Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 6 Min.

Bunte Tageskarte


LinuxUser - epaper ⋅ Ausgabe 11/2020 vom 22.10.2020

Um ein System aus einer ISO-Datei zu booten, müssen Sie diese zuerst auf einen USB-Stick befördern. Der Bootmanager Ventoy erspart Ihnen künftig diese Arbeit.


Artikelbild für den Artikel "Bunte Tageskarte" aus der Ausgabe 11/2020 von LinuxUser. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: LinuxUser, Ausgabe 11/2020

© weedezign, 123RF

Für Nutzer, die immer wieder neue Distributionen ausprobieren, kennt dieLinux-Community den Begriff des „Distro-Hoppers“. Daran ist nichts Falsches, schließlich testen auch wir hier immer wieder neue Distros und freuen uns über die eine oder andere neue Perle. Distro-Hopping macht aber Arbeit. Schon alleine das Herunterladen und transferieren der ISO-Images auf einen USB-Stick kostet Zeit und birgt Risiken. Wer sich beim Tippen ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von LinuxUser. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2020 von Gewiss kein alter Hut. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Gewiss kein alter Hut
Titelbild der Ausgabe 11/2020 von Doppelt sicher. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Doppelt sicher
Titelbild der Ausgabe 11/2020 von Getoppt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Getoppt
Titelbild der Ausgabe 11/2020 von Systemwartung mit Stacer: Digitaler Hausputz. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Systemwartung mit Stacer: Digitaler Hausputz
Titelbild der Ausgabe 11/2020 von iNet Wireless Daemon: Ablösung für WPA Supplicant: Hex, hex. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
iNet Wireless Daemon: Ablösung für WPA Supplicant: Hex, hex
Titelbild der Ausgabe 11/2020 von Sunflower: Doppelblüte. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Sunflower: Doppelblüte
Vorheriger Artikel
iNet Wireless Daemon: Ablösung für WPA Supplicant: Hex,…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Sunflower: Doppelblüte
aus dieser Ausgabe

... von dd if= of=/dev/sd vertippt und das Image aus Versehen auf einen falschen Datenträger schiebt, löscht eventuell wichtige Daten.

Es wäre doch wesentlich einfacher, wenn man ein aus dem Netz geladenes ISO-Image einfach mit einem Dateimanager auf einen USB-Stick kopieren und direkt von dem Datenträger aus booten könnte. Idealerweise würde solch ein Linux-USB-Stick nicht nur eine Distribution bereithalten, sondern gleich eine Auswahl an Systemen bieten.

So könnte man etwa bei einem Freund oder Bekannten schnell mal die Unterschiede zwischen Ubuntu, Fedora und Manjaro demonstrieren, ohne mehrere USB-Sticks vorbereiten und mitschleppen zu müssen. Genau so eine Lösung bietet der Bootmanager Ventoy

Installieren

Die Software gibt es sowohl für Linux als auch für Windows. Unter Linux findet sich das Programm allerdings bislang lediglich bei Arch Linux sowie dessen Derivat Manjaro. Arch führt Ventoy außerdem nur im Arch User Repository (AUR). Für die Installation müssen Sie daher auf einen AUR-Helper wie etwa Yay zurückgreifen. Entsprechend spielen Sie das Programm dann über yay ‑S ventoy ins System ein.

Für andere Distributionen greifen Sie auf die von den Entwicklern bereitgestellten Release-Pakete zurück ↗. Für die Installation müssen Sie lediglich das Archiv ventoy‑Version‑linux.tar.gz von der Github-Seite des Projekts herunterladen, es entpacken und dann das Kommando ./Ventoy2Disk.sh aufrufen. Dabei zeigt Ventoy den Aufbau seiner Syntax sowie eine Erklärung zu den einzelnen Parametern an. Listing 1 zeigt den Ablauf für die zu Redaktionsschluss aktuelle Version 1.0.18.

USB-Stick vorbereiten

Ganz ohne das Formatieren eines USBSticks oder einer entsprechenden Festplatte respektive SSD kommt auch Ventoy nicht aus. Sie müssen den Vorgang allerdings nur einmal ausführen.

