Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 9 Min.

Cash im Kofferraum


Der Spiegel - epaper ⋅ Ausgabe 51/2019 vom 13.12.2019

Österreich Der über die Ibiza-Affäre gestürzte Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache steht im Verdacht der Korruption. Er soll Schwarzgeld aus Osteuropa erhalten haben. Bisher unbekannte Dokumente und Zeugenaussagen untermauern diesen Verdacht.


Artikelbild für den Artikel "Cash im Kofferraum" aus der Ausgabe 51/2019 von Der Spiegel. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Der Spiegel, Ausgabe 51/2019

Ex-FPÖ-Chef Strache, Ehefrau Philippa Goldvorräte, Benzin im Büro und Metallteile in der Unterhose


GIANMARIA GAVA / ANZENBERGER

Designersporttasche mit Bargeldbündeln Ukrainische Hintermänner?


Es sind Fotos, die perfekt zu einer Bananenrepublik passen. Auf gestochen scharfen Aufnahmen sind Taschen voll mit Bargeld zu sehen: bündelweise Hunderter und Fünfziger, ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Der Spiegel. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 51/2019 von Hausmitteilung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Hausmitteilung
Titelbild der Ausgabe 51/2019 von Lass gut sein, Olaf!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Lass gut sein, Olaf!
Titelbild der Ausgabe 51/2019 von Meinung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Meinung
Titelbild der Ausgabe 51/2019 von Der Unverwundbare. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Der Unverwundbare
Titelbild der Ausgabe 51/2019 von Bundespräsident »Fels in der Brandung«. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Bundespräsident »Fels in der Brandung«
Titelbild der Ausgabe 51/2019 von Unter Strom. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Unter Strom
Vorheriger Artikel
Analyse: Aufstand der Straße gegen Macron
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Lizenz zum Regieren
aus dieser Ausgabe

... mit Gummiringen zusammengehalten und offenkundig im Kofferraum eines Kraftfahrzeugs zwischengelagert.

Die Aufnahmen, die dem SPIEGEL und der »Süddeutschen Zeitung« zugespielt wurden, stammen nicht aus dem Drogenhändlermilieu, nicht aus dem Hinterland Kalabriens oder aus dem Kosovo. Sie entstanden mitten in Österreich und wurden, so steht es in Ermittlungsakten, angefertigt vom einstigen Leibwächter und Vertrauten Heinz-Christian Straches, des langjährigen Vorsitzenden der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ).

Zwei forensische Sachverständige haben im Auftrag von SPIEGEL und »Süddeutscher Zeitung« die Metadaten der Fotos überprüft, also auch die Positionsbestimmungen der mit Smartphones geknipsten Bilder. Demnach fanden die angeblichen Geldtransporte an mehreren Orten statt, die für derlei Transaktionen eher ungewöhnlich sind: direkt neben dem Wiener Rathaus, ein andermal vor einem Juwelierladen im Herzen der Hauptstadt sowie an der Hauptstraße im Touristenort Pörtschach am Wörthersee.

Ein mit einem Apple iPhone aufgenommenes Foto von gebündelten Fünfzig - euroscheinen wurde geschossen am 9. Januar 2014 um 13 Uhr 12 Minuten 56 Sekunden. Den GPS-Koordinaten zufolge stammt es vom Rathausplatz 7 in Wien. Direkt nebenan hat die FPÖ ihre Landesgeschäftsstelle. Im selben Gebäude unterhielt zum damaligen Zeitpunkt der langgediente FPÖ-Politiker Peter Fichtenbauer seine Rechtsanwaltskanzlei.

Zufall oder Indiz? Der Sache mit den Geldtaschen gehen inzwischen Ermittler der Sonderkommission Ibiza nach. Sie wurde gebildet, nachdem der SPIEGEL und die »Süddeutsche Zeitung« im Mai ein Video veröffentlicht hatten, auf dem FPÖ-Chef Strache und sein Mitstreiter Johann Gudenus zu sehen sind, wie sie einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte lukrative Staatsaufträge in Aussicht stellen. In Wahrheit entpuppte sich die Dame als Lockvogel, engagiert mit dem Ziel, den FPÖ-Spitzen eine Falle zu stellen. Die ganze Villa war verwanzt.

