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BUNTBARSCHE


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aquaristik - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 05.10.2022
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Bildquelle: aquaristik, Ausgabe 6/2022

ein schmaler Bach fließt in den río mavicure und ist heimat für Apistogramma, Crenicichla, Dicrossus und mehr.

Jeder Aquarianer kennt Inírida, ein hübsches kleines Städtchen im Dschungel Kolumbiens, bekannt als Exportstation für Zierfische, das man aber nur mit dem Flugzeug erreichen kann, wenn man nicht mehrere Tage mit dem Boot oder Auto unterwegs sein will. Die deutsche Firma JBL organisierte eine Reise in das Atabapo-Becken und lud mich ein, als einer ihrer Biologen mitzufahren. Unser Ziel war es, die Gegend und einige andere abgelegene Gebiete zu erkunden.

Aber neben den bekannten Flüssen Inírida, Mavicure und natürlich dem Atabapo selbst konzentrierten wir uns vor allem auf die weniger erforschten, beschatteten Bäche in den nahen Wäldern. Der häufigste Cichlide, den wir in den zwei Wochen sammelten, war Apistogramma iniridae. Nur wenige Kilometer vom Zentrum von Inírida entfernt fließt der Caño Bonito. Auf den ersten Blick ein unspektakuläres Bächlein von etwa vier Meter Breite und selten tiefer ...

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... als einen Meter.

Völlig bedeckt von einem dichten Blätterdach nahmen wir um 14 Uhr folgende Wasserparameter auf: pH-Wert 5,5, 0 °dGH, Temperatur an der Oberfläche 28 °C, in 1 mTiefe 27,6 °C und 9 µS/cm. In Ufernähe setzten wir unsere Netze zu Beginn in einer Tiefe von etwa 40 cm ein und fanden sofort einige halbwüchsige A. iniridae. Wie die meisten anderen Apistogramma spp. leben sie zwischen Falllaub und Ästen in Bereichen mit sehr wenig bis keiner Wasserbewegung.

Starke Strömung

Je kleiner die Fische, desto eher leben sie dicht beieinander. Im Februar konnten wir dort keine adulten Exemplare finden, aber in der Nähe der Typuslokalität etwa 34 km südwestlich des Caño Bonito fingen wir später mehrere adulte Tiere. Verbindet man alle unsere Fundorte zu einem Poly-gon, so ergibt sich ein minimales Verbreitungsgebiet von 1.108 km², das potenziell von der Art bewohnt wird – wahrscheinlich ist es jedoch viel größer.

Der letztgenannte Fundort ist nicht nur Heimat von A. iniridae, sondern auch die Typuslokalität von A. psammophila. Im Gegensatz zu A. iniridae lebt diese Art nicht in flachen Gewässern und zwischen Blättern in den Nebenflüssen, sondern im Hauptkanal des Río Atabapo, und zwar in tieferen Bereichen von bis zu 150 cm; zwischen großen Steinen oder Felsbrocken. Anfangs bemerkten wir sie nicht, aber als ich mich bei einer Fotosession über einen wunderschönen Dicrossus sp. freute, ging einer unserer Führer lächelnd los und kam mit einer Tüte dieses attraktiven Fisches zurück.

Ein Freund und Apistogramma-Kenner bat ihn daraufhin sofort, ihn zu der Fangstelle zu bringen. Später berichtete er, dass es schwierig genug gewesen sei, die Fische zu entdecken, der Versuch aber, sie nicht zwischen den Felsen zu verlieren und in der Strömung zu fangen, ganz unmöglich. Laut unserem Führer, der in der Saison als Zierfischfänger arbeitet, kommt A. psammophila nicht in Biotopen vor, die man vorschnell als „typisch“ für die Gattung bezeichnen könnte. Die Art kommt anscheinend bei Weitem nicht so häufig vor wie gedacht.

Schüchterne Dicrossus-Spezies

Nachdem ich erfolglos versucht hatte, während des Fotografierens einen Sonnenbrand zu vermeiden, gingen wir zurück zum kleinen Zufluss, wo wir bereits einige Stunden zuvor einige schöne Dicrossus sp. gesammelt hatten. Zufällig lag die Typuslokalität einer weiteren Art ganz in der Nähe: D. gladicauda wurde von einer kleinen Insel flussaufwärts beschrieben.

Leider war trotz der vielen Exemplare, die wir sammelten, keines ein erwachsenes Männchen, sodass wir nicht sicher bestimmen konnten, ob es sich wirklich um D. gladicauda handelte. Die Art ist nur durch die „auffallend asymmetrische Schwanzflosse, die durch die lange fadenförmige Verlängerung ihres Dorsallappens gekennzeichnet ist“, diagnostiziert.

Doch ob D. gladicauda oder D. filamentosus – wir halten Ersteres für wahrscheinlicher –, es war ein Erlebnis, sie in ihrem Lebensraum zu beobachten. Die Zwergbuntbarsche hielten sich bevorzugt in der Nähe ihrer Verstecke auf, vor allem in den feinen Wurzeln der Bäume am Ufer.

