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CHEFSACHE: Geht das? Arbeitszeit-Modelle im GaLaBau


TASPO GARTEN-DESIGN - epaper ⋅ Ausgabe 8/2018 vom 16.11.2018
Artikelbild für den Artikel "CHEFSACHE: Geht das? Arbeitszeit-Modelle im GaLaBau" aus der Ausgabe 8/2018 von TASPO GARTEN-DESIGN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, erfordert heute viel Flexibilität – von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.


Foto: Imago

Homeoffice? Jobsharing? Flexible Arbeitszeiten? Im GaLaBau wird bei diesen Schlagworten oft abgewunken. Solche Arbeitszeit-Modelle mögen vielleicht für digitale Start-Ups oder Online-Redaktionen funktionieren, aber doch nicht für den klassischen Garten- und Landschaftsbau. Oder doch?

Immerhin bleiben Fachkräfte einem Unternehmen meistens treu, das flexibel auf ihre persönliche Situation reagiert. DieTASPO sprach mit drei Unternehmern, die ungewöhnliche Modelle und Lösungen ...

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Immerhin bleiben Fachkräfte einem Unternehmen meistens treu, das flexibel auf ihre persönliche Situation reagiert. DieTASPO sprach mit drei Unternehmern, die ungewöhnliche Modelle und Lösungen praktizieren.

Für Eva Eisenbarth vom Gartenforum in Konstanz (www.gartenforum.com ) ist Flexibilität unbedingt erforderlich, und sie beschreibt, wie das in ihrem Unternehmen konkret umgesetzt wird.

„Ein Beispiel von den Baustellen: Zwei Gärtner arbeiten jeweils drei Tage die Woche, eine Gärtnerin hat in der Wochenmitte einen Tag frei. Die Gründe sind hier jeweils Familie oder Partner.

Ein Beispiel aus dem Büro: Unser Planer war ein Jahr lang aufgrund seiner Kinderbetreuung im Homeoffice. Nun arbeitet er wieder Vollzeit, kann seine Zeit aber frei einteilen, je nachdem, wie er sie für seine Kinder benötigt.

In Zukunft brauchen wir viel mehr Flexibilität, um Arbeitnehmer zu binden. Im Baubetrieb ist das schwer möglich, da wir in Trupps arbeiten und Homeoffice nicht infrage kommt.

Eine Lösung kann hier das Anbieten von Teilzeit sein und Flexibilität allgemein in der Umwandlung von Stunden in Freizeit. Hier ist der GaLaBau meiner Meinung nach mehr als altertümlich. Klar wollen auch die Gärtnerinnen und Gärtner nicht mit Hauptschwerpunkt im Winter ihre Urlaubstage nehmen. Und verständlich ist, dass die Wochenenden auch in der Hauptsaison tabu sein müssen, jeder hat ein Anrecht auf Erholung, Freunde und Familie. Das Einlegen von flexiblen Urlauben, auch mit wenigen Tagen übers Jahr verteilt, ist interessant für meine Mitarbeiter, genauso wie für mich.“

„Die Aufgabe lautet, den Umfang der Arbeit entsprechend den Bedürfnissen der Arbeitnehmer an die jeweilige Lebensphase anzupassen“, erklärt Albrecht Bühler von Baum und Garten in Nürtingen (www.baum-und-garten ). Die Vorteile beschreibt er wie folgt: „Mitarbeiter, die da sind, finden das klasse, das fördert die Bindung zum Betrieb und das Engagement. Mitarbeiter, die noch nicht da sind, finden das ebenfalls klasse, das erleichtert das Finden von Fachkräften und die Zielgruppe wird größer, weil ich auch Personen anspreche, die nicht Vollzeit arbeiten möchten.“


„Klar wollen auch Gärtnerinnen und Gärtner nicht alle Urlaubstage im Winter nehmen.“
Eva Eisenbarth, Konstanz


Was für Modelle gibt es bei uns?

