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CHRISTIN NEDDENS: DIE DINGE selbst in der Hand


drums & percussion - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 14.08.2019
Artikelbild für den Artikel "CHRISTIN NEDDENS: DIE DINGE selbst in der Hand" aus der Ausgabe 5/2019 von drums & percussion. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: drums & percussion, Ausgabe 5/2019

Noten-Download: Hier gibt‘s ein paar von Christins Lieblings-Warmups:http://bit.ly/2nIhmTU


CHRISTIN NEDDENS gehört zu den verheißungsvollsten Newcomern hierzulande. Sie verfolgt geradlinig ihre Ziele und rührt derzeit in allerlei Töpfen: Im Spätherbst steht das Albumdebüt ihres Soloprojekts »Christin Neddens’ Orange Line« an. Jüngst war sie an der Seite von Nils Landgren und Helge Schneider live zu sehen – ob daraus mehr wird, verrät sie im Interview


Christin, wie verlief deine musikalische Sozialisation?

Ich komme aus einem Architektenhaushalt und einer zugleich sehr musikalischen Familie. Mein acht Jahre ...

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... älterer Bruder hat sich schon sehr früh für Jazz und Fusion interessiert und Bands wie Jaco Pastorius’ Word of Mouth Big Band, Weather Report oder John Sco_ eld gehört. Davon beein_ usst begann ich ebenfalls, mich mit mit acht oder neun Jahren für diese Musik zu interessieren. So habe ich schon in früher Kindheit Jazzrock- und Fusion Platten der Sechziger- und Siebzigerjahre gehört und hatte großen, kindlich-naiven Gefallen daran. Die Energie und risikobereiten Improvisationsmomente dieser Musik haben mich damals schon fasziniert, und das ist bis heute geblieben.

Welchen Weg bist du dann gegangen, um Schlagzeugerin zu werden?

Ich habe mich schon immer als Teamplayer in verantwortungsvollen Positionen wohlgefühlt, ob nun beim Mannschaftssport oder eben in Bandbelangen. Vom Typ her bin ich eher risikofreudig und unerschrocken. Als Kind hat mich bei Livekonzerten das Schlagzeug durch die dynamische Power und Optik fasziniert – ich hatte ziemlich schnell einen Draht zu diesem Instrument, vielleicht auch aus haptischen Gründen. Ich begann mit Schlagzeugunterricht und zeitgleich mit Klavierunterricht. Das war der Deal mit meinen Eltern: Wer Schlagzeug lernen will, muss zeitgleich ein Harmonieinstrument lernen für ein besseres Musikverständnis. Da lag das Klavier nahe. Dafür bin ich letztlich dankbar, denn an Musikhochschulen ist Klavier P_ ichtfach – meiner Meinung nach eine coole Sache. Es ist fürs Komponieren unerlässlich.

Studiert hast du zunächst an der Musikhochschule Hannover, später in Groningen und Hamburg. Wie kamst du dann zum Studium bei Peter Erskine in L.A.?

Bei einem Großteil meiner damaligen Lieblingsplatten – etwa bei Jaco Pastorius’ »Invitation « – _ el mir auf, dass Erskine da trommelt. Ich habe dahingehend gezielt recherchiert, CDs gekauft und sein Spiel ausgecheckt, gleichzeitig geschaut, ob er irgendwo unterrichtet. Da entdeckte ich die University of Southern California mit ihrer tollen Musikabteilung: Bob Mintzer als künstlerischer Leiter und die komplette Yellowjackets- Clique als Dozentencrew vor Ort. Ich favorisiere oft Dinge, die auf den ersten Blick unmöglich erscheinen – und dann letztlich doch realisierbar sind. Zum anderen mag ich es, einen Weg einzuschlagen, den vorher noch nicht so viele gegangen sind. Für mich wirkte auch deshalb L.A. immer ein wenig reizvoller als New York, wo schon viele zum Jazzstudieren hingingen. Und so kam es letztlich nach längerer Prozedur dazu, dass ich bei Peter Erskine an_ ng zu studieren.

Klingt so, als könnte da jeder studieren – musstest du keine Hürden nehmen?

An der University of Southern California gibt es strikte Auditions mit einer klassischen Aufnahmequote von circa acht Prozent. Erskine, Mintzer und Co. sitzen in der Jury und entscheiden, wen sie unterrichten wollen. Dementsprechend musste man vorspielen, nachdem man zuvor ein Video nach strengen Vorgaben eingereicht hatte und zum Vorspiel ausgewählt wurde. Wir waren insgesamt drei Masterstudenten in unserem Jahrgang bei Erskine, also eine sehr kleine und individuelle Abteilung, was mir sehr zugute kam.

