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Cannabis weltweit: Cannabis & Corona


grow! Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 29.04.2020
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Bildquelle: grow! Magazin, Ausgabe 3/2020

Die Verbreitung der Infektionskrankheit COVID-19, verursacht durch das Coronavirus mit der Kurzbezeichnung SARS-CoV-2, betrifft nahezu sämtliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Von der chinesischen Stadt Wuhan ausgehend, überzog die COVID-19-Pandemie bekanntlich die gesamte Welt. Spätestens seit Inkrafttreten der weitreichenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens sowie dem hastig eingeleiteten künstlichen Wirtschafts-Koma ist das Thema nahezu überall aktuell. Täglich werden Zahlen von infizierten, verstorbenen und geheilten Patienten aktualisiert, rund um die Uhr wird über Kontaktsperren, ...

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... Grenzkontrollen und weitere Maßnahmen sowie deren Auswirkungen berichtet.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), das Robert-Koch-Institut (RKI) und diverse andere, in diesen Zeiten regelmäßig zitierte Institutionen, geben sich nun bereits seit Wochen die größte Mühe, die Öffentlichkeit über die bekannten Eigenschaften und Verbreitungswege des Virus‘ zu informieren. Neben grundlegenden Fakten zu Virus, Lungenerkrankung und Ansteckung stehen natürlich vor allem Maßnahmen im Vordergrund, mit welchen man das Risiko einer Infektion minimieren kann. Auch Hanffreunde sollten mit Blick auf diesen Punkt Vorsicht walten lassen.

Safer Use in besonderen Zeiten

Grundlegendes

Um das grundlegende Risiko einer Infektion zu minimieren, gelten natürlich zunächst für alle Menschen die selben grundlegenden Empfehlungen. Dazu gehört nicht nur das Einhalten einer gründlichen Hygiene, sondern auch das Meiden von Menschenansammlungen sowie das Einhalten eines angemessenen Abstands zueinander. Letzterer Punkt ist, wie jeder führerscheinlose Berufspendler bestätigen wird, definitiv nicht immer einzuhalten. Allen Empfehlungen, Einschränkungen und vorübergehenden Schließungen zum Trotz sehen sich nicht wenige Menschen regelmäßig dazu gezwungen, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Da hier viele Flächen von verschiedenen Menschen angefasst werden und man schlimmstenfalls gezwungen ist, enger zusammenzurücken, als derzeit gewünscht, stellen derartige Fahrten ein eindeutiges Ansteckungs- und Verbreitungsrisiko dar. Gerade hier gilt es, aufmerksam zu bleiben. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle noch einmal die Liste der wichtigsten Maßnahmen aufgeführt:

· Abstand zueinander halten (min. 1,5 Meter)

· Regelmäßig Hände waschen, ggf. desinfizieren

· „Nies-/Husten-Etikette“ einhalten (in die Armbeuge) & Berührung des Gesichts vermeiden

· Kontakte insgesamt minimieren, Menschenansammlungen vermeiden

· Informiert bleiben

Hygienischer Hanfkonsum

Natürlich sind Cannabis-Konsumenten ebenfalls ganz grundsätzlich gut damit beraten, stets auf Hygiene zu achten. Wer das Risiko einer (wie auch immer gearteten) Infektion möglichst gering halten möchte, sollte sich also tunlichst überlegen, ob man die Selbstgedrehte, den Vaporizer oder ähnliches mit weiteren Personen teilen möchte. Die WHO informiert, dass das Coronavirus „hauptsächlich durch den Kontakt mit Speichel oder Nasensekret infizierter Personen übertragen“ wird, also das größte Risiko einer Ansteckung in einer möglichen Tröpfcheninfektion besteht, z.B. beim Husten oder Niesen. Allerdings ist auch eine Schmierinfektion nicht ausgeschlossen. Naheliegenderweise ist also ein gemeinsam gerauchter Joint alles andere als sicher.

