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BUNTE GAUKLER


Landlust - epaper ⋅ Ausgabe 4/2018 vom 20.06.2018

Schmetterlinge sind die Sommerboten schlechthin. Viele der Falter leben nur einige Tage bis Wochen.


Artikelbild für den Artikel "BUNTE GAUKLER" aus der Ausgabe 4/2018 von Landlust. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Landlust, Ausgabe 4/2018

Die ausgewachsenen Tiere von Zitronenfalter und Kleinem Fuchs sind nicht auf spezielle Pflanzenarten angewiesen.


Feldeinwärts ward getrieben der weiß´ und rote Schmetterling, und da ich träumend weiterging, war mir vom Paradiese her ein stiller Glanz geblieben.


Wie Hermann Hesse es in seinem Gedicht „Der Schmetterling“ schildert, ergeht es wohl den meisten Menschen beim Anblick eines bunten Falters: Man hält kurz inne, um dem durch die Luft gaukelnden Geschöpf nachzusehen. Es sind die schimmernden Farben und ...

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... ihre Art, scheinbar sorglos durch die Luft zu treiben, die uns faszinieren. Neben Hesse ließen sich auch andere Dichter von der Sorglosigkeit der Tagfalter inspirieren und verfassten Zeilen über sie, wie Johann Wolfgang von Goethe, Theodor Storm und Wilhelm Busch.

Hochzeit

Im Sommer ist die Hochzeit der Schmetterlinge. Nun flattern die ausgewachsenen Tiere an sonnigen, windstillen Tagen durch die Lüfte. Sie alle verfolgen dasselbe Ziel: sich zu paaren. Ein bis drei Generationen der schönen Insekten entwickeln sich je nach Art und Lebensraum.

Im Süden mehr Arten

Dabei sind es vor allem die Tagfalter, die wir im Garten, an Wiesen- und Waldrändern wahrnehmen. Etwa 190 verschiedene Arten leben in Deutschland – mit einem deutlichen Gefälle in der Artenzahl von Süd nach Nord: In Bayern kommen rund doppelt so viele Arten vor wie in Schleswig-Holstein. Das mildere Klima und unterschiedlichste Lebensräume sind dafür verantwortlich. Viele seltene Falterarten sind für ihren Lebenszyklus auf bestimmte Pflanzen angewiesen (lesen Sie hierzu die Artenporträts auf Seite 154/155) – nimmt die Anzahl der Pflanzenarten ab, gibt es auch weniger verschiedene Falter.

TAG-UND NACHTFALTER

Bei uns gibt es zehnmal mehr Nacht- als Tagfalter. Beide Faltergruppen unterscheiden sich optisch: Nachtfalter tragen meist dezente Farben, durch die sie tagsüber, während sie ruhen, getarnt sind. Sie schieben ihre Hinterflügel unter die Vorderflügel. Die meisten Tagfalter klappen ihre Vorderund Hinterflügel gemeinsam über dem Körper zusammen, sodass ihre farbigen Flügeldecken nicht mehr zu sehen sind. Da Nachtfalter sich in der Dunkelheit verstärkt anhand von Duftstoffen orientieren, tragen vor allem ihre Männchen oft stark gefächerte Fühler. Die Fühler der Tagfalter dagegen sind meist schmal und am oberen Ende keulenförmig – sie können sich neben dem Duft von anderen Reizen leiten lassen.

SCHMECKEN MIT DEN FÜßEN
Falter schmecken mit den Füßen. Bei der Suche nach der passenden Pflanze für die Eiablage kann man die Weibchen dabei beobachten, wie sie die Pflanzen mit den Füßen abtasten. Bei vielen Faltern ist das vordere der drei Beinpaare zu sogenannten Putzpfötchen umgewandelt. Die „Falterohren“ nehmen sogar Ultraschallwellen wahr, wie sie von jagenden Fledermäusen ausgestoßen werden. Wie bei anderen Insekten sind die Schmetterlingsaugen aus Tausenden von Einzelaugen zusammengesetzt. Diese machen Bewegungen und Farben erkennbar, erzeugen aber nur ein grob gerastertes Bild. Erst ab einem Abstand von etwa einem Meter zeigen sich schärfere Umrisse – Falter sind also von Natur aus kurzsichtig.

Farbenvielfalt

Die Farbenvielfalt der Schmetterlinge sucht ihresgleichen im Tierreich. Sie kommt durch Farbpigmente zustande, die bei vielen Faltern in die Flügelschuppen, flache kurze Haare, eingelagert sind. Der Schimmer der Schillerfalter wie auch vieler Bläulingsarten hingegen wird durch bestimmte Strukturen der Schuppenoberfläche hervorgerufen, die je nach Einfall des Lichts die Flügel mal blau, mal braun erscheinen lassen.

