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Checkpoint Darm


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Food Forum - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 19.04.2022

Leaky Gut Syndrom

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DIE AUTORIN UND EXPERTIN

Prof. Dr. rer. nat. MICHAELA DÖLL lehrt am Institut für Lebensmittelchemie der TU Braunschweig.

Die Diplom-Biologin ist Expertin für Ernährungsund Vitalstoffmedizin und Gesundheitsvorsorge. Sie ist mehrfache Buchautorin. www.prof.drmdoell.de

Unser Darm hat es nicht leicht. Er besitzt die größte Grenzfläche des Körpers zur Umwelt und muss während des Verdauungsprozesses ununterbrochen entscheiden, welche Nahrungsstoffe er über die Darmschleimhaut ins Blut entlässt und welche er mit dem Stuhl zur Ausscheidung bringt. Eine Aufgabe von weitreichender Bedeutung für unsere Gesundheit: Einerseits muss sichergestellt werden, dass die notwendigen Nährstoffe ins Blut gelangen können, um von dort mit dem Blutstrom weiter in die Gewebe und Organe verteilt zu werden. Andererseits sollten krankmachende Keime, schädliche Stoffwechselprodukte und Gifte abgewehrt und ...

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... idealerweise mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Ist die Darmbarriere intakt, funktioniert das. Diese hochanspruchsvolle Funktion des Darms geht mit gewissen baulichen und physikalischen Voraussetzungen der Darmwand einher.

DIE FALTEN DER DARMSCHLEIMHAUT VERGRÖSSERN IHRE OBERFLÄCHE

Aus drei Schichten ist die Darmwand aufgebaut: Nach außen hin besteht sie aus einer einschichtigen Reihe von Darmschleimhautzellen. Darunter befindet sich eine Bindegewebsschicht, in der Lymph-und Blutgefäße, Nervenfasern und Immunzellen liegen.

Zum Darminneren hin, dem Darmlumen, schließt sich dann eine Muskelschicht an, die für die Kontraktionen des Darmes wichtig ist.

Schauen wir uns die Darmschleimhautzellen an: Sie haben einen fein gefalteten Bürstensaum, der ihre Oberflächen immens vergrößert. Über diese Oberfläche resorbieren sie Wasser, aber auch alle lebensnotwendigen Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Die schmalen Lücken zwischen den einzelnen Darmschleimhautzellen sind über ein spezielles Band aus Proteinen, die sogenannten Tight Junctions, fest miteinander verbunden und nach außen hin abgedichtet. Diese Tight Junctions können gelockert werden, um bestimmte Nährstoffe durchzulassen; größere Bausteine, etwa Krankheitserreger, überwinden diese Hürde üblicherweise aber nicht.

Gluten und Kuhmilch besser meiden!

Beim Leaky-Gut-Syndrom gelangen auch Nahrungsmittelinhaltsstoffe wie Gluten (Klebereiweiß), Lactose (Milchzucker) und Casein (Milcheiweiß) leichter durch den Darm ins Blut.

Das führt dazu, dass sich die Beschwerden bei empfindlichen Menschen mit entsprechenden Unverträglichkeiten noch verschlimmern oder auch erstmals auftreten können. Daher lieber Pflanzendrinks genießen und zu glutenfreiem Brot greifen – oder es gleich selbst backen (siehe Rezepte S. 96).

SCHLEIM UND MIKROBIOTA SORGEN FÜR SCHUTZ

Die Darmschleimhautzellen bilden den Schleim, medizinisch Mukus, der sie als dicke Schutzschicht überzieht und ein wichtiger Teil der Barrierefunktion ist. So verhindert er beispielsweise, dass sich krankmachende Keime direkt an der Darmschleimhaut festsetzen.

Die Schleimschicht enthält außerdem bestimmte Abwehrstoffe (Defensine) gegen Krankheitserreger, die wiederum von bestimmten Darmschleimhautzellen gebildet werden.

