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Call of Duty Modern Warfare


Play5 - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 04.12.2019

Mit dem Shooter-Reboot wollen die Entwickler von Infinity Ward an die Erfolge alter Zeiten anknüpfen. Ob diese Rechnung aufgeht, verraten wir euch in unserem Test.


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Bildquelle: Play5, Ausgabe 1/2020

EGO-SHOOTER | Mit ihren jährlich erscheinenden Teilen sorgt die Call-of-Duty-Reihe sorgt immer wieder zuverlässig für Aufruhr.

Das ist auch beim mittlerweile 16.

Ableger namens Modern Warfare nicht anders. Im Zentrum der Debatte steht erneut die Story des First-Person-Shooters, und zwar nicht, weil sie komplett fehlt und durch einen Battle-Royale-Modus ersetzt wurde wie noch in Black Ops 4. Vielmehr reiben sich viele Spieler und Journalisten am ...

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... Inhalt und der expliziten Inszenierung der Kampagne. Nicht nur einmal wurde im Vorfeld des Release, der am 25. Oktober für PC, PS4 und Xbox One erfolgte, darüber diskutiert, ob Entwickler Infinity Ward hier nicht eine Grenze überschreite.

Auch wir zeigten uns nach unserer ersten Anspielmöglichkeit im Mai durchaus kritisch, sprachen vom „nächsten Skandalspiel der Reihe“ und fragten uns, ob Szenen wie Giftgas auf Kinder denn wirklich sein müssten.

Gut fünf Monate später liegt uns nun die Vollversion von Modern Warfare vor. So konnten wir uns endlich die komplette Kampagne zu Gemüte führen und davon überzeugen, ob es die Entwickler wirklich nur auf Schlagzeilen abgesehen haben oder hinter den kontroversen Designentscheidungen doch mehr Sinn steckt.

Laden und Sichern

Bevor es aber überhaupt mit irgendetwas losgeht, muss (zumindest auf den Konsolen) erst mal ein riesiges Update heruntergeladen werden. Auch wenn Modern Warfare als Retailversion mit Disc kommt, seid ihr gezwungen, über 50 Gigabyte an Daten aus dem Netz zu ziehen. Sonst geht rein gar nichts – abgesehen vom Hauptmenü. Und auch auf dem PC lässt sich die Kampagne ohne Internetverbindung nicht spielen.

Das senkt die Vorfreude dann doch etwas.

Eine knappe Stunde und diverse Neustarts später waren wir dann aber endlich startklar. Zeit also, sich ins Getümmel zu stürzen.

Wie es ein Reboot so von Natur aus an sich hat, schmeißt Modern Warfare natürlich alles über den Haufen, was in den vorangegangenen drei Teilen der Serie passiert ist. Oberschurke Makarov, die russischen Ultranationalisten und die Invasion der USA – alles Schnee von gestern. Stattdessen schlägt der Shooter ein komplett neues Kapitel auf, das in der Gegenwart spielt und eine eigenständige, vom tagesaktuellen Weltgeschehen beeinflusste Geschichte erzählt. Die einzige Konstante bleibt der gute alte Captain Price, der erneut seinen standesgemäßen Auftritt spendiert bekommt, inklusive einer Hollywood-Frischzellenkur, durch die er mit seinem prächtigen Schnurrbart nun fast ein wenig an Ryan Gosling in The Nice Guys erinnert.

Call of Duty: Modern Warfare startet direkt mit einem Aufreger: einem terroristischen Anschlag in London.


In einer US-Botschaft müsst ihr mithilfe von einigen Kameras die Zivilisten sicher nach draußen navigieren.


Modern Warfare zeigt sich bei der Gewaltdarstellung wenig zimperlich. Neuerdings fliegen im Shooter auch Körperteile.


Typisch für Call of Duty wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven erzählt, in diesem Fall aus der des britischen SAS-Agenten Kyle Garrick sowie eines CIA-Ermittlers mit dem griffigen Codenamen „Alex“, zwischen denen ihr in den insgesamt 14 Kapiteln hin und her wechselt. Zunächst seid ihr aber erst einmal unbeteiligter Zuschauer und müsst machtlos mit ansehen, wie die Kampagne mit einem ordentlichen Knall beginnt – wortwörtlich. Ihr befindet euch in einem dunklen Van, vollgepackt mit bis an die Zähne bewaffneten, vermummten Gestalten. Eine Zigarette wird herumgereicht, während ein Fanatiker namens „der Wolf“ auf einem Handybildschirm von einem Kampf ohne Reue und einem Krieg ohne Mitgefühl predigt.