Stecken Sie daher den für Ventoy vorgesehenen USB-Datenträger an den Rechner an, und ermitteln Sie mit Lsblk oder mit grafischen Werkzeugen wie etwa der Laufwerksverwaltung des Gnome-Desktops 1 die Geräte-ID des für Ventoy vorgesehenen USB-Datenträgers. Listing 2 zeigt die Ausgabe von Lsblk im Terminal. Über die Angabe zur Größe der Datenträger in der vierten Spalte lässt sich schnell die richtige Geräte-ID auslesen, im Beispiel /dev/sdc.

Mit dieser Information wechseln Sie im Terminal zurück in das Verzeichnis, in den Sie Ventoy ausgepackt haben. Dort rufen Sie das Programm mit administrativen Rechten auf (Listing 2, letzte Zeile). Als Option übergeben Sie den Schalter ‑i für die Installation sowie die Geräte-ID des USB-Datenträgers. Zur Sicherheit zeigt Ventoy dabei nochmals die wichtigsten Informationen an, wie die Gerätebezeichnung und die Größe des ausgewählten Datenträgers 2. So erkennen Sie es schnell, wenn Sie etwa aus Versehen eine sonst für Backups genutzte Festplatte angeben.

Die Installationsroutine von Ventoy partitioniert den Datenträger nun automatisch. Eine kleine Partition dient dem Bootmanager zum Starten des Systems; hier können und sollten Sie nie etwas ändern. Auf der mit dem Label ventoy versehenen und mit exFAT formatierten Partition sucht das Programm nach ISOImages. Dabei spielt es keine Rolle, wie Sie die Images dort organisieren. Sie dürfen die ISO-Dateien direkt in den Stammordner schieben oder in Unterordnern sortieren. Die einzige Bedingung: Die Namen der Dateien dürfen nur ASCII-Zeichen enthalten, Leerzeichen sind tabu.

1 Die Geräte-ID des zu beschreibenden USB-Sticks ermitteln Sie auf der Kommandozeile mit Lsblk oder wie hier mit dem Festplattenmanager des Gnome-Desktops.


Die Entwickler sowie die Community rund um Ventoy testen dabei immer wieder aktuelle Distributionen auf deren Kompatibilität hin ↗. Geprüft wurde bereits eine breite Palette an älteren sowie aktuellen Distros, von Debian, Ubuntu oder Fedora bis hin zu eher exotischen Vertretern wie etwa Zorin, ArcoLinux oder Untangle. Zudem unterstützt das Projekt auch das Booten von Windows-Images sowie von Systemen auf Basis von FreeBSD, darunter pfSense, GhostBSD und FreeNAS.

Um nun mit Ventoy eine Linux-Distribution zu booten, laden Sie deren ISOImage aus dem Netz und kopieren es, so wie Sie es heruntergeladen haben, auf die Ventoy-Partition. Das funktioniert unter Linux wie auch MacOS oder Windows, da Ventoy exFAT für die Datenpartition verwendet. Sie benötigen dazu weder spezielle Rechte noch besondere Programme, ein Dateimanager genügt.

2 Mit dem Kommandozeilenwerkzeug Ventoy2Disk. sh formatieren Sie einen USB-Stick mit Ventoy. Anschließend müssen Sie zu bootende ISOImages nur noch auf den Stick kopieren.


Mit Ventoy booten

Nach dem Abschluss des Kopiervorgangs ziehen Sie den USB-Stick vom Rechner ab und booten den Zielrechner damit. Ähnlich wie bei einem normalen Linux-Image müssen Sie darauf achten, auch wirklich vom USB-Stick zu booten. In der Regel ändern Sie das Boot-Medium im UEFI/ BIOS oder über ein oft mit [Esc] oder [F12] aktivierbares Bootmenü.

Hat Ventoy gebootet, steht Ihnen nun die Möglichkeit offen, die auf die Datenpartition kopierten Images selbst zu booten 3. Mit den Pfeiltasten nach oben und unten navigieren Sie im Menü, mit [Eingabe] starten Sie das gewählte Image. Ventoy zeigt alle auf der Datenpartition gefundenen Images auf einer Ebene an, bei Bedarf aktivieren Sie mit [F3] eine Baumansicht. Dort wählen Sie mit [Eingabe] Verzeichnisse an oder gehen mit [Esc] eine Ebene nach oben. Das Menü aktualisiert sich beim nächsten Bootvorgang automatisch, falls Sie weitere ISO-Images auf die Partition kopieren oder bereits vorhandene löschen.