Ganz entscheidend für die Barrierefunktion des Darmes ist aber vor allem auch die Darmmikrobiota. Dieses Heer von Bakterien in unserem Darm besetzt üblicherweise großflächig – wie ein Rasen – die Darmschleimhaut, so dass mit dem Speisebrei antransportierte krankheitserregende Keime keine Chance haben, sich anzusiedeln.

Sie sind als Teil des darmassoziierten Immunsystem auch in der Lage, keimtötende Abwehrstoffe zu bilden. Zudem verstoffwechseln die Darmbakterien Ballaststoffe und stellen daraus kurzkettige Fettsäuren her, die wiederum als Energiequelle für die Neubildung der Darmschleimhautzellen benötigt wird. Es gibt also drei wichtige Voraussetzungen für eine intakte Darmbarriere: ›› eine unversehrte Schicht an Darmschleimhautzellen

›› ein intaktes Darmmikrobiom und

›› eine ausreichende Bildung von Schleim (Mukus)

Dann gelingt es der Darmschleimhaut, die ungeheure Aufgabe des Darms zu erfüllen: gleichzeitig abzudichten und selektiv durchlässig zu sein.

AUCH UNVERTRÄGLICHKEITEN KÖNNEN SICH VERSCHLIMMERN

Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, kann ein Leaky Gut Syndrom entstehen. Das Wort stammt aus dem Englischen und bedeutet „durchlässiger, löchriger Darm“. Dabei geht die Barrierefunktion des Darms zumindest teilweise verloren, weil sich Strukturen der Darmwand verändern. Beispielsweise lockern sich die Tight Junctions oder die Darmschleimhautzellen produzieren weniger des schützenden Schleims. Aber auch Darmmikobiota und Immunsystem scheinen hier involviert zu sein. In der Folge ist der Darm dann durchlässiger für unerwünschte Stoffe, was nachteilige gesundheitliche Konsequenzen haben kann. So können beispielsweise allergieauslösende Moleküle über die Darmschleimhaut in das Blut gelangen und dort eine Reaktion des Immunsystems provozieren.

Krankmachende Keime rufen im Blut Entzündungsreaktionen hervor. Giftstoffe können in den Blutkreislauf gelangen und die Leber und andere Entgiftungsorgane belasten oder sogar direkt zelltoxisch wirken. Auch Lebensmittelinhaltsstoffe wie beispielsweise das Klebereiweiß Gluten, Milchzucker oder -eiweiß finden dann leichter ihren Weg ins Blut und können Probleme machen (siehe Kasten S. 93).

EIN DURCHLÄSSIGER DARM KANN KRANKHEITEN ZUR FOLGE HABEN

Bestimmte Erkrankungen werden mit dem Leaky Gut Syndrom in Verbindung gebracht. Allerdings ist noch nicht eindeutig geklärt, ob der „löchrige“ Darm hier (Mit)ursache oder aber Begleiterscheinung der jeweiligen Erkrankung ist. Neben Autoimmunerkrankungen wie Diabetes Typ 1, Multiple Sklerose oder auch Gelenkerkrankungen wie die chronische Polyarthritis werden auch Allergien, Verdauungsstörungen, das Reizdarmsyndrom und chronischentzündliche Darmerkrankungen mit dem Barriereverlust des Darms in Verbindung gebracht. Sogar Übergewicht, Adipositas, das Metabolische Syndrom, Depressionen und andere psychische Erkrankungen stehen auf der Liste der leaky-gut-assoziierten Erkrankungen. Veränderungen der Darmbarriere durch eine gestörte Darmschleimhaut können also schwerwiegende Folgen für unsere Gesundheit haben.

Begünstigt wird das Leaky Gut Syndrom durch eine Reihe von Lebensstilfaktoren. Hier sind vor allem Gifte wie Schwermetalle und Medikamente, vor allem Antibiotika, zu nennen. Aber auch Alkohol und Stress erhöhen das Risiko. Vor allem auch unser westlicher Ernährungsstil mit viel raffiniertem Zucker, Weißmehl, schlechten

Fetten und häufig zu wenigen Ballaststoffen zieht den Darm zunehmend in Mitleidenschaft und ist an der Entwicklung eines „löchrigen“ Darms beteiligt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch übergewichtige Menschen häufig davon betroffen sind.

