Lesezeit ca. 5 Min.
arrow_back

Chance


Logo von myself
myself - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 09.11.2022
Artikelbild für den Artikel "Chance" aus der Ausgabe 12/2022 von myself. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: myself, Ausgabe 12/2022

Tania Messner, 48

Durch den Asien-Umzug zur erfolgreichen Buchautorin

Mit Reisen kriege man sie immer, sagt Tania Messner. Auch deshalb zögert sie nicht lange, als ihr Mann im Frühling 2020 fragt: „Amore, ziehst du mit mir nach Thailand?“ David ist Korrespondent derSüddeutschenZeitung,hat das Angebot, von Bangkok aus über Südostasien zu berichten. Die Corona-Pandemie hat die Welt zu dieser Zeit fest im Griff. Die meisten Menschen wünschen sich damals ihr altes Leben zurück, Tania wagt stattdessen den Schritt nach vorn. Nur eines macht ihr, selbst Journalistin, Sorgen: Was soll sie in Bangkok tun? „Ich wollte keine stay-at-homewifewerden, keine Frau, die ohne Job in einem fremden Land sitzt und darauf wartet, dass ihr Mann abends nach Hause kommt“, sagt die 48-Jährige.

Tanias Bedenken erweisen sich in Bangkok als grundlos. Denn in der neuen Situation erkennt sie die Chance, sich ihrer ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von myself. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 12/2022 von Horoskop. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Horoskop
Titelbild der Ausgabe 12/2022 von myself digital. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
myself digital
Titelbild der Ausgabe 12/2022 von Unsere Lieblinge im Dezember. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Unsere Lieblinge im Dezember
Titelbild der Ausgabe 12/2022 von WER’S GLAUBT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
WER’S GLAUBT
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
FEMFAKTISCH
Vorheriger Artikel
FEMFAKTISCH
Im Himmel mit Palina
Nächster Artikel
Im Himmel mit Palina
Mehr Lesetipps

... Leidenschaft widmen zu können: dem Schreiben. Früher hat sie neben dem Job als Beauty-Redakteurin in ihrer Freizeit an Buchprojekten gearbeitet. Am anderen Ende der Welt wird aus dem Hobby von einst plötzlich Ernst. Sie beginnt mit der Arbeit an einem Kinderbuch, schickt den Entwurf per Mail an einen großen deutschen Verlag – und wird sofort unter Vertrag genommen. Gerade erscheint der zweite Band ihrer „Sansaria“-Reihe, an Teil drei arbeitet die Autorin bereits. Der Ortswechsel und die damit verbundenen Veränderungen haben den Erfolg beschleunigt, davon ist Tania überzeugt: „Je weiter weg ich von zu Hause bin, desto durchlässiger werde ich für Inspirationen, weil mich nichts Bekanntes ablenkt.“ Einen Beruf zu haben, der nicht an einen festen Ort gebunden ist, hilft dabei immens. Sie kann ihren Mann durch Asien begleiten, ob nach Manila zu einer Schönheitsköniginnen-Wahl oder zu Flüchtlingslagern an der Grenze von Myanmar. Möglich ist das auch, weil sie keine Kinder haben. Den Traum gab es, aber er hat sich nicht erfüllt: „Uns ist irgendwann klar geworden, dass wir die Freiheiten, die wir als kinderloses Paar haben, viel mehr auskosten müssen.“

Noch zwei bis drei Jahre werden sie Südostasien bereisen von ihrem Viertel in Bangkok aus, wo sie zwischen Garküchen, Wäscherei und einem Lampenmacher wohnen. Richtig zu Hause fühlt sich die Südtirolerin hier nicht: „Man bleibt in Asien schon wegen der Sprache immer fremd.“ Die großen Kakerlaken, Warane und Schlangen, die regelmäßig unter der Tür hindurch ins Haus kriechen, machen ihr außerdem zu schaffen. Heimweh hat sie trotzdem nicht und wenn, dann eher auf die verklärende Art, sagt Tania. Im Dezember vermisse sie bestimmte Rituale, den Winter, Schnee und Kälte – „hier ist es immer heiß, nicht mal zum Duschen gibt es kaltes Wasser.“ Was sein wird, wenn ihre Zeit in Asien zu Ende geht, weiß Tania heute noch nicht. Nur bei einer Sache ist sie sich sicher: Weitere Reisen und Abenteuer sind definitiv nicht ausgeschlossen.

Johanna Schirmer, 26

Eben noch Studentin – dann plötzlich Chefin einer Firma

Den eigenen Traum aufgeben, um den Traum der Großeltern weiterzuleben – als der Anruf kommt, in dem man sie vor diese Entscheidung stellt, ist Johanna Schirmer 21 Jahre alt. Sie plant gerade eine Weltreise, will danach den ersten Job antreten, aber das Familienunternehmen braucht einen Nachfolger, erfährt sie am Telefon. Eigentlich hat sie sich vorgenommen, nicht in die Firmengruppe einzusteigen, die Hotellerie und Gastronomie mit Lebensmitteln beliefert. Aber jetzt ist die Großmutter krank. Die Zukunft muss neu geregelt werden, gesucht wird jemand, der die Geschäfte leitet. Johanna will die Familie nicht im Stich lassen, erklärt sich bereit. „Morgens bin ich als duale Studentin aufgewacht, abends als Geschäftsführerin und Stiftungsvorstand ins Bett gegangen“, erinnert sie sich heute, fünf Jahre später.