Abschrecken und anlocken

Erscheint die Farbenfreude auf den ersten Blick verschwenderisch – sie wirkt auf zweierlei Weise als Signal: Zum einen können die Muster auf den Flügeln Fressfeinde abschrecken. Ein berühmtes Beispiel hierfür ist das Tagpfauenauge. Die Augen auf seinen Flügeln imitieren die Augen eines größeren Tieres und bewirken, dass etwa Vögel von ihm ablassen. Zum anderen machen die Falter mithilfe ihrer Farben auf sich aufmerksam und locken das andere Geschlecht an. Wie so oft in der Natur sind es die Männchen, welche die intensiveren Farben tragen. Der gelb leuchtende Zitronenfalter, den die meisten als Frühlingsboten wahrnehmen, ist stets ein Männchen. Die Weibchen dagegen tragen dezentere weiß-grünliche Farbtöne.

Strategische Treffpunkte

Darüber hinaus besitzen die Männchen einiger Arten – wie die des Kaisermantels – Duftschuppen, mit denen sie die Weibchen anlocken können. Denn für die flatterhaften Wesen ist es gar nicht so einfach, sich zu treffen. Einige Falterarten haben eigene Strategien entwickelt, damit Männchen und Weibchen sich finden. Beim Schwalbenschwanz treffen sich die beiden Geschlechter auf markanten Hügelkuppen oder Felsen, bei den seltenen Schillerfaltern auf hohen Eichen

Dank ihres langen Rüssels gelangen Falter in tiefe Blüten.


Nahaufnahme: Die Farben der einzelnen Schuppen sind erkennbar.


An dem Muster auf den Flügelvorder- und -rückseiten können Experten die Falterarten erkennen, wie etwa diesen seltenen Flockenblumen-Scheckenfalter.


Der Admiral legt weite Strecken zurück, um den Sommer bei uns zu verbringen.


Beliebte Brennnessel

Nach der Paarung sucht das Weibchen eine geeignete Stelle, um ihre Eier abzulegen. Zielsicher steuert sie die Pflanzen an, die die Raupen bevorzugen. Dabei ist die Brennnessel für einige unserer häufigsten Falter eine besonders beliebte Fraßpflanze: Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs legen an ihr die Eier in Häufchen ab. Die Weibchen der Landkärtchen stapeln ihre Eier auf den Blattunterseiten der Brennnessel zu kleinen Türmen. Schachbrettfalter, deren Raupen an Gräsern fressen, lassen dagegen die Eier einfach über einer Wiese fallen.

Die Raupe Nimmersatt …

Aus den Eiern schlüpfen nach einigen Tagen die Raupen und beginnen sofort mit ihrer Hauptauf- gabe, die auch Kindern durch die kleine Raupe Nimmersatt bekannt ist: dem Fressen. Allerdings sind die echten Raupen viel wählerischer als die in der Geschichte. Die meisten fressen nur Vertreter einer Pflanzenfamilie. Bereits nach kurzer Zeit wird ihre erste Raupenhaut zu eng, platzt auf und wird abgestreift. Nach einer kurzen Ruhephase beginnt die Raupe wieder zu fressen. In vier bis acht Wochen durchlaufen die meisten Arten vier bis fünf Stadien, bei denen die gefräßigen Tiere immer größer werden und sich auch im Aussehen verändern können.

Nach der Paarung legen die Weibchen die Eier ab. Manche Arten, wie das Tagpfauenauge, platzieren alle an einer Stelle, andere verteilen sie einzeln, wie der Zitronenfalter.


FALTERFUTTER

Schmetterlinge sind auf flüssige Nahrung angewiesen. Mit ihren langen Rüsseln saugen sie meistens aus tiefen Blütenkelchen. Eine erwähnenswerte Rolle als Bestäuber spielen sie allerdings nicht. Wie die Raupen sind manche Falter auf bestimmte Pflanzenarten oder Blütenfarben fixiert. Das Tagpfauenauge etwa besucht gern die pink-lilafarbenen Blüten von Herbst-Aster und Großer Fetthenne, der Aurorafalter dagegen die weißen Blüten der Knoblauchsrauke. Als frühe Futterquelle dienen vielen Arten die Blüten der Weide, des Huflattichs und auch des Löwenzahns. Wegen seines intensiven Dufts und des reichen Nektarangebots ist der sogenannte Schmetterlingsflieder bei vielen Faltern beliebt. Neben dem Nektar nehmen einige Schmetterlinge auch andere Flüssigkeiten auf. Admiral und Trauermantel saugen im Herbst gern an überreifem Obst und viele Arten können dabei beobachtet werden, wie sie ihre Rüssel in feuchten Boden stecken. Für Arten, die vor allem im Wald leben, sind offene Baumwunden, Exkremente und Aas beliebte Mineralstoffquellen.

