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CANON EOS R: Spiegellose EOS-Alternative


DigitalPHOTO - epaper ⋅ Ausgabe 12/2018 vom 02.11.2018

LABOR- UND PRAXISTEST | Nun ist sie im Handel. Die neue EOS R. Canons spiegellose Vollformat-Alternative und Hoffnungsträgerin in einem. Die Erwartungshaltung – bei Fotografen und Hersteller – ist immens. Ob die neue Vollformat-EOS dem Druck standhalten kann? Wir haben sie für Sie getestet und sagen Ihnen, wie gut sie wirklich ist – und für wen sich ein Wechsel lohnt


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Bildquelle: DigitalPHOTO, Ausgabe 12/2018

BENJAMIN LORENZ

Stv. Chefredakteur DigitalPHOTO

In unserem Bericht zur EOS R in der Digital-PHOTO 11/2018 haben wir Ihnen die spiegellose Systemkamera mit großem Vollformatsensor vorgestellt – nun folgt der Test in unserem unabhängigen Labor ...

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... und in der Praxis. Darüber hinaus haben wir das Feedback von drei Canon-Ambassadors eingesammelt, die bereits vor der offiziellen Weltpremiere, die Anfang September in London stattfand, die neue EOS R bei ihren Shootings ausprobieren durften. Denn eines ist sicher: Die Erwartungshaltung an Canons Hoffnungsträgerin ist enorm. Nach einem halben Jahrzehnt des Wartens erhoffen sich EOS-Fotografen – gefühlt – nicht weniger als eine spiegellose Revolution. Und eine klare Ansage an Sony, die mit ihrer Alpha-7-Reihe die letzten fünf Jahre dominierten – und zahlreiche ehemalige Canon-Nutzer zum Wechsel animierten. Nun gilt es aus Herstellersicht, diesen Trend zu stoppen und im besten Fall sogar umzukehren. Dementsprechend groß ist die Außenkommunikation, die Canon hinsichtlich ihrer neuen Kamera betreibt.

Auch auf unseren ersten Bericht erhielten wir Zuschriften. Sei es per E-Mail oder Direktnachricht via Facebook oder Instagram. Die Fragen ähnelten sich dabei: Lohnt sich der Kauf der EOS R? Wo ist sie besser als eine Sony der 7er-Reihe, wo übertrumpft sie die neuen Nikon Z 7 und Z 6? Diese werden sich auch bestimmt die vielen Interessierten am Canon-Stand auf der photokina gestellt haben, die bis zu 30 Minuten Wartezeit in Kauf nahmen, um die EOS R für einen kurzen Moment in den Händen halten zu dürfen. Gleiches galt übrigens auch für die Z-Kameras von Nikon und die neuen Vollformat-Modelle S1R und S1 von Panasonic. Das Interesse am spiegellosen Vollformat ist riesig und scheint sich zum neuen Trend einer ganzen Branche zu entwickeln.

Wir waren vor der Premiere der EOS R mehr als gespannt – und wurden letztlich doch ein wenig enttäuscht. Zu groß waren und sind die Unterschiede gegenüber den kurz zuvor vorgestellten Nikon Z 7 und Z 6. Allen voran ist hier der fehlende integrierte Bildstabilisator der EOS R zu nennen. Während alle anderen Hersteller im spiegellosen Vollformatsegment diesen anbieten, verzichtet Canon auf ihn und verweist stattdessen auf ihre bildstabilisierten Objektive (IS) mit RF- und EF-Anschluss. Aus Herstellersicht nachvollziehbar, aus Kundensicht aber eher unverständlich. Die Technologie wäre verfügbar und bringt nur Vorteile mit sich. Mehr Flexibilität beim freihändigen Fotografieren in der Dämmerung oder bei schlechtem Licht und damit schärfere Aufnahmen. Auch ein doppeltes Kartenfach wäre schön gewesen. Ein Wunsch, den beispielsweise Panasonic bei seinen kommenden Modellen berücksichtigt haben wird und auch Sony zum Teil in seinen Kameras anbietet.

