Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

CAMERON CHAMP: DER NEUE BOMBER!: CAMERON CHAMP auf der PGA Tour


GOLF MAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 20/2019 vom 21.01.2019

Sean Foley erinnert sich, als er zum ersten Mal den Schwung von Cameron Champ sah. Das war in Foleys Trainingsakademie in Orlando und Champ damals 14 Jahre alt. Foley, der Tourspieler wie Justin Rose, Hunter Mahan und Tiger Woods coacht, rief daraufhin seine Frau Kate an, um Termine für den Folgetag abzusagen und sich frei zu nehmen – fürs Training mit Champ


Artikelbild für den Artikel "CAMERON CHAMP: DER NEUE BOMBER!: CAMERON CHAMP auf der PGA Tour" aus der Ausgabe 20/2019 von GOLF MAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: GOLF MAGAZIN, Ausgabe 20/2019

Foley erinnert sich: „Ich kann nicht mehr wörtlich wiedergeben, was ich damals gedacht habe, aber da gab es definitiv einen Wow-EThekt. Wir haben den gesamten Folgetag an Camerons Spiel gearbeitet. Mittlerweile hat er vom Tee die Genauigkeit wie ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von GOLF MAGAZIN. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 20/2019 von Neue Regeln! Geht da etwas schief?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neue Regeln! Geht da etwas schief?
Titelbild der Ausgabe 20/2019 von LASS STECKEN!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LASS STECKEN!
Titelbild der Ausgabe 20/2019 von HIGHLIGHTS 2019: Auf ’ne ganz neue Tour. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HIGHLIGHTS 2019: Auf ’ne ganz neue Tour
Titelbild der Ausgabe 20/2019 von STAYSURE TOUR FINALE: REIF FÜR ZWEI INSELN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
STAYSURE TOUR FINALE: REIF FÜR ZWEI INSELN
Titelbild der Ausgabe 20/2019 von CALLAWAY: KÜNSTLICHER BLITZEINFALL. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
CALLAWAY: KÜNSTLICHER BLITZEINFALL
Titelbild der Ausgabe 20/2019 von TAYLORMADE: BEINAHE ILLEGAL. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TAYLORMADE: BEINAHE ILLEGAL
Vorheriger Artikel
NEUE SERIE: NEUE REGELN 2019: DIE NEUEN GOLFREGELN
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel JAMIE LOVEMARK: ÜBEN SIE DIE PUTTS, DIE SIE SO GAR NICHT M&O…
aus dieser Ausgabe

... David Toms, aber schlägt seine Drives knapp 30 Meter länger als Dustin Johnson.“

Und das ist keine Übertreibung! Selbst die Longhitter der Tour registrieren das Können von Champ; was für ein großartiger Nachname übrigens. Seine Drives trotzen jeglicher Logik. Er ist 23 Jahre alt, knapp 1,83 Meter groß und wiegt rund 80 Kilo. Auf der -Tour schlug Champ 2018 durchschnittlich – Achtung, jetzt kommt’s – 313 Meter vom Tee. Bei der US Open 2017 in Erin Hills, wo Champ noch als Student der Texas A&M Universität an den Start ging, erregte er weltweit Aufsehen, da er mit Drives von durchschnittlich 308 Metern das Spielerfeld in der Longest-Drive-Statistik anführte.

Auch seine Genauigkeit ist ganz schön beeindruckend. In der Statistik Drives-Gesamt, einer Statistik, die Länge und Genauigkeit kombiniert, war er im vergangenen Jahr auf der -Tour Dritter. Und in der Statistik der planmäßig getroThenen Grüns („greens in regulation“) liegt er mit 75,5 Prozent auf Platz vier. Innerhalb seines ersten Profi-Jahres gewann er die Utah Championship auf der Web.

com-Tour und hatte sich damit die volle Spielberechtigung für die PGA Tour gesichert, auf der er auch schon einen Sieg verzeichnen kann. „Er bringt so viel Druck auf den Schläger, dass ein Graphitschaft in der Mitte durchbrechen könnte“, sagt Foley, der Champ immer noch coacht. „Haben Sie eine Ahnung, wen sie sehen? Das ist Bruce Lee auf dem Golfplatz!“

Auch wenn Champ im Umgang mit seinem Driver brutal erscheint, so ist sein Charakter eher sa.. Cameron ist freundlich, rücksichtsvoll und zurückhaltend, meint Foley. Meistens bleibt er für sich. Abseits des Golfplatzes begeistert er sich für Motoren und schraubt an seinem Chevy Pickup, der satte 700 PS hat. Sein Standard-Drive ist eine Rakete mit einem A. ugwinkel von 4 bis 5 Grad (üblich sind 11 Grad oder mehr). Der Ball bleibt 275 Meter in der L., bevor er bis zu 46 Meter ausrollt. Schauen Sie sich das Phänomen Champ selbst an!