Schließlich schwenkt die Kamera auf die Person in der hintersten Ecke der Fahrzeugkabine.

Um ihre Brust geschnürt ist eine scharfgeschaltete Sprengstoffweste.

Dann öffnen sich plötzlich die Türen, Licht strömt ins Innere und entsetzte Schreie sind zu hören.

Dann wird das Bild schwarz.

Dieser Einstieg sitzt.

Mit ihm setzen die Entwickler von Infinity Ward den Ton für den Rest des Shooter-Abenteuers. Modern Warfare will nämlich noch einmal härter, realistischer und auch unangenehmer sein als seine Vorgänger.

Das gelingt dadurch, dass es den globalen Terror ins heimische Wohnzimmer bringt. Wenn ihr vom Sofa aus mitverfolgen müsst, wie sich ein Attentäter in den Straßen Londons in die Luft sprengt, lässt euch das wahrscheinlich beklommen und fassungslos zurück.

Die Szenerie wirkt fast realitätsnah, als könnte sie so auch in den Nachrichten laufen. Das liegt auch daran, dass die Entwickler den Storyfokus weniger auf tougheKriegshelden, sondern vielmehr auf die hilflose Zivilbevölkerung legen. Als Schauplatz dient der fiktive, im Nahen Osten gelegene Staat Urzikstan.

Der steht unter dauerhafter russischer Besatzung, um die nationale Terrorzelle Al-Qatala unter Führung des eingangs erwähnten „Wolfs“ auszumerzen. Die ausländischen Invasoren gehen bei ihrem Vorhaben jedoch so skrupel-und rücksichtslos vor, dass sich unter den Bewohnern ein bewaffneter Widerstand bildet, der als dritte Partei in den Mehrfrontenkrieg einsteigt. Als dann auch noch eine LKW-Ladung Giftgas verschwindet, sehen sich die westlichen Mächte schließlich gezwungen, einzugreifen.

Hier kommt ihr ins Spiel.

An einigen Stellen lässt euch das Spiel die Wahl aus zwei verschiedenen Vorgehensweisen. Insgesamt verläuft die Story von Call of Duty dennoch sehr linear.


Ob bei Tag oder bei Nacht – Call of Duty: Modern Warfare sieht dank toller Lichteffekte immer richtig gut aus.


Eine der wenigen Gameplay-Innovationen des Shooters: Ihr könnt mit eurer Waffe nun auch um Ecken spähen und so Gegner hinter einer Deckung treffen.


Die Frage nach dem Warum

Im Verlauf der folgenden knapp sechsstündigen Geschichte werdet ihr einmal quer über den Erdball geschickt. Von London geht’s über Georgien bis nach St. Petersburg, wo ihr in schlauchartigen Levels den Friedensstifter spielt oder als „Big Brother“ mit Hilfe einiger Überwachungskameras Zivilisten aus einer besetzten Botschaft lotst. Doch egal wohin ihr kommt, es erwarten euch überall die gleichen schrecklichen Bilder.

Das Leid des Krieges wird in Modern Warfare schonungslos abgebildet – sei es nun in Form von weinenden Kindern oder sterbenden Personen. Mit dem neuen Zerstückelungsfeature, das euch nach Aktivierung Körperteile des Gegners abschießen lässt, zeigt sich der Titel sogar noch brutaler als je zuvor. Entsprechend warnt euch das Spiel jedes Mal, wenn ihr die Kampagne startet, dass euch dort drastische und intensive Szenen erwarten.

Einen erzählerischen Nutzen zieht der Titel aus dieser expliziten Gewaltdarstellung leider nur bedingt. Call of Duty: Modern Warfare nimmt nämlich viel zu selten das Tempo heraus, um euch die nötige Zeit zu geben, das Gesehene auch zu verarbeiten. Meist folgt auf einen Paukenschlag direkt der nächste: Erst erlebt ihr, wie in den Straßen Leute an einem Stahlträger gehängt werden, dann durchlauft ihr aus der Sicht eines Kindes einen russischen Giftgasangriff und schließlich werdet ihr dann auch noch in Ego-Perspektive mit Waterboarding gefoltert. Das sind alles Szenen, die ohne Frage betroffen machen.

Eine kritische Einordnung dieser Grenzüberschreitung folgt aber nur selten.

