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CAR LA BRUNI, Sarkozy, die Macrons und die Eskapaden der französischen Präsidenten


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Madame - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 15.06.2022

FAMILY AFFAIRS

Artikelbild für den Artikel "CAR LA BRUNI, Sarkozy, die Macrons und die Eskapaden der französischen Präsidenten" aus der Ausgabe 8/2022 von Madame. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Une femme française: Obwohl Carla Bruni in Italien geboren ist (und am liebsten Juwelen von Bulgari trägt), war sie von 2008 bis 2012 Frankreichs pariserischste First Lady

CARLA & DIE MÄNNER

Beim ersten Staatsempfang an der Seite von Nicolas Sarkozy traf Carla Bruni auf acht ihrer Ex-Liebhaber

Jemand hat mir gesagt, dass du mich noch liebst …“, singt sie mit ihrer heiser flüsternden Stimme. „Quelqu’un m’a dit que …“ Atemlos klingt das, wie eine silberne Glocke, die reizvollerweise einen feinen Sprung hat, „… que tu m’aimais encore“. Ein paar Griffe auf der Gitarre, der Anflug eines Lächelns: „… dass du mich noch liebst.“ Das Lied ist Carla Brunis Durchbruch, 2003 wochenlang die Nummer Eins in den Charts. Im Video ist ein zerwühltes Bett zu sehen, in einem dunklen Raum schreit ein Mann ihren Namen, sie streicht sich eine Haarsträhne aus den Augen … Helle, schräge Augen.Dafür ist sie berühmt, für dieses kühn modellierte Gesicht mit den hohen Wangenknochen. Für ihren Körper, den samtenen Gang. Im Französischen gibt mpfang an der rkozy traf Carla r ...

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... Ex-Liebhaber es ein Wort dafür: la femme féline. Katzenfrau. Unabhängig, zärtlich, nonchalant. „Selbstsüchtig, kühl bis ins Herz“, steht in den „Enthüllungsbüchern“ ihrer Verflossenen. Carla Bruni zuckt nur die schmalen Schultern. Kein Kommentar, dazu lässt sie sich nicht herab, sie behält ihre Geheimnisse für sich, bleibt die faszinierende, flirrend-rätselhafte Frau, la parisienne. In den 1990er-Jahren gehört sie zur Riege der Topmodels, eine Ikone wie Claudia Schiffer, Cindy Crawford, Naomi Campbell. Nur dass sie vier Sprachen spricht, Camus und Sartre zitiert – und als Muse der „gauche caviar“ gilt, der linksintellektuellen Bourgeoisie, deren Götter, Literaten und Philosophen, den Franzosen zur besten Sendezeit die Gedankengebäude der Menschheitsgeschichte und die eigenen Bücher nahebringen. Wobei es immer auch um Selbstinszenierung, männliche Eitelkeiten – und um Sex-Appeal geht. Carlas Affären jedenfalls liefern nicht nur Schlagzeilen für die Boulevardpresse, sie füllen auch das Feuilleton von „Figaro“ und „La Stampa“.

Allein ihre Herkunft ist ein Roman. Carla ist fünf Jahre alt, als ihre Eltern, der Turiner Industriemagnat und Zwölftonkomponist Alberto Bruni Tedeschi und die Konzertpianistin Marisa Borini 1972 nach Frankreich ziehen. Aus Angst vor Entführungen der „Roten Brigaden“, die wie die RAF in Deutschland „das Kapital“ bedrohen. Aber Bruni-Tedeschi ist nicht ihr Vater. Die Mutter hatte einen Geliebten, den italo-brasilianischen Unternehmer Giorgio Remmert. Es gibt da gewisse Familienähnlichkeiten, munkelt die Turiner Society. In der Tat. Erst spät, da ist Carla längst erwachsen, stellt sich heraus, dass ihr Vater nicht Giorgio, sondern dessen damals 19-jähriger Sohn Maurizio Remmert ist, mit dem ihre Mutter eine kurze Affäre hatte.