Das Ibiza-Video löste eine der schwersten politischen Krisen der österreichischen Nachkriegsgeschichte aus und führte zum Sturz der Regierung unter dem christkonservativen ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz. Strache, bis dahin stellvertretender Regierungschef, büßte alle politischen Ämter ein und wurde in der Folge auch noch massiven Spesenbetrugs bezichtigt. Gegen den früheren FPÖ-Vorsitzenden ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien wegen des Verdachts der Untreue – Strache bestreitet sämtliche gegen ihn erhobenen Vorwürfe.

Die nun dem SPIEGEL vorliegenden Fotos und Zeugenaussagen könnten dem Skandal eine zusätzliche Dimension bescheren und dem Sittenbild neue Konturen verleihen: Wenn zutrifft, was enge Wegbegleiter Straches schildern, und was die Ermittlungsakten nahelegen, dann lebte der spätere Vizekanzler jahrelang so, als sei Österreich für ihn ein rechtsfreier Raum: als müsse nicht auch er über vom Steuerzahler finanzierte Parteigelder Rechnung ablegen. Über Strache liegt der Verdacht der Korruption.

Es geht in dieser Geschichte zum einen um Straches luxuriösen Lebenswandel. Und es geht um die Herkunft von Bargeldbündeln, die fotografiert wurden in einem Fahrzeug, das Fachleuten zufolge dem BMW X6 gleicht, in dem Strache damals chauffiert wurde. Stammen die Zuwendungen aus Osteuropa? Als Belastungszeugen treten Weggefährten Straches auf, die erst nach Bekanntwerden des Ibiza-Videos und nach dem Sturz des Parteichefs wagten, sich zu Wort zu melden. Die Interviews mit ihnen fanden unter der Bedingung statt, sie nicht namentlich zu benennen.

Ungenannt bleiben will auch der Urheber eines zweiseitigen anonymen Schreibens, das am 12. September um 14 Uhr 17 auf dem Faxgerät der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in der Wiener Dampfschiffgasse landete. »HC Strache hat bereits vor 2015 regelmäßig Sporttaschen mit hohen Summen Bargeld erhalten«, heißt es darin, »Kräfte aus dem osteuropäischen Ausland« steckten hinter den Zuwendungen.

Dichtung oder Wahrheit? Unter dem Aktenzeichen 14 Cg 36/16s ist in Wien ein Verfahren anhängig, in dem als Kläger der Kaufmann Ernst Neumayer ein Honorar von zwei Millionen Euro bei der FPÖ und ihrem ehemaligen Parlamentarier Thomas Schellenbacher einfordert. Die Begründung: Er habe durch seine Kontakte erst dafür gesorgt, dem FPÖ- Mann Schellenbacher den Weg ins Parlament zu ebnen.

Dessen angebliche ukrainische Hintermänner, darunter der Milliardär Ihor Kolomojskyj, hätten geschäftliche Interessen in Österreich und deshalb für den Deal zehn Millionen Euro ausgelobt: vier Millionen für die FPÖ, je zwei Millionen für Par teichef Strache, für den FPÖ-Strippenzieher Fichtenbauer und für ihn, Neumayer. War die Absicht der Geldgeber, über Abgeordnete im Nationalrat verfügen zu können?

Was klingt wie eine drittklassige Räuberpistole, wird durch die Aussagen Neumayers und durch die eidesstattliche Versicherung eines weiteren Zeugen zu einer Tatsachenbehauptung, mit der sich inzwischen der Oberste Gerichtshof beschäftigt. Den Masterplan für den Deal, so Neumayer, habe man anlässlich diverser Treffen in den Kanzleiräumlichkeiten von Fichtenbauer ausgeheckt. Das Geld sei dann »aus der Schweiz gekommen; es waren zwei Koffer, die sie raufgetragen haben«. Nur bei ihm, Neumayer, sei nichts gelandet: »Die haben mich verarscht.« Die Klage des Kaufmanns wurde im ersten Anlauf abgeschmettert. In neuem Licht erscheinen seine Aussagen durch die Fotos des Strache-Leibwächters. Die Bilder mit den Bargeldbündeln in einer Designersporttasche unweit des Wörthersees stammen vom 28. Juni 2013, jene mit dem Bargeldrucksack aus der Wiener Innenstadt entstanden am 1. Juli 2013. Die Aufnahmen könnten natürlich ohne Straches Zutun arrangiert worden sein, um ihm zu schaden. Ein Anwalt des Leibwächters aber versichert, »dass sowohl der Rucksack, als auch die Sporttasche jeweils von Herrn Strache in das Auto gelegt wurden«.