Das spiegeln auch die meist eher wenig selbstreflektierten Charaktere wider, die sich oft in von Pathos und Patriotismus triefendem Machogehabe verlieren.

Nach einem seriösen Militärmeeting zu fragen, ob man den Bullshit auch auf Deutsch übersetzen könne, ist der Stimmung etwa nicht sonderlich zuträglich. Nur in seltenen Momenten hinterfragen die Figuren, was sie eigentlich tun, ob ihr Handeln richtig ist und der Zweck jegliche Mittel heiligt.

Vereinzelt habt ihr sogar die Möglichkeit, alternative Wege auszuprobieren oder in Dialogen aus verschiedenen Antwortoptionen zu wählen. Davon hätten wir gerne mehr gesehen. Aber auch so zeigt Modern Warfare einige interessante Ansätze. Das Gesehene und Erlebte hinterlässt bleibende Spuren.

So fühlt man sich nach Ende der Kampagne nicht zum zehnten Mal wie der große Kriegsheld, sondern irgendwie schmutzig.

Es klebt virtuelles Blut an euren Händen. Das ist eine bisher unbekannte Spielerfahrung, gerade wenn man die Call-of-Duty-Serie in ihrer Gesamtheit betrachtet. In seiner Bildgewalt kommt der Titel dennoch nicht an die eines Spec Ops: The Line heran. Wobei natürlich auch die Frage bleibt, ob das überhaupt der Anspruch war.

Cpt. Price wird vom englischen Schauspieler Barry Sloane verkörpert. Der spielte schon in der US-Serie SIX mit.


Als vierköpfige Spezialeinheit gilt es, Missionen zu erledigen. Ihr befreit etwa eine Ärztin aus der Geiselhaft.


Im Spec-Ops-Modus stehen euch verschiedene Rollen zur Auswahl, etwa Sprengmeister oder Sanitäter.


So ein Feuerball, Junge

Vielleicht will Call of Duty ja einfach Actionkino sein. Denn dabei vermag es erneut zu überzeugen.

Modern Warfare ist bombastisch und rasant inszeniert, überall kracht und bumst es: Helikopter stürzen ab, Gebäude explodieren, Fieslinge werden zu Fuß durch enge Gassen gejagt. Das macht Eindruck – auch dank der gelungenen Grafik. Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang besonders die aufwendig produzierten Motion-Capture-Zwischensequenzen.

Alle Charaktere auf dem Bildschirm werden durch echte Schauspieler verkörpert, wodurch sie nicht nur bis in die letzte Hautpore fast lebensecht aussehen, sondern auch richtig gut vertont sind. Obendrein gehen die Cutscenes nahtlos ins Gameplay über und zerstören so nicht die Immersion.

Auch die Spielwelt ist abwechslungsreich und voller Details.

Ob ihr nachts durch einen mondlichtdurchfluteten sibirischen Wald schleicht oder in der Wüste einen feindlichen Konvoi in die Luft jagt, das Spiel ist ein Hingucker – dank toller Licht-und Partikeleffekte. Auf Hochglanzgrafik oder eine zerstörbare Umgebung wie in Battlefield müsst ihr zwar noch immer verzichten und vor allem auf älteren Konsolen bekommt ihr es öfters mal mit aufpoppenden Texturen oder längeren Ladebildschirmen zu tun.

Das ist aber weitestgehend verschmerzbar.

Dafür überzeugt der Activision-Shooter jedoch erneut durch sein gewohnt hohes spielerisches Niveau.

Die Waffen steuern sich präzise und liefern das gewünschte Feedback. Zudem verhält sich jeder Schießprügel ein wenig anders, sodass sich beispielsweise ein spürbarer Unterschied zwischen einer präzisen M4 oder der etwas rückstoßintensiveren AK-47 feststellen lässt. Entsprechend müsst ihr lernen, eurer ständig wechselndes Arsenal unter Kontrolle zu halten.

Etwa, indem ihr Waffen neuerdings auf einem Fensterbrett abstützt – was neben dem Nachladen im Zielmodus, dem Öffnen und Schließen von Türen oder dem Lehnen um Ecken zu den wenigen erwähnenswerten Gameplayänderungen gehört. Besonders wichtig ist das bei den vereinzelten Sniper-Passagen, in denen ihr sowohl den Wind als auch die abfallende Flugbahn eurer Kugel einkalkulieren müsst, um einen sauberen Treffer zu landen.

KI und Koop

Apropos Gegner: Eure Widersacher in Call of Duty: Modern Warfare machen es euch nicht zu einfach.

