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CHRISTINA VACCARO UND BARBARA FRIPERTINGER: Das Auge der Nacht ist der Verstand


Abenteuer Philosophie - epaper ⋅ Ausgabe 2/2018 vom 29.03.2018

Der Mond und sein Licht: Ohne den kleinen Trabanten würde uns die große Wirklichkeit blenden und wir könnten sie nicht sehen. Ein philosophisches Astrologieseminar mit Laura Winckler


Wie viele Gesichter hat eigentlich der Mond? Als ich am letzten Jännertag ins Herz der Steiermark nach St. Stefan ob Leoben fahre, habe ich keine Ahnung, dass es gerade an diesem Tag drei sein sollten: Der „Blutmond“, der „Blaue Mond“ und der „Supermond“. Die drei fallen nur alle 150 Jahre zusammen – eine seltene Konstellation und wohl beste Voraussetzung für Einsichten ins mystische Wirken des Mondes. Wie sich an diesen ...

Artikelbild für den Artikel "CHRISTINA VACCARO UND BARBARA FRIPERTINGER: Das Auge der Nacht ist der Verstand" aus der Ausgabe 2/2018 von Abenteuer Philosophie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Abenteuer Philosophie, Ausgabe 2/2018

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... Tagen herausstellen sollte, wirkt der Mond auf weit mehr Ebenen als nur auf der unserer Emotionen.

© Jason Kolenda | Dreamstime.com


Der Körper entspricht der Erde, die Sonne dem Geist und – Moment mal! – der Mond entspricht dem Verstand und den Gefühlen.


Hier muss ich kurz schlucken. Wenn ich auch keine bewanderte Astrologin bin, so ist doch allgemein bekannt, dass der Mond mit den Gefühlen in Zusammenhang steht. Aber mit dem Verstand?

Die Dreiheit des Menschen im antiken Verständnis


Die Analogie zu den Himmelskörpern nach Plutarch


Winckler formuliert es so: Die rein geistigen Ideen strahlen zwar in hellem Sonnenlicht, blenden uns aber gleichermaßen, sodass wir es vorziehen, ins sanftere Mondlicht zu blicken. Das Licht des Mondes ist gespiegeltes Sonnenlicht – es wärmt und verbrennt nicht.

Aufgeregt halte ich in meinem Notizbuch fest: „Im Leben werden zwei Formen des ‚Geistes‘ oder der Erkenntnis unterschieden. Ein direktes Erfassen der ‚solaren‘ Impulse und ein mittelbares oder ‚lunares‘ Verstehen über unseren Verstand oder Intellekt.”

Es macht Sinn, schaffen wir doch über Konzepte, Bilder und Vorstellungen mit unserem Verstand eine verkleinerte, gespiegelte Realität der Wirklichkeit. Dabei entsteht ein konsistentes Bild auf intellektueller Ebene – aber losgelöst vom Geist in seiner Urform, ohne die ursprüngliche Wärme und Strahlkraft. Die Konturen sind vielleicht nicht ganz scharf, das Farbenspiel reduziert, etwas zu dunkel und oft verwirrend. Alle Konzepte, Bilder und Vorstellungen sind in diesem Sinne nur ein Zwischenzustand der solaren und physischen Welt.


Der Mond verhilft dem Verstand, die solare Kraft zu assimilieren und umzuwandeln.


Die drei Arten des Denkens und Erkennens in der vedischen Tradition: Mit dem Verstand und Intellekt können wir – wie in der Höhle von Platon – nur glauben und vermuten. Wahre Erkenntnis gibt es nur außerhalb der Höhle – hier dargestellt im Dreieck auf einer höheren Ebene als das Viereck – mithilfe eines synthetisierenden Denkens (Manas) oder mit Intuition (Budhi)

Das erinnert an das Höhlengleichnis von Platon, wo wir nur die Schatten sehen und glauben, sie seien Wirklichkeit.

Der Verstand kann nicht direkt die Wahrheit schauen.

