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BUNDESLIGA: HOENESSGeheim-Treffen,um Kovac zuretten


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 15/2019 vom 10.04.2019

Bei einem Mittagessen am Tag vor dem Dortmund-Spiel redete der Präsident den Trainer stark. Da Rummenigge die Zukunft von Kovac infrage stellt, droht dem Klub ein Machtkampf


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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 15/2019

Den Weg für Trainer Niko Kovac (links) machte Uli Hoeneß frei, indem er sich lange Rummenigges Trainer-Kandidaten Thomas Tuchel (jetzt in Paris) verweigerte


Im Münchner Restaurant Käfer nutzt der FC Bayern die 16 Hinterzimmer-Stuben für vertrauliche Gespräche


Das Treffen fand fernab aller Blicke statt. Präsident Uli Hoeneß (67) lud Trainer Niko Kovac (47) nicht in die Bayern-Geschäftsstelle an der Säbener Straße ein, sondern an einen ...

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... Ort fünf Kilometer entfernt. Freitagmittag vor dem Abschlusstraining für das Spitzenspiel gegen Dortmund saßen Präsident und Coach in einer Hinterzimmer-Stube des Feinkost-Restaurants „Käfer“, wo traditionell wichtige Entscheidungen rund um die Bayern besprochen werden. Hoeneß hatte beim gemeinsamen Mittagessen einiges klarzustellen, was seiner Meinung nach in den vergangenen Tagen und Wochen gegen den Trainer gelaufen war.


Hoeneß trifft Trainer wie Führungsspieler fernab der Blicke der Säbener Straße.


Beim Mittagessen erklärte der Bayern-Patron Kovac dann, dass er mit seinen Aussagen am Vortag („Es darf keine Ausreden mehr geben, es muss geliefert werden“) nicht Druck auf ihn, sondern auf die Spieler ausüben wollte, die seiner Meinung nach in der öffentlichen Kritik zu einfach davongekommen seien. Seit Weihnachten hatte sich der Aufsichtsratschef auf den einen oder anderen Kaffee mit Kovac getroffen. Hoeneß schätzt die Diskussionen mit dem 47-Jährigen, auch, weil er so immer weiß, was in seinem Verein und in der Mannschaft passiert. Am Ende des Gesprächs stärkte der Präsident seinem Trainer den Rücken, prognostizierte einen hohen Sieg gegen die Borussia. Tags darauf feierte Kovac einen 5:0-Er-folg über Dortmund. Ungeachtet des Triumphs und der wiedergewonnenen Tabellenführung wird weiter diskutiert, ob Kovac trotz Vertrages bis 2021 auch in der kommenden Saison Trainer des FC Bayern ist. Die Frage kommt diesmal nicht nur von außen, sondern vor allem aus dem Klub selbst heraus.

Dem FC Bayern droht ein Richtungsstreit. Die Personalie Kovac steht im Mittelpunkt des ewigen Machtkampfs zwischen den Bayern-Bossen Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge (63).

SPORT BILD weiß: Seit dem Aus gegen den FC Liverpool (0:0, 1:3) in der Champions League wird an der Säbener Straße kontrovers über die Zukunft von Niko Kovac diskutiert. Mit seinem Auftritt am Sonntag bei der Sky-Sendung „Wontorra – der Fußball-Talk“ befeuerte Rummenigge zusätzlich das Trainer-Thema, indem er Kovac die Job-Garantie über die Saison hinaus absprach („Es gibt bei Bayern München für niemanden eine Jobgarantie. Jeder muss bei Bayern München liefern“).

Dazu ist die Trainer-Vorgeschichte wichtig: Kovac gilt als Hoeneß-Mann. Rummenigge hatte seit der Entlassung von Carlo Ancelotti (ein Rummenigge-Mann) die Verpflichtung von Thomas Tuchel (45) forciert. Hoeneß sträubte sich so lange gegen den Rummenigge-Kandidaten und versuchte, Jupp Heynckes eine Verlängerung schmackhaft zu machen, bis es zu spät war. Als sich Bayern nach Monaten des Hinhaltens bei Tuchel meldete, hatte dieser schon Paris Saint-Germain zugesagt. Erst dadurch war der Weg frei für Niko Kovac, auf den sich die Parteien am Ende einigen konnten. Das Gleichgewicht zwischen den beiden Alphatieren, die sich durchaus persönlich sehr schätzen, wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder neu austariert. Doch seit Dezember neigt sich die Waage in der Machtkonstellation Hoeneß/Rummenigge mehr und mehr auf die Seite des Aufsichtsratschef.


Kovac ist ein Hoeneß-Mann. Wie Salihamidzic und Kahn. Die Hausmacht des Präsidenten wächst.


Rummenigge bestätigte am Sonntag selbst, dass er zu seinem Vertragsende am 31. Dezember 2021 komplett aus dem Klub ausscheiden werde – und auch nicht durch das Hintertürchen Aufsichtsrat zurückkehren wolle. Diese Tür hatte Hoeneß ohnehin zuvor schon weit zugezogen.

Vier Tage bevor Hoeneß den Vertrag von Rummenigge ein letztes Mal um zwei Jahre verlängerte, ließ er sich am 17. Dezember 2018 erneut als Aufsichtsratschef bestätigen. Der Zeitpunkt der Wahl war insofern ungewöhnlich, da Hoeneß ja erst im Februar 2017 für das Amt gewählt worden war. Turnusmäßig wählt das Gremium eigentlich alle drei Jahre. Fix ist nun: Hoeneß ist bis Ende 2022 der wichtigste Posten im Klub sicher, also für vier Jahre gewählt. Somit ist er ein Jahr länger im Amt als Vorstand Rummenigge. Das bietet Hoeneß (mindestens) zwölf Monate, in denen er erstmals seit 1991 ganz ohne Rummenigge im Klub Entscheidungen treffen kann. Eine Hoeneß-Personalie wie Gladbachs Manager Max Eberl (45) würde der Aufsichtsratschef dann leichter durchdrücken können.

