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BUNDESLIGA: HUUB STEVENS: „Platz 8 wäre ein großer Schritt für Schalke“


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 21/2019 vom 22.05.2019

Der Retter spricht über die S04-Zukunft, fordert Unterstützung für den neuen Trainer Wagner und kritisiert die Spieler-Generation


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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 21/2019

Stevens hat nach seinem letzten Spiel als Schalke-Trainer gegen Stuttgart (0:0) feuchte Augen bei seiner Verabschiedung. Der Niederländer bewahrte S04 vor dem Abstieg


„David Wagner braucht jedoch die Unterstützung, die Domenico Tedesco nicht hatte.“


SPORT BILD: Herr Stevens, David Wagner wird im Sommer neuer Trainer des FC Schalke 04. Waren Sie bei der Verpflichtung mit eingebunden?

HUUB STEVENS (65): Nicht von Anfang an, aber man hat mich nach meiner Meinung gefragt. David ...

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HUUB STEVENS (65): Nicht von Anfang an, aber man hat mich nach meiner Meinung gefragt. David Wagner braucht jedoch die Unterstützung, die Domenico Tedesco nicht hatte. Ihn hat man auf Schalke allein gelassen und ihm nicht die nötige Unterstützung gegeben, die ich während meiner Anfangszeit von Rudi Assauer als Manager bekam. Darum ist Tedesco verbrannt worden – und daran haben wir alle Schuld. Ich glaube aber, dass alle hier daraus gelernt haben. Darum wird es für David hoffentlich anders laufen. Außerdem hat er noch einen Vorteil.

Welchen?

Er hat zwei Jahre für Schalke gespielt und kennt den Verein. Dennoch muss er sich umstellen im Vergleich zu seiner Arbeit in England bei Huddersfield. Die Fans wollen die Nähe zu den Spielern haben.

Inwieweit können Sie Wagner helfen?

Ich habe viele relevante Informationen über Trainingsleistungen, Leistungsdaten etc. für ihn zusammengefasst. Außerdem haben wir vor dem Spiel gegen Stuttgart(0:0; d. Red.) ein Gespräch geführt, in dem ich ihn über die aktuelle Lage informiert habe. Entscheidend wird jedoch sein eigener Eindruck sein.

Sie waren 1997 Wagners Trainer, als Schalke den Uefa Cup gewann. Wie war er als Spieler?

Er war jung, hatte eine gute Technik, machte Tore. Und er war eher ein ruhiger Kerl. So wie er auch heute auftritt.

Vizemeister Schalke beendete die Saison jetzt als enttäuschender Tabellen-14. Kommt der Klub wieder nach oben?

Das hoffen wir alle. Aber es ist ein längerer Weg. Man kann nicht fest versprechen, in zwei, drei Jahren ist man wieder ganz oben dabei. Aus heutiger Sicht wäre Platz sieben oder acht in der nächsten Saison ein großer Schritt. Denn schauen Sie sich das Vereinsgelände an, es wird umgebaut, viel Geld(rund 95 Millionen Euro; d. Red.) wird investiert, das nicht in die Mannschaft gesteckt werden kann. Darum habe ich schon bei internen Besprechungen gesagt: Lass uns auch auf die jungen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs wie Ahmed Kutucu, Nassim Boujellab oder Jonas Carls setzen, die sich entwickeln werden. Das ist immer ein Weg von Schalke gewesen.

Aber die Fans wünschen sich den FC Schalke im Europacup.

Natürlich wollen sie in Europa dabei sein, dafür leben sie für den Verein. Aber wenn sie eine Entwicklung und eine Spielweise sehen, die zu Schalke passt, dann akzeptieren sie auch einen Zwischenschritt. Das Entscheidende ist: Die Mannschaft darf die Fans nicht so oft enttäuschen wie in dieser Spielzeit. Der Derby-Sieg in Dortmund(4:2; d. Red.) war nur ein Trostpflaster – mehr nicht. Wir haben eine richtig schlechte und enttäuschende Saison gespielt. Das muss allen Spielern klar sein! Bei unserem letzten Auswärtsspiel in Leverkusen habe ich ihnen nach einer schwachen ersten Hälfte in der Halbzeit gesagt: Hier sind wieder 8000 Schalke-Fans dabei – und wir lassen sie im Stich. Das geht nicht. Du darfst die Fans nicht enttäuschen!

Schalkes Bosse spielten vor der Wagner-Verpflichtung mit dem Gedanken, Tedesco für die neue Saison zurückzuholen.

Auch wenn wir Domenico alle überaus schätzen: Das ist nicht richtig. Ich denke auch, dass das jetzt nicht gut gewesen wäre: für Domenico und für die Mannschaft. Ich gehe davon aus, dass sich am Gesicht der Mannschaft nicht so viel verändern wird.