In seinem Unternehmen existieren verschiedene Arbeitzeitmodelle nebeneinander.

VOLLZEITNAHE TEILZEIT: „Bei uns gibt es in den Bereichen Baumpflege und Gartenpflege verschiedene Teilzeitmodelle, die eine Drei- bis Vier-Tage-Woche bedeuten können, oder auch Vollzeit, unterbrochen von einer freien Woche, oder auch eine längere Freizeitphase im Sommer oder im Winter.

Am schwierigsten ist Teilzeit im Bereich Baustellenleitung im GaLaBau. Da ist eine durchgängige Besetzung der Baustelle schon sehr wichtig.

In der kaufmännischen Verwaltung arbeiten alle Mitarbeiterinnen Teilzeit. Drei Bürokräfte teilen sich flexibel zwei Stellen, sodass das Büro immer besetzt ist. Ferienzeiten werden abgesprochen.“

HOME OFFICE: „Für die Bereichsleitung/ Bauleitung wird ebenfalls vollzeitnahe Teilzeit ermöglicht und durch Homeoffice-Infrastruktur mit Laptop und mobilem Zugriff unterstützt.

Bei unserer Unternehmensgröße mit etwa 60 Personen ist es noch möglich, individuelle Lösungen zu finden. Es gehört zu unserer Unternehmenskultur, dass die Mitarbeiter auf mich als Chef oder auf eine andere zuständige Person zugehen und dort ihre Wünsche und Bedürfnisse einbringen. Danach schauen wir, was wir ermöglichen können und wo auch mal die Grenzen des Machbaren liegen.

Durch diese Vorgehensweise fühlen sich die Mitarbeiter als Mensch wahrgenommen und engagieren sich deshalb auch in sehr hohem Maße für die gemeinsame Aufgabe.“

GLEIT- UND FUNKTIONSZEITEN sind für Bereichsleiter selbstverständlich. Jede/r führt ein Stundenkonto, auf dem alle Arbeitszeiten selbstständig erfasst werden. Bei Baum und Garten gibt es aber auch

ANDERE ARBEITSZEITEN oder Absprachen, die nicht alltäglich sind: So arbeitet ein Mitarbeiter seit zehn Jahren nur im Sommer von April bis Oktober. Im Winter führt er Reisegruppen durch sein Heimatland Neuseeland. Ein Ehepaar teilt sich 150 Prozent Arbeitszeit flexibel auf. Im Büro gibt es einen Schreibtisch für beide – ergänzt mit Homeoffice.

Plötzlich Rentner

Helmut Haas, Geschäftsführer der Helmut Haas GmbH Garten-, Landschaftsund Sportplatzbau in Wangen-Roggenzell (www.haas-galabau.de ), hat drei Beispiele dafür, wie er auf die Arbeitswünsche seiner Mitarbeiter eingeht:

„Ein Mitarbeiter ging in Rente, wollte aber weiter arbeiten und hat deshalb nach Eintritt ins Rentenalter ein Gewerbe angemeldet. Nach zwei Jahren kam er zu mir und sagte: ‚Helmut, der viele Schreibkram – Angebote und Rechnungen – das nervt mich! Kann ich nicht wieder bei dir angestellt sein?‘ Natürlich haben wir ihm das ermöglicht.

Albrecht Bühler, Baum und Garten, Nürtingen.


„Die Aufgabe lautet, den Umfang der Arbeit entsprechend den Bedürfnissen der Arbeitnehmer an die jeweilige Lebensphase anzupassen.“
Albrecht Bühler, Nürtingen


Was gibt es Kostbareres als die Erfahrung langjähriger Mitarbeiter? Was dem Unternehmen an Kraft verloren geht, wenn jemand ausscheidet! Am liebsten würde ich dem einen Chip aus dem Gehirn rausnehmen und dem Nachfolger einsetzen, mit allen Daten! (lacht).

