach Liverpool, um bei dem Spieler vorzusprechen – mit Erfolg. Auch mit Füllkrug telefonierte der Coach mehrmals, um ihn zu überzeugen.

Rückhalt der Bosse Kaum ein Trainer sitzt so fest im Sattel wie Kohfeldt. Aktuell hat er einen Vertrag bis 2021. Steht bei anderen Klubs auf der Liste. Dadurch wächst sein Ansehen automatisch. Beide Seiten streben eine Verlängerung an. Ein erstes Treffen gab es bereits. Kohfeldt: „Wir sind auf einem guten Weg, was eine vorzeitige Vertragsverlängerung betrifft.“

Respekt der Spieler Die Profis schätzen Kohfeldt für seine fachliche Kompetenz und seine Führungsqualitäten. Nuri Sahin (30) sagt: „Das Gute beim Trainer ist, dass er viele Facetten erfüllt. Er ist Freund und Mahner zugleich.“ Kohfeldt bezieht Spieler in taktische Dinge mit ein. Sahin: „Wir haben keinen großen Altersunterschied, lieben beide den Fußball und reden gern über Taktik und über menschliche Führung.“

Standing bei den Fans Er ist seit 2001 im Verein. Diese Treue imponiert den Fans besonders.

Fazit Kohfeldt gehört zu den mächtigsten Trainern der Bundesliga.

Mitspracherecht bei Transfers Baumgart ist bei jeder Spieler-Verpflichtung involviert, seine Meinung ist wichtig. Das Spielerprofil wurde von Ex-Manager Markus Krösche (38) und wird künftig von Neu-Manager Martin Przondziono (50) zusammen mit Baumgart erstellt. Die entscheidenden Gespräche führt am Ende der Manager. Er senkt den Daumen oder hebt ihn bei einer Verpflichtung.

Rückhalt der Bosse Baumgart genießt nach zwei Aufstiegen in Folge aus der 3. bis in die Bundesliga großes Vertrauen. In Paderborn heißt es: Baumgart passt perfekt zum Klub. Weil er Spieler besser macht, die ihren Wert erhöhen, der Klub somit finanziell profitiert. Dazu ist Baumgart kein Schaumschläger, das passt zu den bodenständigen Ostwestfalen.

Respekt der Spieler Das Super-Verhältnis zur Mannschaft ist ein Schlüssel für Baumgarts Erfolg. Die Spieler wissen: Baumgart ist immer ehrlich, klar in seiner Ansprache, ein glänzender Motivator und steht mit Rat und Tat zur Seite. Er ist ein Bessermacher!

Standing bei den Fans Kult- und Heldenstatus nach dem Doppel-Aufstieg.

Fazit Baumgart kam 2017 aus der 4. Liga vom Berliner AK 17 zum SCP, es war eine Chance für ihn als Trainer. Die hat er genutzt. Er ist mächtiger geworden und genießt Heldenstatus.

Hat sich Ansehen erarbeitet!


STEFFEN BAUMGART(47)

Trainer seit 16. April 2017 Vertrag bis 2020

Mitspracherecht bei Transfers Hütter ist Teil der Vierer-Gruppe, die Transfers beschließt, neben ihm sind Sportvorstand Fredi Bobic (47), Chefscout Ben Manga (45) und Sportdirektor Bruno Hübner (58) dabei. Hütter führt allerdings keine Verhandlungen. Der Erfolgsarchitekt ist eindeutig Bobic, der über die Realisierbarkeit entscheidet. Bobic’ Transfers saßen auch schon, bevor Hütter kam.

Rückhalt der Bosse Eintracht zahlte für Hütter vor einem Jahr extra Ablöse, stützte ihn auch in der Krise zu Saisonbeginn. Er zahlte mit einer tollen Saison zurück. Ein „Trainer des Jahres“ wäre im Fall der Fälle zudem schwer zu feuern.

Respekt der Spieler Hoch, alle ziehen mit, niemand quengelt. Bezeichnend, dass ihn die Bundesliga-Profis bei einer Gewerkschaftsabstimmung zum Trainer des Jahres wählten. Der Erfolg und seine klare, ehrliche Art sprechen für ihn.

Standing bei den Fans Nach dem Europa-Lauf und der langen starken Ligasaison ist Hütter anerkannt und beliebt, ohne als Held abgefeiert zu werden.

