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CHERNOBYLITE


Games Aktuell - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 15.09.2021

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Bildquelle: Games Aktuell, Ausgabe 10/2021

Trips nach Tschernobyl sind heutzutage nichts Besonderes mehr. Für läppische 80 Euro lassen sich mittlerweile Tagestouren buchen, die einem alle Sehenswürdigkeiten der Gegend zeigen: das DUGA-Radarsystem, die Geisterstadt Prypjat mit ihrem verwaisten Riesenrad und schließlich auch das Atomkraftwerk selbst, verschlossenunter einem meterdicken Sarkophag aus tausenden Tonnen Stahl und Beton. Wer will, darf sogar ein paar unvergessliche Erinnerungsfotos schießen oder die Welse im Kanal des Kühlsees füttern. Aus einem radioaktiven ist ein touristischer Hotspot geworden.

Für den speziellen Nervenkitzel braucht es jetzt schon Spiele wie Chernobylite. Mit dem verweben die Entwickler von The Farm 51, bekannt für ihr Psycho-Horror-Erlebnis Get Even, die Ereignisse des schicksalshaften Reaktorunglücks mit einer offenen Spielwelt und einer ganzen Wagenladung an Gameplay-Elementen verschiedenster Genres. Die ...

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... letzten zwei Jahre musste dieser außergewöhnliche Mix im Early Access reifen, am 28. Juli hat nun endlich die finale Version ihren Weg auf Steam gefunden: Die Geschichte wurde abgeschlossen, das Gameplay feingeschliffen, die Technik glattgebügelt. Zumindest in der Theorie. Für den Praxistest haben wir uns erneut in die verstrahlte Zone gestürzt und angeschaut, wie viel sich hier seit unserem letzten Besuch im September 2019 tatsächlich getan hat.

ALTE GESCHICHTE, NEU INSZENIERT

Kurz gesagt: einiges. Die Entwickler von The Farm 51 haben die vergangenen Monate in zahlreiche Verbesserungen und Veränderungen gesteckt. An einigen Stellen ist der Titel beinahe nicht mehr wiederzuerkennen. Es gibt nun noch mehr Waffen, eine noch größere Karte und noch mehr NPCs. Und das ist nur eine kleine Auswahl an frischen Inhalten! Auch die Kampagne präsentiert sich in neuem Licht: Die Vertonung wurde etwa komplett neu aufgenommen und um zusätzliche Zeilen erweitert. Dazu kommen ein überarbeitetes Intro und Extra-Missionen, die dem Abenteuer noch mehr Tiefe verleihen.

PC

Termin: 28. Juli 2021 Preis: ca. € 30,-

PS4

Termin: 7. September 2021 Preis: ca. € 30,-

PS5

Termin: 7. September 2021 Preis: ca. € 30,-

Xbox One

Termin: 7. September 2021 Preis: ca. € 30,-

Xbox Series X

Termin: 7. September 2021 Preis: ca. € 30,-

Switch

Termin: tba Preis: ca. tba

Entwickler: The Farm 51 Hersteller: The Farm 51 Sprache:

Deutsch, Englisch Altersfreigabe:

Keine Angabe

Erleben dürft ihr dieses nach wie vor aus der Sicht von Igor Chiminuk, seines Zeichens promovierter Physiker und hoffnungsloser Romantiker. Euer Protagonist erlebte die Tschernobyl-Katastrophe damals direkt vor Ort mit und verlor dabei seine Verlobte. Allerdings nicht bei der Explosion oder an den Folgen der Strahlenkrankheit: Sie war eben einfach weg. Puff, als hätte sie sich in Luft aufgelöst. Ein Verlust, den Igor offenbar auch dreißig Jahre später noch immer nicht überwunden hat. Statt einfach weiterzuziehen und die Geister der Vergangenheit endlich ruhen zu lassen, begibt er sich trotzig zurück an den Ort des Geschehens, um auf Spurensuche zu gehen.

Das ist gerade zum Auftakt richtig schick inszeniert: Ihr infiltriert in einer halsbrecherischen Nacht-und-Nebel-Aktion das stillgelegte Kernkraftwerk und versucht, den dortigen Reaktorraum zu erreichen. Dabei müsst ihr euch nicht nur mit schießwütigen Söldnern des KGB herumschlagen. Zu allem Überfluss wird Igor auch noch von perfiden Visionen heimgesucht, die ihn albtraumhafte Szenen seiner Vergangenheit noch einmal durchleben lassen. Diese spannende Atmosphäre kann Chernoyblite allerdings nicht über die komplette Spielzeit von fast 15 Stunden aufrechterhalten. Nach dem Prolog driftet die Story schnell in eine abgefahrene Science-Fiction-Richtung ab, in deren Fokus das namensgebende Tschernobylit steht: ein mysteriöser, grün-leuchtender Kristall, der bei der Reaktorkatastrophe entstand und offenbar voll grenzenloser Energie steckt. Unter anderem lassen sich mit dem Mineral Wurmlöcher erzeugen, mit denen ihr durch Raum und Zeit reisen könnt. Das ist dann doch recht weit entfernt von dem ernsten Überlebenskampf, den wir uns eigentlich erhofft hatten.

