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BUNDESLIGA: JOCHEN SCHNEIDER „Die Situation ist sehr bedrohlich“


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 20.03.2019

Schalkes neuer Sport-Vorstand über den Abstiegskampf, die Fan-Wut, den Trainerwechsel von Tedesco zu Stevens und die Klub-Zukunft


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Jochen Schneider ist Schalkes neuer SportVorstand. Er erhielt bei den Königsblauen einen Vertrag bis 2022


FOTO: Imago/Team 2

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SPORT BILD:Herr Schneider, Nabil Bentaleb fehlte am Samstag unentschuldigt gegen RB Leipzig. Er ist zwar verletzt, sollte die Mannschaft aber im Stadion unterstützen und blieb dann fern. Die Fans straften die Spieler mit Plakaten wie „Den Trainer rasiert, uns in Europa blamiert und Schalke nie kapiert: Söldner aussortieren“ ab. Ist die Mannschaft ein Sauhaufen?
JOCHEN SCHNEIDER (48): Ich habe die Mannschaft bisher nicht so erlebt, nein. Ich kann aber nicht darüber urteilen, was vor meiner Zeit war. Bisher gab es eine gravierende Verfehlung von Bentaleb – und dafür wurde er sanktioniert.

Bis auf Weiteres wurde er zur U 23 strafversetzt.
Ja. Ich habe kein Verständnis dafür, dass so etwas in einer für uns so prekären Situation passiert. Wir müssen alle in die gleiche Richtung marschieren, sonst geht es nicht.

Können Sie den Unmut der Anhänger verstehen?
Natürlich. Unsere Fans sind wie der gesamte Verein mit großen Erwartungen in die Saison gegangen, unsere Anhänger bringen Schalke Tag für Tag viel Liebe entgegen, opfern Zeit und investieren viel Geld. Wenn man mehrfach enttäuscht wird, dann ist es verständlich, dass diese extreme Liebe in Wut umschlägt. Aber wir müssen damit umgehen können. Denn im Umkehrschluss bedeutet das auch: Wenn es bei uns läuft, ist die Liebe unserer Fans etwas ganz Besonderes.

Sportlich läuft es seit Monaten nicht mehr, der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt nur noch drei Punkte. Steigt Schalke als Vizemeister ab?
Die Situation ist sehr bedrohlich. Das Gefährliche ist, wenn Außenstehende glauben, Schalke sei zu groß, um abzusteigen. Das dachte man vor drei Jahren auch über den VfB Stuttgart.

2016 stieg Ihr Ex-Klub ab.
Ja. Darum haben wir der Mannschaft klargemacht, wie prekär die Situation ist.



„Die Stimmung war so niedergeschlagen. Ich bekam das Gefühl, wir müssen sofort handeln“


Damit Schalke nicht absteigt, wurde Huub Stevens zum dritten Mal als Trainer verpflichtet.
Er ist Schalker. Für mich war es die beste Lösung. Ich habe ihn zweimal zum VfB Stuttgart geholt.

Er rettete den VfB 2014 und 2015 vor dem Abstieg. Stevens sagte: Sein jetziger Job sei der schwerste in seiner Karriere.
Huub Stevens ist Schalkes Jahrhundert-Trainer. Für ihn ist es wichtig, seinem Herzens-Klub zu helfen. Darum hat Huub, als ich ihn vergangene Woche anrief, direkt Ja gesagt. Er meinte: Wenn Schalke mich braucht, bin ich der Erste, der mit anpackt.