Die Raupe des Schwalbenschwanzes trägt eine markante Färbung.


Kohlblätter sind ihre bevorzugte Nahrung – die Raupen des Kohlweißlings fressen gemeinsam manche Pflanze kahl.


Gut getarnt: die Raupe des Aurorafalters


Die Raupen des Kleinen Fuchses schrecken mithilfe von „Dornen“ und Farben Fressfeinde ab.


Tarnen oder warnen

Für viele Vögel sind die wehrlosen Raupen das ideale Futter für ihren Nachwuchs, auch Eidechsen und Ameisen fressen sie. Um sich zu schützen, nutzt der Falternachwuchs verschiedene Strategien: Die Raupen von Weißlingen und Bläulingen sind durch ihre grüne Farbe optimal an ihr Umfeld angepasst und in der Vegetation kaum zu entdecken. Andere, wie die Nachkommen des Kohlweißlings, warnen ihre Fressfeinde: Sie sind gelb-schwarz gefärbt und weisen so darauf hin, dass sie ungenießbar sind. In ihrem Körper sind Senföle gespeichert, die sie beim Fressen an Raps, Senf und anderen Kohlgewächsen aufnehmen. Vögel meiden sie wegen der scharfen Öle. Die Raupen der sogenannten Edelfalter, zu denen Kleiner Fuchs, Admiral und Distelfalter gehören, tragen zur Abwehr „Dornen“ auf ihrem Rücken. Andere setzen auf den Verbund, indem sie sich mit Artgenossen in einem schützenden Gespinst zusammentun.

Schmetterlinge durchlaufen eine vollständige Verwandlung: vom Ei (1) über mehrere Raupenstadien (2 und 3) zur Puppe (4 und 5), aus der schließlich der flugfähige Falter (6) schlüpft.


Das Tagpfauenauge bildet eine Stürzpuppe


der Schwalbenschwanz eine Gürtelpuppe. Andere Falter verpuppen sich geschützt am Erdboden.


Hat sich der Falter im Inneren entwickelt, ist der Moment gekommen, in dem er die Puppenhülle aufbricht und mit noch knitterigen Flügeln herausschlüpft.


Zum Verpuppen

Wenn die Raupen sich im letzten Stadium groß und prall gefressen haben, machen sie sich auf die Suche nach einem geschützten Ort, an dem sie sich verpuppen. Hier häuten sie sich ein letztes Mal: Unter der Raupenhaut kommt eine Puppe aus hauchdünnen Chitinschichten hervor. Aus einer Seidendrüse am Mund bildet das Insekt ein Seil, mit dem es sich aufhängen kann: Entweder als Stürzpuppe kopfüber an einem Stängel oder als Gürtelpuppe an einem Seil, das um ihren Leib geschlungen ist. Andere Falter verpuppen sich am Erdboden in einem leichten Gespinst.

Ein neues Wesen

Im Innern der Puppe entwickelt sich ein völlig neues Wesen. Die Mundwerkzeuge verschwinden, stattdessen bildet sich der Rüssel, durch den später nur flüssige Nahrung aufgesogen werden kann. Je nach Falterart dauert diese Puppenphase ein paar Tage oder auch mehrere Jahre. Bei etwa der Hälfte unserer Tagfalter überwintern die Puppen.

Nach abgeschlossener Entwicklung sprengt der Falter die Chitinhülle. Nachdem er Blutflüssigkeit in die Adern der schlaffen Flügel gepumpt hat, werden diese steif. Bald hebt der Schmetterling ab und fliegt, als ob er noch nie etwas anderes getan hätte. Nun ist er bereit zur Paarung.

WEITE STRECKEN

Falter fliegen völlig lautlos und oft sieht es so aus, als würden sie lediglich vom Wind getrieben. Während das rasche Flügelschlagen der kleinen Falter zappelig wirkt, gleiten die größeren Falter über längere Strecken. Dabei können sie beachtliche Geschwindigkeiten erreichen: Admiral und Kleiner Fuchs etwa 20 Stundenkilometer. Einige Falter fliegen im Frühjahr, den Zugvögeln gleichend, von Nordafrika oder dem Mittelmeerraum bis in unsere Breitengrade, bleiben den Sommer über und fliegen im Herbst gen Süden. Die Falter benötigen für diesen weiten Flug mehrere Generationen. Distelfalter und Admiral entfliehen so dem im Sommer drohenden Futtermangel im Mittelmeeraum. Im Herbst bringen sie sich durch den Flug nach Süden vor der Winterkälte in Sicherheit. Der Rekordhalter unter den Wanderfaltern ist der amerikanische Monarchfalter. Er legt jedes Jahr in großen Schwärmen die Strecke von Kanada bis Mexiko zurück: bis zu 4 000 Kilometer.