REISE DURCH RAUM UND ZEIT

Immerhin gibt euch dieser Erzählkniff die Möglichkeit, das Abenteuer komplett non-linear und auf eure eigene Weise zu erleben. Ausgangspunkt ist dabei immer eure Basis, ein altes Lagerhaus am Rande der Sperrzone. Von dort aus könnt ihr einen beliebigen Auftrag auswählen und dann per interdimensionaler Portalkanone in die entsprechenden Missionsgebiete reisen.

Die gehören definitiv zu den Stärken des Titels. Die Spielwelt basiert nämlich auf echten Aufnahmen aus der Sperrzone. Die Entwickler waren mit einem eigenen Team in der Ukraine unterwegs, um Fotografien und Scans der dortigen Umgebungen zu machen. Aus den über Tausend Fotos wurde dann die Umgebung gebastelt. Ihr könnt also reale Locations wie beispielsweise das Café Prypjat oder das Emerald Pioneer Camp erkunden, die stimmig mit einigen fiktiven Elementen verschmolzen wurden. Das Ganze sieht natürlich nicht umwerfend fotorealistisch aus. Die eine oder andere Textur wirkt beim genauen Hinschauen schon mal etwas matschig und auf Dauer ist das Grau- Braun aus zerfallendem Beton und verdorrten Bäumen auch ziemlich monoton. Chernobylite bildet aber sehr gut die trostlose Stimmung und gespenstische Leere ab, die rund um Tschernobyl herrscht.

Teilweise kann das Survival-Rollenspiel dadurch sogar ein bisschen gruselig werden: Wenn ihr durch ein stillgelegtes Krankenhaus stöbert und dabei plötzlich ein schrilles Kinderlachen über die Gänge schallt, wenn ihr im Wald an ein paar verkohlten Spielzeugpuppen vorbeilauft, deren Augen plötzlich grün aufleuchten, geht einem schon ein Schauer über den Rücken. Wirklicher Horror erwartet euch in den Levels von Chernobylite allerdings nicht.

ETWAS VARIANZ WÄRE SCHÖN

Man kann übrigens auch leider nur von Levels sprechen. Eine Open World, wie man sie aufgrund der Spielbeschreibung auf Steam erwarten könnte, gibt es nämlich nicht. Das angepriesene „freie Erkunden“ beschränkt sich auf kleine Sandbox-Areale, die ihr innerhalb weniger Minuten durchquert habt. Klar, Wetter und Tageszeit variieren. Es sind auch mal mehr, mal weniger Gegner unterwegs. Auf Dauer wird es aber ziemlich eintönig, die fünf immer gleichen Gebiete zu durchstreifen. Da hilft es auch nicht unbedingt, dass euch die Missionen manchmal gleich mehrmals hintereinander in denselben Abschnitt schicken.

Stichwort Missionen: Die fallen zumindest etwas abwechslungsreicher aus. Ihr müsst Informationen finden, Verbündete befreien, feindliche Stellungen sabotieren oder Zielpersonen ausschalten. Ihr könnt aber natürlich auch einfach nur die Gegend erkunden und nach interessantem Kram stöbern. Mit eurem Umgebungsscanner lassen sich Crafting-Materialien und Hinweise auf den Verbleib eurer Verlobten finden. Zudem stecken Prypjat und Co. natürlich voller Händler und anderer NPCs, mit denen ihr interagieren dürft.

DER KAMPF: EIN KRAMPF

Nicht alle davon sind euch jedoch freundlich gesinnt. Hier und da müsst ihr also auch mal zur Waffe greifen. Wirklich unterhaltsam ist das aber nicht. Die Kämpfe in Chernobylite wirken durch die Bank weg ungelenk. Die Schuss- und Schlag-Animationen sind unrund, die Ballistik eurer Waffen eher dürftig, Trefferfeedback quasi kaum vorhanden. Ein besonderes Ärgernis sind allerdings eure Gegner, deren KI zwischen strohdoof und absolut tödlich schwankt. Manchmal entdecken sie euch nicht, obwohl ihr quasi vor ihrer Nase steht. An anderer Stelle schießen sie euch wiederum mit beinahe lächerlicher Präzision nieder, obwohl ihr 100 Meter entfernt in einem Busch kauert. Auf die Sichtbarkeitsanzeige am oberen Bildschirmrand, die verrät ob Feinde auf euch aufmerksam gemacht oder in Alarmbereitschaft versetzt wurden, ist kaum Verlass. Daher unser Tipp: Umgeht Gefahrenzonen einfach weitläufig. So spart ihr euch nicht nur unnötigen Ärger, sondern auch wertvolles Verbandszeug, das ihr dann nicht ständig neu craften müsst.