Klar, sind auch im neuen Serienableger negative Ausreißer mit dabei, die euch doof vor die Flinte rennen oder gar nicht reagieren. In der Regel verhalten sich KI-gesteuerte Feinde aber durchaus clever, lauern euch mit Stolperfallen auf oder verstecken sich hinter Ecken oder unter dem Bett. Bereits auf dem mittleren der fünf Schwierigkeitsgrade ist der Titel somit eine ordentliche Herausforderung, zumal sich eure Gesundheit nicht mehr so schnell regeneriert wie noch in vorherigen Teilen. Macht euch also darauf gefasst, öfter ins Gras zu beißen – besonders, wenn ihr euch für den Realismus-Modus entschieden habt, in dem ihr gefühlt nur zwei Schüsse aushaltet und ohne HUD auskommen müsst.

Das alles macht Lust auf mehr und davon gibt es dankenswerterweise genug. Nach Abschluss der Kampagne könnt ihr euch etwa noch in den kooperativ spielbaren Spezialeinheit-Modus stürzen, in dem der Kampf gegen Al-Qatala weitergeführt wird – wenn auch nur in relativ überschaubarem Umfang. Zur Auswahl stehen euch vier verschiedene Missionen, in denen ihr gegen die terroristische Bedrohung vorgeht und versucht, einem neuen Obermotz das Handwerk zu legen. Dafür arbeitet ihr euch über große Karten im Open World-Stil vor und erfüllt nacheinander kleinere Teilaufträge.

Ihr hackt beispielsweise feindliche Kommunikationsgeräte, rettet Geiseln oder markiert Waffenlager für verbündete Luftschläge. Das ist nicht sonderlich innovativ, aber dennoch ganz unterhaltsam. Zumal ihr vor dem Start einer jeden Runde eure Ausrüstung festlegen und euch für eine von sechs verfügbaren Rollen mit individuellen Fähigkeiten entscheiden dürft. Als Sanitäter belebt ihr etwa Kameraden schneller wieder, als Sprengmeister tragt ihr einen Granatwerfer mit euch herum.

Im PS4-exklusiven Survival-Modus tretet ihr gegen stärker werdende Gegnerwellen an. Für Abschüsse bekommt ihr Geld, das ihr in Waffen und Ausrüstung investiert.


Beim Waffenschmied könnt ihr eure Schießeisen mit Visieren, Griffen und anderen Aufsätzen versehen.


Im Realismus-Modus müsst ihr auf euer HUD verzichten und haltet zudem noch wesentlich weniger Schaden aus.


Nicht eingelöste Versprechen und Exklusivdeals

Problematisch ist nur der Schwierigkeitsgrad der Missionen. Der lässt sich nämlich nicht manuell anpassen. Dadurch seht ihr euch stets mit endlosen Gegnerwellen konfrontiert, die auch mal überraschend in eurem Rücken spawnen und sich erschreckend widerstandsfähig zeigen. Zeitweise steht ihr gleich drei gepanzerten Juggernauts auf einmal gegenüber, die problemlos mehrere Magazine aushalten. So sind eure Waffen irgendwann leergeschossen und euer Schicksal besiegelt.

Nach eurem virtuellen Ableben könnt ihr immerhin noch die „klassischen Spezialeinheiten“ ausprobieren, wobei die so gar nichts Klassisches an sich haben.

Wer Spec-Ops-Missionen im Stile von Modern Warfare 2 erwartet, in denen ihr etwa eine brasilianische Favela von Terroristen säubert, der dürfte enttäuscht sein.

Tatsächlich tretet ihr nämlich einfach nur gegen ein paar Gegnerhorden an und wartet auf eure Extrahierung. Schade, denn die Entwickler hatten im Vorfeld wesentlich mehr angekündigt. Unter anderem war die Rede von einem 3-Sterne-Wertungssystem, das eure Leistung beurteilt, und einer „Infinity-Ward-Zeit“, die man schlagen könne. Davon fehlt jedoch jede Spur. Ähnlich sieht es mit Varianz in Sachen Karten aus. Aktuell gibt es nur eine einzige Map, das ist schon ziemlich mau. Zudem lässt sich der Modus weder in privaten Lobbys noch im Splitscreen an einer Konsole spielen. Das haben die Vorgänger aus PS3-Zeiten wesentlich besser hinbekommen.

Stichwort Playstation: Für die gibt es noch einen zusätzlichen Spec-Ops-Modus namens Survival.