Hätte Vorgänger Tedesco auch gegen Leipzig auf der Bank gesessen, wenn er mit dem FC Schalke in der Champions League bei Manchester City 0:3 statt 0:7 verloren hätte?
Wir haben von vornherein gesagt, dass wir eine Trendwende in der Leistung sehen möchten und haben dies nicht an den nackten Ergebnissen festgemacht. Wir haben dann am Mittwochabend der vergangenen Woche(einen Tag nach dem 0:7 bei Man City; d. Red.) miteinander gesprochen. Dabei habe ich ihm gesagt: Wir gehen mit dir ins Leipzig-Spiel. Es bleibt so. Darum hat Domenico am nächs-(als Stevens verpflichtet wurde; d. auch das Training geleitet. Einen Tag später habe ich anders entschie-

Warum?
Die Stimmung insgesamt war am Donnerstagmorgen in allen Bereichen so niedergeschlagen, dass ich das Gefühl bekam, wir müssen sofort handeln. Domenico und ich hatten in den 18 Tagen, die wir auf Schalke zusammengearbeitet haben, einen absolut fairen und transparenten Austausch. Von daher sind wir sauber auseinandergegangen. Dennoch ist es sehr schmerzvoll: In un- serem ersten Gespräch bei meinem Antritt sagten wir uns: Wir rocken das gemeinsam. Leider haben wir es nicht geschafft, das ist extrem bitter. Ich bin mir aber sicher: Domenico wird eine große TrainerKarriere hinlegen.

Was macht Sie so sicher?
Er bringt alle fachlichen Qualitäten mit, hat Visionen, kann Menschen begeistern, arbeitet akribisch und gibt immer Vollgas. Darüber hinaus ist er ein feiner Kerl. Domenico ist mit seinen 33 Jahren noch jung, die Erfahrungen auf Schalke werden sehr hilfreich für ihn sein.

Warum hat Schalke sich zur Trennung entschieden?
Aufgrund der sportlich prekären Situation. Man darf nicht die vergangenen knapp drei Wochen, seitdem ich da bin, isoliert betrachten, sondern muss den Trend der gesamten Saison sehen. In 2019 wurde nur das erste Rückrundenspiel gegen den VfL Wolfsburg gewonnen. Das war das eine. Das andere war, dass in dem Dreivierteljahr seit der Vizemeisterschaft etwas zwischen der Mannschaft und dem TrainerTeam verloren gegangen sein muss.

Sie suchen einen Sportdirektor. Wird es Horst Heldt, der in Hannover unglücklich ist?
Ich habe Horst Heldt in Stuttgart 2006 vom Ersatzspieler zum Sportdirektor gemacht. Es waren in der Folge nicht die viereinhalb schlechtesten Jahre für den VfB mit zwei ChampionsLeagueTeilnahmen, dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft, zwei UefaCupTeilnahmen und dem DFB-PokalFinalEinzug. Aber es wäre jetzt unseriös über einzelne Namen zu sprechen. Insbesondere über Leute, die bei anderen Vereinen unter Vertrag stehen.

Muss der neue Sportdirektor Schalker Stallgeruch besitzen?
Ich würde anders beginnen: Er sollte großen FußballSachverstand haben. Er sollte die Dynamiken und Abläufe innerhalb einer Mannschaft, eines TrainerTeams und des kompletten Umfelds einer Mannschaft kennen. Darüber hinaus ist Kommunikation wichtig. Dann kämen erst die Punkte Erfahrung und Stallgeruch. Horst hatte bis 2006 nie als Sportdirektor gearbeitet – und tat dies wie beschrieben erfolgreich. Und Fredi Bobic, den ich nach Stuttgart zurückgeholt habe und der beim VfB trotz einer schwierigen Situation mit dem Konsolidierungskurs einen SuperJob gemacht hat, arbeitete davor als Sportdirektor in Bulgarien und hatte wenig Erfahrung. Jetzt zeigt er in Frankfurt, was für ein hervorragender Sportvorstand er ist.