Konkret heißt das: Joints sollten nicht miteinander geteilt und Rauchutensilien (Vaporizer, Pfeifen etc.) regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden, um eine mögliche Ansteckung zu verhindern. Wer derartige Maßnahmen nur für den Fall für nötig hält, dass jemand auch tatsächlich Symptome zeigen sollte, der sollte sich bewusst machen, dass ein Großteil der (Corona-)Erkrankungen eher milde ausfällt. Allerdings können auch Personen ohne Symptome Überträger des Virus‘ sein.

Kontaktsperre & Polizeikontrollen

Nachdem zuvor bereits umfangreiche Maßnahmen beschlossen worden waren, mit welchen unter anderem das Gesundheitssystem auf die zu erwartende Belastungsprobe durch steigende Infektionszahlen und damit auch schwerer Krankheitsverläufe vorbereitet werden sollte, einigten sich Bund und Länder am 22. März bekanntlich auf das sogenannte „umfassende Kontaktverbot“. Nur der Freistaat Bayern war bereits zwei Tage früher mit entsprechenden (dort „Ausgangsbeschränkungen“ genannten) Anordnungen vorgeprescht. Damit wurden nicht nur alle Bürger dazu angehalten, räumliche Nähe so gut wie irgend möglich zu reduzieren - inklusive eines Mindestabstands von 1,5 Metern. Es wurde außerdem auch ein Großteil der nicht zu den sogenannten systemrelevanten Unternehmen zu rechnenden Firmen zur vorübergehenden Schließung gezwungen (zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses war das Kontaktverbot nach wie vor in Kraft und noch nicht konkret abzusehen, wie lange es aufrechterhalten werden soll).

Polizei und Ordnungsbehörden waren ab diesem Punkt im ganzen Land präsenter, denn je und allerorts damit beschäftigt, die Einhaltung der Kontaktbeschränkungen zu überwachen - um bei Zuwiderhandlungen entsprechende Strafen auszusprechen. Genau dieser Umstand ist es, welcher in den Tagen nach der Anordnung der Beschränkungen diversen Hanffreunden zum Verhängnis wurde. Denn bei der verstärkten öffentlichen Präsenz, der erhöhten Aufmerksamkeit und den dementsprechend häufigeren Kontrollen ist das für Cannabiskonsumenten ohnehin permanent gegebene Risiko deutlich gestiegen. Schließlich waren die Beamten auch dazu angehalten, Menschen verstärkt anzusprechen, zu informieren und über den Grund zu befragen, aus welchem sie in der Öffentlichkeit unterwegs sind. Ein Klima also, welches Cannabiskonsumenten so gar nicht behagen will.

Trotz diverser, zu Recht verständnisloser Berichterstattung über „Corona-Partys“ und ähnlich gelagerter Fälle besorgniserregenden Hirnfraßes ließen einige Menschen es sich nicht nehmen, sich in der Öffentlichkeit zu treffen. Dass unter derartigen, schließlich durch Ordnungshüter aufgelöste Versammlungen auch der ein oder andere Cannabiskonsument zu finden war, war für die Vertreter der hanfbekämpfenden Staatsmacht natürlich ein willkommener Beifang. So war bereits wenige Tage nach Inkrafttreten der Gesetze, die im allgemeinen bloß als „Kontaktsperre“ bezeichnet werden, eine bedauerlicherweise recht umfangreiche Liste an Polizei- und Zeitungsmeldungen zusammengekommen, laut denen die Beamten bei der Auflösung unerlaubt versammelter Gruppen auch vermehrt Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz verbuchen konnten.

