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CES 2020 – die Hightech-Show bietet zum Jahresauftakt viel Science Fiction


Computerwoche - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 10.01.2020

Sony zeigt ein Elektroauto, Toyota baut eine Zukunfts-City und die Samsung-Tochter Star Labs will einen künstlichen Menschen entwickeln. Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas zeigten die großen Unternehmen, welche digitalen Visionen ihr künftiges Geschäft prägen könnten.


Artikelbild für den Artikel "CES 2020 – die Hightech-Show bietet zum Jahresauftakt viel Science Fiction" aus der Ausgabe 3/2020 von Computerwoche. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Computerwoche, Ausgabe 3/2020

Mit dem Vision AVTR will Mercedes-Benz mehr Nachhaltigkeit demonstrieren. Die angedachte Öko-Batterie ohne umweltschädliche Metalle ist allerdings noch Zukunftsmusik.


Vor der Kulisse des heiligen Berges Fuji in Japan will Toyota auf rund 70 Hektar seine Zukunftsstadt „Woven City“ bauen.


Von Manfred Bremmer, Senior Editor IoT ...

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Martin Bayer, Deputy Editorial Director


Mit dem Start der CES in Las Vegas ist für die globale Technologiebranche die Winterpause endgültig vorbei. Insgesamt zeigten vom 7. bis 10. Januar mehr als 4500 Firmen den rund 170.000 Besuchern über 20.000 Neuheiten. Zu den Ausstellern gehören längst nicht mehr nur die Hersteller von Unterhaltungselektronik und IT. Nachdem mittlerweile praktisch jedes Unternehmen eine Tech-Company ist (oder zumindest sein will), drängt es auch zahlreiche Unternehmen aus anderen Branchen auf die Technikmesse in Nevada.

Fest gebucht sind für das Hightech-Spektakel schon seit Jahren die Automobilhersteller. Traditionell zeigen sie in der Spielerstadt, wie sie sich die Mobilität der Zukunft vorstellen. Wie wichtig dieser Aspekt auf der CES geworden ist, zeigt die Tatsache, dass in diesem Jahr Mercedes-Benz die Show eröffnen durfte. Daimler-Chef Ola Källenius präsentierte das Konzeptfahrzeug „Vision AVTR“, bei dessen Entwurf sich der deutsche Autobauer von dem 2009 im Kino gezeigten Science-Fiction-Film „Avatar“ von Star-Regisseur James Cameron inspirieren ließ. Damit wolle man neue Möglichkeiten der Interaktion von Mensch, Maschine und Umwelt aufzeigen, erläuterte Källenius. „Die Natur bleibt unser bester Lehrer“.

Autobauer bekommen neue Konkurrenz

Bis dahin könnte sich der Automobilmarkt grundlegend verändert haben. Die klassischen Autobauer, von denen viele Trends wie Elektromobilität schlichtweg verschlafen oder beim Timing ihrer Entwicklungen ein eher unglückliches Händchen bewiesen haben, bekommen Konkurrenz aus anderen Lagern. In Las Vegas überraschte Sony die Branche mit einem eigenen Elektroauto. Der Spezialist für Unterhaltungselektronik zeigte sein Konzept-Auto „Vision-S“. Sony-Chef Kenichiro Yoshida sprach von einem Beitrag seines Konzerns zur Zukunft der Mobilität. Die Japaner haben den Vision-S gemeinsam mit Partnern wie Magna Steyr aus Österreich sowie Bosch, Continental und ZF entwickelt. Sony steuerte in erster Linie Sensor-und Bildschirmtechnik bei, außerdem Software sowie das Entertainment-System. Kernelement des Fahrercockpits ist denn auch ein langgezogenes Display, das sich über die komplette Breite des Fahrzeugs hinzieht. Ob, wann und in welchem Umfang die Japaner in die Autoproduktion einsteigen möchte, ließen sie noch unbeantwortet.

BMW? Ford? Volkswagen? – Alles falsch! Mit dem in Las Vegas gezeigten „Vision-S“ will der Unterhaltungselektronik-Spezialist Sony ins Automobilgeschäft einsteigen.


