Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

BUSINESS AVIATION: ES IST NICHT WIE JET A-1 – ES IST JET A-1!


Aero International - epaper ⋅ Ausgabe 70/2019 vom 06.06.2019

Mit einer groß angelegten Initiative will die Business Aviation Vorbild beim Klimaschutz sein. Nachhaltiger Alternativkraftstoff statt fossilem Jet A-1 war das große Thema auf der diesjährigen EBACE. Dass der Treibstoff bereits im Alltag funktioniert, bewiesen 23 Jets, die mit ihm nach Genf flogen


SUSTAINABLE ALTERNATIVE JET FUEL

Artikelbild für den Artikel "BUSINESS AVIATION: ES IST NICHT WIE JET A-1 – ES IST JET A-1!" aus der Ausgabe 70/2019 von Aero International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Aero International, Ausgabe 70/2019

Kein Unterschied sichtbar: Biosprit, fossiler Kraftstoff oder alternatives, nachhaltiges Jet A-1 – die Proben gleichen sich vollkommen. Einen Vorteil hat der alternative Kraftstoff: Ihm fehlt völlig der starke Geruch des fossilen Sprits


Die Ziele, die sich die Industrie der ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Aero International. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 70/2019 von BILD DES MONATS: FREUDENTÄNZE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BILD DES MONATS: FREUDENTÄNZE
Titelbild der Ausgabe 70/2019 von NEWS: DEUTSCHLAND. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEWS: DEUTSCHLAND
Titelbild der Ausgabe 70/2019 von NEWS: ÖSTERREICH. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEWS: ÖSTERREICH
Titelbild der Ausgabe 70/2019 von NEWS: SCHWEIZ. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEWS: SCHWEIZ
Titelbild der Ausgabe 70/2019 von PORTRÄT : AEROFLOT RUSSIAN AIRLINES: PHÖNIX AUS DER ASCHE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PORTRÄT : AEROFLOT RUSSIAN AIRLINES: PHÖNIX AUS DER ASCHE
Titelbild der Ausgabe 70/2019 von NEWS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEWS
Vorheriger Artikel
NEWS
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel SERVICE
aus dieser Ausgabe

... Geschäftsluftfahrt bereits vor zehn Jahren gesteckt hat, schienen seinerzeit, vorsichtig ausgedrückt, mehr als ambitioniert. Die Business Aviation will die Effizienz ihrer weltweiten Flotte von über 20 000 Maschinen jährlich um zwei Prozent steigern, ihren Wachstum ab 2020 klimaneutral vollziehen und dabei den Kohlendioxid-Ausstoß bis zum Jahr 2050 halbieren, bezogen auf den Wert von 2005.

Der Schlüssel zum Erreichen dieser Ziele liegt in der Verwendung von Biosprit. Zur EBACE 2019, reiste eine herstellerübergreifende Flotte mit nachhaltigem, alternativen Jet-Treibstoff (Sustainable Alternative Jet Fuel, SAJF) teilweise sogar über den Atlantik an. 23 Flugzeuge kamen von fünf verschiedenen Flughäfen aus der ganzen Welt und bewiesen damit, dass der Betrieb von Business Jets mit Biokraftstoff bereits heute möglich ist.

Grundstoff für den nachhaltigen Jettreibstoff sind organische Abfallprodukte wie beispielsweise Frittieröle, Speisefette oder Getreideabfälle. Das aus ihnen gewonnene Zwischenprodukt wird je nach Herstellungsverfahren anschließend mit fossilem Treibstoff verschnitten.

ASTM D1655 IST DIE NORM

Der so gewonnene Kraftstoff erfüllt die Spezifikationen der Zertifizierungsvorschrift ASTM D1655, nach der auch das herkömmliche Jetfuel zugelassen ist. Zwischen zehn und 50 Prozent entspricht dabei der Bio-Anteil im nachhaltigen Kraftstoff. Schon eine 30-prozentiger Bioanteil reduziert den Kohlendioxid-Ausstoß um bis zu zwei Drittel. „Das ist nichtwie Jet A-1, sondern esist richtiges Jet A-1, dass sich in der Anwendung durch nichts vom fossilen Treibstoff unterscheidet“, betont Charles Etter beim Hersteller Gulfstream verantwortlich für Forschung und Entwicklung.

BIOFUEL SEIT 2011 IM EINSATZ

Der US-amerikanische Flugzeugbauer ist Vorreiter bei der Nutzung von nachhaltigem Flugkraftstoff. Seit 2011 nutzt der Hersteller Biosprit an seinem Firmensitz in Savannah, Georgia. Einer seiner Kunden hat am Gulfstream-Standort Long Beach in Kalifornien erstmals im März 20 000 Pfund des nachhaltigen Treibstoffs für seine G550 gekauft. Die Menge an erneuerbarem Treibstoff, die Raffinerien herstellen können, kann den Bedarf der Business Aviation bereits heute abdecken. Zudem sorgen Lieveranten wie AirBP dafür, dass der Kraftstoff überall auf der Welt verfügbar ist. Weil sich der Biosprit in beliebigem Verhältnis mit herkömmlichem Kraftstoff mischen lässt, sind auch Teilbetankungen möglich.