Die plötzliche Verantwortung erweist sich als große Herausforderung. „Ich habe rund um die Uhr gearbeitet, die ersten hundert Tage fühlten sich an wie im Schleudergang.“ Prozesse im Unternehmen müssen dringend digitalisiert werden. Mit Firmenbilanzen und Finanzbuchhaltung kennt sich die frischgebackene Geschäftsführerin nicht aus. Auch psychisch ist Johanna überfordert, hat das Gefühl, tough sein zu müssen, glaubt, keine Schwäche zeigen und keine Fragen stellen zu dürfen. Der Druck wird zu viel. In einer Gesellschafterversammlung bricht sie schließlich weinend zusammen – ein Tiefpunkt, der die Wende einleitet: „Niemand weiß, dass du Hilfe brauchst, wenn du so tust, als hättest du alles im Griff. Dabei verliert man ja nicht sein Gesicht, wenn man zugibt, keine Ahnung zu haben.“ Nach dem Zusammenbruch schämt sie sich, aber ab da geht es bergauf. Angestellte und Gesellschafter bieten Hilfe an, Johanna nimmt die Unterstützung an. Verantwortung lernt man nicht über Nacht, erkennt sie.

Ausprobieren und Scheitern gehören dazu, beides ist kein Zeichen von Schwäche, man lernt daraus. Heute bezeichnet die 26-Jährige sich als Unternehmerin mit Leib und Seele, kann sich vorstellen, den Job die nächsten 40 Jahre zu machen. Dankbar sei sie und froh, von ihrer Großmutter die Möglichkeit bekommen zu haben, Dinge zu verändern. Auch deshalb gibt sie Gelerntes inzwischen als Mentorin und Coach an andere Nachfolge-Unternehmer weiter. Dabei ist sie selbst nach wie vor eine der jüngsten deutschen Firmenchefinnen. Manchmal gebe das Leben einem eben eine Chance, so sieht sie es inzwischen, „und dann zählt nur, was du daraus machst“.

Verantwortung lernt man nicht über Nacht , erkennt sie – Probieren und Scheitern gehören dazu

„Bloß kein Nine-to-five-Bürojob – um ein Hostel zu managen, muss ich nicht vor Ort sein“

Elisabeth Norheim, 50 Lieber weltreisende Digital-Nomadin als fest angestellt

Von Juni bis September steht Elisabeth Norheim täglich um fünf Uhr auf, blickt aus dem Fenster ihres Zimmers im „Pulpit Rock Hostel Vaulali“ in Norwegen und checkt, ob die Mitarbeiter auf dem Weg in die Küche sind, um dort das Frühstück vorzubereiten. „Ich vertraue ihnen“, erzählt sie und lacht, „aber einmal haben alle verschlafen.“ Seither sehe sie sich als eine Art „Notfall-Wecker“. Ist alles, wie es sein soll, legt sich die 50-Jährige noch mal zwei Stunden hin, bevor sie in ihren Arbeitstag startet. Seit 2016 managt sie vier Monate im Jahr ein Hostel, das in Norwegens Süden in einem der meistbesuchten Wandergebiete liegt. Den Rest des Jahres reist sie um die Welt. Als Elisabeth vor sieben Jahren auf Facebook zufällig las, ein Freund hätte einen Management-Posten in seinem Hostel zu vergeben, zögerte die alleinerziehende PR-Managerin keine Sekunde. Sie bewarb sich und bekam den Job auch ohne entsprechende Berufserfahrung. Zweifel, der neuen Aufgabe nicht gewachsen zu sein, hatte die Norwegerin, die gebürtig aus Äthiopien stammt, nicht. Sie kündigte den Job in einer PR-Agentur, verkaufte ihr Auto. Ihr Zuhause in Oslo wollte sie nicht aufgeben, also vermietete sie ein Zimmer in der Wohnung unter. Unterstützt wurde sie beim Neuanfang von ihrem volljährigen Sohn.

Während der Saison arbeitet Elisabeth seither 16 Stunden täglich und verdient dadurch genug, um den Rest des Jahres reisen zu können. Den Herbst verbringt sie am liebsten in Afrika. Über Weihnachten fliegt sie zu ihrem Sohn nach Oslo. Danach ist sie bis April in Asien. Unterwegs arbeitet sie ein paar Stunden pro Monat fürs Hostel, führt Bewerbungsgespräche, gibt nötige Bestellungen auf, tauscht sich mit ihrem Chef aus – „dafür muss ich nicht vor Ort sein“. Geht zwischendurch doch mal das Geld aus, vermittelt sie freiberuf lich Mitarbeiter an Hotels in Norwegen und verdient sich so etwas dazu. Klar, die langen Arbeitstage im Sommer seien hart, sagt die 50-Jährige. Überfordert fühle sie sich aber nie – auch weil sie gelernt habe, Probleme pragmatisch zu lösen und immer mit anzupacken, egal, ob es darum gehe, Betten zu machen oder den Budgetplan. Mikro- management sei dagegen nicht ihr Ding, aber auch gar nicht nötig. Die meisten ihrer 25 Angestellten bleiben nur für eine Saison in Norwegen, „ich stelle nur Leute ein, die wie ich sehr viel reisen und wissen, worauf es ankommt, damit man sich als Gast wohlfühlt“.

Der Erfolg gibt Elisabeth recht. Ein Jahr nach ihrem Einstieg verbesserten sich die Bewertungen des Hostels bei Buchungsportalen. Mittlerweile ist es eines des beliebtesten in der Region. Auch deshalb hat sie ihre Entscheidung nie bereut – nicht mal, als die Unterkunft zu Beginn der Pandemie schließen musste und sie selbst nicht mehr reisen konnte. Bis zur Wiedereröffnung half sie in Oslo in einem Krankenhaus aus. Hauptsache, kein Nine-to-five-Bürojob mehr, sagt Elisabeth, egal, was komme.