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CHARTER & REISE MALLORCA: MALLORCA – DEINE CALAS!


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 100/2018 vom 14.09.2018

Jubel, Trubel, Heiterkeit! Das verbinden viele mit Mallorca. Nur wenige kennen die stillen Winkel. Sie findet man in den hier ‚Calas‘ genannten Buchten, mit denen die Insel so überreich gesegnet ist


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Bildquelle: segeln, Ausgabe 100/2018

Die Cala de Sa Calobra liegt an der Nordwestküste Mallorcas


Die Cala Ferrara bietet einen guten Schutz und verfügt über einen kleinen Sandstrand


Das Schiff ist neu, das Wetter sieht alt aus. Während das Thermometer zu Hause an der Dreißig-Grad-Marke kratzt, müht es sich im verregneten Palma nachmittags auf gerade mal sechzehn Grad hoch. „Das ist ungewöhnlich für Mallorca“, versucht uns Gerton von Charter del ...

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... Mar zu trösten, als er uns einen seiner segelnden Träume übergibt. Um den auszureizen, würden wir Wind brauchen. Doch der ist – glaubt man den Windkarten im Internet – die ganze Woche nicht in Sicht. Das ist wiederum „ganz ungewöhnlich“, denn Anfang Mai kann es rund um Mallorca gehörig blasen. Auch das wäre schlecht für uns. Schließlich wollen wir bei diesem Törn einen weiten Bogen um Marinas und Partymeilen schlagen, um fern von Jubel, Trubel und Heiterkeit von einer stillen Cala zur nächsten zu segeln.

Sa Foradada liegt friedlich vor dem Bug

Im oder gegen den Uhrzeigersinn? Das ist die Frage bei jedem Törn rund um Mallorca. Diesmal raten uns die Windprognosen, es mit dem Zeiger zu versuchen. Anfangs ist noch viel Betrieb auf dem Wasser. Doch den mittäglichen Ankerplatz, im Schutz der Islas Malgrats, müssen wir uns nur mit zwei Motoryachten teilen. Abends haben wir die Wahl zwischen Camp de Mar und der Cala Llamp. Von der Belegung her eine Patt-Situation – hier wie dort wären wir die einzige Jacht. Nur: An Camp de Mar habe ich schlechte Erinnerungen. Solange der Wind aus Norden kam, lagen wir hier gut geschützt. Doch abends zog ein Gewitter auf und knallte uns Böen in Orkanstärke gegen den Bug. Aus Süden! Da war es dann mit der Gemütlichkeit vorbei. Deshalb lasse ich diesmal den Anker in der Cala Llamp fallen. Beim ersten Mal zu nahe am Ufer, weil ich unterschätze, wie rasch der Grund ansteigt. Nach dem zweiten Versuch, sitzt das Eisen fest im Grund. Der Wind flaut noch mehr ab – soweit er das überhaupt noch kann. So viel Frieden ringsum verlangt geradezu nach einem kräftigen Ankerschluck. Da die Nacht ruhig zu werden verspricht, darf auch mehr Gin im Tonic sein. Nach einer Flaute am Morgen beschert uns der nächste Vormittag eine ganze Windstärke. Soll ich mich darüber ärgern? Wie oft wurde ich an Mallorcas wilder Nordwestküste schon vor einem Tramuntana oder Mistral südwärts gejagt! Immer ging die See zu hoch, um mal hinter die markante Felsnase von Sa Foradada zu lugen. Heute liegt die Bucht friedlich vor dem Bug. Kein Schwell verirrt sich in den hintersten Winkel, wo gerade noch brauchbare Ankertiefen zum Verweilen einladen. Mutigere Segler als ich haben sich von dem guten Ruf des Restaurants ‚Sa Foradada‘ und seinen Paellas schon dazu verführen lassen, in der Bucht zu übernachten. Mir ist sie zu offen. Deshalb ist mir auch die Cala Deià nur einen Abstecher wert. Auch wenn es schwerfällt, den vom Restaurant herüberwehenden Düften zu widerstehen: Nachts will ich sicher liegen! Und das kann man an dieser exponierten Küste nur im Port de Sóller.