CARLA & SARKO

Vater und Sohn. Ein Motiv, das sich in exakt derselben Konstellation in ihrem Leben fortsetzt. Noch zu ihren Modelzeiten lebt sie in einer Beziehung mit dem Pariser Literaturkritiker Jean-Paul Enthoven, Grandseigneur der „gauche caviar“ und 18 Jahre älter als sie. Plötzlich wird sie an der Seite seines Sohnes gesehen. Was für ein Paar – der dunkelhaarige Raphaël, schön wie ein Erzengel, und Carla, die ewige Versuchung. Aber Raphaël ist jung verheiratet mit der Tochter des wohl telegensten Philosophen Frank-reichs, Bernard Henri-Lévy. In den Feuilletons beginnt eine Schlammschlacht. Justine Lévy wird 2004 einen Enthüllungsroman schreiben. „Rien de grave“, ein bitteres Buch, da ist Carlas und Raphaëls gemeinsamer Sohn Aurélien schon drei Jahre alt. Heiraten will sie nicht, wozu? Sie ist finanziell unabhängig.

Immer schon, Geld gab es genug in ihrer Familie. Außerdem hat sie ihr eigenes verdient. Auch als sie Ende der 1980er-Jahre eine kurze Affäre mit Donald Trump hat – „er glaubte, dass er mich mit seinen Dollars kaufen kann“ – geht es ihr eher ums Amü- sement, der kuriose Baulöwe ist nur eine Trophäe für sie. Aber viel mehr sind auch die anderen nicht: Mick Jagger, Kevin Costner, Eric Clapton … Obwohl, über Jagger sagt sie: „Es hat mich stolz gemacht, in ihm einen Freund zu haben.“ Vielleicht war es mit Arno Klarsfeld, dem Sohn der Nazijäger Beate und Serge Klarsfeld, anders. Auch Carla bleibt nicht ohne Wunden, wie tief sie sind, das behält sie für sich. „In den Neunzigern war ich vier Tage pro Woche bei meinem Psy“, wird sie viel später einmal erzählen. Die Liebe ist ein seltsames Spiel, aber in den meisten Fällen spielt sie es nach ihren Regeln.

SARKOZY & CÉCILIA, CARLAS VORGÄNGERIN

Sarkozy verliebte sich in seine zweite Frau Cécilia ausgerechnet an dem Tag, als er sie mit Frankreichs TV-Star Jacques Martin traute

Mit ihren Liedern bedient sie Männerfantasien und macht Frauen – Mut. Einmal so frei sein wie sie, einmal alle Konventionen in den Wind schlagen, keine Kompromisse mehr! 2008 singt sie auf ihrem neuen Album „Comme si de rien n’était“ von ihren „30 Liebhabern“, provokant, selbstironisch. Ein Skandal, denn seit zwei Monaten lebt sie mit dem französischen Präsidenten zusammen: Nicolas Sarkozy. Er nimmt sie mit auf Staatsbesuch nach Ägypten und nach Jordanien. So etwas sieht das Protokoll in islamischen Ländern nicht vor. Der Präsident und Madame – wer? Dass sie schließlich einwilligt, seine Frau zu werden, liegt wohl weniger am politischen Druck, als an der Verve, mit der er um sie wirbt. Was für ein Coup! Bruni, la scandaleuse. Und jetzt Première Dame Frankreichs. Jean-Paul Enthoven porträtiert sie in seinem Buch „Ce que nous avons eu de meilleur“ als „kalt und herzlos“. Dass seine „Enthüllungen“, larmoyant und wenig gentlemanlike, genau zu ihrer Hochzeit mit Nicolas Sarkozy im Februar 2008 erscheinen, bestätigt nur ihre Entscheidung, Enthoven zu verlassen.

Während also einige den Untergang des Abendlands ausrufen, schmunzelt die Mehrheit der Franzosen. Chapeau, Sarko! Die Deutschen haben „Mutti“ und Professor Sauer. Die Franzosen ein Topmodel, das unter den Couture-Kleidern von Dior und Chanel keinen BH trägt. Gleich beim ersten Galaempfang zu Ehren des israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres defilieren acht ihrer Ex-Liebhaber am Präsidentenpaar vorüber. Es sind die acht interessantesten Männer im Saal. Dass sie Italienerin ist? Egal.

Sie ist parisienne de cœur. Sarkozys Umfragewerte steigen. Kurz bevor er Bruni kennenlernte, bei einer Dinnerparty im November 2007, hat ihn seine Frau Cécilia verlassen. Sie ist mit Richard Attias auf und davon. Attias hat Sarkozys Wahlkampf organisiert.

