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Christiane kaufte unwissentlich ein krankes Hundebaby von Internet-Schmugglern: „Wir fielen auf die Welpen-Mafia rein“


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 9/2020 vom 20.02.2020

Und damit ist sie kein Einzelfall! Denn ein kleines Fellknäuel weckt Beschützerinstinkte. Der Knopfaugen-Blick, der tapsige Gang … Genau diese Gefühle, die Liebe zu Hunden, nutzen skrupellose Händler für ihr Riesengeschäft aus. Doch jetzt haben Tierschützer die Jagd aufgenommen


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 9/2020

Christiane und Emilie trauern um ihren „Lucky“. Sie hatten ihn über eine Anzeige gefunden (u.) – er starb nach einer Woche


Christianes Augen füllen sich mit Tränen, wenn sie an das traurige Schicksal von ihrem „Lucky“ denkt. Er starb binnen einer Woche, nachdem sie ihn bei einer Frau in einem Berliner Hochhaus für 375 Euro gekauft ...

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... hatte – mit Impfpass. „Ich hatte extra noch nachgefragt, warum der Kleine so schlapp ist“, erzählt sie. „Die Verkäuferin redete sich mit einer gerade erfolgten Impfung raus.“

Christiane glaubt ihr. Und erfährt nur einen Tag später bei der Tierärztin: In Wahrheit litt ihr kleiner Jack-Russell-Welpe an der Viruserkrankung Parvovirose. Für Menschen ungefährlich, für Tiere oft tödlich, wenn nicht rechtzeitig behandelt. „Lucky“ hatte keine Chance: Er war zu schwach. „Ein Mafia-Hund“, stellt die Tierärztin fest. Die Fellnase war in Osteuropa von einer Hundemama geboren worden, die nur dazu dient, einen Welpen nach dem anderen auf die Welt zu bringen. Viel zu früh wurde das Baby von ihr getrennt und vermutlich schon krank mit gefälschten Impfpässen quer durch Europa transportiert.

Christiane Schmidt (58) und ihre Tochter Emilie (18) sind auf eine illegale Welpenhändler-Bande reingefallen – und dass „nur“, weil sie auf ein Ebay-Kleinanzeigen-Inserat geantwortet haben: „Süße Jack-Russell-Mix-Welpen zu verkaufen.“ „Ich hätte stutzig werden müssen, als wir für die Besichtigung in letzter Minute woanders klingeln sollten“, weiß die Altenpflegerin heute. „Doch als wir den süßen Kerl sahen, war alles zu spät. Wir wollten ihn unbedingt.“

Birgitt Thiesmann von der internationalen Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ kennt solche Sätze schon. Sie weiß: „In dem Moment, wo man den Welpen auf dem Arm hat, werden alle Bedenken verdrängt, um das süße Tier zu retten.“ Der grausame Handel mit Rassewelpen boomt: Sie werden in schlimmen Verließen, wo Hündinnen pausenlos besamt werden, geboren.

Dann schnell im Internet zum Verkauf angeboten. Was man ihnen da nicht immer ansieht: Weil sie noch so jung sind, ist ihr Immunsystem nicht stark genug. Viele leiden an hoch gefährlichen und ansteckenden Darmparasiten. „Für den Verkauf werden sie mit Aufputschmitteln fit gespritzt, wirken oft wohlgenährt. Dabei sind die Welpen verwurmt, haben deshalb einen dicken Bauch“, warnt „Vier Pfoten“- Kampagnen-Verantwortliche Daniela Schneider. Auch der Tierarzt kann oft nichts mehr tun. Viele Hunde sterben, müssen eingeschläfert werden.

Volltreffer! Die Polizei hat in Zusammenarbeit mit „Vier Pfoten“ einen Welpenhändler erwischt


„Vier Pfoten“ hat der Welpenmafia den Kampf angesagt. Birgitt Thiesmann: „Seit drei Jahren fordern wir von Ebay-Kleinanzeigen, Angebote für Tiere so zu regulieren, dass die Verkäufer nicht mehr anonym bleiben können.“

Bislang habe sich da nicht viel getan. Auf BILD der FRAUNachfrage erklärt Pierre Du Bois, Sprecher von Ebay-Klein- anzeigen: „Den illegalen Händlern auf die Schliche zu kommen ist für uns extrem schwer. Die geben sich oft als seriöse Privatleute aus. Wir geben unser Bestes, das Geschäft zu unterbinden, haben für besseren Schutz gesorgt: Ein privater Nutzer kann beispielsweise nur eine Anzeige im Jahr schalten, um einen Hund zu verkaufen. Will jemand gewerblich Tiere vermitteln, erfragen wir eine behördliche Genehmigung.“