Haben Sie den Wechsel von Leipzig nach Schalke schon bereut?
Ein guter Start hätte sicher anders ausgesehen. Aber der Verein Schalke 04 hat für mich immer einen unglaublichen Reiz ausgestrahlt. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, die WohlfühlOase Leipzig zu verlassen mit einer SuperInfrastruktur, einem exzellenten Kader, den wirtschaftlichen Möglichkeiten und den handelnden Personen, die allesamt auf TopNiveau agieren. Ich möchte aber an dieser Stelle auch ausdrücklich betonen: Ich habe keinen Tag bereut, nun auf Schalke zu sein. Aber es wird noch eine Weile dauern, um den Verein in seiner Gänze zu verstehen.

Wie haben Sie Schalke vorher wahrgenommen?
Schalke ist der emotionalste Klub in Deutschland mit extremen Ausschlägen nach oben und unten. Er hat eine unglaubliche Historie, großartige Fans und das wohl schönste Stadion Deutschlands.

Aber sportlich zurzeit keinen Erfolg. AufsichtsratsChef Clemens Tönnies will Schalke dauerhaft als Nummer 3 in Deutschland etablieren.
Es ist nicht so einfach, uns in eine bestimmte Kategorie einzuteilen. Mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund hat man zwei Klubs, die auch aufgrund ihrer wirtschaftlichen Voraussetzungen vorne stehen. Dann gibt es eine Reihe von Vereinen(Leipzig, Bayer Leverkusen, Wolfsburg, Frankfurt, Mönchengladbach, Hoffenheim; d. Red.) , die um die weiteren vorderen Plätze streiten. Es bringt jetzt nichts zu sagen, wann und wo wir sein wollen.


„Ich habe Horst Heldt in Stuttgart vom Ersatzspieler zum Sportdirektor gemacht“


Bisher arbeiteten Sie meist unter dem Radar und nicht als Frontmann. Auf Schalke ist die Fluktuation der Manager und Trainer groß. Haben Sie keine Befürchtung, wie zuletzt Ihr Vorgänger Christian Heidel zu verbrennen?
Es ist die Frage, ob es ein Schalkespezifisches Problem ist oder ein generelles in der Branche, wenn SportVorstände oder Manager gewechselt werden. Wenn ich nur an meinen ExKlub VfB Stuttgart denke: Dort gab es während eines kurzen Zeitraums einige Wechsel(Fredi Bobic, Jan Schindelmeiser, Robin Dutt, Michael Reschke; d. Red.) . Das ist nichts, was mich abschreckt. Ganz wichtig für uns ist: Wir müssen gute Entscheidungen für Schalke treffen, dies allein ist mein Antrieb.

Und was das Thema Frontmann betrifft?
Mir ist bewusst, dass Schalke eine andere Wucht hat. Ich sehe mich aber nicht in der Rolle, mein Gesicht ständig in der Zeitung oder im Fernsehen sehen zu müssen. Mir geht es darum, die Saison zu retten und dann den Verein für die Zukunft aufzustellen und in ruhigere Gefilde zu führen. Dafür müssen wir die Aufgaben verteilen und die besten Leute für die jeweiligen Jobs holen, die vor allem zwei Dinge mitbringen: Qualität und TeamplayerMentalität.

Tedesco: Abschied von den Mitarbeitern

Das Spiel eins nach seiner Freistellung verfolgte Schalkes Ex-Trainer Domenico Tedesco (33) daheim in Stuttgart vor dem Fernseher. Er fieberte mit S04 mit. Vergeblich. Schalke verlor 0:1 – was Tedesco ärgerte. Denn er verlässt die Knappen ohne Groll. Der Klub ist ihm ans Herz gewachsen. Darum plant Tedesco, diesen Mittwoch bei den Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle Tschüss zu sagen. Zuvor verabschiedete er sich bei den Spielern. Er schrieb eine Nachricht in die WhatsApp-Gruppe der Mannschaft, bedankte sich für die Zusammenarbeit und wünschte viel Glück für den Abstiegskampf. Zudem telefonierte er mit Mitgliedern aus dem Mannschaftsrat.


FOTO: Getty Images