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CANDLEMASS: HARTER WINTER:Deschlossener Kreis


Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 13.02.2019

In einer Vollmondnacht wagen fünf Altmeister nach Jahren mal wieder eine Ausfahrt. Ihr Karren ist alt und ihr Weg so ungewiss wie die Zukunft; ihr Blick pendelt zwischen Rückspiegel und Voraussicht, die Fahrt führt über Stock und Stein und erzeugt Schmerzen. Dennoch bereitet es den Herren einen Heidenspaß, sich frei in ihrer ureigenen Umwelt zu bewegen und ihrer Bestimmung zu folgen. Dies könnte das letzte Kapitel in der Geschichte von CANDLEMASS sein. Tauchen wir hinein!


Artikelbild für den Artikel "CANDLEMASS: HARTER WINTER:Deschlossener Kreis" aus der Ausgabe 3/2019 von Metal Hammer. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: L. Åkerberg (PR)

Seit PSALMS FOR THE DEAD sind fast sieben Jahre vergangen. In dieser Zeit lag Candlemass-Gründer und -Komponist ...

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... Leif Edling trotz seines Burnouts nicht auf der faulen Haut, sondern rief zwei neue Gruppen ins Leben, um seine Kreativität auszuleben: Während Avatarium in der Obhut des Ehepaars Jidell/Smith flügge wurde und mit Rabenschwingen entschwebte, ebnete das Studioprojekt The Doomsday Kingdom den Weg für eine Rückkehr der Urväter epischer Schwermut. Nun öffnen Candlemass THE DOOR TO DOOM – mit ungewissem Ausgang, wie Edling andeutet.

Leif, wie geht es dir im Moment?
Es geht mir besser, doch nicht gut. Ich habe noch immer Probleme mit dem Gefühl, ausgebrannt zu sein, soll die Sache beobachten und nicht zu hart arbeiten. Daher brauchte das Album ein Jahr. Nicht ideal, doch nur so war es möglich. Ich hoffe, bei allen geplanten Konzerten mitwirken zu können. Der Plan ist, 2019 etwas Spaß zu haben!

THE DOOR TO DOOM ist euer lang ersehntes erstes Album seit 2012. Du warst in den letzten Jahren mit anderen Bands beschäftigt. Was bedeutet es dir, neue Musik mit deiner Ur-Band zu veröffentlichen?
Ich habe zu Hause und im Studio Musik geschrieben, wann immer ich mich stark genug dazu fühlte. Ich war also kreativ, doch ich sehne den Tag herbei, an dem ich dieser Band wieder zu hundert Prozent beiwohnen kann. Die letzten Jahre und die Arbeit für The Doomsday Kingdom und Avatarium mit Marcus habe ich genossen – doch mit Candlemass ist es etwas Besonderes. Es fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen. Wir sind noch immer gute Freunde und ich brenne darauf, im Februar mit den Jungs auf der Bühne zu stehen und für Leute zu spielen, die diese Art Musik lieben.

Für das Album habt ihr Johan Langquist zurückgeholt, den Sänger eures Debüts EPICUS DOOMICUS METALLICUS. Wie kam es dazu?
Für mich war das Jahr gesundheitlich schwierig. Ich sollte nicht nur neue Songs schreiben, sondern auch Demos aufnehmen. Das ist viel Arbeit. Zugleich kamen viele E-Mails und wir hatten lange, ergebnislose Diskussionen innerhalb der Band – zu viel Arbeit und Kopfschmerzen für mich. Ich konnte es nicht. Meine Ärzte haben mich sogar angewiesen, es bleiben zu lassen. Also erklärte ich der Band im August, dass ich nach der Aufnahme des Albums gehen würde – zumindest jedoch im Lauf des Jahres. Ich liebe die Jungs, aber es war zu viel Arbeit, gab zu viele Diskussionen und war zu viel Mist. Am Ende trafen wir als Band die Entscheidung, uns zurück zu unseren Wurzeln zu bewegen und nur noch Spaß damit zu haben. Wir fragten Johan, ob er zurückkehren wolle und versuchten, das Herz des Doom wiederzufinden. Mats Levén hat in all den Jahren großartige Arbeit abgeliefert. Doch es ist an der Zeit für uns alte Säcke, zum Anfang zurückzukehren – und zwar mit Johan. So schließt sich der Kreis.