Fazit Gemessen am Erfolg der vergangenen Saison hat Hütter noch vergleichsweise wenig Macht außerhalb der Mannschaft. Das liegt auch an der starken und erfolgreichen Figur Bobic.

Trotz Mega-Saison relativ machtlos


ADI HÜTTER (49)

Trainer seit 1. Juli 2018 Vertrag bis 2021

MARTIN SCHMIDT (52)

Trainer seit 9. April 2019 Vertrag bis 2021

Nur bei Fehlstart droht Unruhe


Mitspracherecht bei Transfers In Augsburg geschieht alles in Absprache mit Manager Stefan Reuter, Präsident Klaus Hofmann und Trainer Schmidt. Er wird bei Transfers mit einbezogen, seine Vorschläge gehört und umgesetzt, beispielsweise bei Zugang Ruben Vargas.

Rückhalt der Bosse Schmidt war dem Vernehmen nach schon lange vor der Entlassung von Manuel Baum im April mit den Bossen in Kontakt. In Augsburg genießt der Trainer traditionell großen Rückhalt, auch in Krisen.

Respekt der Spieler Schmidt gewann die Spieler schon mit seiner ersten, feurigen Ansprache für sich, die Spieler zeigten sich beeindruckt. Nun wird es darauf ankommen, ob seine taktischen Ideen auch umgesetzt werden und wie die vielen Zugänge integriert werden, damit das Klima gut bleibt. Mit abwanderungswilligen Spielern wie Hinteregger oder Max führt er viele Gespräche, will sie so einbinden und überzeugen.

Standing bei den Fans Augsburgs Fans sind grundsätzlich sehr leidensfähig und stehen zu ihrem Team und dem Trainer. Aber: Nach der schwachen vergangenen Saison sollte es keinen Fehlstart geben, sonst könnte die Stimmung auch kippen.

Fazit Schmidt arbeitet in einem vergleichsweise entspannten Umfeld, hat auch die Verantwortlichen beim Neustart hinter sich. Nur bei einem Fehlstart wird es ungemütlich – aber selbst dann sind die Augsburger Bosse nicht für Schnellschüsse bekannt.

Mitspracherecht bei Transfers Der Trainer ist in Leverkusen eher Begleiter der Kaderplanung. Der Klub gibt grundsätzlich die Linie vor und erwartet offensiven, attraktiven Fußball. Dafür wird der passende Trainer ausgesucht. Bosz wird in Transfers eingeweiht. Lehnt er einen Spieler ab, wird der nicht verpflichtet. Eigene Wünsche kann er äußern, haben aber nicht per se Priorität. Bosz hätte gern einen Stürmer verpflichtet. Gekommen ist bisher keiner.

Rückhalt der Bosse Bosz hat das volle Vertrauen der Führung um Rudi Völler (59). Mit der Qualifikation für die Champions League hat er geliefert. Das honoriert Völler. Bosz würde auch eine erste Krise überstehen.

Respekt der Spieler Groß! Die Mannschaft folgt dem Trainer, weil alle Spieler für den Power-Fußball verpflichtet wurden. Seine konstant offensive Ausrichtung kommt an. Die Profis rechnen dem Trainer zudem hoch an, dass er nach einer Niederlagenserie in der Rückrunde auch auf Ruhe und Stabilität auf dem Platz setzte, um wieder in die Spur zu kommen.

Standing bei den Fans Da Bosz distanziert wirkt, wird er zwar für den Erfolg respektiert, aber auch nicht mehr. Und er lässt Fußball spielen, mit dem die Fans sich identifizieren können: mutig, leidenschaftlich, aggressiv.

Fazit Viel Macht hat Bosz im Klub nicht. Aber er erhält für seine Trainerarbeit eine hohe Wertschätzung. Mehr ist bei Bayer nicht möglich. Dort haben Völler und in letzter Instanz die Bayer AG das Sagen.

Wünsche haben keine Priorität


PETER BOSZ (55)

Trainer seit 23. Dez. 2018 Vertrag bis 2020

URS FISCHER (53)

Trainer seit 1. Juli 2018 Vertrag bis 2020

Bei Kaderplanung zurückhaltend


Mitspracherecht bei Transfers Urs Fischer verweist immer auf Manager Oliver Ruhnert. Der ist für die Kaderplanung zuständig. Im Hintergrund hat Fischer trotzdem ein Vetorecht.