Autofokus bis -6 LW

Blicken wir auf den vorzüglichen Autofokus (Dual Pixel CMOS) mit seinen 5655 frei wählbaren Fokuspositionen und seinem Arbeitsbereich bis minus sechs Lichtwerten (Weltrekord), schmerzt es noch einmal mehr, dass Canon die Chance vertan hat, gleichzeitig einen leistungsstarken Bildstabilisator zu verbauen, um so einen einzigartigen Kaufanreiz in diesem Segment zu schaffen. In Verbindung mit der hervorragenden Lichtempfindlichkeit des Autofokusmoduls und seiner enormen Flexibilität wäre die Kombination einmalig gewesen.

So bleibt unter dem Strich die Vielseitigkeit beim Fotografieren als große Stärke. Denn über das dreh- und schwenkbare Touch-Display (2,1 Millionen Bildpunkte, 3,2 Zoll) lässt sich praktisch jeder Punkt auf dem Motiv mit einem simplen Fingertipp selektieren. Hilfreich ist es übrigens in diesem Zusammenhang, wenn Sie über das Menü den sensiblen Touch-Autofokusbereich des Displays festlegen. Sie können ihn rechts, links, oben oder unten platzieren. Also dorthin, wo Ihnen die Bedienung am leichtesten fällt. In unserem Fall haben wir ihn auf das untere Displaydrittel platziert, was sich als deutlich angenehmer herausstellte als die Positionierung im rechten Displaybereich. Hier kollidierten wir beim Fokussieren mit dem Daumen immer mit der Nase. Noch besser wäre indes ein klassischer Fokus-Joystick gewesen, der den Fotoalltag noch stärker erleichtern würde.

Die Individualisierbarkeit der EOS R ist bemerkenswert. Über das gewohnt gut aufgebaute Canon-Menü lässt sich so gut wie jeder Knopf und Regler personalisieren. Nutzen Sie eines der neuen RF-Objektive, erhalten Sie darüber hinaus einen Control-Ring, der sich gleichermaßen mit einer Funktion belegen lässt. Etwa der Blendenwahl. Ebenfalls anpassbar ist die neue Touch-Bar, die sich direkt rechts neben dem elektronischen Sucher (hervorragend!) befindet. Dies ist ein berührungsempfindliches Bedienelement, das sich für eine Reihe von Möglichkeiten konfigurieren lässt – von der AF-Steuerung bis zur Einstellung der ISO-Empfindlichkeit oder des Weißabgleichs. Es ähnelt dem bekannten EOS-Wahlrad, bietet aber den zusätzlichen Vorteil einer geräuschlosen Bedienung und einer verbesserten Witterungsbeständigkeit. So lässt sich die EOS R zu einem sehr persönlichen Werkzeug machen.


Der sehr lichtempfindliche Autofokus der EOS R macht Spaß. Auch bei sehr wenig Licht wird noch zuverlässig scharf gestellt.


Benjamin Lorenz, stv. Chefredakteur & Redaktionsleiter DigitalPHOTO

CANON-EOS-R-PRAXISTEST: SHOOTING IM FUTURISTISCHEN UTOPIA

Für einen Test der EOS R hat Canon in London ein Lagerhaus kurzerhand in eine fiktive Zukunftsszenerie verwandelt, genannt Utopia. Das dunkel gehaltene Set-up war eine fotografische Herausforderung. Galt es doch, eine Vielzahl an Motiven und Lichtsituationen möglichst perfekt einzufangen. Hier drei Bilder von uns.

EF 85mm f/1.4L IS USM | 85mm | 1/100 s | F/2,8 | ISO 800


Knifflig: wechselndes, farbiges Licht, glänzende Kleidung und illuminierte Augenbrauen. Dennoch meistert die EOS R die Situation bravourös. Fotografiert aus der Hand via RF-Adapter, mit dem EF 85mm und aktiviertem Bildstabilisator im Objektiv.

