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Cambridge Audio Edge A


HDTV Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 20.03.2020
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Bildquelle: HDTV Magazin, Ausgabe 2/2020

Preis: 4 990 Euro • Maße: 46 × 15 × 40,5 cm • Gewicht: 24,4 kg • Leistung: 100 W an 8 Ohm, 200 W an 4 Ohm • Stromverbrauch: min. 160 W, max. 1 000 W, 0,5 W im Standby • Bluetooth aptX


Cambridge Audio verspricht mit dem Stereovollverstärker Edge A nicht weniger als puren, britischen Klang. Sprich: Bei der Wiedergabe kommt nichts hinzu und es wird auch nichts weggelassen.

Cambridge Audio glaubt man das aufs Wort, schließlich gehört der Hersteller zu den tragenden Säulen im HiFi-Segment, die diesen Begriff jahrzehntelang geprägt haben.
Von der Gründung 1968, den bescheidenen Anfängen einer Gruppe ...
Entsprechend war die Zielsetzung bei der Entwicklung der neuen Edge-Modelle: Ohne Rücksicht auf Kosten und Aufwand sollte das Traumsystem der Entwickler von Cambridge Audio umgesetzt werden. Deshalb verwundert es nicht, dass das Feintuning zum Großteil auch per Ohr stattfand, man also die Komponentenwahl via Hörtest und nicht nach der Preisliste oder den Spezifi kationen entschieden hat. Dennoch lesen sich die Daten beeindruckend: So ist der Crosstalk mit unter -100 Dezibel (dB) gemessen bei 1 Kilohertz (kHz) angegeben. ...

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Cambridge Audio glaubt man das aufs Wort, schließlich gehört der Hersteller zu den tragenden Säulen im HiFi-Segment, die diesen Begriff jahrzehntelang geprägt haben.
Von der Gründung 1968, den bescheidenen Anfängen einer Gruppe enthusiastischer Absolventen des Technikstudiums bis zur heute in London ansässigen HiFi-Schmiede, kann Cambridge Audio auf eine lange Erfolgsgeschichte zurückblicken. Begonnen hat diese mit dem legendären ersten Verstärker, dem Cambridge Audio P40. Dieser gilt als der erste kommerziell erhältliche Stereovollverstärker, bei dem ein Ringkerntrafo zum Einsatz kam. Einer der damals an der Entwicklung des P40 beteiligten Gründer von Cambridge Audio war Professor Gordon Edge, dessen Nachname nun Synonym für die Premium-Serie des Herstellers ist.
Entsprechend war die Zielsetzung bei der Entwicklung der neuen Edge-Modelle: Ohne Rücksicht auf Kosten und Aufwand sollte das Traumsystem der Entwickler von Cambridge Audio umgesetzt werden. Deshalb verwundert es nicht, dass das Feintuning zum Großteil auch per Ohr stattfand, man also die Komponentenwahl via Hörtest und nicht nach der Preisliste oder den Spezifi kationen entschieden hat. Dennoch lesen sich die Daten beeindruckend: So ist der Crosstalk mit unter -100 Dezibel (dB) gemessen bei 1 Kilohertz (kHz) angegeben.
Der Frequenzgang reicht von unter 3 Hz bis über 80 kHz mit einem Toleranzbereich von gerade mal ± 1 dB. Auch erfreulich ist, dass über den USB-Anschluss des Edge A hochaufl ösende PCM-Files mit bis zu 32 Bit Aufl ösung und 384 kHz Samplingrate und sogar DSD 256 unterstützt werden. Apropos Anschlüsse: Cambridge Audio spendiert dem Edge A zahlreiche digitale Eingänge, einen HDMI-ARC-Anschluss und symmetrische XLR-Ein- und Ausgänge.