Bei Mistral liegt die Cala Tuent recht exponiert, und es wird ungemütlich


Das Inselarchipel Cabrera im Süden Mallorcas


Die Navigation entlang Mallorcas Küste fällt nicht weiter schwer


Höhepunkt Cala de sa Calobra

Die Cala Tuent stimmt uns auf den Höhepunkt an dieser Küste ein: die Cala de sa Calobra! Dort wo der Torrent de Pareis zwischen aufragenden Felswänden ins Meer durchgebrochen ist, ankert man – je nach Belegung – auf mehr oder weniger unbescheidenen Wassertiefen. Selten ist die Bucht frei von Schwell, immer stürmen ab dem späten Vormittag Scharen von Touristen dieses Wunder in Mallorcas Serra de Tramuntana. Nicht immer kann man an dem kleinen Strand anlanden, und wenige Segler wagen es, in dieser zur Hauptwindrichtung weit offenen Bucht zu übernachten. Dabei sind gerade jene Stunden, in denen die Bucht in ihre wilde Einsamkeit zurückversink, die schönsten. Wenn der Wind mit Katzenpfoten über das Wasser schleicht, wagen sich Yachten auch in die Calas westlich von Cabo Formentor. Bei Tramuntana oder Mistral sind die Calas Castell, San Vicente, Bóquer oder Figuera jedoch viel zu offen, und an manchen Tagen rollt Schwell gegen ihre exponierten Küsten. Dann wird man auch am Cabo Formentor kräftig durchgebeutelt. Als wir diesmal den Bug südwärts richten, liegt das Meer friedlich vor uns. Heute werden wir dem Motto dieses Törns untreu: Statt in einer der vielen Calas zu ankern, steuern wir den Port de Pollença an. Schuld ist (man staune!) das sichere Wetter. Weil bisher keine nächtlichen Störungen zu befürchten waren, fielen die Ankerschlucke immer zu kräftig aus. Das tat dem Pegelstand der Ginflasche nicht gut. Auch die gemütlichen Abende an Bord haben ihre Spuren hinterlassen; es ist zu befürchten, dass unsere Weinvorräte trocken fallen. Schon morgens versuchte ich, im Internet einen Liegeplatz bei Ports IB zu reservieren. Geht nicht, hieß es: Buchungen werden nur drei Tage im Voraus angenommen. Also probierte ich es am Telefon. Doch ich verstand nur „Llama!“, was wohl bedeutete: „Ruf an, wenn du da bist“. Das mache ich. Es hebt nur keiner ab. Erst als wir zu den Liegeplätzen abbiegen, sehe ich den Marinero mit dem UKW-Gerät in der ausgestreckten Hand. Das bedeutet wohl, ich hätte mich auf Kanal 11 melden sollen! Auch so bekommen wir einen Liegeplatz. Den letzten. Er kostet uns elf Euro! Das Ersparte verprassen wir abends im Restaurant so erfolgreich, dass wir danach sagen können: „Es war eine nette Abwechslung!“

DAS SOLLTE MAN GESEHEN HABEN

Serra de Tramuntana: Egal, ob vor oder nach dem Törn: Mindestens einen Tag sollte man sich ein Auto mieten, um in diesen Bergen ein ganz anderes Mallorca zu entdecken.

Kathedrale La Seu : Direkt am Hafen liegt dieses gotische Wunderwerk einer Kirche. Ein Besuch ist Pflicht!

Die Cala Mondrago liegt mitten in einem Naturpark an Mallorcas Südostküste


WINDVORKOMMEN

Mistral:

Dieser aus N bis NE über die Balearen fauchende Wind ist gefürchtet. Bereits in der Vor- und Nachsaison kann er Sturmstärke erreichen. Bei Ankündigung unbedingt einen Schutzhafen aufsuchen!

