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CALL ME MR. CARPENTER: JOHANNES ROBERTS


deadline - das Filmmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 69/2018 vom 16.05.2018

Im Gespräch mit THE STRANGERS – OPFERNACHT-Regisseur

Artikelbild für den Artikel "CALL ME MR. CARPENTER: JOHANNES ROBERTS" aus der Ausgabe 69/2018 von deadline - das Filmmagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: deadline - das Filmmagazin, Ausgabe 69/2018

Zum bereits dritten Mal stand uns der britische Regisseur Johannes Roberts für ein Interview Rede und Antwort. Nach seinem Interview zu STORAGE 24 und jenem zu THE OTHER SIDE OF THE DOOR ist es diesmal THE STRANGERS – OPFERNACHT, welcher uns die Chance gab, mit Johannes Roberts ein angenehmes Gespräch zu führen. Darin hat er uns u. a. verraten, wieso es zehn Jahre gedauert hat, bis eine Fortsetzung zu THE STRANGERS zustande gekommen ist, aber auch, wieso er sich während der Dreharbeiten wie John Carpenter gefühlt hat.

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JOHANNES ROBERTS: Das Filmgeschäft ist kein einfacher Ort. Ich denke, in diesem Fall wurde die Angelegenheit bereits im Entwicklungsprozess sehr kompliziert. Bryan Bertino, der Regisseur von THE STRANGERS, hatte das Drehbuch zu THE STRANGERS – OPFERNACHT bereits 2009 geschrieben. Eigentlich war damals alles bereit, und man hätte sofort mit dem Dreh des Sequels beginnen können, jedoch wechselten dann die Rechte. Danach wechselten die Rechte abermals den Besitzer, nur um kurz darauf nochmals auf einen neuen Rechteinhaber überzugehen. So ging es weiter und weiter, und irgendwann war es fast so, als ob die Rechte verschwunden wären. Niemand hatte sie mehr auf dem Plan, und andere Filme sorgten dafür, dass sich der Fokus des Publikums veränderte. THE STRANGERS – OPFERNACHT geriet gewissermaßen in Vergessenheit.

DEADLINE: Trotzdem bot man dir 2017 die Regie bei THE STRANGERS – OPFERNACHT an. Geschah dies vor dem kommerziellen Erfolg mit 47 METERS DOWN oder danach?

JOHANNES ROBERTS: Es geschah, während ich noch mit der Arbeit an 47 METERS DOWN beschäftigt war. (lacht ) Es war damals eine Zeit für mich, in der mir niemand einen neuen Regiejob anbot, und das, obwohl ich von Meeting zu Meeting hetzte. Kurz nachdem sich mir die Möglichkeit bot, 47 METERS DOWN zu drehen, stand auch das Angebot für THE STRANGERS – OPFERNACHT im Raum. Es war eine Möglichkeit, zu welcher ich nicht Nein sagen wollte, und nachdem 47 METERS DOWN erfolgreich im Kino gestartet war, fing ich mit der Arbeit an THE STRANGERS – OPFERNACHT an.

DEADLINE: Was gab dir die Sicherheit, dass die STRANGERS-Fans immer noch auf eine Fortsetzung warten würden?

JOHANNES ROBERTS: Da war meinerseits gar keine Sicherheit vorhanden. Für mich war das ein sehr wichtiges Thema, weswegen es mir auch notwendig erschien, den Film in seiner Ausrichtung zu definieren. Es stand daher die Frage zur Diskussion, ob THE STRANGERS – OPFERNACHT nun ein Sequel, ein Prequel oder ein Reboot ist. Zehn Jahre sind schließlich eine lange Zeit, um eine Fortsetzung nachzureichen. Jedoch sind zehn Jahre auch eine zu kurze Zeit, um ein Reboot zu rechtfertigen. Am Ende beschloss ich für mich selbst, den Film weder als das eine noch als das andere anzusehen, sondern einfach Spaß mit dem Material zu haben. Ich konnte endlich den John-Carpenter-Film machen, den ich schon immer mal drehen wollte. (lacht )

DEADLINE: Ist der Film für dich somit eine Art von Hommage an die Werke von Carpenter?

JOHANNES ROBERTS: Nicht unbedingt, vielmehr bot mir der Film die Chance, mich einmal wie John Carpenter zu fühlen. (lacht ) Ich habe versucht, den Film so zu drehen, wie es wohl auch Carpenter in seiner aktiven Zeit getan hätte. Dabei konnte ich es mir auch nicht verkneifen, eine überdeutliche Hommage an CHRISTINE einzubauen. (lacht )


… vielmehr bot mir der Film die Chance, mich einmal wie John Carpenter zu fühlen.


DEADLINE: Die gesamte Atmosphäre in deinem Film hat mich auch an die FREITAG DER 13.-Reihe erinnert. Siehst du dich dadurch auch beeinflusst?