Falls Sie ein Tier anschaffen möchten …

… schauen Sie sich im Tierheim um. Dort gibt es viele Welpen, auch Rassehunde. Sollten Sie sich für einen Welpen von einem Züchter entscheiden, rät „Vier Pfoten“:
■ Lassen Sie sich das Muttertier (mit sichtbarem Gesäuge) zeigen sowie Impfpass und Zuchtpapiere. Ein Kaufvertrag sollte ebenfalls vorliegen.
■ Verkäufe zwischen „Tür und Angel“ oder im Freien sind immer (!) unseriös.
■ Finger weg von Welpen, die jünger als acht Wochen oder krank wirken.
■ Nach dem Kauf sofort zur vorsorglichen Untersuchung zum Tierarzt gehen.


” Wir werden den Tierquälern das Handwerk legen
Birgitt Thiesmann


Und Verkaufsanzeigen für Hunde zu verbieten? Davon hält man bei Ebay-Kleinanzeigen nichts. „Seit Jahren werden Tiere von Privatleuten angeboten – etwa auch via Zeitungsannoncen. Sogar Tierheime nutzen unser Angebot. Aber der eigentliche Verkauf findet immer vor Ort statt“, sagt Pierre Du Bois.

Um den illegalen Welpenhändlern das Handwerk zu legen, deckt „Vier Pfoten“ immer wieder kriminelle Händler auf. Birgitt Thiesmann ist im Undercover-Einsatz, geht Anzeigen von betrogenen Käufern nach, gibt sich als Hunde-Interessentin aus, schlägt dann mithilfe von Veterinäramt und Polizei zu.

Mehr kann und will sie über ihre Mission nicht verraten. Sie appelliert: „Es fliegen zwar Welpentransporte auf. Doch nur eine lückenlose Rückverfolgbarkeit kann diese Händler stoppen. Dafür brauchen wir endlich gesetzliche Regelungen.“

Eingepfercht in Mini-Käfigen: Wenn „Vier Pfoten“ mit Polizei und Tierarzt illegale Welpentransporte wie diese (l.) aufdeckt, stoßen sie auf verwahrloste Tierbabys


Christiane und Tochter Emilie haben die Frau, die ihnen den todkranken „Lucky“ verkauft hat, nie mehr ausfindig machen können. Aber daraus gelernt: Seit zehn Monaten wedelt ein neuer Hund durch ihr Leben. „Balou“ – ein Labrador-Rüde von einem Züchter. „Wir wollten alles richtig machen“, erklären sie. Zweimal sind sie zu der Züchterin gefahren, durften sich in Ruhe die Welpen anschauen, die Mutter sehen. Und sie haben heute noch Kontakt. „Demnächst gibt es ein Treffen mit den Haltern der Geschwisterhunde“, freuen sie sich.

Und „Lucky“? Wird für immer in ihrem Herzen bleiben.

INFOS & HILFE:

www.stoppuppytraders.org
www.vier-pfoten.de/welpenhandel

„Es geht nur um schnelles Geld mit der Ware Hund“

Manfred Karremann, „37 Grad“-Autor und Investigativ-Filmemacher


Lieber Herr Karremann, Sie decken seit Jahren Tiermisshandlungen auf.
Was schockiert Sie am meisten an der Welpenmafia?
Wie schnell ein geschätztes Haustier in den falschen Händen zur bloßen Ware wird. Bei verdeckten Recherchen habe ich festgestellt: Verluste sind einkalkuliert. Ob die Welpen aus dem Osten bei den Käufern überleben, war dahingestellt. Es ging den dubiosen Händlern allen nur um eins: schnelles Geld mit der Ware Hund zu machen.

Was muss sich ändern?
Die Strafen für Händler und Tierärzte, die sich am illegalen Handel beteiligen, müssen drastisch sein. Dazu müsste der Onlinehandel streng reguliert werden: Wer Welpen anbietet, sollte seine kompletten Daten angeben müssen.


Fotos: Andreas Friese, dpa, Shutterstock, Feuerwehr Schifferstadt/VIER PFOTEN, Polizei Unterfranken/VIER PFOTEN, VIER PFOTEN (2), privat