Neben simplen Verbrauchsgegenständen könnt ihr natürlich noch jede Menge anderen Kram herstellen. Unterwegs lassen sich etwa Fallen und Ablenkungen basteln, an Werkbänken fertigt ihr Dietriche, schusssichere Westen und Waffenaufsätze. Sogar Möbel und Deko-Objekte dürft ihr zusammenzimmern, um es euch so in eurer Basis möglichst heimelig zu machen. Da haust ihr nämlich nicht alleine: Im Verlauf des Abenteuers schließen sich bis zu fünf Gefährten eurem Team an, um das ihr euch dann sorgfältig kümmern müsst. Eure Mitstreiter wollen etwa mit Essen und einem ordentlichen Schlafplatz versorgt werden. Im Gegenzug könnt ihr sie auf Erkundungstouren durch die Sperrzone schicken oder euch von ihnen neue Fähigkeiten beibringen lassen. Auch beim großen Finale, einer Art Heist im Stil von GTA Online, spielen eure Kameraden eine entscheidende Rolle. Mit ordentlich Schützenhilfe sind eure Erfolgsaussichten natürlich deutlich höher, als wenn ihr alleine loszieht.

DARF’S NOCH ETWAS MEHR SEIN?

Doch keine Sorge: Solltet ihr mal draufgehen, ist das noch lange nicht das Ende. Nach eurem Ableben landet ihr stattdessen in einer Art Zwischenwelt, wo euch nochmal all eure Entscheidungen im Verlauf des Spiels vor Augen geführt werden. An denen dürft ihr dann lustig herumexperimentieren und euch so eine neue Realität für eure Rückkehr basteln: Was passiert beispielsweise, wenn ihr den Banditen erschießt, statt ihn laufen zu lassen? Findet es ganz einfach selbst heraus. Das Wurmloch macht’s möglich!

Spätestens hier wurde uns Chernobylite dann aber doch ein wenig zu abgedreht. Denn neben Zeitreisen und einem wilden Mix aus Shooter-, Survival -, Horror- und RPG-Elementen drückt euch der Titel auch noch moralische Entscheidungen, ein eigenes System für eure geistige Gesundheit und eine Story-Mechanik rund um Detektivarbeit in der virtuellen Realität aufs Auge. Das ist ganz schön viel auf einmal, und auch ganz schön viel Stückwerk. Nicht alle Spielelemente greifen sinnvoll ineinander, manche wirken sogar völlig fehl am Platz. Hier hätten wir uns etwas mehr Fokus aufs Wesentliche gewünscht.

Hätten die Macher den Basenbau und die Begleiter weggelassen und sich stattdessen lieber auf ein ordentliches Kampfsystem konzentriert, hätte das dem Gesamtgefüge wohl deutlich besser getan. So bleibt nur ein Spiel, das mit seinem atmosphärischen Setting und seinen spannenden Gameplay-Ansätzen durchaus das Potenzial gehabt hätte, das nächste Metro oder Stalker zu werden, am Ende aber leider nicht an seine Vorbilder herankommt.

MEINUNG

David Benke

Hier wäre weniger wohl mehr gewesen. Für mich krankt Chernobylite vor allen Dingen an einem Problem: Es will zu viel auf einmal. Schießen, craften, Skills weiterentwickeln, Basis und Team managen – vor lauter Gampelay-Features haben die Macher irgendwie den Überblick verloren. Am Ende wirkt der Genre-Mix daher etwas halbgar. Das ist unglaublich schade. Denn hätten sich die Macher lieber auf ein paar Spielelemente konzentriert, die dann aber ordentlich ausgearbeitet, hätte aus dem Titel echt was werden können. Das düstere Setting und die realistisch dargestellte Spielwelt stellen nämlich eigentlich eine sehr vielversprechende Basis dar, auf der man durchaus eine gelungene Spielerfahrung aufbauen könnte.

WERTUNG

Stärken und Schwächen

+ Spannendes Setting

+ Atmosphärischer Spieleinstieg

+ Toll inszenierte Spielwelt

+ Non-linearer Aufbau

+ Volle Vertonung (allerdings nur auf Russisch und Englisch)

+ Umfangreiches Crafting und Base Building

- Konfuse Story

- Repetitives Spieldesign

- Zu kleine Levels

- Zu viele Spielmechaniken, zu wenige Erklärungen

- Kaputte Gegner-KI

- Hakeliges Shooter-Gameplay

- Fehlerhafte deutsche Übersetzung