BIOGRAFIE

Christin Neddens , Jahrgang 1986, wuchs in der Lüneburger Heide auf und studierte Schlagzeug bei Heinz Lichius an der HfMT Hannover, Ralph Peterson Jr. am Prins Claus Conservatoire in Holland und bei Holger Nell an der HfM Hamburg. Zeitgleich wurde sie Mitglied in diversen Jugendbigbands des Leiters Prof. Jiggs Whigham. Mit einem Stipendium ging sie an die USC in Los Angeles, wo sie bei Peter Erskine und Jeff Hamilton studierte. Danach ließ sie sich in Hamburg nieder, wo sie den Kontaktstudiengang Popularmusik absovierte. Sie gastierte bereits auf diversen Festivals und tourte u.a. in der Ukraine, Jordanien, Togo, China und den USA. Die freischaffende Musikerin und Komponistin ist Teil vieler genreübergreifender Projekte und Protagonistin der Fusion-Surf-Rock Band »Christin Neddens’ Orange Line«

Gab dir der Unterricht das Rüstzeug für deine Karriere?

Nicht ausschließlich, aber der Aufenthalt in L.A. kam für mich im entscheidenen Moment und war richtungsweisend und identitätsstiftend. Als ich in Deutschland an_ ng Jazz zu studieren, habe ich mich unter den Jazzern oft als Popmusikerin gefühlt und umgekehrt. Mir miss_ el hierzulande schon immer die strikte Trennung zwischen den Musikstilen. Ich war immer Fan von ›westcoastgeprägter‹ Musik wie Graham Central Station, Tower of Power, Red Hot Chili Peppers oder Steely Dan; für mich vermitteln diese Bands ein leichtes, entspanntes, eben kalifornisches Lebensgefühl, das man auch in den Straßen L.A.s wieder_ ndet: Man steht auf dem Sunset Boulevard und beginnt von alleine zu verstehen, warum Bands wie Earth, Wind & Fire ausgerechnet dort entstanden sind und so klingen. Auf dem Campus der University of Southern California gab es außerdem jeden Freitagnachmittag Workshops: In der ersten Woche meines Studiums war Al Jarreau da, die darauf folgende Woche der Manager der Red Hot Chili Peppers und in der dritten Woche tatsächlich Earth, Wind & Fire. Klar, die wohnten da ja auch um die Ecke, erzählten aus ihrem Leben und dem Musikbusiness – das waren wunderbar inspirierende Nachmittage!

Was blieb Erskine da zum Unterrichten übrig?

Den Unterricht bei ihm fand ich super: Er legte Wert auf Sound, Time und Phrasing und war immer darauf bedacht, dass seine Studenten mit »gutem Geschmack« spielen – im Sinne von »let the music tell you what to play« und »less is more«. Er hat dabei nie versucht, jemandem seinen spielerischen Stempel aufzudrücken.

Wie siehst du die erwähnte ›Lagerspaltung‹ zwischen Jazz und Pop heute?

Für mich war Bigband immer die optimale Schnittstelle zwischen Jazz und Pop. Ich mag den klaren Fahrplan, verstehe aber auch, dass vielen Jazzern der improvisatorische Ausdrucksmoment und die Interaktion im Bigband-Setting zu kurz kommt. Das muss jeder, je nach Ausdrucksbedürfnis, selbst entscheiden, _ nde ich. Ich mag jedenfalls die Transparenz und das Groovedesign in der Popmusik und liebe gleichzeitig den jazzigen Approach. Dabei lasse ich mich im Alltag von ganz unterschiedlichen Musikern und Trommlerkollegen, auch aus der Avantgarde- oder Punkszene, inspirieren. Wenn ich aber selbst schreibe, zieht es mich kompositorisch immer eher zu ästhetisch ›schönen‹, sanglichen Melodien und unsperrigen Harmoniefolgen, die Groove-Elemente aus dem Gospel-, Surf-Rock-, Fusionbereich und einen tänzerischen Gestus haben. Demnach mache ich wohl eher Jazz für Leute, die keinen Jazz mögen [lacht].

Du sprichst vom Projekt »Orange Line«?

Ja, in meinem Bandprojekt »Orange Line« kombiniere ich all diese Parameter: Die Klarheit aus dem Pop, die Interaktion und Improvisation aus dem Jazz und den energetischen Druck aus dem Rock. Sehr glücklich bin ich über meine Bandkollegen, die eben genau diese Vielfältigkeit in ihrem Spiel mitbringen und wunderbar zwischen den Genres agieren können: Ruben Roeh (g), Felix Waltz (keys, moog), Tim Steiner (b). Das musikalische Verständnis untereinander funktioniert wunderbar, obwohl wir alle aus so unterschiedlichen Bereichen stammen.