CAMERON CHAMP

schlägt den Ball extrem weit und auch genau. Der Tour-Rookie hat bereits einen PGA Tour-Sieg in der Tasche.

Alter: 23

Nationalität: USA

Pro seit: 2017

PGA Tour Sieg: Sandersons

Farm Championship 2018

Um einen leichten Vorgeschmack auf seine Drives zu bekommen, besuchen Sie uns online und sehen Champs Schwung:golfmagazin.de/news/der-schwung-voncameron-champ /


„Ich versuche, meine Gürtelschnalle schnellstmöglich zum Ziel zeigen zu lassen“


1. LANGSAM ZURÜCK

Wenn es mit dem Driver mal nicht so läuft, hat Cameron Champ nur einen Schwunggedanken: „Langsam zurückschwingen“, verrät der Longhitter. „Wenn ich mich im Rückschwung beeile, ist mein Timing ganz durcheinander“, erläutert er. Foley zufolge gibt es in Champs Rückschwung zwei Dinge, die besonders anzumerken sind (Foto linke Seite oben): „Schauen Sie auf sein rechtes Bein: Er hat es kraftvoll geladen, ohne dabei vom Ball weg zu schaukeln“, analysiert Schwungcoach Foley. „Diese Bewegung ist so gut, die sollte jeder kopieren.“ Auf Grund der Länge seines Rückschwungs kreuzt sein Schaft die Schwunglinie und zielt rechts vom Ziel. „Ich sollte wohl erwähnen, dass er sich zwar darauf vorbereitet, im Durchschwung viel Kraft freizusetzen, dennoch ist zu diesem Zeitpunkt nicht sonderlich viel Spannung in seinem Körper.“ Der Trainer fügt hinzu: „Das ist ein weiterer wichtiger Punkt, den Sie sich unbedingt abgucken sollten.“

2. DIE STEINSCHLEUDER-BEWEGUNG

Den Abschwung leitet Champ mit einer schnellen Rotation seiner Hüften ein. „Ich versuche, meine Gürtelschnalle schnellstmöglich zum Ziel zeigen zu lassen“, sagt Champ. Dem Unterkörper die Führung zu überlassen ermöglicht es Champ nämlich, das Freilassen des Schlägerkopfs hinauszuzögern. Das nennt Champ die „Steinschleuder-Bewegung“. Foley erläutert, dass bei dieser Bewegung besonders auf die Verzögerung des Schlägerkopfs geachtet werden sollte, der sich hinter Champs Händen befindet (Foto linke Seite unten). Diese Verzögerung, „Lag“ genannt, wird nicht dadurch erzeugt, dass die Hände den Schlägergriff schnell herunterziehen; das ist ein häufiges Missverständnis bei Amateurspielern. Champs Arme bewegen sich wenig, wegen seiner Hüftbewegung fällt der Schläger runter. „Wenn Sie das während des Schwungs spüren, können Sie sich darauf freuen, dass Ihre Drives viel stabiler und länger werden“, prophezeit Sean Foley.

3. DEN STEIN LOSLASSEN

Seit dem 14. Lebensjahr hat Champ sein Spiel verfeinert. Foley weist aber darauf hin, dass Champs Durchschwung immer noch so aussieht wie früher: „Man sieht ihm gar nicht an, dass er den Ball besonders hart schlägt, da die erzeugte Energie und das Drehmoment, den er zuführt, nur schwer auszumachen sind.“ Und weiter: „In Champs Schwung ist eine Seitwärtsbewegung kaum zu sehen, dabei verlagert er extrem viel Druck von rechts nach links.“ Zum Rückschwung sagt Foley: „Wenn Sie beim Herabschwingen besser mit dem Boden zusammenarbeiten, werden Sie mehr Kraft erzeugen, ohne das Gefühl zu haben, härter zu schwingen.“
„Es fühlt sich so an, als würde ich mich richtig hart in den Boden drücken. Das ermöglicht mir, mehr Geschwindigkeit aufzubauen und den Schlägerkopf gegen den Ball schnellen zu lassen. Wie bei einer Steinschleuder, bei der der Stein freigelassen wird. Daher nenne ich diese Bewegung auch die Steinschleuder“, sagt Champ.

