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BYE BYE, VERBRENNER


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arrive - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 14.10.2022
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Bildquelle: arrive, Ausgabe 6/2022

Die Straßenlaternen leuchten noch, und der Tau rinnt über die Windschutzscheibe, als wir die letzten Taschen im Auto verstauen. Von unserem frühen Start versprechen wir uns freie Autobahnen und Ladestationen. Wir wollen heute fast 600 Kilometer schaffen und nachmittags entspannt unser erstes Etappenziel erreichen: Kopenhagen, die Fahrradhauptstadt Europas. Darauf sind wir bestens vorbereitet, denn im Kofferraum liegen zwei elektrische Falträder der britischen Marke Brompton. Doch bevor wir uns auf die Sättel schwingen können, müssen wir über die deutsche Autobahn.

Huch, der marschiert aber gewaltig nach vorn! Wir sind nicht zum ersten Mal mit dem allradbetriebenen C40 Recharge Twin unterwegs, seine 300 Kilowatt Leistung hatten wir im gediegenen Innenraum trotzdem verdrängt. In unter fünf Sekunden sind wir auf Tempo 100 und wenig später bei der Maximalgeschwindigkeit von 180 Stundenkilometern. Die ...

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... Straße ist dreispurig und frei, aber diese Fahrweise zwingt uns zu einem 20-minütigen Ladestopp in Hamburg. Als wir durch die langsam erwachende Hansestadt rollen, lässt uns ein roter Blitz zusammenzucken. Verdammt! Auf dem Tacho standen zwar maximal 40 Stundenkilometer, aber hier war wohl eine Dreißigerzone für Lärmschutz und Luftreinhaltung. Davon sind E-Autos leider nicht ausgenommen. Ab jetzt lassen wir es ruhiger angehen, damit wir bei unserem Frühstücksstopp in Flensburg neben Geld nicht direkt auch noch Punkte dort lassen. Auch der Akkustand dankt es uns, und während wir Cappuccini schlürfen, lädt das Auto an einer städtischen Ladestation auf fast 100 Prozent.

Spätestens als wir die Grenze zu Dänemark überfahren, werden die Motorleistung und die Höchstgeschwindigkeit des Volvo C40 überflüssig. Die meiste Zeit gilt Tempo 110 oder 130, und alle fahren deutlich entspannter als in Deutschland. Das könnte neben den teuren Strafen für Geschwindigkeitsverstöße auch am hohen Elektroautoanteil liegen. Vor allem Volvos eigenständige Tochtermarke Polestar ist hier stark vertreten, das wird uns auch in Dänemarks Hauptstadt klar. Nachdem wir die Storebæltsbrücke überquert haben und nachmittags in Kopenhagen ankommen, parken wir das Auto in einer zentral gelegenen Tiefgarage. Dort kann es laden und steht niemandem im Weg. Kofferraum auf, Falträder raus. Ab jetzt fahren wir auf zwei Rädern weiter.

Die Fahrrad-Highways ziehen sich durch ganz Kopenhagen. Mal auf einer separaten Spur neben den Autos, mal über eigene Brücken. Nur auf dem Kopfsteinpflaster der Innenstadt lassen wir die beiden Elektrofalträder mal stehen und gehen zu Fuß weiter. Mit etwas Übung sind die Bikes von Brompton in wenigen Sekunden wieder zusammengefaltet und passen in Schließfächer oder unter Sitzbänke. Die Akkus kann man sich wie Taschen umhängen. Während unseres Spaziergangs kommen wir mitten in der Stadt an einem Polestar-Showroom vorbei, in dem das Konzeptfahrzeug Precept ausgestellt wird. Auf derselben Plattform sollen auch die zukünftigen Elektro-Volvos stehen. Das Fahrzeug ist deutlich geräumiger und aerodynamischer als alle bisherigen Autos der schwedischen Marke. Um Gewicht einzusparen, werden große Teile des Innenraums aus dem nachwachsenden Rohstoff Flachs hergestellt. Statt Seitenspiegeln gibt es Kameras, und beim Design geht es noch minimalistischer und schicker zu als bisher. Das Konzeptfahrzeug macht Lust auf alles, was zukünftig aus Schweden rollen wird. Optimistisch und satt an Eindrücken lassen wir uns von den elektrischen Falträdern zurück ins Hotel tragen. In den folgenden Tagen radeln wir durch den Hippie-Stadtteil Christiania, den touristischen Hotspot am Nyhaven und den modernen Industriehafen. Kopenhagen zeigt, wie viele europäische Städte bald aussehen könnten. Fahrradfreundlich, modern und lebenswert. Zum Abschluss unseres Städtetrips packen wir die Falträder wieder in den Kofferraum und überqueren mit vollem Akku die Öresundbrücke. Kopenhagen wird immer kleiner in den Seitenspiegeln, und nach wenigen Minuten erreichen wir das Land der Volvos.

Je näher wir Göteborg kommen, desto höher wird die Volvo-Dichte. Nur vereinzelt verstecken sich andere Automarken zwischen den kantigen Karossen. 2010 wurde Volvo Cars vom chinesischen Geely-Konzern aufgekauft, trotzdem werden die Fahrzeuge für Europa weiterhin in Schweden entwickelt und zum Teil auch dort gefertigt. Darauf sind die Menschen hier sichtlich stolz, durch die angestrebte Vorreiterrolle bei der Elektromobilität könnte sich das noch verstärken. Bereits vor über einem Jahrzehnt hat der Autohersteller mit der Elektrifizierung begonnen. 2009 nahm Volvo den Testbetrieb einer elektrifizierten Version des Kompaktmodells C30 auf. Ein 24-kWh-Akku mit Lithium-Ionen sollte damals bis zu 150 Kilometer Reichweite ermöglichen. Leider blieb es bei ei- ner kleinen internen Testflotte. Wir konnten trotzdem eines dieser Fahrzeuge Probe fahren.