RF 24-105mm F4 L IS USM | 105mm | 1/160 s | F/5,6 | ISO 800


Diese dramatische Porträtaufnahmen entstand in einem futuristischen Kunstatelier. Freihändig fotografiert bei Blende f/5,6 und eingeschaltetem Bildstabilisator. Gut gefallen uns die Detailschärfe in den Augen und die neutralen Farben.

RF 50mm F1.2 L USM | 50mm | 1/25 s | F/2,8 | ISO 12.800


Porträtfoto, abgelichtet aus sehr kurzer Distanz, mit dem neuen RF 50mm und Blende f/2,8. Trotz ISO 12.800 ist kein Rauschen im Bild erkennbar. Der Unschärfeverlauf im Hintergrund ist zudem angenehm weich.

Das dreh- und schwenkbare Touch-Display erlaubt durch einen Fingertipp die Festlegung der Autofokusposition. 5655 stehen zur Wahl. Wahnsinn!


CANON-AMBASSADORS: UNTERWEGS MIT DER SPIEGELLOSEN EOS R

Bereits vor der offiziellen Weltpremiere der Canon EOS R hatten ausgewählte Canon-Ambassador-Fotografen die Gelegenheit, die spiegellose Vollformatkamera zu testen. Dazu zählten der Fotojournalist Brent Stirton, Action-Fotograf Richard Walch sowie Fotograf, Autor und Filmemacher David Noton.

Der Südafrikaner Brent Stirton gilt als einer der weltweit bedeutendsten Fotojournalisten. Allein neun World Press Photo Awards konnte er schon auf sich vereinen. Dieses beeindruckende Foto nahm er mit der EOS R in Namibia auf. www.brentstirton.com

Brent Stirton | 35mm | 1/200 s | F/16 | ISO 200


Action-Fotograf Richard Walch schoss mit der EOS R dieses Foto bei einem Ritterspiel in Kaltenkirchen in kompletter Dunkelheit. Er lobt vor allem den Autofokus der spiegellosen Systemkamera, der bis -6 LW arbeitet. www.richardwalch.com

Richard Walch | 70mm | 1/250 s | F/4,5 | ISO 400


Der Brite David Noton fotografiert seit seinem dreizehnten Lebensjahr und gehört zu Großbritanniens Topfotografen. Mit der Canon EOS R lichtete er unter anderem dieses idyllische Landschaftfoto ab. www.davidnoton.com

David Noton | 200mm | 1/8 s | F/11 | ISO 200


Stichwort RF-Objektive: Hier stand uns das 24-105mm für den Labortest zur Verfügung. Ein klassisches Zoom mit Lichtstärke f/4. Testurteil: sehr gut. Über einen von vier Adaptern lassen sich aber auch alle EF- und EF-S-Objektive ohne Einschränkungen an der EOS R nutzen.

Geräuschlos und wetterfest

Zu den weiteren Stärken der EOS R gehört ihr vollkommen lautloser Aufnahmemodus. Diesen boten bei Canon bisher nur EOS-M-Kameras mit kleinerem APS-C-Chip an. Nun kommt das Feature in ein spiegelloses Profimodell.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Ohne irgendein Geräusch zu fotografieren, prädestiniert die Kamera für diskrete Aufnahmemomente. Diese reichen von Hochzeitsfotos in der Kirche über Bilder in Museen bis hin zu Situationen, in denen die Protagonisten in ihrer Konzentration nicht gestört werden dürfen. Etwa Akrobaten im Zirkus. Gepaart mit dem wettergeschützten Gehäuse aus Magnesiumlegierung bietet sich die EOS R damit für zahlreiche Gelegenheiten an, da der Staub- und Spritzwasserschutz die filigrane Technik vor möglichen Schäden bewahrt. Damit wird sie in Sachen Flexibilität Canon-intern zur EOS-5D-Mark-IV-Alternative.