1


2


5


6


WIE EINE LEICHTE RECHTSKURVE

Champs ideale Flugkurve mit dem Driver ist ein ganz kleiner Fade und kurvt „weniger als fünf Meter“ nach rechts, erklärt er. Ohne Weiteres kann er die Flugkurve anpassen und erhöhen; das Ziel links zu verfehlen ist für ihn kein Thema. Foley zufolge hat Champ die Angewohnheit, sich zu weit nach rechts auszurichten und dann quer durch den Ball zu schlagen. Foley hätte gern, dass Champ das Gefühl hat, mit einem leicht geöffneten Stand, also leicht links der Ziellinie, den Ball anzusprechen, selbst dann, wenn er gerade zur Ziellinie steht (Fotos 1, oben und unten aus unterschiedlichen Blickrichtungen).

AUF DIE HÄNDE ACHTEN

Ein gemächlicher Rückschwung ohne jede Eile ist für einen Durchschwung, bei dem alle Abläufe korrekt in Reihe geschaltet sein sollen, super wichtig, erklärt Champ. Ebenfalls nicht außer Acht zu lassen ist die Position der Hände. Wenn Champ den Schwung beginnt, müssen sie innerhalb der Ziellinie (Fotos 2 und 3) bleiben, analysiert Foley. Ziel dabei ist, einen kurzen, schnellen Rückschwung zu vermeiden, bei dem der Schläger nach oben gezogen wird. Das würde beim Herabschwingen nämlich dazu führen, dass der Schläger eingeklemmt wird und er von der eigentlichen Schwunglinie abweicht.

AUF DER SCHWUNGBAHN BLEIBEN

Trainer sprechen oft von der Bedeutung der richtigen Schwungebene, wenn man das Ende des Rückschwungs erreicht, bei dem der Schaft parallel zur Ziellinie stehen soll (Fotos 4). Das ist nämlich der Ausgangspunkt für einen besseren Durchschwung. Aber stünde bei Champ am Ende seines Rückschwungs der Schaft nicht parallel zum Ziel (siehe auch Foto oben auf Seite 50), würde er viele Pulls schlagen, sagt Foley. „Sein Schläger muss in dieser Fehlposition stehen, um zu vermeiden, dass der Schläger zu schnell wird und ihn im Durchschwung überholt und sich vor seinen Körper klemmt.“

1


2


5


6


3


4


7


8


VERZÖGERN WIE GARCIA UND TREVINO

„Sehen Sie nur, wie sehr sein Schläger beim Herabschwingen verzögert“, betont Foley. „Diese Verzögerung ist genauso stark wie bei Sergio Garcia oder vor vielen Jahren Lee Trevino, nur mit dem Unterschied, dass Champ schneller ist.“ Sein Ziel ist, beim Einleiten des Durchschwungs den Oberkörper ruhig zu stellen (Oberkörperposition auf Fotos 4 und 5). „Gelegentlich leitet er mit dem Oberkörper den Durschwung ein“, erklärt Foley. „Wenn das passiert, kann er den Schläger nicht freilassen, sondern wischt ihn nur Richtung Ziel. Das ist ein Schwungaspekt, an dem wir momentan arbeiten.“

SPRUNG IN DEN ABFLUG

Auf dem halben Weg durch den Durchschwung beschleunigt Champ seine Geschwindigkeit auf 130 Meilen (umgerechnet rund 210 Kilometer) pro Stunde, wobei er den Griff enorm viel verkanten und ziehen muss, um ein so hohes Drehmoment zu erzeugen (Fotos 6 und 7). Erschreckenderweise ist das, was Cameron da sowohl mit seinem Schlägergriff als auch mit dem Boden macht, sehr ähnlich zum Schwung von Longest-Drive-Champion Jamie Sadlowski. „Das ist kein Abdrücken vom Boden, wie es die meisten anderen Tour-Pros machen“, sagt Foley, „das ist ein Sprung.“

SCHNI-SCHNA-SCHNAPPI

Beachten Sie die Stellung seines linken Handgelenks (Fotos 6): Es ist leicht gebeugt, was dafür spricht, dass er mit seinen Händen und den Handgelenken nicht sonderlich aktiv ist. Die Schwunggeschwindigkeit kommt mehr aus seinem Körper, erklärt Foley. „Ich möchte sein rechtes Ohr etwas weiter unten sehen, was belegt, dass er seine Augen für die Drehung nutzt. Und außerdem schützt er mit dieser Kopfhaltung Nacken und Wirbelsäule“ (Fotos 7). Es sieht aus wie ein Kinderspiel, wenn Champ ins Finish saust (Fotos 8) und vorher mit einem kräftigen Schnapp auf den Ball trifft.

3


4


7


8


© GOLF DIGEST 11/2018. FOTOS: WALTER IOOSS JR. DEUTSCHE BEARBEITUNG: ISABEL VON WILCKE