Dass ihn Cécilia für den „Beleuchter“, wie er ihn nennt, sitzen lässt, trifft ihn ins Herz. Cécilia sei seine „einzige Schwäche“ schreibt er 2005 in seiner Autobiografie. Zwei Jahre später macht sie ihn öffentlich zum Gespött. Schon zu seinem Einzug ins Élysée hatte sie nicht mehr kommen wollen. Wozu noch heucheln? Ihre Töchter aus erster Ehe überreden sie dazu. Aus Mitleid mit Sarkozy, der sie so verzweifelt liebt. Wie eine Schlafwandlerin, im weißen Satinkleid, gleitet sie zwischen all den Menschen hindurch, lässt sich von ihrem Mann küssen, lächelt fahrig nach links und rechts, streicht dem gemeinsamen Sohn Louis über die Wange. „Eine Farce“, so wird sie es viel später in ihrem Buch beschreiben.

Für Sarkozy war es der berühmte Coup de foudre, ein Blitzschlag, als er Cécilia Ciganer-Albéniz, Juwelierstochter und Mannequin, an einem Augusttag 1984 begegnet. Sie ist die Braut eines anderen, des Fernsehmoderators Jacques Martin – und er Bürgermeister von Neuilly. Er ist mit der Nichte eines seiner politischen Ziehväter, Marie-Dominique Culioli, verheiratet, hat zwei Söhne und gilt als Hoffnungsträger des neogaullistischen RPR. Cécilia ist hochschwanger, er vergisst zu atmen, als er sie sieht. Ihre Augen. Seine Hände zittern, als er sie die Formel nachsprechen lässt: „Ja, ich will.“ Die beiden Paare freunden sich an, drei Jahre später, im gemeinsamen Skiurlaub in Mégève, klopft Marie-Dominique an die Zimmertür der Martins, hört drinnen hastiges Rumoren und wie jemand aus dem Fenster springt. Im Schnee sieht sie die Fußspuren ihres Mannes.

Cécilia bringt zwei Töchter, er zwei Söhne mit in die Beziehung, 1996 heiraten sie, sechs Monate später kommt der gemeinsame Sohn Louis zur Welt. Nichts kann ihn mehr aufhalten, mit dieser Frau. Sie ist seine „Seelenverwandte“, die Frau, „mit der alles andere Sinn macht“, seine wichtigste Ratgeberin im Wahlkampf. 2007 wird er Präsident – und sie verliebt sich in einen anderen. Ist es Rache, dass er sich so rasch mit Carla Bruni tröstet, die Cécilias Ebenbild ist, nur jünger, noch schöner und berühmt?

CHIRAC & DIE PARISER NÄCHTE

„Carlita“ nennt er sie, schenkt ihr einen Diamantring, und soll gleichzeitig eine SMS an Cécilia geschickt haben: „Wenn Du zurückkommst, sage ich alles ab“, so steht es in den Zeitungen. Brunis Antwort ist ein untilgbares kleines Strahlen, tief in den Augenwinkeln. Sie weiß es besser. „Ich bin süchtig nach Dir“, singt sie, „Tu es ma came“. Sarkozy ist all das, was sie an Männern mag. Stark und so verletzlich wie ein Kind, einer der sie vor sich selbst be- schützt. „Wenn ich mit ihm zusammen bin, ist es so, als könnte mir nichts mehr passieren, dann verschwinden Ängste, die ich seit meiner Kindheit mit mir herumtrage.“ Ihre Rolle als First Lady absolviert sie mit Bravour. Sie umarmt Professor Sauer und Angéla, die Obamas, Prinz Philip verbeugt sich besonders galant vor ihr. 2011 bringt sie Giulia zur Welt, die inzwischen ein haselnussblondes Mädchen ist, stolz auf ihren Halbbruder Aurélien, der sich auf seinem Youtube-Account „Gigantoraptor“ gegen Antisemitismus und Fremdenhass einsetzt. Nicolas Sarkozy trägt eine Fußfessel, er ist wegen illegaler Wahlkampffinanzierung verurteilt, aber Skandale haben sie noch nie abgeschreckt, wenn sie an einen Menschen glaubte. Auf ihrem Album „French Touch“ widmet sie ihm den Abba-Song „The winner takes it all“. Der Ex-Präsident wird wissen, dass er, trotz allem, ein Gewinner ist. Mit Carla an seiner Seite, Gentlewoman. Sie hat sich das erlaubt, was sich Männer seit jeher erlaubten, wobei die Männer im Élysée nur selten wirkliche Gentlemen waren.