Hinzu kommt, dass große Teile der Bevölkerung derart für die Notwendigkeit der Einhaltung der Kontaktsperre sensibilisiert wurden, dass infolge die Bereitschaft zur Denunziation offensichtlich spürbar angestiegen ist. So kam es zu diversen Sicherstellungen verbotener Hanfprodukte, nachdem die Polizei von Dritten über Verstöße gegen die verordneten Einschränkungen informiert wurde. Wie wichtig es sein kann, die aktuelle Lage aufmerksam zu beobachten und die geltenden Verordnungen zu beachten, zeigt (als ein Beispiel von vielen) ein Fall aus Kempten im Allgäu: Dort wurde die Polizei zur Adresse einer Privatwohnung bestellt, weil der Verdacht bestand, dass dort eine Corona-Party veranstaltet wurde. Diese entpuppte sich dann allerdings als zweisame Raucherrunde, deren Gemütlichkeit von den Beamten natürlich unterbrochen wurde. Bei der Gelegenheit wurden nach Angaben der zuständigen Polizeibehörde über 300 Gramm Cannabis und ein vierstelliger Bargeldbetrag sichergestellt. Ergebnis: Eingeleitete Ermittlungen wegen des Verdachts auf illegalen Handel von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Wer also ähnlich unangenehme Überraschungen vermeiden möchte, sollte die möglichen Begleiterscheinungen geltender Verordnungen aufmerksam im Auge behalten.

Überlegungen zur Selbstversorgung

Selbstverständlich will niemand irgendjemanden zu gesetzeswidrigen Handlungen anstiften - egal wie realitätsfern, weltfremd oder fragwürdig einzelne Gesetze auch sein mögen. Tatsache ist, nichtsdestotrotz, dass es auch in Deutschland nicht gerade wenige regelmäßige Cannabiskonsumenten gibt, welche sich auf unterschiedlichsten Wegen mit dem illegalen Genussmittel ihrer Wahl versorgen. Hierbei bestehen insbesondere im Hinblick auf die jeweiligen Risiken, Schwierigkeiten mit Gesetz zu bekommen, große Unterschiede. Während sich die meisten Konsumenten nach wie vor gezwungen sehen, den - in erster Linie dank des entgegen aller Vernunft aufrechterhaltenen Cannabisverbotes allerorts florierenden - Schwarzmarkt zu frequentieren und sich damit einem erhöhten Risiko aussetzt, kriminalisiert zu werden, versorgt sich eine nicht zu unterschätzende Zahl dagegen durch Selbstversorgung.

Die heimgärtnernde Fraktion unter den Konsumenten ist in Zeiten verstärkter Polizeipräsenz und potenzieller Ansteckungsherde eindeutig auf der sichereren Seite, da sie nicht zu Versorgungsgängen gezwungen ist. Ein weiteres Argument liegt natürlich in der Qualitätskontrolle: Letztlich weiß einzig und allein der Grower mit hundertprozentiger Sicherheit, was eine Pflanze alles bekommen hat. Wer dagegen im schlimmsten Fall durch diverse Hände gewanderte Kräuter-Beutelchen bei einem der unzähligen Dealer im Land kauft, kann sich selten sicher sein, was er da eigentlich bekommt. Hier heißt es nicht nur, Vorsicht walten zu lassen, wenn es um hygienische Belange geht, sondern auch hinsichtlich möglicher Streckmittel und ähnlichen unerwünschten Begleiterscheinungen der Hanfprohibition.