Tramuntana:

Dieser Wind kommt „über die Berge“ (Pyrenäen). Selten erreicht er Mistral-Stärke, doch auch so vereitelt er jeden Versuch, in einer der Calas an der NW-Küste – ausgenommen Sóller – zu ankern.

Schirokko / Xaloc:

Schwülfeucht bläst er direkt in die Calas an der SE-Küste, von denen dann nur wenige noch Schutz bieten. Tritt fast ausschließlich in der Vor- und Nachsaison auf.

Fronten:

Im Frühjahr und im Herbst ziehen Fronten vom Atlantik ins westliche Mittelmeer. Sie brüten immer wider schwere Stürme aus, die aus SW einsetzen und bei Durchzug der Front über W auf NW umspringen.

Gewitter:

Bauen sich in der Sommerhitze Wolkentürme auf, sollte man offene Ankerplätze meiden.

„Calas, aufgereiht wie Perlen an einer Schnur“

Meine guten Erinnerungen an die Cala Pinar werden durch Tafeln getrübt, die davor warnen, im militärischen Sperrgebiet zu ankern. Das zwingt uns, die Kaffeepause zu verschieben, bis sich der Anker in den Sand der Cala Guyá gewühlt hat. Die Bucht ist schön. Sie hätte sich ein paar Sonnenstrahlen verdient. Weil die auf sich warten lassen, runden wir Cabo de Pera und segeln auch an Cala Rajada vorbei. Es ist das erste Mal, dass ich diese quirlige Stadt verschmähe. Doch nach dem Ausrutscher gestern, soll der Anker heute wieder in einer der einsamen Calas fallen. Aufgereiht wie Perlen an einer Schnur, ziehen sie an uns vorbei. Die Cala Petita ist eine Versuchung, der wir widerstehen, auch das Cala-Dreigestirn Estany, Mandia und Anguila lassen wir an Steuerbord liegen. Erst bei der Cala Barcas werden wir schwach. Das Angebot an Calas ist hier so groß, dass wir den Plotter befragen, ob wir auch in die richtige Bucht einlaufen. Wenig später fällt der Anker durch glasklares Wasser auf Sandgrund. Die letzten Meilen hat uns Wind gegenan vermiest. Nun liegen wir auf glattem Wasser, türkis in der Tiefe, rot eingefärbt von der sinkenden Sonne an der Oberfläche. Der Gin braucht nicht mehr rationiert zu werden, der Wein zum Essen ist gekühlt. So steht einem friedlichen Abend in dem angeblich „lauten und überlaufenen“ Mallorca nichts mehr im Weg. „Calas Fantasticas“ nennt der Segelführer jenen Abschnitt, den wir am nächsten Tag entlangsegeln. Tatsächlich: Wir segeln! Der Wind kam auf, als wir die Cala Mondragó ansteuerten. Als man deren Ufer noch nicht geschändet hatte, war sie eindeutig die schönste der „fantastischen Calas“ an Mallorcas Südostküste. Jetzt muss sie sich mit anderen messen: der Mitjana, der Arsenau, der Santanyi und wie sie alle heißen. Es sind so viele, dass wir uns keiner lange widmen können. Der Wind bleibt schwach. Ab Cabo de las Salinas steht er uns achterlich in die Segel. Mit ausgestellter Genua läuft das Schiff gut. So fällt der Anker vor Playa Es Carbó schon, als die Sonne noch hoch am Himmel steht. Die riesige Bucht haben wir wieder ganz für uns allein. Leider schafft es Isla Moltana nicht, uns vor dem aus Westen in die Bucht rollenden Schwell zu beschützen. Vor Sant Jordi würden wir ruhiger liegen. Allerdings nicht so fern von Jubel, Trubel und Heiterkeit, wie es nun mal das Motto dieses Törns ist.


Karte: Jan Bindseil