Schade, dass Canon auf einen integrierten Bildstabilisator verzichtet hat. Dieser hätte für noch mehr Flexibilität gesorgt.


Benjamin Lorenz, stv. Chefredakteur & Redaktionsleiter DigitalPHOTO

EOS R vs. Nikon Z 7 vs. Sony 7R III

Bei allen zuvor genannten Vor- und Nachteilen kommt es natürlich immer auf den jeweiligen Einsatzweck der Kamera an. Die EOS R ist eine Allrounderin, wie etwa die 5D Mark IV, die sich für viele Gelegenheiten eignet – dank Videos in 4K-Auflösung und zehn Bit auch im Bereich professioneller Videoaufnahmen. Die neue Kompaktheit und das leichte Gewicht von 575 Gramm machen sie zudem angenehm in der Handhabung und beim Transport. Letztlich zählt aber die Bildqualität – auch im direkten Vergleich zur Nikon Z 7 und zur Sony Alpha 7R III. Und machen wir es kurz: Gegenüber beiden Modellen hat die EOS R das Nachsehen. Ihr 30,3-Megapixel-CMOS-Sensor erreicht in unserem Testlabor eine Bildqualität von 91,40 Prozent. Ein hervorragender Wert. Doch im Vergleich dazu kommt die Z 7 auf 95 und die Alpha 7R III sogar auf 95,90 Prozent. Die Alpha 7 III liefert 93,30 %. Vergleichen wir die EOS R mit der 5D Mark IV, die ein ähnliches Leistungsniveau im hauseigenen Canon-Line-up bietet, heißt es: Punkt für die EOS R. Die Canon 5D Mark IV kommt bei ihrem Test nämlich nur auf 88,90 Prozent. Die spiegellose Technik hat hier die Nase vorn. Im gesamten Ranking liegt die EOS R damit in Sachen Bildqualität im gehobenen Mittelfeld.

Im Serienbildtest bringt es die spiegellose Vollformatkamera auf 7,5 Bilder pro Sekunde (mit Fokusnachführung 5), die Z 7 auf 8,6, die Alpha 7R III auf zehn und die 5D Mark IV auf sieben. Top ist das Autofokustempo. Hier benötigt die EOS R nur einen Wimpernschlag, um unser Test-Chart in der Autofokusbox scharf zu stellen.

Canon lässt Luft nach oben

Unter dem Strich wirkt es, als hätte sich Canon mit der EOS R noch bewusst Raum nach oben offen gelassen. Das scheinen auch erste Gerüchte zu bestätigen, die eine zweite spiegellose Vollformatkamera von Canon schon zur nächsten Photokina im Mai erwarten. Ob diese Strategie aufgeht, wird sich zeigen. Anders ging es Nikon mit seiner Z 7 an. Dort wurde auf Anhieb ein Top-Modell auf den Markt gebracht – wenn auch zu einem deutlich höheren Preis.

photoFAZIT

Die (vielleicht zu) hohen Erwartungen kann die Canon EOS R nicht erfüllen. Uns fehlt vor allem ein stabilisierter Sensor, der für mehr Flexibilität beim Fotografieren gesorgt hätte. Für die EOS R spricht ihr erstklassiges Autofokussystem (5655 AFPositionen und bis -6 LW!), ihre Individualisierbarkeit – und ihr Preis. Denn mit 2.500 Euro ist sie günstiger zu haben als Nikons Z 7 (3.699 Euro) oder Sonys Alpha 7R III (um 3.200 Euro). EOS-Fotografen können also zugreifen – oder abwarten und auf eine mögliche EOS R Mark II hoffen.


Fotos: Hersteller, Benjamin Lorenz

Fotos: Hersteller, Brent Stirton, Richard Walch, David Noton