Politiker Strache, Fichtenbauer 2013 »Schon immer Ichichich«


IMAGO STOCK & PEOPLE

Nur einen Tag nachdem das Rucksackfoto entstand, präsentierte der FPÖ-Chef dann den politisch völlig unerfahrenen Unternehmer Schellenbacher als Überraschungskandidaten auf der Wiener Landesliste. Laut einer SMS soll Strache dafür gesorgt haben, dass der neue Hoffnungsträger, den er kurz zuvor noch versehentlich »Schellhammer« genannt hatte, in aller Eile mit einem undatierten Mitgliedsformular versorgt wurde.

Die Behauptung, Strache habe sich an jenem 1. Juli 2013 den schwarzen Bargeldrucksack, der auf dem Foto des Leibwächters abgebildet ist, ausgerechnet bei ihm in der Kanzlei am Rathausplatz abgeholt, bezeichnet der Anwalt Fichtenbauer im Österreichischen Rundfunk als »Lüge der Sonderklasse«. Strache selbst will sich zum Vorwurf, er sei mit Cash aus Quellen ukrainischer Oligarchen versorgt worden, nicht äußern. Auf Facebook schrieb er: »Niemals habe ich Sporttaschen mit Geld in meinem Auto gehabt, sondern wenn mit durchgeschwitzter Sportwäsche.«

Wer sich allerdings in der FPÖ erkundigt, bekommt zu hören, dass es durchaus einmal ein Treffen bei Strache zu Hause mit Ukrainern gegeben habe, an dem auch der Abgeordnete in spe Schellenbacher teilnahm. Im Übrigen seien der aufwendige Lebensstil und das Finanzgebaren Straches ja ein offenes Geheimnis gewesen. »Teilweise erhielten Mitarbeiter in bar jene Beträge, mit denen die Urlaubsreisen der Straches zu bezahlen waren«, heißt es in der Partei. Einmal sei kurzfristig sogar ein Privatjet gemietet worden.

Straches Spesen hätten exorbitante Ausmaße angenommen, erzählt ein Vertrauter des Parteichefs in Wien. »Ich zahl das« oder »Das mach ich schon« seien die bevorzugten Sätze des FPÖ-Vormanns in fröhlicher Runde gewesen: »Die Leute haben dann noch weiter getrunken, wenn er schon weg war und später die Rechnung an die Partei geschickt.« Strache stand 14 Jahre lang an der Spitze der FPÖ und hievte die Freiheitlichen in dieser Zeit von ganz unten nach fast ganz oben. Zwischenzeitlich lag die FPÖ in Umfragen auf Rang eins. Proportional zum Erfolg wuchs Straches Selbstherrlichkeit.

Er schuf ein System, in dem die Grenze zwischen dienstlichen und privaten Ausgaben nicht mehr wahrnehmbar war. »Der Steuerberater hat viele Belege wieder zurückgegeben, weil sie nicht brauchbar waren «, berichtet der Strache-Vertraute, weil es dabei um Ausgaben wie McDonalds-Besuche, Kindertaschengeld oder Zigaretten ging. »Dann mussten Mitarbeiter der Parteizentrale Ersatzbelege besorgen.« Dafür sei man zum Teil »einen halben Tag durch die ganze Stadt« gefahren. Wer liegen gelassene Rechnungen einsammeln lässt, kann berufsbezogene Bewirtungen vortäuschen – die Ermittler unterstellen Strache nun, er habe das veranlasst. Fragen hierzu ließ Strache unbeantwortet. Auf Facebook schrieb er: Der Versuch, mit »haltlosen Behauptungen « den Vorwurf des Spesenbetruges zu erhärten, werde ins Leere laufen. Nach Einsicht in die Belege werde er beweisen, dass die FPÖ berufliche Ausgaben übernommen habe »und private Ausgaben von mir selbst getragen oder aber jedenfalls von mir erstattet wurden«.