Der ist ein Jahr lang exklusiv PS4-Spielern vorbehalten und erst ab 1. Oktober 2020 auch für andere Plattformen verfügbar. Der virtuelle Überlebenskampf gehört dann auch tatsächlich zu den Highlights des Koop-Modus. Mit bis zu vier Spielern setzt ihr euch hier gegen stetig stärker werdende Gegnerwellen zur Wehr. In den Pausen zwischen den Angriffsphasen könnt ihr durch Abschüsse verdientes Geld in Waffen, Granaten und Abschussserien investieren.

Da die Knarren, die ihr im Koop-Modus verwendet, dabei auch noch im Level aufsteigen, schaltet ihr so zudem neue Aufsätze und Lackierungen frei, die ihr dann im Multiplayer einsetzen könnt. Nette Sache.

über alle Plattformen

Im klassischen Mehrspieler-Modus erwartet euch natürlich erneut das altbekannte CoD-Spielerlebnis, versetzt mit einigen nennenswerten Änderungen. Im Vergleich zu Black Ops 4 gibt es etwa keine Spezialisten mehr, sondern die sogenannten Operatoren. Bei denen handelt es sich allerdings nur um Skins ohne spielerische Vorteile.

Bei der Klassenerstellung verzichtet Modern Warfare zudem auf das altbekannte Pick-10-System, stattdessen könnt ihr eure Ausrüstung nun weitestgehend uneingeschränkt zusammenstellen und beim Waffenschmied bis zu fünf Aufsätze aus neun Kategorien an eure Knarren schrauben – beispielsweise Visiere oder Griffe, die ihr wie neue Tarnmuster mit steigendem Level freischaltet. Alternativ gibt es optische Items aber auch für das Erledigen von Herausforderungen.

Dank der Crossplay-Funktion können nun auch PCund Konsolenspieler in einer Lobby zusammen zocken.


Die Feuergefechte finden mit vier Spielern auf sehr kleinen Karten statt. So ist Action auf jeden Fall garantiert.


Panzer, ich begrüße Sie! In den neuen Bodenkrieg-Matches seid ihr jetzt auch mit Fahrzeugen unterwegs.


Habt ihr Gegenstände erst mal erspielt, dürft ihr sie übrigens über alle Plattformen hinweg nutzen.

Call of Duty: Modern Warfare verfügt nämlich über eine Crosssavesowie eine Crossplay-Funktion.

Letztere ermöglicht es euch, auch als PC-Spieler gegen Konsoleros anzutreten. Um Unfairness müsst ihr euch dabei aber keine Gedanken machen. Das Matchmaking-System funktioniert basierend auf eurem Eingabegerät, was bedeutet: Controllernutzer beziehungsweise Maus-und-Tastatur-Nutzer bleiben im Regelfall jeweils unter sich. Vereinzelt sind wir allerdings auch auf gemischte Lobbys gestoßen. Wer sich daran stört, kann das Crossplay-Feature aber einfach ganz ausschalten.

CoD trifft auf Battlefield

Schließlich hat sich auch in Sachen Spielmodi noch etwas getan.

Die Klassiker Free-for-All, Team-Deathmatch oder Herrschaft sind natürlich wieder mit dabei, ebenso wie ihre Hardcore-Abwandlungen.

Mit der Cyberattacke ist aber auch eine neue Spielvariante dazugekommen. Hier gilt es, ein EMP-Gerät auf der Karte zu bergen und damit das gegnerische Datenzentrum außer Gefecht zu setzen. Klingt ein wenig nach Suchen-und-Zerstören, hat aber durch die Möglichkeit, gefallene Teamkameraden wiederzubeleben, eine ganz eigene Dynamik. Selbiges gilt für den Realismus-Modus, in dem ihr komplett ohne Bildschirmeinblendungen auskommen müsst.

Dazu gesellen sich dann noch die Feuergefechte, in denen ihr im 2-gegen-2 mit wechselnden Loadouts gegeneinanderspielt, und der Bodenkrieg. Bei dem handelt es sich quasi um ein groß angelegtes Herrschaftsmatch, in dem ihr mit insgesamt 64 Spielern um fünf Kontrollpunkte kämpft. Ein paar Spielelemente haben sich die Entwickler augenscheinlich auch bei Battlefield abgeschaut: Ihr seid etwa in Vierersquads unterwegs und könnt Fahrzeuge wie Quads, Panzer und Helikopter nutzen. Das funktioniert insgesamt überraschend gut – gerade wenn man bedenkt, dass Infinity Ward mit den weitläufigen Schlachten Neuland betritt.