EBAA-Vorsitzender Jürgen Wiese hält es für entscheidend, den Betreibern von Geschäftsreiseflugzeugen die Angst vor dem alternativen Kraftstoff zu nehmen: „Viele haben Vorbehalte und fürchten, dass der Einsatz von SAJF etwa zu höheren Wartungskosten führen könnte. Diese Angst ist unbegründet“, so Wiese, der selbst Chef des Flugbetriebs beim Münchner Automobilkonzern BMW ist. In einer Broschüre (www.futureofsustainablefuel.com/media-room) wirbt die Koalition aus Flugzeugbauern, Kraftstoffherstellern und Business-Aviation-Verbänden für die Verwendung des Alternativkraftstoffs und erklärt die technischen Grundlagen für dessen Einsatz.

KOSTEN SIND DEUTLICH HÖHER

Noch kostet der Biosprit rund drei- bis fünfmal so viel wie herkömmliches Jet A-1. Mit wachsender Nachfrage könnte sich dieser erhebliche Preisunterschied in Zukunft reduzieren. Im Gegensatz zur kommerziellen Verkehrsfliegerei ist der Kostenfaktor in der Geschäftsluftfahrt nicht immer das entscheidende Kriterium. Für die Flugbetriebe ist SAJF eine gute Möglichkeit, die Nachhaltigkeitsziele ihrer Mutterunternehmen zu unterstützen.

Langfristig führt ohnehin kein Weg am Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe vorbei: Norwegen schreibt ab nächstem Jahr 0,5 Prozent Biosprit im Flugtreibstoff vor. Sweden, Frankreich und Spanien folgen.

BIOSPRIT STATT ELEKTRO

Brad Nolen hält Elektroflug nur für eine Alternativtechnologie und Biosprit für unverzichtbar


Öko-Label auf der Triebwerksgondel: Die Embraer Lineage 1000 kam mit nachhaltigem Sprit über den Atlantik nach Genf


Im britischen Farnborough war der Biosprit für die Flotte auf dem Weg nach Genf bereits regulär verfügbar


FOTOS: CHRISTOF BRENNER

Brad Nolen, Vice President Marketing bei Bombardier, erklärt, warum er auf alternative Kraftstoffe anstelle von Elektroantrieben setzt:
„Elektroantriebe funktionieren auf Langstrecke nicht. Die Energiedichte von Jet A-1 ist 40-mal so groß wie die der besten Akkus. Die funktionieren bei Autos, Zügen und Bussen, aber nicht bei Flugzeugen, wo es aufs Gewicht ankommt.
Wir haben das mal für einen Learjet durchgespielt: Für einen 2000-Meilen-Flug brauchen wir etwa 7000 Pfund Jet A-1. Stellen Sie sich einen elektrische Learjet vor, dem eine 747 mit den notwendigen Batterien an Bord folgt.“

58Flugzeuge waren während der EBACE 2019 im Außenbereich der Geschäftsflieger-Messe zu sehen. Das Static Display auf dem Vorfeld des Flughafens in Genf war damit komplett ausgebucht

RANDNOTIZEN

FAI TECHNIK , die Wartungssparte der Nürnberger FAI Aviation Group, erhält für ihren EASA-Part-145-Betrieb die Zulassung durch die amerikanische Zivilluftfahrtbehörde. Zertifizierungen durch Nigeria, Bermuda und die Cayman Inseln waren 2017 vorausgegangen.

ROLLS-ROYCE liefert die ersten Triebwerke des Typs Pearl 15 an den kanadischen Flugzeugbauer Bombardier aus. Die Motoren kommen an den neuen Global 5500 und 6500 zum Einsatz. Die Flugerprobung der 6500 ist nahezu abgeschlossen, das erste Flugzeug aus der Serienproduktion ist derzeit zur Endmontage in Bombardiers Laurent Beaudoin Completion Centre.

WIJET trifft mit Jet Aviation einen Vereinbarung über Handling-Dienstleistungen in Europa. Das Charterunternehmen aus Frankreichs Hauptstadt Paris betreibt derzeit drei von insgesamt 16 bestellten HondaJets.

SAE PRIME plant im Juli die Eröffnung seines Handlingstandorts am Mailänder Flughafen Milano Malpensa Airport. Damit steht Geschäftsfliegern neben den Flughäfen Linate und Bergamo ein dritter Airport in der norditalienischen Stadt zur Verfügung.

AIRBUS zeigt auf der EBACE seinen ersten ACJ-319neo. Das Flugzeug soll an die deutsche K5 Aviation ausgeliefert werden. Airbus hat bereits 14 Bestellungen für Businessliner der A320neo-Familie erhalten.

JET AVIATION betreibt Handlingservice an mittlerweile 35 Standorten weltweit.

SATCOM DIRECT führt sein Connectivity-Paket Xperience in Europa ein.