Oft fallen Menschen, wenn sie in Ruhestand gehen, in ein tiefes Loch. Warum nicht denjenigen, die das wollen, Angebote zur Weiterbeschäftigung machen? Oder wenigstens einen sanften Übergang zum Ruhestand schaffen?“

Plötzlich alleinerziehend

Das nächste Beispiel für eine individuelle Teilzeitlösung: „Ein anderer Baustellenleiter kam vor einigen Jahren zu mir und sagte: Ich bin ab heute alleinerziehender Vater! Er hatte sich Knall auf Fall von seiner Frau getrennt, die Tochter blieb bei ihm. Plötzlich konnte er nicht mehr zu den gewohnten Zeiten arbeiten. Er musste seine Tochter um 7.30 Uhr zum Kindergarten bringen und um spätestens 16 Uhr wieder abholen – als Kolonnenführer konnte er nicht mehr arbeiten. Also haben wir lange überlegt und hatten die Idee: Wir bilden ihn zum Einzelkämpfer aus!

Mit viel persönlichem Spielraum und ganz flexibler Arbeitszeit. Er bekam ein eigenes Auto und eine Fülle von kleinen, aber anspruchsvollen Aufgaben im Bereich Beregnung, Rasenroboter und Schwimmteich. Das hat fabelhaft funktioniert. Inzwischen ist seine Tochter in der Schule und er hat eine neue Freundin. Vor Kurzem hat er mir signalisiert, dass er jetzt wieder als Teamleiter arbeiten kann. Was für ein Glück, dass er im Unternehmen geblieben ist! Er ist ein sehr wertvoller Mitarbeiter.“

Plötzlich Mutter

Ein drittes Beispiel: „Ich hatte eine Mitarbeiterin, Diplom-Ingenieurin, die in der Pflege arbeitete, und zwar richtig gut und von allen sehr wertgeschätzt. Sie ging irgendwann in die Babypause, dann kam nach kurzer Zeit das nächste Baby und schließlich das dritte Kind.

Nach insgesamt neun Jahren Mutterschutz kam diese Frau wieder zu mir und sagte: ‚Ich will wieder arbeiten. Aber ich kann nur an zwei Tagen in der Woche, und auch nur von 8 bis 12 Uhr!‘ Da sagt doch jeder Arbeitgeber: ja spinnt die denn! Aber ich habe gesagt: Wenn eine Frau mit drei kleinen Kindern an zwei Tagen von 8 bis 12 arbeiten will, dann hat sie Power! Wir hatten damals noch eine weitere Halbtagskraft, den beiden Frauen zusammen haben wir die Verantwortung für unsere eigenen Außenanlagen und die Mustergärten gegeben. Das funktioniert bis heute hervorragend.

Homeoffice ist bei uns im Unternehmen selbstverständlich. Jeder Bauleiter hat seinen Laptop, den er zu Hause anschließen und dort weiterarbeiten kann, wenn er will. Bei uns im Unternehmen haben Bauleiter keine festen Von-bis-Zeiten. Sie haben im Grunde gar keine Arbeitszeiten, sondern Aufgaben. Ich vertraue ihnen. Wenn jemand mittags zum Friseur geht oder sein Kind aus der Schule abholt, dann kann er das machen. Dafür arbeitet er vielleicht um 22 Uhr oder am Samstag den Rest der Aufgabe zu Ende.

Ich sage doch einer Führungskraft nicht: Du bleibst heute zwei Stunden länger. Das geht nicht! Das kann ich vielleicht einem Auszubildenden sagen, aber im Grunde nicht einmal dem.“


„Ich sage doch einer Führungskraft nicht: Du bleibst heute zwei Stunden länger. Das geht nicht! Das kann ich vielleicht einem Auszubildenden sagen, aber im Grunde nicht einmal dem.“
Helmut Haas, Wangen-Roggenzell