Auf der Stelle stehen, statt aufs Ganze zu gehen

Ein paar Kritikpunkte gibt es aber dennoch. Ihr zieht beispielsweise keinerlei spielerischen Nutzen daraus, im Team unterwegs zu sein. Ihr könnt keine Befehle erteilen oder Mitspieler heilen und auch eine Rollenverteilung wie in Battlefield sucht man vergeblich.

Die Fahrzeugsteuerung wirkt zudem noch nicht ganz ausgereift.

Das könnte aber daran liegen, dass es keine Umgebungszerstörung gibt und ihr so selbst mit Panzern an einer Mülltonne hängenbleibt.

Zu guter Letzt wäre da noch das Mapdesign: Die zwei verfügbaren Karten laden mit ihren Klippen und Hochhäusern perfekt zum Campen ein. So kommt es vor, dass man schon auf dem Weg zu einem Eroberungspunkt scheinbar aus dem Nichts erschossen wird.

Das ist jedoch ein allgemeines Manko des Multiplayer-Modus. In Modern Warfare segnet ihr bereits nach wenigen Treffern das Zeitliche.

Im Gegenzug wurden dafür die Abschussserien wiedereingeführt, das Spieltempo etwas heruntergeschraubt und die Karten so offen gestaltet, dass ihr quasi aus jeder Ecke beschossen werden könnt. Das führt entsprechend dazu, dass sich viele Spieler nur noch wenig bewegen und lieber an einem sicheren Punkt verharren, bis ihre Opfer zu ihnen kommen – oder sie sich durch laute Schritte und einen „Feinde im Gebiet!“-Schrei selbst verraten.

Dazu gesellen sich noch ein paar Probleme beim Waffenbalancing und den Spawns. Unausgewogene Karten wie Piccadilly oder Euphrates Bridge lassen aufgrund eines fehlenden Map-Votes außerdem nicht überspringen.

Spaß kann man mit Call of Duty: Modern Warfare natürlich trotzdem haben. Man muss sich aber eben darauf einstellen, dass ein übermäßig aggressives Vorgehen nun nicht mehr zum Erfolg führt, und seinen Spielstil entsprechend anpassen. DAVID BENKE

Meinung


„Packend und intensiv – aber mit etwas verschenktem Potenzial“
David Benke Volontär


Die Story von Call of Duty: Modern Warfare hat mich überzeugt. Die Entwickler weichen hier gekonnt von der typischen Formel der überdrehten Action-Ballerorgie ab. Dafür erzählt der Titel nun eine Geschichte, die mit gesellschaftlichen Tabus bricht und die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischt. Dieser seriösere Ansatz gefällt mir, wurde aber leider auch nicht bis zu Ende gedacht. Eine kritischere oder reflektiertere Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg hätte die Prämisse nämlich durchaus hergegeben. Das bleibt aber – neben dem etwas knappen Spielumfang und dem Onlinezwang – der einzige wirkliche Kritikpunkt in Sachen Singleplayer. Der Koop-und Multiplayer-Modus bieten da schon etwas mehr Grund zum Meckern. Die Spezialeinheitmissionen wirken halbgar und lassen angekündigte Features vermissen. Die Mehrspielerschlachten leiden unter den teils unübersichtlichen Maps, die eine passive Spielweise zu belohnen scheinen.
Das trübt den Gesamteindruck ein wenig, auch wenn der Titel auf spielerischer Ebene sonst voll überzeugen kann.

Pro & Contra

+ Packend inszenierte Kampagne
+ Gelungene Mo-Cap-Zwischensequenzen
+ Tolle Grafik-und Soundeffekte
+ Befriedigendes Gunplay
+ Separater Koop-Modus
+ Umfangreicher Multiplayer
+ Neue Modi wie Feuergefechte oder Bodenkrieg
+ Crossplay und Crosssave
-Story gefühlt etwas zu kurz
-Technische Probleme bei den Cutscenes (PC-Version)
-Fehlende Features im Spec-Ops-Modus
-Kartendesign begünstigt Camping
-Keine Umgebungszerstörung
-Probleme bei Spawns und Waffenbalancing

Wertung

8von 10

Infos

TERMIN 25. Oktober 2019
USK ab 18 Jahren
PREIS ca. 65 Euro
HERSTELLER Activision Blizzard
ENTWICKLER Infinity Ward