HOLLANDE UND DER FLIEGENDE WECHSEL

François Mitterrand etwa, der mit Helmut Kohl Hand in Hand vor den Soldatengräbern in Verdun stand, hatte eine Zweitfamilie. Jahrzehntelang bewachen Personenschützer ein Haus am Quai d’Orsay, in dem eine junge Kunsthistorikerin wohnt, die später Chefkonservatorin am neu gegründeten Musée d’Orsay wird. Anne Pingeot ist 20, er 45, als sie sich kennenlernen. Der Chef der sozialistischen Partei, eine (nicht ganz unumstrittene) Ikone der Résistance, wird 1981 als erster sozialistischer Kandidat zum Präsidenten gewählt. Eine Nation im Rausch. Weg mit dem konservativen Muff, vive la liberté! Während er selbst, ganz französischer Großbürger, seine Frau Danielle, eine engagierte Linke, siezt. Danielle und die beiden erwachsenen Söhne wissen von seiner Geliebten, auch, dass 1974 Mazarine zur Welt kommt, Mit-terrands Tochter. Jedoch: „Was nicht ausgesprochen wird, existiert auch nicht“, wird sein Sohn Jean-Christophe später sagen.

„Vergessen Sie nie“, sagt Emmanuel Macron zu Brigitte, „dass ich wiederkomme und Sie heirate.“ Da ist er 17, sie 41, verheiratet und Mutter von drei Kindern

Erst 1996 erscheint ein Foto von Mazarine in „Paris Match“. Das Privatleben der Präsidenten ist tabu – an diesen Kodex hält sich die Presse zunächst auch im Fall von Jacques Chirac. Allen Umfragen zum Trotz wird der ewige Beau der französischen Konservativen 1995 zum Präsidenten gewählt. Seine Figur beim satirischen TV-Puppenspiel „Les guignols“ war die sympathischste, hemdsärmelig, etwas tumb, ein Underdog. Den Franzosen gefällt das. Obwohl er hochgebildet ist, ein Schlossleben führt, betörend akzentfreies Whisky-Englisch spricht – und zu den Stammgästen im „Régine’s“, dem legendären Pariser Nachtclub gehört. Mit Filmstar Claudia Cardinale verbindet ihn mehr als nur Freundschaft, das macht ihn den meisten Franzosen noch sympathischer. Sei-ne Ehefrau Bernadette, selbst Abgeordnete der Konservativen, verzieht öffentlich keine Miene. Als am 31. August 1997, in der Nacht des Unfalls von Prinzessin Diana, der Präsident verlangt wird, herrscht sie die Beamten vor ihrer Tür an, woher ausgerechnet sie wissen solle, wo ihr Mann seine Nächte verbringt. Chirac bleibt die ganze Nacht unauffindbar. Im März 1998 kandidiert Madame Chirac bei den Kantonalwahlen in der Corrèze. „Wozu so viel Presse?“, ruft sie den Journalisten und Kameraleuten zu. „Ich bin doch nicht Claudia Cardinale!“

Auf derlei Finesse versteht sich François Hollande, der 2012 zum Präsidenten gewählt wird, in sei-nem Privatleben nicht. Über den roten Teppich des Élysée-Palasts geht er mit Valérie Trierweiler, einer Journalistin, und deren Kindern aus erster Ehe. Mit ihr hat er seine Lebensgefährtin Ségolène Royal betrogen. Royal und Hollande waren seit 1978 ein Paar, seit sie sich an der Elitehochschule ENA, der Kaderschmiede französischer Staatsbeamter, kennengelernt haben. Sie bekommen vier Kinder, machen gemeinsam Karriere. Beide sind sie brillant, nur dass man es ihr, der eleganten Royal, auch ansieht. Ihm nicht.

BRIGITTE MACRONS GEHEIMNISSE

Mitten in ihrem Präsidentschaftswahlkampf für die PS, deren Generalsekretär Hollande inzwischen ist, gibt Ségolène Royal bekannt, dass sie sich vom Vater ihrer vier Kinder getrennt hat. Ségo, wie Royal genannt wird, verliert den Wahlkampf. Ihr Gehabe sei zu elitär, nörgelt die Partei und schielt dabei auf ihre Louboutins und die Kostümchen von Paule Ka. In der Politik spielt Royal danach keine Rolle mehr, aber Hollande bringt sich nach den turbulen-ten Sarkozy-Jahren als der „normale Präsident“ in Position. Obwohl er ohne Trauschein mit Valérie Trierweiler in den Élysée-Palast einzieht. Kaum im Amt, kriselt es. Die Beziehung endet mit einem Nervenzusammenbruch und einem „Enthüllungsbuch“ der Journalistin. Derweil lacht die Nation über einen Präsidenten, dem fast alles danebengeht. Selbst bei einer TV-Rede sitzt ihm eine halbe Minute lang eine dicke Fliege auf der Stirn. Eine lächerliche Figur in schlecht sitzenden Anzügen. Dann wird er auf einem Moped gesichtet, eine Tüte Croissants auf dem Gepäckträger. Der Helm ist eine Nummer zu groß. Erst als bekannt wird, dass er zu Julie Gayet, einer jungen Schauspielerin fährt, dass er längst mit ihr zusammenlebt, bringen ihm einige Franzosen wieder mehr Achtung entgegen, ce sacré Hollande.