EQUIPMENT

Drums: Yamaha »Maple Custom« oder »Recording Custom« 20˝ x 16˝ Bassdrum, 10˝ x 9˝, 12˝ x 10˝ Toms, 16˝ x 16˝ Floortom, Snares: 14˝ x 6˝ »Hybrid Maple«- oder 14˝ x 6,5˝ »Recording Custom«-Brass
Felle : Remo (Coated,
»Ambassador« (Snare),
»Emperor« (Toms),
»Diplomat« (Reso),
»Powerstroke 3« (Kick))
Cymbals: Meinl »Byzance «
14˝ »Jazz Thin«-Hihat
19˝ »Vintage Trash«- Crash
19˝ »Extra Dry Thin«- Crash
19˝ »Extra Thin Hammered «-Crash
20˝ »Clubride«
21“ »Vintage Pure«- oder
21“ »Transition«-Ride
22˝ »Big Apple Dark«- Ride
Stöcke: Meinl-Sticks u. -Brushes (SD1 Concert, Bamboo- / Bamboo- Light-Rods, Standard-Wire-/ Light-Husk-Brushes, Medium-Mallet)
Sonstiges: Mr. Muff, Skygel-Damperpads

Wird’s ein Album geben oder Livegigs?

Einige Termine stehen schon. Im Spätherbst ist dann die Aufnahmesession für ein Album geplant. Aktuelle Termine werde ich auf meiner Website posten – am besten dort öfter mal checken.

Als »Sidewoman« hast du grad mit Nils Landgren beim »Young Euro Classic«-Festival in Berlin gespielt – ein Ritterschlag für jeden Jazzer?

[Lacht]. Das war eine super Sache, na klar! Mit Nils zu spielen, ist natürlich etwas Besonderes; er hat so einen warmen, wendigen und unglaublich präzisen Ton, der auf der Posaune selten ist. Ich bin dankbar, mit diesem Konzert dieses Jahr bereits das dritte Mal im Konzerthaus Berlin gespielt haben zu dürfen. Im Herbst spiele ich meine erste kleine Produktion mit der NDR-Bigband, was ebenso ein kleiner Ritterschlag in der Jazzwelt ist. Persönliche Kontakte, Ratgeber und Wegweiser sind dabei auf Strecke natürlich unabdingbar, und da ist Jeff Hamilton zu nennen, vor allem aber Wolfgang Haffner – von ihm habe ich ganz viel gelernt.

Pate bei »Young Euro Classic« war Helge Schneider, der für eine Spontansession mit Landgren und dir die Bühne enterte. Er ist so etwas wie eine lebende Schnittstelle zwischen Jazz und Pop – eine Idealbesetzung für dich?

Mit Helge war es unnachahmlich humorig. Er zeigte sich als nahbar und wirkte auf mich musikalisch vertraut. Das lag wohl an der beidseitigen Jazzsozialisation: Er _ ng an zu improvisieren und ich stieg mit einem Brushpattern ein, woraufhin Nils dazukam. Abgesprochen war da nichts. Beim Spielen habe ich gemerkt, was für ein Wahnsinnsmusiker Helge ist: Er spielt musikalisch total ausgreift, hat einen super Sound und phrasiert tierisch. Man merkt sofort, was er in der Musikwelt bereits an Kilometern zurückgelegt hat. Hinter der Bühne haben wir uns sofort verstanden und lange unterhalten. Helge ist ein richtig guter Typ [lacht].


ICH MACHE WOHL EHER JAZZ FÜR LEUTE, DIE KEINEN JAZZ MÖGEN


Vielleicht beruft er dich als die neue Helge- Schneider-Drummerin?

[Lacht]. Kann schon sein, dass es da in Zukunft zu einer Zusammenarbeit kommt…

Worauf legst du bei all deinen Aktivitäten den Fokus?

Ich versuche zurzeit kompromisslos, nur noch das zu machen, worauf ich wirklich Lust habe und wohinter ich zu hundert Prozent stehen kann. Ich habe für mich herausgefunden, dass mir Diversität sehr gut tut: Ob kleine volle Clubgigs, Konzerte in größeren Hallen, Festivalgigs, Studio- oder TVJobs, Touren in fernen Ländern – die Abwechslung macht’s! Ich zehre dabei sehr von den unterschiedlichen Herausforderungen, einschließlich aller Risikomomente. Das gibt mir wahnsinnig viel Energie. Wichtig ist mir außerdem, Dinge selbst in der Hand zu haben und nicht austauschbar zu sein. Dementsprechend geht mir das Herz auf, wenn ich meine eigene Musik schreibe und mit Musikern meiner Wahl performe.

NETZ

www.christinneddens.de

www.instagram.com/

christin.neddens

Fotos: Alex Bach / PR