Solidarität & Aufmerksamkeit

Was jederzeit geboten sein sollte, ist in Zeiten außergewöhnlicher gesellschaftlicher Herausforderungen noch wichtiger: Zusammenhalt, Solidarität - gegenseitige Unterstützung. Einander zu helfen und aufeinander zu achten, ist immer eine gute Idee. Mit Hinblick auf das internationale Bemühen, die Verbreitung des Coronavirus‘ zu verlangsamen, aber natürlich auch einfach deshalb, weil sich ganz einfach niemand gerne anstecken möchte, ist dieser Zusammenhalt besonders wichtig. Denn was nutzt es schon, wenn man sich selbst an oben beschriebene Hygieneregeln und sonstige Maßnahmen hält, während andere Menschen im eigenen Umfeld diese nicht beachten? Um Ansteckungen zu vermeiden und insbesondere jene Menschen zu schützen, welche zu den ausgewiesenen Risikogruppen gehören, sind Aufklärung und Aufmerksamkeit nötig. Wenn alle zusammenhalten, aufeinander acht geben und jenen helfen, die in derartigen Situation besonders gefährdet sind (Senioren, einkommensschwache Haushalte, gesundheitlich vorbelastete Menschen etc.), lässt sich nahezu jede Krise überstehen. Wir hoffen natürlich, dass alle unsere Leser, ihre Lieben und Familien von Krankheit und anderen möglichen negativen Konsequenzen des Shutdowns soweit wie irgendmöglich verschont bleiben und wünschen allseits gute Gesundheit.

Anm. d. Red.: Am 1. April, zwischen offiziellem Redaktionsschluss und Drucksetzung der vorliegenden Ausgabe des grow!-Magazins, wurde bekanntgegeben, dass die Aufrechterhaltung der Kontaktbeschränkungen in Deutschland vorerst bis zum 19. April verlängert werden soll. Bund und Länder hatten sich auf das Datum geeinigt, an welchem in den meisten Bundesländern die Osterferien der Schüler enden. Ob die Einschränkungen bis zum Erscheinen dieser Ausgabe (zehn Tage später) aber tatsächlich wieder aufgehoben sein werden, ist nicht abzusehen.

Cannabis in Zeiten des globalen Shutdowns

Kommt jetzt der große Engpass?

Die ganze Welt hält den Atem an - oder zumindest, soweit möglich, Abstand zueinander. Die pandemische Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 sowie der daraus resultierenden Atemwegserkrankung Covid-19 hatte bekanntlich derart weitreichende gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen, dass schnell die Rede von einem globalen Lock- oder Shutdown war. Was das bedeutet, dürfte inzwischen allen Menschen klar sein: Grenzkontrollen, Kontaktsperren, Geschäftsschließungen, erhöhte Polizeipräsenz usw. Inwiefern waren/sind Cannabiskonsumenten und -patienten eigentlich hiervon betroffen? Wir geben euch einen Überblick.

Kurze Torschlusspanik in den Niederlanden

Spätestens, als die ersten Geschäfte bis auf weiteres schließen mussten und weitreichende Beschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen wurden, machten sich auch viele Hanffreunde so ihre Gedanken. Während die Durchschnittsbürger offenbar in erster Linie die Sorge um die Sicherung ihrer Versorgung mit Klopapier, Pasta, Brotbackmischungen und Mehl umtrieb, stellten sich Cannabiskonsumenten zudem die Frage, inwiefern die Versorgung mit dem Genussmittel ihrer Wahl von den weitreichenden Einschränkungen betroffen ist.

Mancherorts waren die Auswirkungen bevorstehender Veränderungen sehr deutlich spürbar: In den Niederlanden wollten die Menschen den Shutdown offenbar nicht ohne eine angemessene Versorgung mit Cannabis antreten. Als am 15. März die niederländischen Gesundheits- und Bildungsminister in einer Pressekonferenz ankündigten, dass Schulen, Bars und andere Geschäfte - darunter natürlich auch die Coffeeshops - vorübergehend geschlossen werden sollten, setzte wenige Augenblicke später ein regelrechter Ansturm auf die legalen Cannabisverkaufsstellen ein. Nahezu im ganzen Land bildeten sich innerhalb kurzer Zeit lange Schlangen vor den Coffeeshops. Bilder beachtlicher Massen wartender Hanfkäufer verbreiteten sich schnell vor allem in den sozialen Medien.