Wie war es, wieder mit Johan zu arbeiten?
Ich weiß, dass unsere Fans, die meisten Journalisten und jeder andere auf Planet Metal denken, dass wir zu viele Sänger hatten. Ich entschuldige mich dafür! Ich weiß, dass dies die letzte Candlemass-Version ist und dass viele den Gedanken lieben, dass Johan zurück ist. Er liefert richtig ab! Als er im September, Oktober seinen Gesang aufnahm, hat er mich total umgehauen: Dieses Gefühl, diese Stimme – unglaublich! Verglichen mit anderen Sängern, die wir hatten, ist Johan eine Brise im Wind.(lacht) Er ist sanft und cool, man kann leicht mit ihm arbeiten. Ein süßes 2019 erwartet uns!

Wie kam die Musik zustande? Du bist der Hauptkomponist – wie viel kam von den anderen?
Ich habe fünf Monate lang geschrieben, danach fertigten Marcus und ich Demos der Stücke an. Es ging langsam voran, da ich aufgrund meiner Ermüdung nicht jeden Tag im Studio sein konnte. Ich schrieb zu Hause und besuchte Marcus mehrmals pro Woche im Studio. Das ist nicht ideal, aber man tut, was man kann. Wir konnten die Stücke diesmal nicht üben, alle hörten sich die Demos daheim an. Jan(Lindh – Anm.d.A.) baute sein Drumkit im Studio auf, sodass wir bei Gelegenheit aufnehmen konnten. Mappe(Björkman – Anm.d.A.) kam immer wieder rein, um die Gitarren einzuspielen. In dieser Zeit komponierte ich immer weiter, bis sie mich abwürgten.(lacht) Im Juni war das Album fast im Kasten, doch ich begann mich wieder schlecht zu fühlen und musste eine Auszeit nehmen. Ich bin der Band nicht wieder beigetreten, um stundenlang vor dem Computer zu sitzen und mich mit Unsinn herumzuschlagen. Dafür bin ich zu alt. In einer Band zu sein, muss sich halbwegs leicht anfühlen und Spaß machen. Doch manchmal überrascht einen das Leben – aus dem Nichts kam ein Sonnenstrahl. Im September beschlossen wir etwas Radikales, Unerwartetes, bündelten alle Kräfte und versuchten es noch einmal.

Hattest du konkrete Pläne für die Musik, wolltest du etwas Bestimmtes umsetzen?
Ich wollte, dass sie einem roh ins Gesicht schlägt! Keine fette Luxusproduktion, keine Keys, keine runden Ecken. Das Album sollte brutal wie schön zugleich klingen – Hauptsache, nicht glattpoliert.

Marcus Jidell hat das Album produziert. Er agiert seit Jahren als dein Kreativpartner bei diversen Bands. Wie wichtig ist dir seine Hilfe?
Sehr wichtig – besonders, wenn ich krank bin. Man braucht einen Produzenten – jemanden, mit dem man Ideen jonglieren kann, der einem den Rücken freihält, der aufnimmt, plant und sich um die Logistik kümmert. Marcus ist bei all dem sehr gut und ich bin gerne in seiner Nähe – auch für das ein oder andere Getränk.(lacht) Ich hoffe, er bekommt nach Candlemass mehr Aufträge als Produzent. Er verdient es.

Tony Iommi steuert ein Solo bei – welch eine Ehre! Wie kam diese Kooperation zustande?
Ich stellte diese verrückte Idee der Band vor. Die Hälfte der Jungs dachte vermutlich, ich hätte komplett den Verstand verloren. Doch ich glaube ernsthaft daran, dass man nach den Sternen greifen oder es zumindest versuchen soll. Also fragte unser Manager bei Iommis Manager nach der Möglichkeit eines Beitrags. Wenig später kam ein „Ja“ zurück. Ich war überglücklich! Am schlimmsten war es, vier, fünf Monate nicht darüber reden zu dürfen, bevor es offiziell war…

Wie denkst du über den Abschied von Black Sabbath?
Ich verstehe das. Sie blicken auf eine wundervolle Karriere als einflussreichste – und beste – harte Band überhaupt zurück. Sie sind würdevoll auf dem Gipfel abgetreten. Ich könnte keinen größeren Respekt vor ihnen haben – sie sind die unangefochtenen Herrscher im harten Rock, Heavy Metal und Doom.