Rückhalt der Bosse Fischer pflegt ein gutes Verhältnis zu Präsident Dirk Zingler. Vor allem durch den ersten Bundesliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte genießt Fischer hohes Ansehen. Aber: alles Vergangenheit. Ab sofort wird er daran gemessen, wie es in der Bundesliga läuft.

Respekt der Spieler Fischers fairer Umgang mit den Spielern kommt gut an. Er hält klare Ansprachen, an denen sich die Spieler orientieren können.

Standing bei den Fans Für die Fans ist Fischer der Macher des Aufstiegs. Zur Saisoneröffnung an der Alten Försterei feierten sie ihn lautstark.

Fazit Fischer konzentriert sich voll auf die Mannschaft. Die Kaderplanung überlässt er weiterhin Ruhnert.

Mitspracherecht bei Transfers Der neue Trainer des VfL Wolfsburg durfte in seinen ersten Wochen viel mitreden. João Victor (25) folgte Glasner aus Linz in die Bundesliga. Und auch die Neuen Xaver Schlager (21/RB Salzburg) und Paulo Otávio (24/FC Ingolstadt) waren Wunsch-Spieler des Labbadia-Nachfolgers.

Rückhalt der Bosse Lange Zeit war Marco Rose (42) der Top-Kandidat, bis er sich für Gladbach entschied. Glasner kann somit als 1b-Lösung von Manager Jörg Schmadtke (55) bezeichnet werden. Schmadtke verfolgte Glasners Arbeit seit zwei Jahren intensiv, vor der Vertragsunterschrift unterhielten sie sich zusammen mit Sportdirektor Marcel Schäfer (35) viereinhalb Stunden über den Fußball allgemein. Glasner überzeugte die Verantwortlichen vollends – und dürfte erst einmal Kredit haben.

Respekt der Spieler Glasner sagte in SPORT BILD, dass er keine „Soldaten“ haben wolle, die seine Befehle befolgen, sondern er will auf Augenhöhe begegnen. Kurz nach seiner Unterschrift traf er sich bereits mit Kapitän Josuha Guilavogui (28), um sich mit ihm auszutauschen. Ob seine Methode Erfolg hat, wird die Saison zeigen.

Standing bei den Fans Das muss er sich erst erarbeiten. Die ersten Reaktionen der Anhänger waren positiv.

Fazit Glasners Voraussetzungen sind gut. Allerdings werden erst Misserfolge zeigen, wie der VW-Klub und der stringente Manager Schmadtke dann mit ihm umgehen.

Er ist Schmadtkes 1b-Lösung


OLIVER GLASNER (44)

Trainer seit 1. Juli 2019 Vertrag bis 2022

ALFRED SCHREUDER (46)

Trainer seit 1. Juli 2019 Vertrag bis 2022

Abhängig von der grauen Eminenz


Mitspracherecht bei Transfers Wenig. Zugänge werden mit ihm abgestimmt, aber Direktor Profifußball Alexander Rosen (seit zehn Jahren im Klub) hat den Hut auf. Dessen persönliche Transferpolitik wird vom Verein gepriesen, dazu steht die Klub-Philosophie (nur in Ausnahmen zweistellige Millionen-Ablösen, keiner unverkäuflich) über allem.

Rückhalt der Bosse Hoch. Bei der Nagelsmann-Nachfolge haben sie sich bewusst für den Ex-Co-Trainer Schreuder entschieden. Sein Vorteil: Er kennt die Denke der TSGBosse, die ihm anrechnen, dass er Hoffenheim-Ideen auch zu Ajax brachte. Einschränkung: Wenn es bei einem Trainer nicht lief, feuerte die TSG die Trainer nach liga-üblicher Wartezeit. Die Entscheidung Daumen hoch oder runter kommt stets von Mäzen Dietmar Hopp (79).

Respekt der Spieler Gut! Die Spieler kennen ihn aus der Zeit als Co-Trainer (2015-2018), schätzen seinen Blick fürs Detail. Sein Erfolg bei Ajax schafft Ansehen. Auf dem Trainingsplatz hat Schreuder schon jetzt eine auffällig gute Präsenz.

Standing bei den Fans Muss die Nagelsmann-Euphorie weitertragen. Sein Vorteil hier: Läuft es nicht, würden wohl zuerst die Verkäufe von Nico Schulz (26) oder Kerem Demirbay (26) verantwortlich gemacht werden.

