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Christian Erhart: NOSE ART Airbrush im Militäreinsatz


Airbrush Step by Step - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 29.05.2019
Artikelbild für den Artikel "Christian Erhart: NOSE ART Airbrush im Militäreinsatz" aus der Ausgabe 4/2019 von Airbrush Step by Step. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Airbrush Step by Step, Ausgabe 4/2019

Nose Art, die Bemalung von Flugzeugen im vorderen Teil des Rumpfes, gibt es bereits seit dem ersten Weltkrieg und Airbrush gehört dabei ebenfalls schon seit langem zu den bevorzugten Werkzeugen. Christian Erhart ist in seiner Freizeit Airbrush-Künstler und von Beruf Militär- Luftfahrzeugtechniker beim österreichischen Bundesheer. Keine Frage, dass sich beides wundervoll miteinander verbinden lässt…

Christian, wie bist du dazu gekommen, beim österreichischen Bundesheer Flugzeuge und Hubschrauber zu bemalen?

Christian: Mit viel Glück und etwas Können! Lach…:D Ich versah bereits meinen Grundwehrdienst im ...

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Christian: Mit viel Glück und etwas Können! Lach…:D Ich versah bereits meinen Grundwehrdienst im Eurofighter Flugbetrieb, wo ich damals schon das eine oder andere Projekt verwirklichen durfte. Hierbei handelte es sich anfangs hauptsächlich um Objekte für Raum- bzw. Wandgestaltungen. Bei einer Flugshow bekam ich dann den Auftrag, die Gastgeschenke für die Kunstflugstaffeln „Frecce Tricolori“ und „Patrouille Suisse“ in Form von Bildern zu kreieren. Dann hatte ich das erste Flugzeug unter meiner Airbrush. Ein saudischer Jet des Teams „Royal Saudi Hawks“, der seitlich an der Nase einen steirischen Panther erhielt. Eher eine Kleinigkeit, aber mit großer Wirkung. Es ging durch die Medien und auch bei uns in den österreichischen Luftstreitkräften sprach es sich herum. Und so nahm das Ganze dann seinen Lauf…

Was machst du genau beim Bundesheer?

Christian: Ich bin Militär-Luftfahrzeugtechniker am Eurofighter Typhoon im Bereich der Flightline.

Wie lange airbrushst du schon und wie bist du dazu gekommen?

Christian: Ich hatte bereits in meiner Kindheit schon immer viel gezeichnet und irgendwann kam auch das Interesse für die Airbrush-Kunst. Ich legte mir dann in meiner Lehrzeit mit meinem hart Ersparten eine Evolution, Kompressor und Farben zu. Die Basics saugte ich mir bei YouTube runter und den Rest brachte ich mir letztendlich selbst bei – „Learning by doing!“ Vom Handling wurde ich mit der Zeit immer sicherer und die Projekte immer besser. Dadurch stieg dann natürlich auch meine Motivation und ich wollte mehr.

Du hast uns Bilder von der Saab-105OE „Black Tiger“ und der Alouette III „Black Beauty“ geschickt: Gehören sie zur normalen Flotte des Bundesheeres, die u.U. auch im Krisenfall eingesetzt werden oder handelt es sich um Trainingsoder „Showflieger“? Wofür werden die beiden Maschinen normalerweise eingesetzt?

Christian: Natürlich sind die beiden in einer gewissen Art und Weise auch Showflieger, die an der einen oder anderen internationalen Airshow oder Übung teilnehmen. Aber in erster Linie sind sie immer noch Einsatzmaschinen und werden daher auch für die jeweiligen Verwendungszwecke eingesetzt. Die Saab-105OE wird von der Düsentrainerstaffel, „Tigerstaffel“, als Schulungsflugzeug für die Jetausbildung und zum Teil für die Luftraumüberwachung eingesetzt. Die Alouette III ist ein Mehrzweckhubschrauber und wird als Schulungshubschrauber und unter anderem auch für Rettungseinsätze vor allem im alpinen Gelände verwendet.

Wie seid ihr jeweils auf die Motive gekommen bzw.aus welchem Anlass wurden die Bemalungen angefertigt?

Christian: Die Grundmotive wurden von den Staffeln vorgegeben. Bei der Tigerstaffel war es der Tiger und bei der Mehrzweckshubschrauberstaffel war es der Hausberg „Grimming“ und ein 50. Jubiläum. Die Designentwürfe kamen dann von mir und Details wurden mit den Piloten und den Technikern nochmal besprochen. Sie alle brachten mir da sehr viel Vertrauen entgegen und haben sich designtechnisch da auch komplett auf mich verlassen. Der Anlass bei der 105 war das „Tiger Fly In“ bei der Airpower 2016 sowie die NATO Tigermeets und bei der Alouette III war es das „50 Jahre AL III - beim Bundesheer“-Jubiläum.

Wo bemalst du die Flieger und wie lange dauert das?