VERSCHIEDENE MARKER IM BLUT WEISEN AUF DIE STÖRUNG HIN

Die Symptome des Leaky Gut Syndroms können sehr unspezifisch sein. So klagen die Betroffenen häufiger über Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen oder weisen eine erhöhte Infektanfälligkeit auf. Auch Hautreaktionen wie Pusteln und Rötungen können vorkommen.

Schließlich kann aber auch der Verdauungsapparat rebellieren, so dass es zu Durchfällen, Blähungen und Bauchschmerzen kommt.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten mit ihren vielfältigen Begleiterscheinungen können auftreten oder schlimmer werden. Und schließlich können durch eine gestörte Aufnahme von Mikronährstoffen bedingte Mangelzustände, wie zum Beispiel Haarausfall, auf einen durchlässigen Darm hinweisen.

Mit Hilfe von Blut-und Stuhluntersuchungen lassen sich gute Hinweise auf ein Leaky Gut Syndrom finden, wobei die Kombination mehrerer Diagnostika empfohlen wird. Als Standard gilt hier der Lactulose-Mannitol-Test, bei dem Patienten eine Lösung mit diesen Substanzen trinken müssen. Nach einer gewissen Zeit wird der Urin auf diese Substanzen hin untersucht. Ein erhöhter Lactulose-Wert weist auf eine Schädigung der Tight Junctions hin, denn dieser Zweifachzucker diffundiert dann zwischen den Darmschleimhautzellen hindurch, gelangt ins Blut und mit dem Blutstrom u. a. auch zu den Nieren, über die er dann mit dem Urin ausgeschieden wird.

Das passiert, wenn der Darm „Löcher“ hat

Ein Probiotikum als „Klebstoff“ für den Darm

Ein Bakterienstamm ist hinsichtlich seiner günstigen Wirkung beim Leaky Gut Syndrom wissenschaftlich recht gut untersucht: das Probiotikum „E. coli Stamm Nissle 1917“ (in Mutaflor®, Apotheke). Es konnte nachgewiesen werden, dass dieser Bakterienstamm die Darmbarriere stärkt, indem er die Produktion von Proteinen fördert, die für den Bau der Tight Junctions benötigt werden. Zudem setzen diese Bakterien kleine Bläschen frei, welche die Darmschleimhaut vor Schäden schützen. Unter dem Einfluss von „E. coli Stamm Nissle 1917“ wird zudem auch mehr schützender Schleim gebildet. Auch Hautunreinheiten wie Pusteln und Rötungen, die häufig mit einem Leaky Gut Syndrom assoziiert sind, besserten sich einer Studie zufolge eindrucksvoll: Die Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt, die beide zur oberflächlichen Behandlung der Hautirritationen mit Antibiotika und Cortison behandelt wurden. Eine Gruppe erhielt über vier Wochen täglich außerdem „E. coli Stamm Nissle 1917“ als Kapseln, wodurch sich das Hautbild zusätzlich deutlich verbesserte. Die bakterielle Zusammensetzung im Stuhl dieser Patienten, ihre Entzündungsmarker im Blut sowie ihre Immunwerte verbesserten sich im Vergleich zu den Patienten, die keine Bakterien erhielten, ebenfalls deutlich.

Ein weiterer Marker ist Zonulin, denn dieses Eiweiß reguliert die Durchlässigkeit der Tight Junctions. Ein erhöhter Zonulin-Wert im Stuhl deutet auf ein Leaky Gut Syndrom hin. Schließlich kann im Stuhl auch der Entzündungsmarker Alpha-1-Antitrypsin gemessen werden. Dieses Eiweiß wird vor allem in der Leber, aber auch in geringerem Umfang in der Darmschleimhaut gebildet. Bei entzündlichen Prozessen, die Folge eines Leaky Gut sein können, steigt dieser Wert an. Erhöhte Alpha-1-Antitrypsinwerte im Stuhl werden als Hinweis für einen Verlust der intakten Darmbarriere gewertet. Schließlich können auch noch Stoffwechselprodukte der Darmmikrobiota analysiert werden. Sind beispielsweise bestimmte Abwehrstoffe wie etwa das Sekretorische Immunglobulin A erniedrigt, so deutet dies ebenfalls auf eine gestörte Darmbarriere hin.