Fazit Im System Hoffenheim ist ein übermächtiger Trainer gar nicht vorgesehen. Als Gegenentwurf zu Rampensau Nagelsmann hängt für Schreuder die eigene Stellung vor allem am sportlichen Erfolg.

Mitspracherecht bei Transfers Herthas neuer Trainer wird bei Spielertransfers mit eingebunden. Auch er darf gegenüber Michael Preetz (51) Wünsche äußern. Allerdings ist der Manager eindeutig der Entscheider.

Rückhalt der Bosse Covic hat durch seine erfolgreiche Arbeit in der Hertha-Jugend einen guten Ruf im Klub. Preetz entschied sich bewusst gegen eine externe Lösung, weil er seinem früheren Mitspieler die Bundesliga zutraut. Der Debütant muss gleich zu Saisonbeginn Erfolge zeigen, sonst schwindet der Rückhalt schnell.

Respekt der Spieler Sie stehen auf die kommunikative Art von Covic. Der Kroate umarmt seine Profis ständig im Training, redet ununterbrochen mit ihnen. Nach dem Trainingslager hatte Covic fast keine Stimme mehr. Seine offensive Spiel-Philosophie kommt bisher gut im Team an. Spieler, die bisher wenig Einsatzzeit hatten, wittern ihre Chance (Alexander Esswein, Pascal Köpke, etc).

Standing bei den Fans In den sozialen Medien erfuhr Covic nach seiner Cheftrainer-Ernennung zunächst Gegenwind. Nach den ersten Trainingseinheiten legt sich die Skepsis mittlerweile etwas. Ihm könnte helfen, dass er schon viele Jahre ein echter Herthaner ist. Doch Dardais Schatten ist noch sehr groß.

Fazit Covic muss sich die Macht im Klub über Erfolge als Trainer erarbeiten

Vorgänger-Schatten ist noch zu groß


ANTE COVIC (43)

Trainer seit 1. Juli 2019 Vertrag unbefristet

Mitspracherecht bei Transfers Kein Transfer wird ohne Zustimmung von Friedhelm Funkel vollzogen. Der Trainer legt das Spielerprofil fest, Sportvorstand Pfannenstiel (46) präsentiert mit der Scouting-Abteilung Lösungen. Funkel stimmt vor und während des Prozesses zu, weil er auch den Finanzrahmen für jeden Spieler im Blick hat und die Wertigkeit beurteilt.

Rückhalt der Bosse Funkel ist die größte Nummer im Klub. Aufsichtsrat Reinhold Ernst (55) zieht zwar die Fäden, aber er weiß, dass Funkel der wichtigste Mitarbeiter ist. Ex-Vorstandschef Robert Schäfer (43) musste auch wegen des Vertragsstreits mit Funkel im Frühjahr gehen. Solange Funkel Düsseldorf in der Liga hält, bleibt er der mächtigste Angestellte des Klubs.

Respekt der Spieler Die komplette Mannschaft steht hinter Funkel. Die Spieler gaben dem Trainer beim Vertrags-Zoff im Winter demonstrativ Rückendeckung. Und sie liefern. Die Spieler setzen in Training und Spiel die Vorgaben vollständig um. Niemand meutert. Unzufriedene Spieler werden von Führungsspielern wie Kapitän Oliver Fink (37) und Verteidiger Kaan Ayhan (24) auf Linie gebracht. Funkel gewährt aber auch viele Freiheiten, gönnt Pausen. In der Mannschaft herrscht die Meinung: Ohne Funkel wären wir alle nicht mit Fortuna in der Bundesliga.

Standing bei den Fans In der Kurve genießt Funkel Heldenstatus. Er übernahm den Klub vor über drei Jahren im Keller der zweiten Liga. Führte ihn in die Bundesliga. Bekannte sich immer zu den Fans, zur Stadt und zum Verein. Stellte nie verrückte Forderungen. Als es im Winter kurzzeitig nach einer Trennung aussah, demonstrierten die Fans bei der Ankunft der Mannschaft nach dem Spanien-Trainingslager am Düsseldorfer Flughafen für Funkel.

Fazit Funkel ist so mächtig wie noch nie in seiner 30-jährigen Trainerkarriere!

So mächtig wie nie zuvor!


FRIEDHELM FUNKEL (65)

Trainer seit 14. März 2016 Vertrag bis 2020


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