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BUNDESLIGA: Hat Dortmund bald so viel Geld wie Bayern?


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 18/2019 vom 30.04.2019

Vor fünf Jahren machten die Münchner doppelt so viel Umsatz. Durch Mega-Transfers holt der BVB mit XXL-Sprüngen auf. Watzke und Hoeneß sprechen über ihre Strategien – und die Zukunft der Top-Klubs


Artikelbild für den Artikel "BUNDESLIGA: Hat Dortmund bald so viel Geld wie Bayern?" aus der Ausgabe 18/2019 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 18/2019

Hans-Joachim Watzke ist seit 2005 BVB-Geschäftsführer. Damals hatte der Klub 120 Millionen Euro Verbindlichkeiten, stand unmittelbar vor der Insolvenz. Er rettete den Verein und stellte ihn komplett neu auf. 2018 setzte der BVB zum ersten Mal mehr als eine halbe Milliarde Euro um


Für sein berühmtes Festgeldkonto wurde der FC Bayern in der Bundesliga über Jahrzehnte gefürchtet. Rückte die Konkurrenz heran, ...

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... rückten die Münchner die Scheine raus. 2009 wurde nach nur einer Meisterschaft in den drei Jahren zuvor für 75 Millionen Euro aufgerüstet, nach dem Meister-Double des BVB investierte der Rekordmeister 2012 mal eben 70 Millionen Euro in neue Stars. In beiden Fällen wurde der FCB am Saisonende Meister und stand im Champions-League-Finale. Das über Jahrzehnte knallhart erwirtschaftete, eigene Geld war stets ein Zeichen der Stärke. Doch in Zeiten, in denen die Ablösesummen explodieren, schrumpft das Festgeldkonto immer mehr zusammen.

Für die beiden Verteidiger Lucas Hernández (80 Mio. Euro/ Atlético Madrid) und Benjamin Pavard (35 Mio. Euro/VfB Stuttgart) werden 115 Mio. Euro fällig.

Für Timo Werner (RB Leipzig) und Callum Hudson-Odoi (FC Chelsea) rufen deren Klubs jeweils rund 50 Millionen Euro auf. Leverkusen verlangt für Kai Havertz, der für die Zeit ab 2020 bei den Münchenern auf der Liste steht, mindestens 100 Mio. Euro.

Während Bayern für Transfers immer tiefer in die Tasche greifen muss, macht Borussia Dortmund durch Verkäufe riesige Sprünge an den Rekordmeister heran. Der Abgang von Christian Pulisic zum FC Chelsea spült 64 Millionen Euro in die Kasse – nach den Verkäufen von Ousmane Dembélé (für bis zu 148 Mio. Euro zum FC Barcelona) und Pierre-Emerick Aubameyang (63,75 Mio. Euro zum FC Arsenal) ist es Dortmunds dritter Mega-Transfer in anderthalb Jahren.

Uli Hoeneß wurde 1979 Manager beim FC Bayern und formte den Klub zum Schwergewicht im Weltfußball. Jetzt ist er Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FCB


Folge: 2014 wiesen die Münchner (528,7 Mio. Euro) noch einen mehr als doppelt so hohen Umsatz wie die Borussia (260,7 Mio. Euro) auf. Seitdem hat der BVB in Rekord-Tempo aufgeholt, den Abstand mehr als halbiert (2018:

657,4 Mio. zu 536 Mio.). Hat Dortmund bald so viel Geld wBayern? Von SPORT BILD darauf angesprochen, sagt Uli Hoeneß (67):

„Das Investitionsgeld ist nicht vom Umsatz abhängig, sondern von der Gewinnsituation. Die kenne ich bei Dortmund nicht genau. Aber: Dortmund hat in den vergangenen Jahren gute Transfers gemacht.“

Der Bayern-Präsident hält auch beim BVB eine Transferoffensive im Sommer für möglich: „Die Dortmunder haben auch investiert, aber nicht so viel. Sie haben sicher 100 Millionen übrig.“

Der Hauptunterschied der beiden Klubs liegt in der Transferpolitik. Käuferklub Bayern hat gar kein Interesse daran, seine Superstars abzugeben, und erzielt daher im Gegensatz zum BVB auch keine großen Transfer-Gewinne.