EMBRAER EXECUTIVE JETS

ZULASSUNG FÜR PRAETOR 600

Kam mit Biosprit über den Atlantik nach Genf: Embraers gerade zertifizierte Praetor 600


Nach der brasilianischen Luftfahrtbehörde ENAC haben auch die europäische EASA und die US-amerikanische FAA Embraers Praetor 600 die Zulassung erteilt. Das Type Certificate für die Praetor 500, dem kleineren Schwestermodell des 21 Millionen US-Dollar teuren Super-Midsize-Jets, ist für September geplant. Es basiert auf der Legacy 450. Deren Besitzer sollen ihre Flugzeuge schon bald zur Praetor 500 nachrüsten können.

HONDA AIRCRAFT

Künftig fünf Jets pro Monat

15,5 Millionen US-Dollar investiert der USFlugzeugbauer Honda Aircraft in die Erweiterung seiner Produktionsstätte in Greensboro, North Carolina. Durch das 7600 Quadratmeter große Gebäude will der Hersteller mehr Tragflächen gleichzeitig fertigen können. Die Produktionsrate des HondaJet soll so auf fünf Maschinen pro Monat gesteigert werden.

PIAGGIO AEROSPACE

Firma steht zum Verkauf

Nach dem Ausstieg des Investors Mubadala stand der italienische Flugzeugbauer Piaggio kurz vor dem Aus. Jetzt soll für das Unternehmen ein Käufer gefunden werden. Mit ihrem Turboprop-Pusher P.180 Avanti Evo zeigte die angeschlagene Firma deshalb auf der EBACE in Genf Präsenz.

AERO-DIENST

Wartungs-Slots für ADS-B

Bis zum 7. Juli 2020 fordert die EASA ADS-BOut-Funktionalität für Business Jets. In den USA ist die Ausstrahlung der satellitengestütztem Positionsangaben bereits zum Jahreswechsel Vorschrift. Aero-Dienst Nürnberg hat für den Learjet 60 STCs zur Nachrüstung in dessen Pro Line 4 Avionik erarbeitet. Zudem hat das Unternehmen derzeit noch Wartungsslots für ADS-B-Einbau. Nach den Stichtagen dürfen Flugzeuge ohne ADS-B in den jeweiligen Lufträumen nicht mehr betrieben werden.

JERSEY

Remote-Tower

Der Flughafen der Kanalinsel Jersey hat einen Remote Tower erhalten. Die Anlage besteht aus 13 240-Grad-Kameras und soll den Betrieb aufrecht erhalten, wenn der Towerlotse des fünftgrößten britischen Airport vor Ort nicht verfügbar ist.

1000-mal „nice“: Lufthansa Technik feierte mit Bombardier die Jubiläums-Installation


RANDNOTIZEN

BOMBARDIER erweitert seine Mobile-Response-Flotte um eine in Frankfurt stationierte Challenger 300. Zudem betreibt der Hersteller einen Learjet 45 in Chicago.

FLIGHTSAFETY ergänzt sein Trainingsangebot in Europa mit einem Simulator für den Schweizer Vielseitigkeitsjet Pilatus PC-24. Standort wird das Flightsafety-Center in Paris. In Dallas und St. Louis, USA, kommen Sims für das Embraer-Muster Praetor 600 hinzu.

DAHER erhält für die schnelle Turboprop-Single TBM940 die Zulassung durch die europäische EASA.

LUFTHANSA TECHNIK

1000. „nice“-System

Zur Feier gab es Champagner und Cupcakes: 1000 Stück ihres Cabin-Management- und Inflight-Entertainment-Systems „nice“ hat Lufthansa Technik seit 2001 verkauft. „Jeden zweiten Tag verlässt dieses Jahr wenigstens ein nice System unsere Hamburger Basis auf dem Weg zur Installation in einen neuen Business-Jet“, sagt Andrew Muirhead, Vice President Product Division Original Equipment Innovation bei Lufthansa Technik. Die Jubiläums-Installation wurde an einer Bombardier Challenger 350 durchgeführt.

PILATUS AIRCRAFT

Bestellbuch für PC-24 wieder offen

Gleich nach der Vorstellung des Vielseitigkeitsjets PC-24 hat der Schweizer Hersteller Pilatus Aircraft nach 84 Bestellungen innerhalb weniger Tage sein Orderbuch geschlossen. Jetzt nimmt Pilatus wieder Aufträge für weitere 80 Lieferpositionen Ende 2020 und 2021 an. Die Hälfte davon konnten die Schweizer bereits während der EBACE-Messe verkaufen. Im laufenden Jahr will der Hersteller 40 Flugzeuge des 10,7 Millionen US-Dollar teuren Musters ausliefern.

DASSAULT

Design für Falcon 6X steht fest

Der französische Flugzeugbauer Dassault hat das Design für seine Falcon 6X festgelegt. Somit kann mit der Produktion der ersten Komponenten begonnen werden. Schon 2020 soll mit die Montage der ersten Flugzeuge erfolgen. Wegen Probleme mit dem Triebwerkshersteller Safran musste Dassault zuvor die Entwicklung seiner 5X einstellen, der Nachfolger erhält nun das PW812D-Triebwerk von Pratt & Whitney.


FOTOS: CHRISTOF BRENNER