Als die Shops schließlich tatsächlich geschlossen blieben, bahnte sich sehr schnell genau jenes Szenario an, vor dem Kritiker der Schließung legaler Verkaufsstellen zuvor natürlich gewarnt hatten: Anstatt durch diese Maßnahme die Verbreitung des Virus‘ zu verlangsamen, befeuern geschlossene Coffeeshops sofort den illegalen Verkauf. Doch bevor sich die niederländischen Straßendealer so richtig freuen konnten, ruderte die Regierung auch schon wieder zurück. Wohl auch nicht zuletzt auf den Druck von Interessenvertretungen sowie betroffenen Städten und Gemeinden hin erlaubte das Kabinett den Shops, bereits am 16. März wieder zu öffnen - allerdings unter strengen Auflagen. So wurde das Verweilen von Kunden in den Geschäften untersagt und die Anzahl der Personen im Laden begrenzt, doch immerhin durfte wieder Cannabis verkauft werden.

Massive Nachfrage in USA & Kanada

Jenseits des großen Teiches neigt sich die Ära der Prohibition bekanntlich seit einiger Zeit schon weitaus deutlicher ihrem lang erwarteten Ende entgegen als in Europa. Diverse US-Bundesstaaten sowie Kanada haben Cannabis zu Genusszwecken für Erwachsene legalisiert. Dass auch hier die Nachfrage aus Sorge vor möglichen Engpässen oder Schließungen anstieg, wurde sehr schnell deutlich: Bald war die Rede von Rekordmengen, über die Verkäufe in Kalifornien verbreitete sich die Meldung, dass sie im Vergleich zu den vorhergegangenen Monaten um 90 Prozent gestiegen seien.

Auch in den USA sollten schließlich alle nicht-essentiellen Geschäfte schließen. Analog zu den hiesigen Regelungen gab es eine Liste der hierzulande als „systemrelevant“ bezeichneten Unternehmen, welche trotz Shutdown den Betrieb aufrechterhalten durften. Bemerkenswert ist hier, dass ein Staat nach dem anderen medizinisches Cannabis zu den „essentials“, den essenziellen Gütern zählte und die Dispensaries, also Hanf-Apotheken, in welchen Patienten legal Cannabis erwerben dürfen, geöffnet bleiben sollten. In Kalifornien, New York, Washington, Illinois, Massachusetts, Colorado, Nevada, Michigan, New Jersey, Pennsylvania und Ohio haben die Gouverneure jegliche, nicht explizit als notwendig erachteten Geschäfte schließen lassen, den Betrieb von Dispensaries und teilweise sogar den von Verkaufsstellen für Cannabis zu Freizeitzwecken allerdings ausdrücklich davon ausgenommen.

So hielt die gestiegene Nachfrage weiter an. Auch US-amerikanische Lieferservices verzeichneten Rekordzahlen. Über Engpässe müssen sich die US-amerikanischen Hanffreunde im Übrigen vorerst keine Sorgen machen. In der Vergangenheit wurden, in Erwartung wesentlich höherer Nachfrage als schließlich tatsächlich eingetreten war, deutliche Überproduk tionen gefahren. Diese Fehlkalkulation kommt den Verkäufern nun zugute. Das heißt allerdings nicht zwangsläufig, dass die Zeiten besonders gut für die großen Player in der grünen Branche sind: Die in jüngster Vergangenheit deutlich schwächelnden Aktienkurse der börsennotierten Cannabisunternehmen konnten sich bis Redaktionsschluss trotz steigender Nachfrage noch nicht wieder erholen.

Der Schwarzmarkt in Deutschland

In Deutschland haben Hanffreunde bekanntlich nicht das Glück, sich an legale Stellen wenden zu können, um ihren Bedarf nach Cannabis zu Freizeitzwecken zu decken. Wirklich beruhigt können wohl nur jene sein, welche schon zuvor auf Selbstversorgung umgestiegen sind. Wer dagegen gezwungen ist, sein Genussmittel auf dem Schwarzmarkt zu kaufen, machte sich wohl spätestens ab dem Punkt Gedanken, an welchem immer mehr Grenzen zugemacht wurden. Die Befürchtung lag nahe, dass die gängigen Versorgungswege des europäischen Schwarzmarktes in einer derartigen Situation nicht aufrechterhalten werden konnten. Würden die üblichen Verdächtigen das massiv gestiegene Risiko auf sich nehmen, um den normalerweise konstanten Nachschub aus Ländern wie Albanien, Spanien und Marokko weiterhin zu gewährleisten?