Neben dem Solo stechen – abgesehen vom starken Fundament – ein paar Aspekte heraus: Orgel und Glocken bei ‘House Of Doom’, der sanfte Beginn von ‘The Omega Circle’, das regelrecht balladeske ‘Bridge Of The Blind’…
Wir haben noch mehr dieser kleinen Passagen, die wir gar nicht verwendeten, genau wie akustische Phasen, Intros und so weiter, die dem letzten Schliff zum Opfer gefallen sind. Am Ende wollte ich das Album frei von Übergangsphasen und Unnötigem halten – roh und ohne Ablenkung. Aber ja, ‘Ballad Of The Blind’ ist wohl unsere erste Ballade. Ich finde, sie passt gut auf das Album – Überraschung…

Vorab habt ihr 2018 die ‘House Of Doom’-EP veröffentlicht – eine Kollaboration mit einem Online-Casino-Spiel. Was steckt dahinter?
Ein auf Malta lebender Freund arbeitet in dieser Industrie. Er fragte mich, ob für uns eine Zusammenarbeit infrage käme. Also flog ich runter und sah mir die Sache eine Woche lang an. Ich spiele nicht und mag Casinos nicht besonders, doch da ein „metallischer Blickwinkel“ dabei war, haben wir gerne einen Song beigesteuert. Am Ende ist es ein nettes Spiel mit guter Musik.

Was steckt hinter der „Haus“-Metapher, die auch vom Albumtitel aufgegriffen wird?
Die Metapher ist in erster Linie wichtig für das Spiel. Für das Album schwebte mir etwas anderes vor, das unsere aktuelle Situation beschreibt, in der wir als Band stehen: THE DOOR TO DOOM beschreibt das perfekt – wir haben sie einmal mehr geöffnet: Was wartet auf der anderen Seite? Das weiß die Hölle.(lacht) Dasselbe umschreiben wir mit dem Vollmondfoto. Auf der Straße in die Hölle… Wo werden wir enden? Ein letzter Trip? Vielleicht… Vielleicht nicht…

Wie empfindest du euren Status quo – wie geht es der Doom-Welt, und warum könnte dies die perfekte Zeit für die Rückkehr von Candlemass sein?
Wir waren ja nie richtig weg. Ein paar Jahre lang haben wir nur live gespielt, aber das waren gute Shows, daher hat unser Ansehen nicht gelitten. Zumindest sind wir auf Festival-Plakaten nicht weit abgerutscht. Ich befürworte mehr Wettbewerb im harten Bereich. Es gibt jüngere Bands wie Electric Wizard, Blood Ceremony oder Uncle Acid, doch nicht wirklich viele heiße Acts, die uns im Doom etwas vormachen könnten. Die Untergrundszene existiert, doch gefühlt hinterlassen Black Sabbath eine riesige Lücke… Im Doom-Universum ist Raum für ein richtig gutes hartes Album – warum nicht eines von Candlemass?

In Europa spielt ihr dieser Tage vor Ghost. Was hältst du von ihnen – und lässt dich deine Gesundheit bei allen Konzerten mitwirken?
Ich liebe Ghost! Sie sind die beste „neue“ Band seit Jahren und haben die Parameter für gute Heavy Metal-Songs geändert, indem sie Pop-Elemente beigefügten. Wie viele Bands erfinden Musik neu? Nicht viele… Auf der anderen Seite kommt mir die Metal-Szene heutzutage fad und langweilig vor. Dann kamen Ghost und haben alle umgehauen. Hut ab! Ich werde bei der Tournee mit ihnen auf der Bühne sein – versucht nur, mich davon abzuhalten!(lacht) Ernsthaft: Ich hoffe, ich kann 2019 alle geplanten Konzerte spielen. Die Angebote kommen rein wie verrückt – wir müssen sogar nein sagen, anstatt um Gigs zu betteln.