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BUNDESLIGA: Titel-Appell im Team-Hotel


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 19/2019 vom 08.05.2019

Der BVB-Boss sprach vor dem Bremen-Spiel zur Mannschaft. An Trainer Favre gibt es trotz der guten Entwicklung Zweifel


Artikelbild für den Artikel "BUNDESLIGA: Titel-Appell im Team-Hotel" aus der Ausgabe 19/2019 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 19/2019

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke


Der BVB am Boden. Nach dem 2:2 in Bremen haben die Dortmunder um Axel Witsel (l.) und Paco Alcácer vier Punkte Rückstand auf den FC Bayern. Der Titel ist wohl weg


Im Meisterkampf schaltete sich Hans-Joachim Watzke (59) persönlich ein. Wenige Stunden vor dem Anpfiff erschien der BVBBoss am Samstag im Bremer Steigenberger Hotel, wo die Dortmunder Mannschaft sich auf das Spiel gegen Werder vorbereitete. SPORT BILD erfuhr: In der abschließenden Teamsitzung hielt er ...

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... einen flammenden Titel- Appell, bevor sich die Spieler auf den Weg ins fünf Kilometer entfernte Weserstadion machten. Es war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass der Geschäftsführer als emotionaler Einpeitscher einsprang. Schon vor den Siegen gegen Stuttgart (3:1) und Berlin (3:2) sprach er zur Mannschaft. Dieses Mal wurde sie durch Watzkes Worte jedoch nur 45 Minuten angestachelt. Nach einer 2:0-Halbzeitführung brach der BVB ein und verspielte beim 2:2 gegen Werder auch die letzte Titelhoffnung. Zwei Spieltage vor Schluss liegt Tabellenführer Bayern München vier Zähler vorne. „Wir sind absolut keine Träumer. Bayern ist in der Pole-Position und hat das Polster noch einmal ausgebaut“, räumte Sportdirektor Michael Zorc (56) ernüchtert ein. Was er nicht sagte: Der BVB ist noch nicht reif für den Titel!


Favre ist ein exzellenter Taktiker, aber kein emotionaler Einpeitscher.


Den komfortablen Neun- Punkte-Vorsprung aus der Hinrunde hat Borussia eingebüßt. Allein in diesem Jahr gab der BVB vier Spiele trotz Führung noch aus der Hand – und damit auch die Meisterschaft. Nach den K.o.- Duellen gegen Tottenham (Champions League) und Bremen (DFB-Pokal) gewann der BVB auch die Big-Point- Partien in der Bundesliga gegen Bayern, Schalke und Bremen nicht. Die Folge: An Trainer Lucien Favre (61) gibt es erste Zweifel, obwohl der Schweizer vergangenen Sommer den großen Umbruch in Rekordzeit gemeistert hat. Favre holte bei zwei noch ausstehenden Spielen starke 70 Punkte. Mehr hatte der Klub in den vergangenen sechs Jahren am Saisonende nur zweimal (2014: 71, 2016:78).

Der Taktik-Tüftler hat der runderneuerten Mannschaft im Eiltempo eine erfolgreiche Spielphilosophie vermittelt. Aber: Mental auf den Ti- telkampf vorbereitet hat er sie nicht. Dass der introvertierte Schweizer oft eigenwillig handelt, wussten die BVB-Bosse schon bei seiner Verpflichtung. Als er aber nach dem 2:4 gegen Schalke vorschnell die Meisterschaft abschrieb, wurde es selbst Watzke und Zorc zu bunt. Sie widersprachen Favre öffentlich. „Man kennt Luciens Stärken, man kennt auch gewisse Schwächen. Wir haben das bekommen, was wir geglaubt haben zu bekommen“, sagte Watzke der SZ vor dem Spiel in Bre men. Favre gilt als exzellenter Analytiker, der Inhalte statt Begeisterung vermittelt. Für Watzke dürfte es also keine Überraschung gewesen sein, dass er – und nicht Favre – in der entscheidenden Saisonphase als Motivator auftreten musste. Fakt ist: Was für die letzte Chance auf den Titel nötig war, hat das Standing des Trainers geschwächt.

Auch im Kader fehlt ein emotionaler Anführer. Kapitän Marco Reus (29) überzeugt mit Leistung (16 Tore/ 11 Vorlagen), ist kein Mann der großen Worte. Stellvertreter Lukasz Piszczek (33) fällt in der Rückrunde verletzt aus. In der Kabine herrschte nach dem bitteren Unentschieden Stille, Favre verzichtete wie schon nach der Derbypleite in der Woche zuvor auf eine Ansprache. Mentalitätsspieler mit BVBDNA wie Neven Subotic (30), Nuri Sahin (30) oder Sven Bender (30) wurden durch Manuel Akanji (23), Axel Witsel (30) und Thomas Delaney (27) sportlich zwar erstklassig ersetzt, gehen dem Team aber ab.

Durch die jüngsten Entwicklungen litt auch das Verhältnis zwischen Trainer und Team. Dass Favre die Meisterschaft öffentlich abschenkte, sorgte für Unverständnis – ebenso wie sein langes Festhalten an der StandardTaktik. Obwohl sich der BVB in der Rückrunde oft schwertut und Spiele nur noch selten kontrolliert, nutzt Favre seine Wechseloptionen meist erst in der Schlussviertelstunde. Sein goldenes Händchen, das ihn in der Hinrunde noch ausgezeichnet hatte (14 Jokertore), ging ihm in der Rückrunde verloren (3 Jokertore).

Am Samstag trifft der BVB auf Düsseldorf. Gegen Fortuna kassierte die Borussia in der Hinrunde die erste Saisonniederlage (1:2), seitdem holten die Bayern 13 Punkte mehr als Dortmund. Während die Münchner stets vom Titel sprachen, ließ der BVB das Selbstverständnis einer Spitzenmannschaft in dieser Phase oft vermissen. Watzke und Zorc übten sich im Winter in Zurückhaltung, statt öffentlich den Titel auszurufen. Favre warnte in seinen Ansprachen stets vor vermeintlich extrem starken Gegnern, statt seinen Spielern eine breite Brust zu vermitteln. Ein Gegentor reicht inzwischen, um die Mannschaft komplett zu verunsichern. Beispiele gab es zuletzt genug: Gegen Mainz (2:1) rettete der BVB den Vorsprung gerade noch über die Zeit, gegen Schalke (2:4) und Bremen (2:2) verschenkte er nach Führungen fünf Punkte. Delaney erklärt die Probleme: „Es kommt Druck vom Gegner. Dagegen haben wir in den letzten Wochen keinen Schlüssel. Aber mit der Qualität, die wir haben, müssen wir das besser lösen können.“

Dazu kommen in der Rückrunde immer wieder individuelle Fehler. In Bremen waren es mit den Aussetzern von Roman Bürki (28) und Akanji gleich zwei. So musste Zorc in Bremen wieder einmal feststellen: „Wir haben es nicht zu Ende gebracht.“ Was für das Spiel ebenso galt wie für die Meisterschaft.


Favre ist Dortmunds Trainer mit dem besten Bundesliga-Punkteschnitt.