Aus offenkundigen Gründen ist es natürlich nicht möglich, wirklich verlässliche und umfassende Angaben über die gegenwärtige Lage auf dem Schwarzmarkt zu sammeln. So wird es mit Sicherheit den ein oder anderen Betroffenen geben, welcher von völlig anderen Situationen zu berichten weiß. Die gesammelten Eindrücke ergeben zwar ein gewisses Bild, allerdings ist dieses zum einen nur eine begrenzte Momentaufnahme, zum anderen nicht immer einheitlich. Einzelne Dealer und Grower berichten von nur geringen bis keinen Auswirkungen auf ihr Geschäft, während andere von massiven Schwankungen in Angebot und Nachfrage erzählen. Insgesamt scheint die Mehrheit allerdings der Ansicht zu sein, dass die grundlegende Versorgung des hiesigen Schwarzmarktes zwar vorerst noch funktioniere, aber nicht absehbar sei, wie lange noch.

Vonseiten derjenigen, welche Cannabis in kleinen bis mittleren Mengen an Konsumenten vertreiben, war oftmals zu hören, dass die Nachfrage spürbar angestiegen sei. Diverse Gespräche zeigten einen klaren Trend auf: Noch bevor überhaupt Engpässe hätten entstehen können, begannen offenbar viele regelmäßige und Gelegenheitskonsumenten damit, sich einen gewissen Vorrat anzuschaffen. Zwar kann wohl (meist) nicht die Rede von Hamsterkäufen sein, aber aus Sorge, dass es möglicherweise schwieriger werden könnte, an die gewohnte Menge zu kommen, wollten wohl viele Hanffreunde mal mehr oder weniger lange vorsorgen. Die Überlegung, dass mit dem staatlich verordneten Hausarrest auch bei manchen auch der Konsum steigen könnte, ist naheliegend. Durch diese gestiegene Nachfrage kam es mancherorts offenbar bereits recht früh nach Anordnung der Kontaktsperre zu kurzen Engpässen. Auf Ebene der damit gut beschäftigten kleinen Versorger, aber auch bei den Adressen, an welche diese wiederum sich wenden, um ihren Vorrat aufzufüllen, gab es zudem mit fortschreitender Dauer der Beschränkungen des öffentlichen Lebens nach und nach auch mehr Berichte über solche Anbieter, welche die steigende Nachfrage für sich nutzen wollten und die Preise anhoben. Hierbei scheint es regional allerdings große Unterschiede zu geben.

Ungewisse Entwicklung

Nicht lange nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe mehrten sich nicht nur die Berichte über Cannabiskonsumenten, welche dank erhöhter Polizeipräsenz und Denunziationsbereitschaft in Schwierigkeiten geraten, sondern auch solche über steigende Preise und regional massiv schwankende Angebotslagen. Natürlich machen sich auch die Akteure des in die Illegalität gezwungenen Fachhandels für Cannabisprodukte so ihre Gedanken und erhöhen nicht selten ihre Vorsichtsmaßnahmen. Dies macht es für Konsumenten ebenfalls nicht leichter, eine geregelte Versorgung aufrechtzuerhalten. Anfang April berichtete die Financial Times schließlich in einem Beitrag über die Auswirkungen der coronabedingten Ausnahmesituation auf den Drogenhandel in der deutschen Hauptstadt von massiv ansteigender Nachfrage, horrenden Preisen (bis zu 30 Euro pro Gramm) und unterbrochenen Lieferketten.