EINE SANFTE DARMREINIGUNG KANN DIE BESCHWERDEN LINDERN

Bei einem Leaky Gut Syndrom kommt es meist zu einer Fehlbesiedlung des Darms. Um das Wachstum der unerwünschten Bakterien zurückzudrängen und den „guten“ Keimen die Wiederansiedlung zu erleichtern, ist es häufig sinnvoll, dem Darm zunächst einmal einen Reinigungsschritt anzubieten. Dies kann auf verschiedene Art und Weise geschehen, wobei von rabiaten Methoden wie beispielsweise der Einnahme von Kohletabletten und Abführmitteln oder Kaffee-Einläufen abzuraten ist, denn die Darmschleimhaut kann durch solche Mittel zusätzlich gereizt oder gar geschädigt werden.

Empfehlenswert ist eine schonende Reinigung und Sanierung des Darms, die zugleich „gute“ Darmbakterien mit anbietet und die Verdauung unterstützt, ohne abführend zu wirken.

Um gute Effekte zu erzielen, am besten Präparate verwenden, die aus einer ausreichend hohen Anzahl an Keimen und vielen verschiedenen Bakterienstämmen zusammengesetzt sind und zugleich Kräuter-und Pflanzenextrakte enthalten (z. B. die Casa Sana DARMREINIGUNG von HLH BioPharma mit mindestens 30 Milliarden Bakterien und 31 probiotischen Bakterienstämmen).

Mit solchen Flüssigpräparaten gelingt es, die Balance der „guten“ Darmbakterien im Darm wiederherzustellen.

EINE PFLANZENBETONTE ERNÄHRUNG STÄRKT DIE GUTEN DARMBAK TERIEN

Außerdem kann es hilfreich sein, ungünstige, darmfeindliche Lebensstilfaktoren zu meiden – dazu gehören Genussgifte ebenso wie Stress. Denn unter Stress „quillt“ die Darmschleimhaut auf und wird so in ihrer Funktion gestört. Stress wirkt sich auch negativ auf das Wachstum der Darmmikrobiota aus. Daher ist ein gutes Stressmanagement ausgesprochen wichtig. Da eine funktionierende Darmbarriere eng mit einem intakten Darmmikrobiom gekoppelt ist, sollten wir uns so ernähren, dass sich die „guten“ Darmbakterien im Darm wohlfühlen und sich problemlos vermehren können.

Ernährungstipps beim Leaky Gut Syndrom

Empfehlenswert♥

›› Gemüse: alle Kohlarten, Schwarzwurzeln, Topinambur, Chicorée, Mangold, Spinat, Kartoffel, Kürbis

›› fermentierte Lebensmittel: Sauerkraut, Miso, Kimchi, saure Bohnen, Kefir

›› zuckerarme Früchte: Beerenfrüchte (Himbeeren, Heidelbeeren, Aroniabeeren), Weintrauben (vor allem die Kerne), Granatäpfel, Kiwis, Birnen

›› hochwertige Fette und Öle mit Omega-3-Fettsäuren (Rapsöl, Walnussöl, Leinöl), fettreicher Kaltwasserfisch (Hering, Lachs, Makrele)

›› Hirse, Quinoa, Amaranth, Buchweizen, Reis ›› Sprossen ›› Nüsse ›› Getreide (glutenfrei) ›› Kräuter und Gewürze

Nicht empfehlenswert :

›› Wurstwaren

›› Fertiggerichte, Fast Food

›› glutenhaltige Getreidesorten (Weizen, Gerste, Roggen)