Wagner wird neuer Trainer des FC Schalke 04. Der frühere Spieler, Mitglied der Eurofighter-Mannschaft von 1997, erhielt einen Vertrag bis 2022


Muss der Kader nach einer so miesen Saison nicht ausgemistet werden?

Nein, für die Defensive muss etwas getan werden, drei Innenverteidiger sind zu wenig. Einige Spieler haben sich zuletzt gut entwickelt: Suat Serdar, Omar Mascarell.

Inwieweit hat der Retter-Job Sie geschlaucht?

Ich habe fünfeinhalb Kilo abgenommen. Durch Stress. Schalke ist halt die bes te Diät(schmunzelt).

Sie betonten, dass der Retter-Job die schwierigste Aufgabe Ihrer Trainer-Karriere gewesen sei. Warum genau?

Erstens hatte es mit Emotionen zu tun. Wenn es um Schalke geht, dann spüre ich ganz andere Gefühle als für all die anderen Klubs, bei denen ich arbeiten durfbei durfte. Wenige Wochen zuvor war erst Rudi Assauer, der mich 1996 nach Schalke holte und dem ich so viel zu verdanken habe, von uns gegangen. Das tat sehr weh. Ich fühlte mich allein deshalb verpflichtet, dem Verein zu helfen! Außerdem ist der Trainer-Job in den letzten 20 Jahren nicht einfacher geworden.

Weshalb?

Das hat verschiedene Gründe, der Bereich Social Media ist einer davon. Fast jeder Fan beim Training hat eine Kamera dabei und kann alles filmen. Früher waren nicht mehr als ein, zwei Fernseh-Teams dabei. Dazu haben sich die Spieler-Generationen verändert. Früher wurde mehr Klartext untereinander gesprochen, die Jungs korrigierten sich gegenseitig in ihrem Verhalten. Als Trainer musste man weniger eingreifen.


„Früher wurde mehr Klartext gesprochen, als Trainer musste man weniger eingreifen.“


Nabil Bentaleb haben Sie zweimal suspendiert, weil er die nötige Disziplin vermissen ließ…

Unabhängig von Nabil: Das ist meiner Meinung nach ein gesellschaftliches Thema, das spiegelt sich auch im Fußball wider. Wir leben doch alle in einem gewissen Wohlstand, haben ein gutes Leben, die Spieler sicher noch mehr als andere Teile der Gesellschaft. Dadurch entsteht eine Art von Egoismus, das eigene Wohl steht immer im Vordergrund. Ich weiß noch, als ich früher als Kind mit Freunden auf der Straße Fußball spielte: Da saßen unsere Eltern beim Kaffee zusammen, sie redeten miteinander und schauten uns zu. So etwas sieht man heute nicht mehr. Zum Nachbarn sagt man Hallo und geht seinen eigenen Weg. Auch der Respekt untereinander ist oft weniger geworden. Wie viele Male bekommt man beim Autofahren den Mittelfinger gezeigt? Wir sind in einer Welt angekommen, in der wir oft nicht mehr an unsere Mitmenschen denken. Das liegt daran, dass es uns allen viel zu gut geht.

Sie sind Schalkes Jahrhundert-Trainer. Hatten Sie keine Angst, mit ei nem Abstieg Ihr Denkmal beschädigen zu können?

Nein, diesen Gedanken hat te ich gar nicht, denn es ging in erster Linie um den Verein, da hätte ich auch nicht Nein sagen können. Jochen Schneider(Sport-Vorstand; d. Red.) schilderte die aktuelle Situation und meinte nach dem 0:7 im Champions-League-Achtelfinale bei Manchester City, dass kein Leben mehr in der Mannschaft sei, sich etwas ändern müsse.

Stevens empfing SPORT BILD-Reporter Rumpf (r.) in seinem Trainerbüro auf dem Schalker Vereinsgelände Sie waren damals noch als Aufsichtsrat für S04 tätig.


Ja, dann fragte mich Clemens Tönnies(Schalkes Aufsichtsrats-Boss; d. Red.) , ob ich als Trainer nicht aushelfen könne. Ich antwortete: Ich muss erst mal wissen, wie es meinem Herzen geht.

Weil Sie Ende 2018 am Herzen operiert wurden.

Richtig. Ich ließ mich daraufhin von unserem Kardiologen gründlich untersuchen, er hatte die Ergebnisse aus Eindhoven angefordert, dort war ich operiert worden. Als die Werte in Ordnung waren, sagte ich zu meiner Frau Toos: Du kannst meine Koffer wieder auspacken, denn ursprünglich wollten wir gemeinsam nach Mallorca fliegen.

Werden Sie als Trainer nochmals zurückkehren?

Nein, dreimal Schalke reicht. Es ist definitiv Schluss als Trainer, ich habe vergangene Woche eine Anfrage aus dem Ausland abgelehnt.


FOTOS: Getty Images, Picture Alliance

FOTOS: Picture Alliance, Sport Bild