Ohne entsprechende innere Vorbereitung und Entwicklung würde die reine Wahrheit töten, warnen auch viele Mythen. So möchte etwa die griechische Selene die wahre Natur des Zeus sehen und verbrennt.

Der ungestüme Jüngling in Friedrich Schillers Gedicht „Das verschleierte Bildnis zu Sais“ stirbt, als er den Schleier der Wahrheit herabreißt.

Die Mysterienkulturen sagen, die reine Wahrheit kann nur durch Initiation erlangt werden, also mit der Aktivierung des „Solaren“ im Menschen. Die vedischen Traditionen sprechen von zwei Formen des Erkennens (Manas und Budhi) in Ergänzung zu unserem Verstand. Doch im Leben sind wir auf letzteren angewiesen.

Die Mondphasen

Der Kurs geht weiter. Winckler führt uns durch die verschiedenen Mondphasen, die den verschiedenen Stufen der Verwirklichung unserer Ideen entsprechen. Wir beginnen mit dem Neumond, der die Phase der Befruchtung repräsentiert. Die Sonne „befruchtet“ den Neumond, denn sie steht unmittelbar hinter ihm. Es beginnt die Projektion in eine neue Richtung. Ein Konzept, eine Vorstellung entwickelt sich. Nimmt der Mond zu, wird auch der erleuchtete Teil größer, unser Konzept beständig klarer und konkreter, bis es bei Vollmond in der vollen Verwirklichung oder Erprobung in der Praxis steht. Hier ist die Phase der Objektivität erreicht. Der Prozess kehrt sich um. Der Mond nimmt ab, es ist Zeit für Introspektion und Überprüfung. Hat sich unser Konzept bewährt oder muss es korrigiert werden? Beim Neumond schließt sich der Kreis. Wir empfangen wieder eine neue Idee, die wir mit der Erfahrung der Vergangenheit verknüpfen. Schritt für Schritt – Phase für Phase – erkennen wir mehr und mehr das sonnenhaft Geistige.

Nach zwei Tagen astrologischen Höhenflugs kommt das Ende fast zu schnell. Wir Teilnehmer können uns vom Thema noch nicht trennen. Wir tauschen unsere persönlichen Erkenntnisse untereinander aus und erzählen uns Witze in der Art von: „Was ist wichtiger? Die Sonne oder der Mond? – Die Sonne natürlich. – Nein, stimmt nicht. Die Sonne scheint ja am Tag, wo es sowieso hell ist. Der Mond aber scheint in der Nacht, wo es dunkel ist.“ Ohne den Mond wäre es einfach finster auf der Erde – nicht nur in der Nacht.

Anmerkung: Dieser Artikel entstand nach dem Besuch des Astrologieseminars von Laura Winckler: „Der Mond und seine 1000 Gesichter“ vom 31.1. – 2.2.2018, veranstaltet vom Treffpunkt Philosophie Neue Akropolis, in St. Stefan ob Leoben, Österreich.

© Edgloris Marys | Dreamstime.com

Der Blutmond: Bei einer totalen Mondfinsternis, wenn Sonne, Mond und Erde auf einer Linie liegen, verdunkelt sich der Mond nicht völlig, wenn er durch den Schatten der Erde zieht. Das Licht der Sonne wird durch die Erdatmosphäre gestreut und verursacht eine dunkelrote Färbung. Die Mondfinsternis aber war am 31.1.2018 nur in Asien, Australien und in Alaska sichtbar.

Der Blaue Mond: Diese Bezeichnung stammt aus dem Englischen: „Once in a blue moon“ und heißt frei übersetzt „nur alle heiligen Zeiten“. Im Konkreten meint es das eher seltene Ereignis von zwei Vollmonden in einem Kalendermonat – hat daher mit der Farbe Blau nichts zu tun. 2018 gab es sogar zwei Mal einen Blauen Mond: 2. und 31. Jänner und 2. und 31. März.

Der Supermond ergibt eine besondere Größe des Mondes, weil er sich in maximaler Erdnähe befindet.