Das Wasser war leicht bräunlich gefärbt, aber kein reines Schwarzwasser, da der Bach weiter flussaufwärts über felsige Substrate mit weniger organischem Material floss. Das erleichterte uns die Beobachtung immens: Wir mussten nicht so nah an die Fische ran Die Fische waren immer in kleinen Gruppen unterwegs und suchten den Grund nach Futter ab. Der Bewegungsradius betrug dabei ungefähr 80 Zentimeter. Sie schienen von Natur aus schüchtern zu sein, waren aber konsequent in ihrem Verhalten und es offensichtlich gewohnt, in Gruppen zu agieren. Das wird sich wahrscheinlich ändern, sobald sie erwachsen sind und sich Paare von der Gruppe trennen. Wir maßen in diesem Nebenfluss: pH-Wert 4, 0 °dGH, Temperatur an der Oberfläche 28,8 °C und 16 µS/cm.

Prächtig gefärbt

Crenicichla a ff. regani ist eine sehr beliebte Zwergart der Gattung und kam in vielen der von uns befischten Bäche vor. Einer davon war ein Nebenfluss des Caño Bocón, der wiederum ein westlicher Zufluss des Río Inírida ist. Während der Bocón ein Weißwasserfluss ist, handelt es sich beim Inírida um einen Schwarzwasserfluss.

Die intensive Färbung der Art war prächtig, die Schuppen reflektierten das Sonnenlicht im Fotobecken zusätzlich. Die gesammelten Exemplare maßen zwischen 5 und 7 cm, wobei die größeren Individuen bereits ausgewachsen zu sein schienen. Einige Quellen berichten hingegen, dass die Art bis zu 15 Zentimeter lang werden kann.

Die Männchen haben eine durchsichtige Rückenflosse, während die Weibchen einen roten Kreis um den schwarzen Fleck in der Mitte der Rückenflosse aufweisen. Innerartlich soll die kleine Art dennoch ziemlich aggressiv und streitsüchtig sein.

Ich denke trotzdem immer noch darüber nach, diesen attraktiven Buntbarsch einmal selbst zu halten.

Gern in Strandnähe

Ins Wasser gefallene Bäume sind bei vielen Fischen wie auch den Flaggenbuntbarschen sehr beliebt. In mehreren Bächen fingen wir juvenile bis halbwüchsige Exemplare von Mesonauta insignis oder egregius. Und im Atabapo hatten wir die Gelegenheit, sie auch unter Wasser zu beobachten.

Große Exemplare zwischen 15 und 20 Zentimetern glitten direkt vor unseren Augen zwischen langen Ästen von umgestürzten Bäumen hindurch. Sie schienen zu wissen, dass wir keine Gefahr darstellten, und wir näherten uns, bis sie das Sichtfeld unserer Taucherbrillen vollständig ausfüllten.

Die lockeren Gruppen bestanden aus 10 bis 15 Exemplaren, die sich sehr ruhig bewegten und immer darauf achteten, den Kontakt zur Gruppe nicht zu verlieren. Oft wurden die Flaggenbuntbarsche dabei von Pterophyllum altum begleitet. Vier oder fünf Exemplare des Altumskalars mischten sich häufiger unter die Gruppen. M. insignis hat ein riesiges Verbreitungsgebiet und ist aus großen Teilen des westlichen Orinoco-Beckens bekannt.

In der Aquaristik ebenfalls beliebt ist Laetacara fulvipinnis. Die Männchen entwickeln im Erwachsenenalter eine intensive Körperfärbung. Das Art-Epitheton geht zurück auf den gelben Anteil der Schwanzund Afterflosse.

Es handelt sich um eine der Arten, die sich nachts gerne in Strandnähe begeben und dann mit einem kleinen Handkescher eingesammelt werden können. Sobald der Schein der Taschenlampe auf den Fisch gerichtet ist, verweilt dieser ruhig und lässt sich gut fangen.

Mit einer Größe von bis zu neun Zentimetern bleibt L. fulvipinnis klein genug, um erfolgreich in kleineren Becken gehalten werden zu können, und wäre daher eine gute Ergänzung zu den Listen der Großhändler, denn auch ihre Pflege ist einfach.

Wer die hier präsentierten Buntbarsche in ihrer natürlichen Umgebung sehen will, dem kann ich nur raten, das anzugehen. Der Río Atabapo ist ein vielfältiges Reisegebiet mit einer guten touristischen Infrastruktur, kundigen Führern und Fischern. Mit etwas Glück kann man auch an einer JBL-Expedition teilnehmen und von der großartigen Organisation profitieren.

Text & Fotos: Daniel Konn-Vetterlein

Daniel Konn-Vetterlein beschäftigt sich seit fast 20 Jahren mit südamerikanischen Welsen und bereist deren Herkunftsgebiete. Er ist Vorsitzender der IG BSSW e.V. und Autor zahlreicher Fachartikel zum Thema ■