Auch die Automobilhersteller scheinen ihre angestammten Geschäftsfelder verlassen zu wollen – zumindest Toyota. Der Konzern kündigte an, eine eigene Smart City enwickeln zu wollen. Die etwa 70 Hektar große „Woven City“ soll in der Nähe des heiligen Berges Fuji entstehen. Die Grundsteinlegung der Zukunftsstadt, für deren Entwicklung der dänische Architekt und Stadtplaner Bjarke Ingels gewonnen werden konnte, soll 2021 erfolgen. Insgesamt sollen 2000 Menschen in der Toyota-Stadt leben, in erster Linie Angestellte des Konzerns mit ihren Familien sowie Wissenschaftler, die die Entwicklung der Stadt begleiten sollen. Eine wichtige Rolle in dem neuen Stadtkonzept spielt, wie nicht anders zu erwarten, die Mobilität. Toyota will dort autonome Fahrzeuge testen, die sich für verschiedene Zwecke einsetzen lassen sollen – neben dem Transport von Menschen und Gütern auch als Büros oder Geschäfte.

Mit der Zukunftsstadt erfüllt sich der 63-jährige Toyota-Chef Akio Toyoda offenbar einen Lebenstraum – auch wenn ihn dafür viele Experten belächeln könnten, so der Konzernlenker auf der CES-Bühne. „Ist der Mann verückt geworden? Hält er sich für einen japanischen Willy Wonka?“, spielte Toyoda schmunzelnd auf die Hauptfigur aus dem skurilen Tim-Burton-Film „Charlie und die Schokoladenfabrik“ an, um Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Mit Woven City reiht sich Toyota in eine ganze Riege spannender Smart-City-Projekte ein. Google treibt in der Nähe von Toronto ein ähnliches, etwas kleiner dimensioniertes Vorhaben voran. In der Wüste Saudi-Arabiens will das regierende Königshaus für 500 Milliarden Dollar eine gigantische Zukunftsstadt aus dem Boden stampfen, etwa so groß wie das Bundesland Hessen. Geleitet wird das Projekt „Neom“ vom ehemaligen Siemens-Chef Klaus Kleinfeld.

Virtuelle Persönlichkeiten

Ein ganz anderes Projekt hat die Samsung-Tochter Star Labs in Las Vegas vorgestellt. Sie präsentierte mit „Neon“ einen simulierten menschlichen Assistenten – nicht als künstlichen Körper, sondern als virtuelle Figur, die auf dem PC-Display angezeigt wird. Künstliche Intelligenz soll dafür sorgen, dass die Neons möglichst realistisch wirken. Software soll sie derart steuern, dass Mimik, Gestik, Ausdruck und Sprache nicht schematisch nach vordefinierten Mustern immer gleich ausfallen, sondern variieren – so wie bei echten Menschen beispielsweise ein Lächeln jedes Mal ein bisschen anders ausfällt.

Darüber hinaus will die Samsung-Tochter ihre Neons mit Charaktereigenschaften ausstatten. „Sie haben eine Persönlichkeit“, sagte Star-Labs-Vordenker Bo Moon. Einmal festgelegt, lasse sich der Charakter nicht mehr verändern. Werde die Figur etwa im Kundendienst oder im Mitarbeitersupport eingesetzt, müssten die Anwender mit ihr klarkommen wie mit einem Mitarbeiter aus Fleisch und Blut. Wie Samsung seine virtuellen Persönlichkeiten vermarkten will, ist noch nicht klar. Vorstellbar sei, Neons an Firmen zu vermieten oder zu verkaufen.

Künstliche Menschen, Smart Cities und Zukunftsautos drängten die vielen weiteren Neuheiten auf der CES in den Hintergrund. Doch eines haben die schicken neuen Rechner und Mobilgeräte, die Firmen wie Dell, HP und Lenovo in Las Vegas gezeigt haben, den anderen Ankündigungen voraus: Sie bleiben nicht lange Vision, sondern werden wohl in den nächsten Monaten real in den Shops dieser Welt zu kaufen sein.


Fotos: Mercedes-Benz; Toyota; Sony