130 Kilometer Reichweite zeigt das kleine LCD-Display zwischen den analogen Tachonadeln. Für das alltägliche Pendeln in die Stadt wäre das noch immer völlig ausreichend, und das, obwohl der C30 electric über zehn Jahre alt ist. Die Beschleunigung ist kraftvoll, die Straßenlage gut. Der Zweitürer wiegt knapp 1700 Kilogramm, bietet Platz für vier Personen plus Gepäck und ist etwas länger als vier Meter. Die Sicht nach hinten ist super und das ganz ohne Kameras. Über den verbauten CHAdeMO-Ladeanschluss kann der elektrische Kleinwagen in sieben bis zehn Stun- den aufgeladen werden. Technisch hat sich seit 2009 viel getan, doch nach ein paar Upgrades könnte der C30 electric auch heute noch im elektrischen Kleinwagensegment mitmischen. Vielleicht bringt Volvo irgendwann eine überarbeitete Version auf den Markt, auch der kultige Kasten-Kombi würde als E-Auto viele Anhänger finden.

Fest steht, dass noch dieses Jahr die zwei bestehenden E-Modelle XC40 und C40 überarbeitet und das erste Fahrzeug auf der komplett neu entwickelten Plattform vorgestellt werden sollen. Wenn Volvo am Ziel festhält, sein Portfolio bis 2030 vollständig zu elektrifizieren, können wir ab jetzt jedes Jahr ein neues Modell erwarten. Darüber hinaus soll in Zusammenarbeit auch die Heimatstadt Göteborg im laufenden Jahrzehnt klimaneutral werden. „Im Wesentlichen initiieren wir ein Projekt, das die Anzahl der Autos in der Stadt begrenzen soll – was ganz im Sinne unseres Unternehmens ist“, erklärte Håkan Samuelsson, Präsident und CEO von Volvo Cars 2021. Darüber hinaus werden weitere Konzepte im Stadtgebiet erprobt. Gemeinsam mit einem örtlichen Taxiunternehmen experimentiert der Hersteller zum Beispiel mit neuen Ladetechnologien, und zwar komplett ohne Kabel. Wir haben uns das vor Ort angesehen.

Ein Volvo-Taxi surrt auf den Seitenstreifen und rollt direkt über das blaue Quadrat auf dem Boden. Mit Blick auf den Touchscreen rangiert der Fahrer zweimal hin und her, bis das Feld in der Mitte des Displays grün wird. Danach steigt er aus und holt sich einen Kaffee, während das Auto kabellos lädt. Kabelloses Laden kennen wir bisher nur vom Smartphone. Auch im Volvo C40 gibt es dafür eine Vorrichtung in der Mittelkonsole. Die Ladegeschwindigkeit ist nicht sehr berauschend, und das Handy wird dabei heiß. Beim E-Auto ist das anders. Hier gibt es eine aktive Batteriekühlung, und es kann mit satten 44 Kilowatt neue Energie getankt werden. Das ist doppelt so viel wie an jeder Wallbox oder Gleichstrom-Ladestation in der Stadt. In unter zwei Stunden wäre der Akku wieder voll. In Zukunft könnte es noch schneller gehen.

Stellen Sie sich vor, Sie müssten nie wieder überlegen, wo der Ladeanschluss sitzt. Nie wieder an irgendwelchen Kabeln herumzerren oder Knöpfe an Ladestationen drücken. Einfach parken und fertig, komfortabler geht es nicht. Leider ist das kabellose Laden noch sehr teuer. Bei den 20 nachgerüsteten Volvo-Taxis in Göteborg funktioniert es bereits heute. Das Projekt soll in den kommenden Jahren fortgeführt werden und zeigen, ob die Technologie auch in Serienfahrzeugen möglich wäre.

FAZIT

Seit der Markteinführung des C40 letzten Herbst ist es ruhig geworden um die schwedische Marke. Von den angespannten Lieferketten ist auch Volvo nicht verschont geblieben. Mit dem Ausstieg aus dem Lobbyverband ACEA und dem Festhalten am „Verbrennerausstieg 2030“ sind die Schweden zurück auf der Agenda. Dass man mit dem Volvo C40 und zwei elektrischen Falträdern von Brompton komfortabel durch Skandinavien reisen kann, haben wir erwartet. Die Mobilitätskonzepte in Kopenhagen, die Ziele von Volvo und die Projekte in Göteborg waren augenöffnend: Fahrradfreundliche Städte, Tempolimits, kabellose Lademöglichkeiten und die konsequente Elektrifizierung von Autos erhöhen die Lebensqualität. Nach diesem Roadtrip sind wir uns sicherer denn je, den Verbrennungsmotor werden wir nicht vermissen.

TECHNISCHE DATEN

Volvo C40 Recharge Pure Electric Twin 1st Edition

Leistung

300 kW (408 PS)

Gewicht

2207 kg

Beschleunigung 0–100

4,7 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit:

180 km/h

Maximale Reichweite [WLTP]

442 km

Verbrauch [WLTP]

20,8 kWh/100 km

Akkukapazität

78 kWh

Beste Ladezeit [10–80 Prozent]

37 Minuten

Einstiegspreis

60 790 Euro

Preis des Testwagens

63 710 Euro

PRO

•Übersichtliches Interior

• Intuitive Bedienung der Assistenzsysteme

• Produktion in Europa (Gent, Belgien)

• One-Pedal-Driving möglich

CONTRA

• Hoher Stromverbrauch

• Schlechte Sicht nach hinten