Updates und Persistenz

Das Ventoy-Programm auf Ihrem Rechner benötigen Sie in der Regel nun nicht mehr täglich. Wiederholen Sie etwa die Installation, bricht das Ventoy2Disk-Skript mit der Meldung ab, dass Ventoy bereits auf dem USB-Stick installiert ist. Mit den Schaltern ‑u und ‑I (also etwa sudo ./Ventoy2Disk.sh ‑u /dev/sdX) besteht aber die Möglichkeit, Ventoy auf dem USB-Stick zu aktualisieren (‑u, dabei bleiben die Images erhalten) oder den Stick komplett neu mit Ventoy zu formatieren und alle Daten zu löschen (‑I) 4.

Dateien zum Artikel herunterladen unterwww.linux-user.de/dl/45281

Über ein Plugins erweitern Sie Ventoy zudem um weitere Funktionen. So unterstützt das Programm etwa die Installation eigener Themes, um das Aussehen oder die Inhalte des Bootmanagers zu verändern ↗. Da Ventoy selbst auf Grub2 aufsetzt, gibt es im Netz eine große Auswahl ↗. Weitere Plugins erlauben die Integration von Logos, Titeln statt Dateinamen in den Menüs, eigenen Einträgen sowie die automatisierte Installation von Systemen mithilfe von Skripten (Kickstart bei RHEL oder Fedora, Preseed bei Debian oder Ubuntu, AutoYaST bei Suse).

3 Ventoy im Einsatz: Die angebotenen Linux-Images haben wir einfach nur mit dem Dateimanager auf die Ventoy-Partition des USB-Sticks kopiert.


4 Ventoy mit dem von Gnome-look.org geladenen Grub-Theme Tela sowie selbsterklärenden Alias-Namen für die auf den USB-Stick geladenen Linux-Images.


Interessant ist auch das Persistence-Plugin, das es ermöglicht, eine gesonderte Image-Datei als nichtflüchtigen Speicher zu definieren ↗. So können Sie mit einer als Live-System gestarteten Distribution arbeiten, als ob sie auf dem System installiert wäre. Bei einem Neustart bleiben alle Daten und Einstellungen erhalten. Zu den für diese Betriebsart getesteten Distributionen zählen Ubuntu, Linux Mint, Elementary OS und Zorin. Die Persistence-Images erstellen Sie entweder mit dem Skript CreatePersistentImg.sh, oder Sie laden ein vorbereitetes Image aus dem Projekt herunter.

Für die Konfiguration der Plugins müssen Sie auf der Datenpartition des Ventoy-Sticks einen Unterordner ventoy/ anlegen oder dort eine Datei mit dem Namen ventoy.json erstellen. Nach den Vorgaben aus der Dokumentation tragen Sie dann die gewünschten Einstellungen ein. Das Beispiel in Listing 3 aktiviert das nach ventoy/theme/tela/ kopierte Tela-Theme ↗, setzt für die drei auf dem Stick hinterlegten Linux-ISOs Alias-Namen und lädt für das Ubuntu-Image einen nichtflüchtigen Speicher. Als Wurzel für alle Pfade dient der Root-Ordner des USBSticks. Funktioniert eine Konfiguration nicht, lässt sich der Fehler aus Ventoy heraus mit dem über [F5] aktivierten Debug-Modus analysieren.

Fazit

Ventoy erweist sich als äußerst praktisches Werkzeug für alle Nutzer, die des Öfteren neue Distributionen ausprobieren. Ein einmal mit Bootmanager ausgestatteter USB-Stick erspart künftig das „Brennen“ von Images. Um eine neue Distribution zu booten, schiebt man lediglich die ISO-Datei per Dateimanager dorthin. Das spart Zeit, lässt sich selbst unter Windows erledigen und vermindert das Risiko, aus Versehen einen falschen Datenträger zu überschreiben. Damit eignet sich Ventoy ideal, um etwa bei einer Installationsparty zahlreiche Distributionen vorzustellen. (cla)

Weitere Infos und interessante Linkswww.linux-user.de/qr/45281

README

Beim Brennen eines ISO-Images auf einen USB-Stick kann einiges schieflaufen. Im schlimmsten Fall überschreiben Sie ungewollt einen anderen Datenträger. Mit Ventoy müssen Sie in Zukunft die Images nur noch mit einem Dateimanager kopieren.