Wie viel besser ältere Frauen zu jüngeren Männern passen, wurde klar, als Brigitte und Emmanuel MACRON beim Staatsbesuch auf Melania und Donald Trump trafen

„Nichts ist unmöglich!“, ruft Emmanuel Macron in diesem April seinen Anhängern zu. Es geht um seine Wiederwahl. Und doch beschreibt er mit diesem Satz sein ganzes Leben. Seit 2017 ist Macron der jüngste Präsident, den Frankreich je hatte. „Ohne meine Frau wäre das niemals möglich gewesen“, sagt er. „Ihr verdanke ich alles.“ Brigitte war seine Lehrerin am Gymnasium in Amiens, 24 Jahre älter als er.

„Das ist ein Verrückter“, sagt Brigittes Tochter Laurence 30 Jahre zuvor beim Mittagessen über ihren neuen Klassenkameraden, den 14-jährigen Arztsohn Emmanuel Macron. Einer, der alles kann, in allen Fächern brilliert und dabei auch noch aussieht wie einer der Jünglinge auf Botticellis Gemälden. In der Theateraufführung spielt er eine Vogelscheuche.

Simone Herrmann kam vor drei Jahren wegen eines Interviews mit dem Gartenarchitekten in den Élysée-Palast. „Der Präsident erwartet Sie“, scherzte der Polizist am Eingang galant. Tat er nicht. Dafür flirtete der junge Presseattaché heftigst mit ihr, „und der war halb so alt wie ich“, sagt die Autorin. „Macron hat da ganz neue Maßstäbe gesetzt.“

Brigitte, die Latein und französische Literatur unterrichtet, hat ihr Diplom über die höfische Liebe im Mittelalter geschrieben. Junge Ritter, die für ihre Dame Heldentaten vollbringen. Sie interessiert sich für ihn, ihr gefällt seine Selbstironie. Ziemlich un- gewöhnlich für einen Teenager. Dabei liebt er sie längst. Sie tut es als Pathos eines pubertierenden Jungen ab, er sucht ihre Nähe, lässt nicht locker. Kommt immer wieder. Die Leute reden schon darüber. Er ist erst 15 – und sie 39. Es kommt zum Skandal, Emmanuels Eltern schicken ihn nach Paris. Von dort schreibt er ihr verzweifelte Briefe. „Vergessen Sie nie, dass ich eines Tages wiederkomme und Sie heirate.“

Sie verlässt ihren Mann, den Bankier André-Louis Auzière, der nie ein Wort über diese unmögliche Liebe verlor, die alle Konventionen sprengte, lässt alles hinter sich – ihre Erziehung bei den Nonnen, die Achtung ihrer Familie, die bürgerliche Moral, verletzt ihren Mann und die drei Kinder – und lebt mit dem 19-Jährigen zusammen. Kurz nach seinem 30. Geburtstag heiraten sie in ihrem Haus in Le Touquet. Er wird Investmentbanker, geht in die Politik, wird Wirtschaftsminister unter Hollande, bevor er aus dem Parteienwesen ausbricht und die Sammlungsbewegung „La République en marche“ gründet. Längst hat Brigitte ihren Beruf aufgegeben, ist zu seinem Master Mind geworden. „Emmanuel muss es jetzt schaffen“, sagt sie im Wahlkampf 2017. „Überlegen Sie nur, wie ich in fünf Jahren aussehen würde“. Nun sind diese fünf Jahre vergangen und Brigitte Macron hat noch immer dieses Strahlen in den Augenwinkeln. Nichts ist unmöglich in diesem Spiel, das auch Carla Bruni nach ihren eigenen Regeln spielt. Kompromisslos, weil es viele Lieben, sogar die ganz große, aber nur ein Leben gibt.