JOHANNES ROBERTS: Die Sache ist eher so: Normalerweise schreibe ich die Drehbücher zu meinen Filmen selbst, doch diesmal lag mir bereits ein vollständiges Drehbuch vor. Dies gab mir die Chance, mich aus einer gewissen Distanz an die Geschichte anzunähern. Wenn man selbst dem Stoff nicht zu nahe steht, dann erhält man dadurch tatsächlich eine andere Art von kreativer Freiheit. Man wagt sich an Sachen heran, die man mit seinem eigenen Drehbuch wohl nie getan hätte. In meinem Fall war es der Wunsch, den Film so traditionell wie nur irgend möglich zu inszenieren. Mit meinem eigenen Drehbuch hätte ich wohl nie den Mut dazu gefunden, mich auf meine eigenen Wurzeln zurückzubesinnen und einen Film mit jenen Techniken umzusetzen, wie man es auch in den 80er-Jahren getan hat. THE STRANGERS – OPFERNACHT gab mir die Möglichkeit, mich an solch ein Experiment heranzuwagen.

DEADLINE: Wie du schon gesagt hast, stammt das Drehbuch zu THE STRANGERS – OPFERNACHT hauptsächlich aus der Feder von Bryan Bertino. War er auch abseits dessen in irgendeiner Form in die Arbeit am Film involviert?

JOHANNES ROBERTS: Nein. Ich habe auch nie mit ihm gesprochen und kann offen gesagt auch nicht sagen, ob er sich den Film angesehen hat oder nicht.

DEADLINE: Lass uns nochmals zum Thema zurückgehen, was für eine Art von Film THE STRANGERS – OPFERNACHT nun eigentlich ist. Für mich handelt es sich dabei um kein Sequel, da keine Verbindung zum Vorgänger auszumachen ist. Stand nie zur Diskussion, eine direkte Fortsetzung zu drehen?

JOHANNES ROBERTS: Im Drehbuch von Bryan Bertino gab es solch eine Verbindung in Form einer Anfangsszene, die direkt an THE STRANGERS angeschlossen hätte. Diese Szene hätte sogar nach einem Cameo von Liv Tyler verlangt, um ihre Figur ihrem Ende zuzuführen. Wir haben uns jedoch dagegen entschieden, da solch eine Verbindung nach zehn Jahren einfach keinen Sinn mehr macht. Viele, die sich THE STRANGERS – OPFERNACHT ansehen werden, kennen vermutlich nicht einmal THE STRANGERS. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, eine neue und unabhängige Geschichte zu erzählen.

DEADLINE: Wohl auch deswegen wurde die Entscheidung getroffen, die Geschichte nicht wie im Vorgänger in Form einer Home Invasion zu erzählen, sondern das Szenario zu öffnen und auf einem Campingplatz anzusiedeln?

JOHANNES ROBERTS: Ich finde, die Zeit von guten Home-Invasion-Filmen ist vorbei. Diesbezüglich wurde alles gesagt, was man sagen kann, und ich hatte sowieso kein Interesse daran, eine Home-Invasion-Geschichte zu erzählen. Ich bin auch der Meinung, dass das neue Szenario eher dem Geist des Films Rechnung trägt, da dieser grundsätzlich leichter zu konsumieren ist als sein Vorgänger. THE STRANGERS ist ein sehr düsterer Film, während man mit meinem Film eher Spaß haben kann, da der Grundton längst nicht so niederschmetternd ist.

DEADLINE: Trotzdem zelebrierst du die Gewaltmomente auf eine sehr harsche und alles andere als leichte Art und Weise. Keiner Figur in deinem Film fällt das Sterben leicht, was mich zur Frage bringt, inwiefern es dir wichtig ist, die Gewalt nicht zu verherrlichen.

JOHANNES ROBERTS: Es ist eine schwierige Gratwanderung. Als Regisseur von Horrorfilmen kommt man fast nicht drum herum, mit Gewaltszenen zu arbeiten und auch Gewalt zu zeigen. Ich wollte jedoch versuchen, die Gewalt als etwas Erschreckendes darzustellen. In Kontrast dazu stellte ich wiederum die Musik, die sich aus bekannten Songs aus den 80er-Jahren zusammensetzt und den Gewaltmomenten einen tendenziellen Spaßfaktor verleiht. Mein Editor und ich haben lange über den Szenen gesessen und quasi alle Songs der 80er-Jahre darüberlaufen lassen, um die richtigen Stücke dafür zu finden. Ich finde solch einen Kontrast noch interessant: Man sieht das Grauen, hört auf der Tonspur jedoch was, was das Gegenteil vermittelt.

DEADLINE: Wie es sich gehört, lässt das Ende von THE STRANGERS – OPFERNACHT die Tür offen für einen dritten Teil. Kannst du dir vorstellen, auch da die Regie zu übernehmen?

JOHANNES ROBERTS: Nein. Ich weiß aber, dass man sich über einen weiteren STRANGERS-Film aktiv Gedanken macht. Auch würde ich es gerne sehen, wenn aus THE STRANGERS eine erfolgreiche Filmreihe werden würde, jedoch stehe ich selbst dafür als Regisseur nicht mehr zur Verfügung.