Der Straftatbestand der Veruntreuung zieht in Österreich bis zu drei Jahre Gefängnis nach sich, bei Schadenssummen über 300000 Euro sogar bis zu zehn Jahre. Auch gegen Straches Ehefrau Philippa, seit Kurzem parteilose Parlamentsab - geordnete, laufen inzwischen Ermittlungen. Sie spricht von »Verleumdungen« und »unwahren Behauptungen«. Über den Parteiausschluss ihres Ehemanns hatte die FPÖ bei Redaktionsschluss nicht entschieden.

Unstrittig aber ist schon jetzt: Die Klärung der gegen den früheren Vizekanzler erhobenen Vorwürfe liegt im ureigenen Interesse der Freiheitlichen Partei und der gesamten politischen Elite des Landes. Nicht genug damit, dass die FPÖ 2016 eine Kooperation mit der Kremlpartei Einiges Russland vereinbart hat. Der bloße Verdacht, Strache habe sich gegenüber ukrainischen Oligarchen erpressbar gemacht, kommt nun erschwerend hinzu.

Kolomojskyj, ein streitbarer Unterstützer des amtierenden ukrainischen Präsidenten, taucht im Zusammenhang mit Strache nicht nur beim Wiener Gerichtsverfahren wegen der angeblichen Zehn-Million-Euro-Finanzspritze auf – zu der er sich auf Anfrage nicht äußert.

Bereits im Ibiza-Video von 2017, das dem SPIEGEL und der »Süddeutschen Zeitung« in voller Länge vorliegt, sagt Strache zu vorgerückter Stunde wörtlich: Kolo - mojskyj und andere »ukrainische Freunde« hätten »Milliarden gehabt und scheißen sich jetzt an« – angeblich, »weil sie den Fehler gemacht haben, die Kohle nicht rauszubringen« aus der Ukraine. Die Kiewer Regierung ließ Kolomojskyjs Vermögen 2017 einfrieren.

Wie geht die Partei mit Straches Vermächtnis, mit seinen Verbindungen in den Osten Europas um? Manfred Haimbuchner wird da recht deutlich. In seinem Büro in Linz, am Sitz der oberösterreichischen Regierung, sagt der stellvertretende FPÖ- Chef: »Wenn sich die Vorwürfe in den Ermittlungsakten nur ansatzweise bewahrheiten, dann ist Heinz-Christian Strache ein Fall für die Gerichte«, so Haimbuchner. »Doch auch die FPÖ muss sich fragen, wie das alles hat passieren können.«

Der Parteivize spricht von einer »Unkultur im Umgang mit Geld«. Er sagt, die Partei, er selbst eingeschlossen, müsse sich den Vorwurf gefallen lassen, aus früheren Skandalen im Umfeld Jörg Haiders nichts gelernt zu haben. Im aktuellen Fall sei es offenkundig nicht gelungen, »mit diesem Wiener Soziotop aufzuräumen«, in dem Kontakt zu zwielichtigen Gestalten gepflegt und auf die Person Strache bezogen »Popstarkult« geduldet worden sei.

Dass über den Anwalt Fichtenbauer Geld aus dubiosen Quellen an die Partei geflossen sei, schließe er zwar aus, sagt Haimbuchner. Straches Finanzgebaren aber müsse Folgen haben: »Wir werden offensiv werden müssen und vermutlich zivilrechtlich als Geschädigte klagen.« Für die FPÖ seien der Fall Strache und diese ganzen skandalösen »Geschichten aus dem Wienerwald« eine echte Herausforderung: »Aber wir sind eine starke Partei mit großen Selbstheilungskräften.«

Haimbuchner, der jährlich am 1. Mai an Straches Seite im Linzer Festzelt den Maßkrug stemmte, räumt ein, auch »eine große persönliche Enttäuschung« verarbeiten zu müssen. Das ähnelt dem, was einer aus dem engsten Strache-Kreis bei einem Treffen in Wien erzählt, auch er will nicht namentlich zitiert werden. »Der Heinz, das war schon immer ich, ich, ich, für ihn sind Mitarbeiter austauschbare Einrichtungsgegenstände; der brachte es noch nach 20 Jahren Bekanntschaft fertig, dass er vorübergehend nicht mehr wusste, wie ich heiße.«