›› Milch, gesüßte Joghurts, Milchshakes, Latte Macchiato

›› raffinierte Fette ›› Zucker, künstliche Süßungsmittel

GLUTENFREIES SAMENBROT

Rezept und Styling: Iris Lange-Fricke, Foto: MishaVetter

• 250 g Vollkornreismehl

• 250 g Buchweizenvollkornmehl

• 1 TL Backpulver

• 1 TL Salz

• 1 TL Johannisbrotkernmehl

• 1 Beutel Trockenhefe

• 1 Prise Zucker

• 1 EL Sesamsamen

• 1 EL Chiasamen

• 2 EL Leinsamen

• 500 ml lauwarme Buttermilch

• 1 TL Rapsöl

• außerdem: Kastenform (25 cm Länge)

1 Trockene Zutaten, außer 1 TL Leinsamen, miteinander vermischen, die Buttermilch unterrühren und alles zu einem glatten Teig kneten. Den Teig ca. 1 Std. zugedeckt an einem warmen Ort gehen lassen.

2 Backofen auf 200 Grad (Umluft 180 Grad) vorheizen. Die Backform mit Rapsöl leicht einfetten. Den Teig nochmal durchkneten, in die Backform geben und weitere 20 Min. gehen lassen.

3 Teig mit den restlichen Leinsamen bestreuen und im vorgeheizten Ofen auf der mittleren Schiene ca. 30 Min. backen.

Anschließend auskühlen lassen und aus der Form stürzen.

Zubereitungszeit ca. 20 Min + 80 Min. gehen + 30 Min. backen Für ca. 20 Scheiben

Nährwerte pro Scheibe: (ca.) 110 kcal 1g Fett, 20 g Kohlenhydrate 4g Eiweiß, 1g Ballaststoffe

KOKOSMILCHREIS MIT BLAUBEEREN

• 400 ml Reis-Kokos-Drink

• 1 Bio-Limette

• 70 g Milchreis

• 1 EL Agavendicksaft

• 1 EL Kokosmus

• 100 g Blaubeeren

• Kardamom, gemahlen

• Zimt, gemahlen

1 Den Drink in einem Topf erhitzen. Die Limette heiß abwaschen, gut abtrocken und die Schale abreiben. Die Hälfte der Schale zum Reis-Kokos-Drink geben und aufkochen.

2 Den Reis zufügen und bei mittlerer Hitze mit leicht geöffnetem Deckel ca. 30 Min. köcheln. Ab und zu umrühren.

3 Milchreis vom Herd nehmen. Agavendicksaft und Kokosmus unterrühren und den Reis ca. 10 Min. abkühlen lassen.

4 Die Blaubeeren verlesen, waschen und trocken tupfen. Einige Beeren für die Dekoration zur Seite legen, die restlichen

Beeren vorsichtig unter den Reis mischen.

Den Milchreis in zwei Schälchen geben, mit aufgestreuten Blaubeeren, Limettenschale und je einer Prise gemahlenem Kardamom und Zimt servieren.

Zubereitungszeit ca. 45 Min Für 2 Portionen

Nährwerte pro Portion: (ca.) 281 kcal 9g Fett, 36 g Kohlenhydrate 4g Eiweiß, 5g Ballaststoffe

Mit Sicherheit wirkt sich eine zu stark zucker-und salzlastige Kost hier negativ aus. Empfehlenswert ist dagegen eine pflanzenbetonte, ballaststoffreiche Kost, die für die Darmbakterien eine gute Nahrungsquelle ist. Dabei entstehen Stoffwechselprodukte, von denen wiederum die Darmschleimhaut profitiert. Und das ist wichtig, denn diese erneuert sich innerhalb von drei Tagen komplett – ein unglaublicher Regenerationsprozess, der im höchsten Maß energiebedürftig ist. Und diese Energie beschaffen die Darmbakterien, indem sie die Ballaststoffe verstoffwechseln und daraus kurzkettige Fettsäuren (z. B. Butyrat) als Energiequelle zur Verfügung stellen.

