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BUNDESLIGA: Spionage-Protokolle belasten Frankfurt: „Das war Daten-Missbrauch im großenStil“


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 28/2019 vom 10.07.2019

Chef des Scouting-Systems „ISB“erhebt Vorwürfe und klagt t, vor dem Zivilgericht


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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 28/2019

Sport-Vorstand Fredi Bobic (l.) und Chefscout Ben Manga (M.) begrüßen Zugang Zalazar – half beim Transfer illegale Software?


Die Klageschrift umfasst 530 Seiten, zugestellt am 1. Juli 2019. Der Empfänger: Eintracht Frankfurt e.V. Der Vorwurf: Daten-Spionage. Frankfurt soll sich mit der Kennung von RB Leipzig unerlaubt Zugang zu dem Scouting-System „ISB“ (International Soccer Bank) verschafft haben. In einem Zeitraum von 22 Monaten gab es 5664 illegale Zugriffe, um mit der Software potenzielle neue Spieler zu checken. Jürgen ...

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... Kost (53), Geschäftsführer von ISB klagt an: „Wir sprechen eindeutig von Datenmissbrauch im großen Stil. Wir können nachweisen, dass über die Standleitung von Eintracht Frankfurt sehr lange illegal auf unsere Datenbank zugegriffen wurde.“ Mit der Zivil-Klage möchte ISB u. a. Zahlungen für die illegale Nutzung der Daten erwirken.


„Es ist eindeutig belegbar, dass es nicht nur um Jugendspieler ging.“ ISB-Geschäftsführer Jürgen Kost


Am 27. Mai enthüllte BILD den Spionage-Skandal. Schon im März machte die Eintracht U-17-Trainer Frank L. (47) dafür verantwortlich und entließ ihn. SPORT BILD liegen jetzt die Protokolle der illegalen Zugriffe vor. Aus ihnen wird klar: Frankfurt missbrauchte den Zugang offensichtlich nicht nur für das Jugend-Scouting, sondern wohl auch, um die Profi-Mannschaft zu verstärken. Am 2. Juli stellte die Eintracht den Uruguayer Rodrigo Zalazar (19) als Zugang vor, verlieh ihn drei Tage später an Korona Kielce (Polen). Zalazar wurde im Februar 2018, als er noch beim FC Málaga spielte, mit der ISB-Software gescoutet.

„Es ist eindeutig belegbar, dass nicht nur Jugendspieler aus der Datenbank gezogen wurden. Der Blick geht nicht Richtung Eintracht Frankfurt U17, sondern eher in Richtung Profibereich“, sagt ISB-Chef Kost. War U-17-Trainer Frank L. also gar nicht der Alleinschuldige? Kosts Vorwurf: „Die Häufigkeit und intensive Nutzung über 22 Monate lässt den Rückschluss zu, dass es sich nicht nur um eine Einzelperson handelt – speziell, wenn man weiß, was Trainer zu leisten haben, welches Arbeitspensum sie bewältigen müssen. Es bleibt zumindest ein Restzweifel, ob es sich um nur eine Person handelt.“ Nach Erkenntnissen des Eintracht

Frankfurt e.V. gibt es indes keinen Zusammenhang zwischen den Zugriffen von L. und dem Profi-Bereich. Frank L. sei nie mit Transfers beschäftigt gewesen. Zurzeit überprüft die Eintracht die Vorwürfe intern. Bis zum 15. Juli muss der Verein bei Gericht erklären, ob er sich gegen die Klage verteidigen will. ISB betreibt eine Scouting-Datenbank. Tausende nationaler sowie internationaler Jugend- und Profi-Partien können über das Portal geschaut, die Profile von Spielern bis zum U-16-Nachwuchsbereich abgerufen und analysiert werden. Der Service kostet einen Verein 1100 Euro im Monat. Für einen Bundesliga-Klub also eigentlich Peanuts. „Sich die Leistung gratis zu erschleichen, ist eine Mentalität, die ich schwer nachvollziehen kann“, sagt Kost.

Die Protokolle belegen offensichtlich genau, wann welche Spiele gesehen wurden. Beispiele: Die Partie von Atlético Madrid II gegen Real Madrid II (2. September 2018), bei der zahlreiche potenzielle Eintracht-Zugänge auf dem Platz standen, wurde über das Portal genau analysiert. Gleiches gilt für die Aktionen von Stürmer Sebastian Polter (28), heute bei Union Berlin. Und selbst Weltstar Kylian Mbappé (20) beobachtete man am 27. Oktober 2017 mithilfe des illegalen Accounts.

Vier Jugendspieler, die sie über ISB intensiv beobachtete, verpflichtete die Eintracht spä ter. „Ein Großteil des Scoutings beinhaltet auch, dass man Spieler ablehnt, anstatt zu transferieren. Inwiefern unsere Daten und Videos da geholfen haben, ist nicht nachzuvollziehen“, sagt Kost. Häufig ist bei den Protokollen der Vermerk „Lesebestätigung entfernt“ zu sehen – um Spuren zu verwischen?

Teil der Klageschrift ist ein Antrag auf Zahlung von 43 303,76 Euro, der Streitwert ist laut Kläger sechsstellig. Aber es geht beim Spionage-Skandal nicht nur um Geld, sondern auch um Insiderwissen!

„Die Leipzig-Scouts können über den Zeitraum von 22 Monaten eigentlich zwei Abrechnungen stellen: einmal für RB, ein anderes Mal für Frankfurt“, meint Kost. Dank des sogenannten „Masteraccounts“, also des höchstmöglichen Zugangs, konnte Frankfurt sehen, wen und was Leipzig beobachtete. Die Zugriffe sind der Frankfurter IP (technisch eindeutig nachweisbare Adresse des Internetzugangs) zuzuordnen. Kost: „Frankfurt wusste über das Portal definitiv, was in Leipzig abgeht, wer gescoutet wurde.“

Der Spionage-Skandal flog ausgerechnet durch die Frankfurter Seite auf. „Die Sache ins Rollen brachte erst ein hochrangiger Eintracht-Mitarbeiter, der gegenüber einem Leipzig-Boss mit dem kostenlosen Zugang prahlte“, so Kost. Nach SPORT BILD-Info soll Chefscout Ben Manga (45) mit dem damaligen RB-Teamkoordinator und heutigen Schalke-Vorstand Jochen Schneider (48) darüber gesprochen haben. Schneider wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Manga ist aus Sicht des Eintracht Frankfurt e.V. nicht Teil der Klage, da er für die ausgegliederte Profi-Abteilung arbeitet.

Bei RB machte man als Schuldigen den damaligen New-York-Chefscout Benjamin Ehresmann (32) aus, der die Passwörter weitergegeben haben soll. Er wurde sofort entlassen. Bei RB ist man noch heute fassungslos. Kost: „Die Klage ist eingereicht und wurde vom Landgericht Frankfurt bestätigt. Es geht jetzt den juristischen Weg.“
Mitarbeit: R. Schreier