Es sind Einblicke ins Innenleben einer jahrzehntelang auf straffe Führung geeichten Partei, die erst jetzt, da das Porzellan zerschlagen und der Korpsgeist beschädigt ist, möglich werden. Straches Ibiza-Urlaube seien über Jahre hinweg ausschlaggebend für politische Karrieren gewesen, sagt der Gesprächspartner: »Wer da im Sommer hindurfte, der ist danach auch etwas geworden; dafür haben die dann vermutlich spenden müssen, denn dass der Heinz diese Urlaube selbst bezahlt hat, das glaubt in der Partei keiner.«

Allerdings müsse man schon »ein Trottel « sein, um seinen Leibwächter schlecht zu behandeln, einen »Mann, der mehr weiß als die eigene Ehefrau, der jedes Gespräch im Auto mithört« und natürlich auch eine Geldtasche im Kofferraum nicht übersieht. Hinzu komme, »dass Strache nicht wie Sebastian Kurz telefoniert, sondern alles per SMS erledigt und dass er nichts davon gelöscht hat« – das sei sein Verhängnis. »Und schließlich, nach dem Ibiza-Video, lehnt er auch noch das Angebot der Partei ab, sich ein Jahr Auszeit in Paraguay zu geben, wo unser Martin Graf G’schäfterl macht.« FPÖ-Chef Norbert Hofer dementiert, dass die Parteispitze mit dem Paraguay-Vorschlag zu tun hatte.


Unter Strache soll an einem Plan gearbeitet worden sein für den Fall einer Invasion Österreichs.


Nachrichten aus dem Tollhaus? Sie kommen aus einer Welt, zu der bis heute nur wenige Zugang haben. Einer aus dem Umfeld des Ex-Vizekanzlers, der bereit war, mit SPIEGEL und »Süddeutscher Zeitung« zu sprechen, schildert bizarre Randerscheinungen des langjährigen Strache-Regimes. So habe der FPÖ-Chef aus Furcht, die EU werde das Bargeld abschaffen, in Gold investiert, bevorzugt in Münzen der Prägung »Wiener Philharmoniker«. Ein weiterer Strache-Intimus bestätigt das. Unter Strache soll auch an einem Plan gearbeitet worden sein für den Fall, dass eine Invasion Österreichs beispielsweise durch die Nato drohe – die FPÖ-Parteiführer samt Familienangehörigen sollten sich dann ins Osttiroler Defereggental zurückziehen, in »ihre Festung«. Dort, in der Pension Enzian zu Sankt Jakob, stießen Ermittler im August auf Goldvorräte der Freiheitlichen. Dass Strache für Notfälle sogar kanisterweise Benzin in seinem Büro gehortet und bisweilen »Metallteile in der Unterhose« getragen habe, die »heilende Kräfte haben sollten«, passt da ins Bild.

All das sind Detailansichten aus der Wahnwelt eines Politikers, der sich als Anwalt des kleinen Mannes und seiner redlich erarbeiteten Ressentiments verkaufte, nicht ohne selbst in Saus und Braus zu leben. Der Ansicht, dass er sich wenig vorzuwerfen habe, war Strache bis zu seinem letzten Tag im Amt des Vizekanzlers.

Als am 17. Mai um 18 Uhr auf den Websites von SPIEGEL und »Süddeutscher Zeitung « die ersten Filmschnipsel aus Ibiza online gingen und die vorgewarnte FPÖ- Spitze um den Computerbildschirm versammelt war, da spielte Österreichs Vizekanzler noch immer das Unschuldslamm. So erzählt es einer, der damals dabei war. Von »rechtskonform« und »nix passiert« sei da anfangs die Rede gewesen.

Erst Innenminister Herbert Kickl habe dann für die Bilder des auf den Balearen wie ein Basarhändler auftretenden Parteichefs Strache die passenden Worte gefunden: »Das ist der Super-GAU.«

Martin Knobbe, Walter Mayr, Wolf Wiedmann-Schmidt