„Natürlich profitieren wir von unseren Transfereinnahmen. Aber stolz bin ich darauf nicht, denn gleichzeitig geht damit ein Qualitätsverlust einher“, sagt BVB-Boss Hans-Joachim Watzke (59) zu SPORT BILD. „Am liebsten will ich gar keine Verkäufe mehr tätigen. Denn das würde bedeuten, dass wir unsere besten Spieler halten können.“ Watzke betont: „Der Abstand zu den Bayern ist immer noch so groß, dass sie pro Jahr rund 100 Millionen Euro mehr an Gehältern zahlen können als wir.“

Mit Jadon Sancho (19) besitzt der BVB ein weiteres Juwel, das dem Klub wohl spätestens 2020 die nächste Mega-Ablöse bescheren wird. Sämtliche Topklubs aus Europa jagen den englischen Nationalspieler. „Er wird sicher nicht bis zu seinem Karriereende in Dortmund spielen“, sagt Sportdirektor Michael Zorc (56). Intern ist klar: Mindestens 150 Mio. Euro soll ein Verkauf von Sancho bringen. Auch für Abwehrchef Manuel Akanji (23) ist der BVB ein Sprungbrett zu einem noch größeren Klub. Unter 50 Mio. Euro darf der Innenverteidiger nicht gehen. Viel Geld, was die Lücke zu den Bayern weiter verkleinern könnte.


„In der Ein- und Verkaufs-Bilanz ist uns Borussia Dortmund voraus.“Bayern-Präsident Hoeneß


Hoeneß: „In der Ein- und Verkaufsbilanz ist uns Dortmund voraus, weil sie eine andere Philosophie haben. Wir wollen die Spieler nicht teuer verkaufen. Wenn ein Spieler wirklich super ist, versuchen wir, ihn zu halten oder eben in große Qualität zu investieren.“

Ein Blick auf die Rekord-Verkäufe belegt die Aussage. Die Namen der Top 3: Douglas Costa (40 Mio. zu Juve) ‚Toni Kroos (25 Mio. zu Real Madrid) und Owen Hargreaves (25 Mio./Man United).

Hat Dortmund bald so viel Geld wie der FC Bayern?

Während die Borussia beim Umsatz-Wachstum von den enormen Transfererlösen profitiert (die nicht Jahr für Jahr planbar sind), steigen bei den Bayern die Einnahmen im Marketing, Sponsoring und Spielbetrieb konstant – und liegen deut lich höher als beim BVB. Vor teil Bayern: Die Einnahmen sind über Jahre garantiert, anders als Dortmunds Verkäufe. Dazu er zielen die Münchner im Ausland aufgrund ihrer großen Popularität höhere Erlöse. Um auf dem asiati schen Markt noch präsenter zu werden, soll künftig der designier te Vorstandsboss Oliver Kahn (49) als Zugpferd dienen. „Wo wir si cherlich Vorteile haben, ist im Sponsoring, im Marketing“, sagt Hoeneß. Automobilher steller BMW findet die China-Strategie sogar so in teressant, dass das bayri sche Unternehmen sich spätestens 2025 für einen hohen dreistelligen Millio nenbetrag beim FCB ein kauft und die Anteile vom bisherigen Anteilseigner Audi übernehmen wird.

Besonders deutlich zeigt sich die Finanzkraft der Bayern bei den Gewinnen. Der BVB verzeichnete seit 2014 ein Plus von 83,6 Mio. Euro, die Bayern im gleichen Zeitraum beeindruckende 142 Mio. Euro. Watzke erklärt, warum: „Borussia Dortmund stand vor 14 Jahren so nah an der Insolvenz wie bis heute kein anderer Bundesligist. Wir haben anderthalb Jahre unter Gläubigerverwaltung gearbeitet und treiben unsere globale Entwicklung erst seit sieben, acht Jahren intensiv voran. Bayern München wirtschaftlich einzuholen wäre eine Aufgabe von vielen Jahrzehnten.“

Auch in der Champions League profitieren die Bayern von ihrer Vergangenheit. Obwohl sich beide Mannschaft 2013 im Finale gegenüberstanden, kassiert Bayern alleine für die Teilnahme an der Königsklasse in dieser Saison rund 15 Mio. Euro mehr.

Der Grund: ein Verteilerschlüssel, der die Erfolge in der Vergangenheit belohnt. In dem Zehn-Jahres-Ranking liegen die Münchner auf Rang drei, Dortmund auf 17.


„Wo wir sicherlich Vorteile haben, ist im Sponsoring und im Marketing.“Bayern-Präsident Hoeneß


Trotz seiner bewegten Vergangenheit ist der BVB der einzig ernsthafte Konkurrent des Abo-Meisters aus München. BVBGeschäftsführer Carsten Cramer (50): „Borussia Dortmunds Wachstum war in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich hoch.

Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, wo wir herkommen. Bayern München besitzt in einer Landeshauptstadt andere geografische und wirtschaftliche Voraussetzungen – und nach wie vor erhebliche Wettbewerbsvorteile, die sich der Klub über Jahrzehnte selbst erarbeitet hat. Wir wollen mit Kreativität und Engagement unser eigenes Rennen fahren.“

Und mit Transfers. Durch die XXL-Summen sind immer weiter große Sprünge möglich, die Bayern so nicht machen will – und daher auch nicht machen kann.


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