Britisches Understatement

Beim Edge A manifestiert sich der Entwicklertraum als ein bulliger und zugleich futuristisch anmutender Stereovollverstärker mit puristisch aufgebautem, analogen Signalpfad und einer einer Fülle an analogen wie digitalen Anschlussmöglichkeiten. Sogar ein TV-HDMI-Anschluss (Audiorückkanal) ist vorhanden, was den Luxusverstärker auch für das Wohnzimmer interessant macht. Zunächst wollen wir uns der Konstruktion widmen und diese ist vor allem eines: massiv! Der Edge A ist mit seinen 24,4 Kilogramm ein echter Brocken.
Das Design macht einiges her, mit den dicken Kühlrippen, welche die kompletten Flanken des Verstärkers bedecken und unmissverständlich ausdrücken: „Hier steckt Power drin!“ Zusammen mit dem gediegenen, grauen Finish des Aluminium-Gehäuses und minimalistischen Bedienelementen am Gerät ergibt sich ein absolut gelungenes Erscheinungsbild, das gleichzeitig Kraft , aber auch eine gute Portion britisches Understatement versprüht. Wo wir gerade schon bei den Bedienelementen sind: Diese bestehen lediglich aus einem konzentrischen Drehregler, wobei der hintere Ring (geriff elte Oberfl äche) die Eingangswahl ermöglicht und der vordere Ring (glatte Oberfl äche) den Wiedergabepegel kontrolliert. Angezeigt wird der jeweils aktive Eingang über einen LED-Kranz. Ein Display sucht man vergebens, doch vermisst haben wir es nicht. Der Edge A sieht dadurch ziemlich schick und zeitlos aus, wenngleich der Verstärker nicht immer praktisch zu bedienen war. Erstens sind die LEDs nicht mit gängigen AV-Abkürzungen für den jeweiligen Eingang betitelt, sondern mit A1 bis A3 für die analogen und mit D1 bis D5 Für die digitalen Eingänge. Einmal auswendig gelernt ist das aber kein Problem.

HDMI: 1 × • ARC: ja • CEC: nein • Analog Cinch: 2 × • Digital optisch: 2 × • Digital koaxial: 1 × • USB: 1x • Kopfh örer: ja • Netzwerk: nein • XLR: 1 × • Pre-out: ja


Die Fernbedienung bietet schnellen Zugriff auf alle Funktionen des Edge A, doch komplett aus Metall ist sie nicht und die XXL-Größe erscheint angesichts des Funktionsumfangs übertrieben gewählt. Statt der sehr deutlichen Lautstärkeänderung auf Tastendruck empfehlen wir die feinere Regelung direkt am Gerät


Vielmehr ist die Lesbarkeit der Beschrift ung in einigen Metern Abstand nicht mehr gegeben. Bevorzugt man die Steuerung über die Fernbedienung, sollte man die LED-Positionen samt der dazugehörigen Eingänge auswendig lernen. Und wo wir bereits am Meckern sind: Die massive Metalloberfl äche der Fernbedienung hinterlässt solch einen gelungenen Eindruck, dass die Unterseite aus Kunststoff wie eine vergebene Chance erscheint. Dafür punktet die XXL-Fernbedienung durch eine ergonomische Tastenanordnung und die Bedienung ist insgesamt eine Freude. Das liegt natürlich auch daran, dass der Funktionsumfang durch das puristische Konzept des Signalwegs ebenso minimalistisch ausfällt. Auf Klangregelung, Loudness-Schaltung oder gar digitale Raumkorrekturen wurde hier konsequent verzichtet. Vorsicht ist bei der Lautstärkeanhebung über die Fernbedienung geboten, denn durch den kraft vollen Antritt des Edge A reichen wenige Tasteneingaben aus, um die Lautstärke auf Disco-Pegel zu erhöhen. Eleganter und feinfühliger gelingt der Lautstärkeabgleich über den massiven Drehregler am Gerät selbst, der eine ganz besondere Überraschung aufweist. Der Lautstärkeregler ist motorisiert, wandert nach dem Einschalten an unterschiedliche Positionen zur „Selbstkalibrierung“ und stellt auch sonst kein gewöhnliches Potentiometer dar. Cambridge Audio realisiert den Pegelsteller mittels Halbleitertechnologie, was das gängigste Problem bei Stereopotentiometern ausmerzen soll: die oft hörbaren Toleranzen zwischen den Kanälen. Selbst bei höherpreisigen Geräten merkt man speziell im unteren Regelbereich, dass die Stereobalance durch Pegelunterschiede zwischen den Kanälen zur einen oder andern Seite verzogen wird. Das ist keineswegs Faulheit der Hersteller, sondern dem Problem geschuldet, dass eng tolerierte Stereopotis nur mit enormem Aufwand herzustellen sind. Die Halbleiterlösung des Edge A funktioniert jedenfalls ganz wunderbar. Die Stereokanäle bleiben über den gesamten Regelweg perfekt ausgewogen und die Haptik ist ebenfalls ein Traum. Kopfh örernutzer werden zudem erfreut feststellen, dass beim Herausziehen des Kopfh örerkabels der Verstärker nicht die angeschlossenen Lautsprecher überfordert, sondern automatisch stummschaltet und die Lautstärke herunterregelt.