Hier sind besonders Gemüsesorten wie Schwarzwurzeln und Topinambur zu empfehlen, denn sie enthalten den wasserlöslichen Ballaststoff Inulin, der das Wachstum der „guten“ Darmkeime fördert (mehr über Ballaststoffe auf S. 64). Empfehlenswert sind ebenso Beerenfrüchte, weil sie reich sind an Polyphenolen, sekundären Pflanzenstoffen, die natürliche Entzündungshemmer sind.

Sie wirken den entzündungsbedingten Prozessen entgegen, die häufig mit Leaky Gut vergesellschaftet sind. Unter dem Einfluss von Polyphenolen und anderen sekundären Pflanzenstoffe siedeln sich gute Bakterien leichter im Darm an.

PRÄ-UND PROBIOTIKA KÖNNEN DIE DARMGESUNDHEIT UNTERSTÜTZEN

Auch die Zufuhr probiotischer Keime wie z. B. Milchsäurebakterien und der durch sie gebildeten rechtsdrehenden Milchsäure kann sinnvoll sein. In fermentierten Lebensmitteln wie z. B. Kefir, Miso, Sauerkraut, sauren Bohnen und Sauerteigbrot, sind sie reichlich enthalten. Diese Lebensmittel die meist sehr bekömmlich und unterstützen die Darmgesundheit. Auch auf eine ausreichend Aufnahme guter Fette und hier insbesondere der entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren muss geachtet werden (siehe Ernährungstipps S. 95).

HEILPFLANZEN MIT BIT TERSTOFFEN STÄRKEN DIE VERDAUUNG

Außerdem kann es auch wichtig sein, den Darm zu entlasten und die Verdauungsfunktion zu unterstützen. Das können z. B.

Heilpflanzen wie Artischocke, Galant, Kardamom, Wermut und Enzianwurzel, aber auch Wegwarte und Isländisches Moos sowie Gewürzpflanzen wie Ingwer und Kurkuma (z. B. REI-Komplex 2 Kardinal-Tinktur mit 13 Heilpflanzen, evolution-international. com). Sie unterstützen durch ihren hohen Anteil an Bitterstoffen das Leber-Galle-System und wirken mit ihren Schleimstoffen regenerierend auf die Darmschleimhaut. Außerdem lässt sich die Darmschleimhaut mit dem Proteinbaustein L-Glutamin unterstützen. Denn diese Aminosäure, die vor allem in Nüssen und Hülsenfrüchten in höheren Konzentrationen vorkommt, ist ebenfalls ein wichtiger Nährstoff für die Darmschleimhautzellen. Etwa 30 Prozent des Gesamtbedarfs werden im Darm verstoffwechselt.

Zum Weiterlesen

„Darmgesund: Beschwerden lindern, Immunsystem stärken“ von Prof. Dr. Michaela Döll, Herbig Verlag 2015, 20 Euro

L-Glutamin wirkt entzündungshemmend und reguliert die Neubildung der Darmschleimhautzellen und die Funktion der Tight Junctions. Unter starker körperlicher Aktivität, nach Operationen oder Verletzungen und ebenso unter dem Einfluss von Medikamenten, beispielsweise Schmerzmitteln, kann sich ein L-Glutamin-Mangel einstellen, der die Entwicklung eines Leaky Gut Syndroms begünstigen kann. Empfehlenswert ist die Einnahme von L-Glutamin in Kombination mit Vtamin B6, denn dieses B-Vitamin aktiviert den Glutaminstoffwechsel (L-Glutamin-Vitamin B6, evolution-international.com). Einem solchen Schleimhaut-Therapeutikum wird eine große Bedeutung in Vorbeugung und begleitender Behandlung eingeräumt.

FAZIT

Die Darmbarriere funktioniert nur, wenn die Darmschleimhaut intakt ist. Bei einigen Erkrankungen kann ein Leaky Gut Syndrom diagnostiziert werden, bei dem diese Barriere gestört ist. Um sie wieder aufzubauen und aufrechtzuerhalten, sollten wir pflanzenbetont essen und Stress vermeiden. Auch Prä-und Probiotika sowie die Einnahme der Aminosäure L-Glutamin können helfen.