Wie sich die Lage auf dem Schwarzmarkt nun entwickelt, ist in erster Linie vom Verlauf dessen abhängig, was inzwischen im Allgemeinen bloß Coronakrise genannt wird. Je länger internationale Schutzmaßnahmen wie Grenzkontrollen, aber auch regionale und nationale Verordnungen zur Beschränkung des öffentlichen Lebens anhalten, desto spürbarer werden die Auswirkungen in vielen Lebensbereichen - so auch in Sachen Cannabis. Zwar ist der Schwarzmarkt seit jeher gewohnt, ein gewisses Risiko und auch einen gewissen Verlust durch Kontrollen kompensieren zu müssen, doch eine unvorhergesehene internationale Krisensituation wie diejenige, welche wir aktuell erleben, ist auch für die einfallsreichsten und wagemutigsten Akteure eine Herausforderung, welche zu meistern nicht jeder in der Lage sein wird. Dementsprechend steht zu befürchten, dass mit fortschreitender Dauer des Shutdown-Modus auch die Versorgungslage für Cannabiskonsumenten immer brenzliger werden wird.

Medizinisches Cannabis in Krisenzeiten

Eine der wenigen positiven Nachrichten in der anhaltenden Ausnahmesituation war die offenbar von den Beschränkungen (bislang noch) nicht betroffene Versorgung der Apotheken mit medizinischem Cannabis. Zumindest bis Redaktionsschluss lagen noch keine Meldungen vor, dass es aufgrund des Shutdowns zu zusätzlichen Lieferengpässen gekommen sei. Dass sich dies allerdings ändern könnte, befürchtet auch der Branchenverband Cannabiswirtschaft (BVCW): Dessen Präsident, Stefan Meyer, zeigte sich Ende März besorgt und verwies zudem auf die durch den Versorgungsgang in die Apotheken - oder im Falle von Engpässen den Schwarzmarkt - erhöhte Ansteckungsgefahr für die „Risikogruppe Cannabispatient“.

Dementsprechend forderte der BVCW von der Bundesregierung, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um nicht nur die Versorgung mit Hanfblüten zur medizinischen Verwendung gewährleisten zu können, sondern auch die mit Schutzausrüstung für medizinisches Personal. Die dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vom BVCW zudem unterbreiteten „kurzfristig umsetzbaren Vorschläge“ beinhalteten die Möglichkeit für Ärzte, ihren Patienten per Videochat medizinisches Cannabis verschreiben zu können, die Lieferung per Kurier zur Vermeidung des Ganges zur Apotheke und die Option des digitalen Versands von Belegen. Zudem forderte man den Bund auf, die Einfuhr von Cannabis zu vereinfachen.

Auch in diesem Bereich herrscht angesichts der gegenwärtigen globalen wie nationalen Herausforderungen also Unsicherheit. Wir hoffen natürlich, dass zumindest jene Teile der Bevölkerung, welche die Notwendigkeit einer medizinischen Nutzung von Hanfblüten mit einem ärztlichen Rezept belegen können, von Lieferengpässen und Preisschwankungen verschont bleiben. Schließlich haben insbesondere Cannabispatienten bereits unter gewöhnlichen Umständen oft genug mit den systembedingten Schwierigkeiten, ungerechtfertigt hohen Kosten und unsicherer Versorgungslage zu leiden.

Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle noch einmal auf die Erklärung des Vorstandes des IACM (Internationale Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin) vom 25. März verwiesen. Darin wurde noch einmal darauf hingewiesen, dass es zwar Laborstudien gibt, welche darauf hindeuten, dass Cannabinoide antivirale und antibakterielle Wirkungen haben können, jedoch keine Hinweise belegt sind, wonach einzelne Cannabinoide oder Cannabispräparate vor einer Infektion mit SARS-CoV2 oder zur Behandlung von Covid-19 eingesetzt werden könnten. Ebenfalls deute bislang nichts darauf hin, „dass der Konsum von Cannabinoiden das Risiko einer Virusinfektion erhöhen könnte.“