Schaltung und Spezifi kation

Der Solid-State-Pegelsteller ist jedoch nicht der einzige technische Kniff , der sich im Cambridge Audio Edge A verbirgt. So ist die Endstufe von Cambridge Audio als Klasse-XA-Schaltung realisiert. Diese soll die klanglichen Vorzüge einer Klasse-ASchaltung mit der Kraft und Effi zienz einer Klasse-AB-Verstärkerstufe kombinieren. Dafür wird hier ein Klasse-AB-Design mit einer so gewählten Vorspannung versehen, sodass Übernahmeverzerrungen quasi eliminiert werden. Wie genau Cambridge dieses Ziel erreicht, verrät der Hersteller nicht, wir tippen darauf, dass der Bereich, in dem die Endstufe sozusagen als Klasse-A arbeitet, sehr groß gewählt ist.
Darauf deuten auch die gemessenen 160 Watt hin, die der Edge A im Ruhebetrieb (eingeschaltet ohne Tonausgabe) zieht. Wie schon angekündigt erwartet uns bei den Transformatoren des Edge A ebenfalls etwas Besonderes. So arbeitet Cambridge Audio hier mit entgegengesetzt symmetrischen Doppelringkerntransformatoren. Diese sollen - ähnlich wie bei einer symmetrischen Kabelverbindung - Störspannungen effi zient unterdrücken und gleichzeitig stabile Leistung unabhängig vom Wiedergabepegel sicherstellen. Natürlich kann ein Vollverstärker nur so gut klingen, wie es die restliche Kette zulässt, weshalb wir einen passenden UHD-BD-Player von Cambridge als Zuspieler nutzten und auf Contour-Lautsprecher von Dynaudio zurückgriff en, um den Verstärker zu fordern. Mangels Einmesssystem und EQ-Optionen sollte der Hörraum entsprechend den Qualitäten der HiFi-Komponenten akustisch optimiert sein und die Aufstellung der Lautsprecher sollte nicht nur nach Augenmaß erfolgen.

Den Ein-/Ausschalter ausgenommen, stellt der konzentrische Drehregler das einzige Bedienelement am Edge A dar und regelt sowohl die Wahl der aktiven Quelle (hinterer geriff elter Ring) als auch den Wiedergabepegel (vorderer glatter Ring). Der Lautstärkeregler ist dabei motorisiert und mittels Halbleitertechnik realisiert


Wo viel Leistung bereitgestellt wird, entsteht entsprechende Abwärme, doch dank massiver Kühlrippen bewältigt der Edge A diese Herausforderungen ganz ohne Lüft er. Der 6,3- mm Stereo-Klinken-Kopfh örerausgang ist für Impedanzen von 12 bis 600 Ohm ausgelegt