Eingeleitet hat Hoeneß das Ende der Ära Rummenigge, indem er im vergangenen Sommer die Gespräche mit Oliver Kahn (49) aufnahm. Kahn war schon zu Spielerzeiten ein Hoeneß-Mann, wie auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic (42). Rummenigge soll erst später über die Kahn-Pläne informiert worden sein. Überraschend offen räumte Rummenigge nun im TV-Talk ein, dass ihm selbst jetzt Form und Zeitpunkt der Rückholaktion des Ex-Kapitäns relativ unbekannt sei.

Kahn wird ja in einer Vorstandsrolle in den Klub zurückkehren, um nach dem Rummenigge-Ausscheiden zum 1. Januar 2022 den Vorsitz zu übernehmen. Erste Pläne sehen vor, dass Kahn neben seiner Einarbeitung dem FC Bayern insbesondere bei der Internationalisierung helfen und als Zugpferd auf dem asiatischen Markt fungieren soll, auf dem er sich selbst längst als eigene Marke positioniert hat.

Die nächsten Gespräche zwischen Kahn und Hoeneß sollen noch in diesem Monat stattfinden. Die Persona lie an sich hat der Aufsichts rat, dem Hoeneß vorsitzt, längst genehmigt.

Während Rummenigge Sonntagvormittag das Ende seiner Bayern- Zeit verkün dete, spielte Hoeneß zu Hause am Tegernsee ent spannt mit seinen Enkeln. Der Präsident ist so nah wie lange nicht mehr an seiner Mannschaft und empfängt für seine Gespräche nicht nur den Trainer abseits der Säbener Straße, sondern auch die Führungsspieler.

Kapitän Manuel Neuer (33) und Robert Lewandowski (30) waren schon zu Gast am Tegernsee, zuletzt bekam Hoeneß von Franck Ribéry (36) Besuch. Stets ging es auch um den Trainer. Die Spieler ließen Hoeneß einhellig wissen, dass Kovac generell zu sehr auf sein Defensiv-Spiel poche, zulasten des Offensivspiels der Bayern, aber sie betonten auch unabhängig voneinander, dass die schwankenden Leistungen in dieser Saison nicht allein die Schuld des Trainers seien.

Ribéry zu SPORT BILD: „Wir können das nur zusammen schaffen, als Gruppe. Ich bin der älteste Spieler, habe die meiste Erfahrung, daher rede ich viel auf dem Platz, auf der Bank, überall. Niko Kovac weiß, dass er mich braucht, auch wenn ich nicht auf dem Platz stehe. Ich habe eine Präsenz. Wenn ich etwas sage, hören viele auf mich.“


Die Personalie Max Eberl könnte Hoeneß ab 2022 leichter durchsetzen.


Die Trainerfrage wird den Klub bis zum Saisonende beschäftigen. Nur der DFB-Pokal könnte am Ende nicht genug sein. Rummenigge hat das Double als Ziel ausgerufen. Hoeneß vertritt intern eine andere Meinung. Sie lautet: Wenn man es jetzt im Umbruch nicht mit einem jungen Trainer probieren würde, wann bitte schön dann?

Nach der Saison 2012, als der FC Bayern dreimal Vize in Bundesliga, Pokal und Champions League wurde, musste sich Hoeneß schon einmal gegen Rummenigge stemmen, als im Vorstand ein Trainer-Rauswurf gefordert wurde. Hoeneß hielt an seinem Freund Jupp Heynckes (73) fest, der dann in der Folgesaison das historische Triple gewann.

Hoeneß ist durchaus bewusst, dass auch er in seiner Karriere Fehler gemacht hat. Wichtig ist ihm dabei, dass er nie einen Fehler zweimal begangen habe. Noch heute wirft er sich vor, den jungen Jupp Heynckes 1991 zu früh entlassen zu haben. Heynckes war damals 46. Niko Kovac ist aktuell mit 47 gerade mal ein Jahr äl ter.

DAS DARF:HOENESS:ALS AUFSICHTSRATSCHEF

Hoeneß ist Präsident und Aufsichtsrats-Boss


FOTOS: Dpa/Picture Alliance (2)

Uli Hoeneß (67) ist beim FC Bayern Präsident und Aufsichtsratschef in Personalunion. Letzteres Amt ist das wichtigere bei Entscheidungen, welche die Fußball-Abteilung betreffen. Hoeneß kann mit seinem Gremium den Vorstand berufen und auch entlassen. Dazu muss der Vorstand sich alle Transfers ab einem Gesamtvolumen von 25 Millionen Euro vom Aufsichtsrat genehmigen lassen. Hoeneß hat den Posten bis Ende 2022 inne.

DAS DARF:RUMMENIGGE:ALS VORSTANDSCHEF

Rummenigge ist seit 2002 Vorstandsboss


Karl-Heinz Rummenigge (63) ist als Vorsitzender des Vorstands Herr über das Tagesgeschäft beim FC Bayern. Bei Spieler-Transfers und auch Direktoren-Posten, wie zum Beispiel im Fall von Sportchef Hasan Salihamidzic (42), gibt er die Richtung vor. So lauten die Statuten. Rummenigge macht aber selbst kein Geheimnis daraus, dass sportliche Entscheidungen immer auch mit Hoeneß am Tisch abgestimmt werden. Dabei hätte dieser als Aufsichtsrat lediglich eine Kontrollfunktion. Rummenigges Vertrag endet am 31. 12. 2021.


FOTOS: Imago, Dpa/Picture Alliance