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„Buy Now “


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 08.07.2021

Spezial Röhren

Es war ein langer Weg. Charles G. Whitener, Jr., Lizenz-Inhaber und Besitzer des Inventars jener Fabrik, in der die Western Electric 300B bis 1988 bei AT&T gefertigt wurde, hat es wieder einmal geschafft. Endlich, muss man sagen, denn seit dem offiziellen Ende der Western-Electric-Röhrenfertigung 1988 benötigte der rührige amerikanische Entrepreneur zunächst bis Mitte der 90er-Jahre, um einen erneuten Anlauf wagen zu können.

Doch die Stationen dieses langen Wegs reichen eigentlich viel, viel weiter zurück, nämlich bis in das Jahr 1905, zu den legendären Hawthorne Works in Chicago. Dann, 1925, über die Entwicklungsbüros von Bell Laboratories in New York bis zum Jahr 1938, als die allerersten WE300Bs ausgeliefert wurden. Nur wenige Röhren wurden so lange praktisch unverändert gebaut. In den 1961 gegründeten Western Electric ...

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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 8/2021

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... Kansas City Works lief die WE300B bis 1988 vom Band.

Die moderne 300B

Die 300B des Jahres 2021 ist konzeptuell immer noch eine direkt geheizte Uralt-Triode. Wer sie neben eine 300B aus dem Jahr 1988 legt, wird keinen Unterschied erkennen bis auf eine etwas hellere Anode; die Beschichtung der Nickelanode erfolgt nun mit Graphen statt mit Karbon, was unbestreitbare technische Vorteile, unter anderem geringere Sekundäremission, bietet. Durch moderne Pumptechnik und Reinraum- Verfahren darf man zudem von einem gegen frühere Röhren deutlich verbesserten Vakuum ausgehen; ganz entscheidend ist ja dabei, wie sauber die einzelnen Bestandteile des Röhrensystems sind und in welchem Ausmaß auf Dauer Restgase im Hochvakuum emittiert werden.

Dem 300B-Kenner, der über einigen der heutzutage angebotenen Varianten der berühmten Triode, die leider ebenfalls 300B genannt werden, obwohl sie keine sind, nicht sonderlich glücklich sein kann, zaubert die neue Western Electric 300B ein Lächeln ins Gesicht: Das ist das Original. Punkt.

Umgekehrt muss darauf geachtet werden, dass sich die neue Röhre penibel an die seit 1938 geltenden (Grenz-)Daten einer ordentlichen 300B hält. Will heißen: Für Überlastung in einem Verstärker, der für „300Bs“ mit höherer Verlustleistung konzipiert wurde, werden sich die Rossville Works zu Recht für unzuständig erklären. Noch ein Tipp für unsere Amateur-Audiodesigner: Zu groß dimensionierte Gitterableit- Widerstände sind Gift für die 300B.

50 Stunden

Laufen lassen, heißt die Devise bei brandneuen Röhren. 50 Stunden und mehr, so heißt es, benötigt die WE300B durchaus, um zu voller Form aufzulaufen, oder besser: einzubrennen. Nicht erschrecken: Anfangs sind unmittelbar nach dem Einschalten zahlreiche „Ticks“ und „Pops“ und „Clicks“ normal, sie rühren von dem sich ausdehnenden Glaskörper und Systemteilen her, ein Effekt, der mit der Zeit kleiner wird oder gar ganz verschwindet. Unser Teströhrenpaar musste die Prozedur ebenfalls über sich ergehen lassen, landete dafür in dem in diesem Heft besprochenen Eintakter von Fezz Audio sowie in einem modifizierten Nachbau des Ur-300B-Verstärkers, der WE91A. Im Prinzip geht es dabei um den Klang mit einer Pentode als Treiber. Dem resultierenden Klirrspektrum hat die alte Triode ja ihren späten HiFi- Ruhm zu verdanken, nachdem sie jahrzehntelang in Kino- und Beschallungsverstärkern ihr Dasein fristete. Wichtig: Bei solchen direkt geheizten Röhren mit Oxidkathode sind Standby-Vorrichtungen, die die Röhre nur mit Heizspannung beaufschlagen, absolut kontraproduktiv, sie schädigen auf Dauer die Kathode. So: Wie klingt es?

Formulieren wir es einmal salopp: Mein letztes Paar alter WE300Bs hat mehr Betriebsstunden auf dem Buckel als die Turmuhr von Big Ben. Sie geht jetzt in Rente in die Vitrine. Der Ersatz macht mich wunschlos glücklich. Ach ja: Vertrieb ist Gauder Akustik. Und der Paarpreis der Original-WE300B beträgt 1700 Euro.

Roland Kraft