Christian: Beide Luftfahrzeuge wurden an den jeweiligen Standorten in einem Hangar lackiert. Sie wurden von Technikern super vorbereitet. Das heißt Cockpit, Ein- und Auslässe, Antennen usw.wurden abgeklebt, grundiert und in Grundfarbe lackiert. Das ersparte mir schon einiges an Zeit. Bei der Saab brauchte ich selbst über 80 Stunden in nur 5 Tagen für Teillackierungs- und Airbrusharbeiten. Dank großer Unterstützung von den Technikern und Grundwehrdienern war es erst möglich, den Zeitplan einzuhalten. Bei der AL III waren es letztendlich ca. 60 Stunden für das Design.

Welche Auflagen gibt es für die Bemalung von Flugzeugen und Hubschraubern hinsichtlich der Flugsicherheit?

Christian: Erstmals muss das Ganze von oben abgesegnet werden. Wenn das Vorhaben genehmigt wird, wird eine technische Anweisung erstellt, wo der generelle Ablauf geregelt ist. Da werden z.B. Arbeitsvorgänge beschrieben, Materialien, die verwendet werden dürfen, aufgelistet – und das Ganze gilt es dann auch einzuhalten! Das Luftfahrzeug wird von den Technikern nach dem Lackiervorgang anschließend wieder auf Vordermann gebracht, und da das ja alle auch Spezialisten sind, wird somit auch die Flugsicherheit gewährleistet. Danach findet noch ein Funktionstestflug statt, und wenn alles funktioniert, wird sie für den täglichen Flugbetrieb wieder freigegeben.

Was muss man aus künstlerischer Sicht beim Bemalen von Hubschraubern und Flugzeugen beachten?

Christian: Im Gesamten sollte das Konzept mit der Zelle stimmig sein. Wichtig ist auch, was meiner Meinung nach eine gewisse Herausforderung darstellt, dass das Design am Boden und vor allem in der Luft optisch was hergibt. Bei der Übertragung arbeitete ich, wenn es möglich war, mit einem Beamer. Bei der Positionierung der Motive musste man aufgrund verschiedener Anbauten und Öffnungen etwas flexibel sein. Der Rest ergab sich dann bei der Arbeit und war sicherlich oft auch Gefühlssache. Farben durften nur jene verwendet werden, welche auch vorgeschrieben waren, was aber aus künstlerischer Sicht kein Problem darstellte.

Welche Materialien hast du verwendet?

Christian: Von den Farben her waren das 2K-Lacke, welche laut technischer Anweisung verwendet werden durften. Materialien, welche die Flugsicherheit beeinträchtigen könnten, sind nicht erlaubt! Um nicht nur das Design zu schützen, sondern auch um Reflektionen so gering wie möglich zu halten, wurde anschließend ein matter 2K-Lack aufgetragen.

Bleibt die Lackierung dauerhaft auf dem Flugzeug bzw. Hubschrauber, oder wird das Design wieder überlackiert?

Christian: Da beide Maschinen aufgrund ihres hohen Alters in naher Zukunft außer Dienst gestellt werden, wird die Lackierung, denke ich, bestehen bleiben. Und ich hoffe, dass sie dann auch einen guten Platz bei den Staffeln oder einem Museum finden.

Gibt es noch mehr von dir bemalte Flugzeuge, Hubschrauber oder andere Objekte beim Bundesheer?

Christian: Neben den bereits erwähnten BAe Hawk, Saab- 105OE und der Alouette III landeten eine Pilatus PC-7, ein paar AB-212 Transporthubschrauber, die mit deren Staffellogos versehen wurden, und eine weitere Saab-105OE unter meiner Airbrush-Gun. Zudem erhielten auch einige Fliegerhelme der Piloten und Techniker vom Bundesheer, Flugpolizei und Flugrettung bereits ein Design. Auch weitere sogenannte „Paint schemes“ sind bereits in Planung, aber da möchte ich noch nicht zuviel veraten! Ein Traum von mir wäre da natürlich noch der Eurofighter!

Hast du die Projekte „dienstlich“, also im Rahmen deiner Soldatentätigkeit gemacht, oder bist du quasi zusätzlich „als externer Airbrush-Künstler“ beauftragt worden?

Christian: Ja, dafür gab es einen offiziellen Dienstauftrag, also dienstlich.

Was malst/bemalst du sonst so – wenn es mal kein Flugzeug ist?

Christian: Lach…:D Eigentlich quer durch die Bank. Am liebsten sind mir aber Wandgestaltungen, Helme und Bikes.

Hast du Lieblingsthemen/ -motive?

Christian: Ich finde Porträts und Tierporträts ziemlich cool! Sie sind für mich persönlich die Königsklasse in Sachen Airbrush und man kann damit Bilder richtig zum Leben erwecken. Speziell im Augenbereich kann man da einiges rausholen.

Vielen Dank, Christian, dass du uns einen Einblick in diese außergewöhnliche Kunst gegeben hast. Und den Staffeln wünschen wir weiterhin einen guten Flug!