Klang und Praxis

Wie hört sich ein futuristisch und zugleich puristisch aussehendes Kraft paket mit erlesenen Audiokomponenten denn nun an? Statt eines spontanen „Wow-Eff ekts“ und typischen Klangbeschreibungen wie hell, dunkel oder mittenbetont vermittelt der Edge A zunächst vor allem eines: Eine enorme Ruhe und Kontrolle. Deshalb sollte man sein Lieblingsalbum auch am Stück hören, um die Qualitäten des Verstärkers nach und nach zu entdecken. Stundenlanges Hören ist hier wärmstens empfohlen, denn die Wiedergabe neigt nicht zur Anstrengung oder Ermüdung und billige Tricks wie ein zu soft er oder zu harter Klangcharakter waren dem Vollverstärker bei jeder Lautstärkeeinstellung fremd. Der Charakter des Edge A lässt sich am besten mit einem Wort zusammenfassen: sauber. Und das weitestgehend unabhängig vom Wiedergabepegel. Auch wenn man den Edge A soweit ausfährt, wie es Ohren und Nachbarn zulassen, kommen hier keine hörbaren Verzerrungen seitens des Verstärkers zustande, die sich bei anderen Modellen oft warnend einschleichen. Auch am anderen Ende des Pegelbereichs sticht der Edge A positiv hervor. Die Klangbalance bricht selbst bei fl üsterleiser Wiedergabe nicht zusam- men und sogar das Stereobild bleibt stabil.

Apropos Stereobild: Das ist gestochen scharf. Sogar in dichten Arrangements sind alle Elemente im Mix ohne Anstrengung auszumachen. Und wenn die Aufnahme dies hergibt, kann man mühelos der Mikrodynamik jedes Instruments folgen. Beeindruckend fällt ebenfalls die Sprachverständlichkeit aus, nicht nur beim Musikhören, sondern auch über den ARC-fähigen HDMI-Anschuss.
Kinofi lme werden mit einer hervorragenden Balance aus Eff ekten, Musik und glasklarer Sprache wiedergegeben und das alles ganz ohne getrennte Kanalregelung und adaptive Spezialalgorithmen. Mehrkanal-Audio-Tonspuren sollten Sie über hochwertige Player auf Stereoniveau heruntermischen. Unser einziger Kritikpunkt am Klang des Edge A ist, dass die Tiefenstaff elung zumindest in unserem Set-up nicht die Qualitäten der restlichen Klangparameter erreichte. Das bedeutet nicht, dass diese per se schlecht ist, aber der Sound schien etwas mehr auf der Linie zwischen den Lautsprechern zu verharren, als es dem sonst so fein zeichnenden, präzisen Verstärkerklang gerecht wird. Abschließen wollen wir unseren Test mit einem Hörbeispiel eines Künstlers, der seinen ganz eigenen Teil zum „britischen Sound“ beigetragen hat. Peter Gabriels Song „Sledgehammer“ aus dem Album „So“ ist eine exzellente Produktion, die die Schwächen in der Wiedergabekette schlüssig aufzudecken weiß. Die gute Nachricht: Hier erübrigt sich jedwede Form von Kritik, denn der Edge A meistert sämtliche Passagen vorbildlich. Bei Tony Levins legendärem mit dem Octaver bearbeiteten Fretless-Bass hört man sogar ganz genau das Einschwingen der Saite heraus. Der Instrumentenklang ist sonor und knurrig mit fantastisch präzisem Drahtklick im Anschlag. Die Drums sind groß und knallig mit wunderbar gezeichneten Transienten. Die Bläsersektion ertönt kraft voll und präsent und Mr. Gabriels Stimme wird ebenfalls klar herausgestellt. Schön, wie man bei Letzterer auch all die Doppelungen und dergleichen genau heraushören kann. Einfacher gesagt: Songs wie diese machen über den Edge A richtig Laune!

Solch einen aufwändigen Doppel-Mono-Aufb au sieht man nicht alle Tage: In der Mitte sind gleich zwei Ringkerntransformatoren platziert, die gegenpolig arbeiten, um Störeinfl üsse zu minimieren. Selbst bei einem fl üchtigen Blick ins Innere ist der Enthusiasmus der Entwickler förmlich greifb ar▪

Was uns gefällt

+Klang, Stereobild, Sprachwiedergabe
+Enorme Kraft reserven, dynamisch
+HDMI-ARC, Bluetooth aptX, Kopfh örer
+Zeitlose Optik, exzellente Verarbeitung

Was uns stört

- Quellanwahl an Front kaum auszumachen
- Kein Einmesssystem, keine EQ-Presets
- Kein OSD, kein CEC, nur PCM
- Unterseite Fernbedienung nur aus Plastik


Bilder: Auerbach Verlag

Bilder: Auerbach Verlag