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CINDY BLACKMAN-SANTANA: »Mit TROMMELN und BECKEN genug zu erzählen«


drums & percussion - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 05.06.2020

CINDY BLACKMAN-SANTANA spielt seit langem in der weltweiten Topliga. In ihren Anfängen von Tony Williams beeinfl usst, prägte sie ihren eigenen Stil und wurde als Drummerin von Lenny Kravitz weltbekannt. Hier erzählt sie, wie sie das Instrument für sich sprechen lässt – und warum auf ihrem neuen Album Metallica-Gitarrist Kirk Hammett mitwirkt.


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Bildquelle: drums & percussion, Ausgabe 4/2020

Cindy, du blickst auf eine ebenso erfolgreiche wie lange Karriere als Drummerin zurück. Was bedeutet dir das Instrument?
Ich war noch recht jung, als ich mit dem Trommeln begann. Wie bei vielen von uns waren die Töpfe und Pfannen meiner Mutter nie sicher vor mir ...

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... [lacht], wie sie mir später erzählt hat. So kam es, dass ich bereits mit drei Jahren ein Spielzeugschlagzeug bekam, obwohl das zu dieser Zeit nicht gerade das typische Instrument für ein Mädchen war. Darauf trommelte ich ein paar Jahre. Es machte mich glücklich, fühlte sich einfach ›richtig‹ an, und mit 13 erhielt ich mein erstes ordentliches Drumkit. Für mich hat Musik immer einen spirituellen Hintergrund: Sie ist die Verbindung unseres Inneren mit dem Universum und zudem die Möglichkeit, Millionen von Menschen zu erreichen, ohne die gleiche Sprache zu sprechen. Die Musik spricht für uns und verbindet unsere Energien.

Du spielst jetzt seit einigen Jahren in der Band deines Mannes. Wie hat dich Santana musikalisch beeinfl usst?
Meine Haltung und Herangehensweise sind gleich geblieben, aber er hat mir die Augen für eine völlig andere Art von Musik geöffnet. Carlos hat eine gigantische musikalische Bibliothek, speziell von afrikanischer Musik, die ich bis dahin gar nicht kannte. Mit der Band Santana zu spielen, hat mir persönlich enorm weitergeholfen. Es sind alles extrem gute Musiker, und die Band ist lange zusammen. Das merkt man sofort. Es gibt ein blindes Verständnis untereinander, und darauf kann ich mich verlassen. Es macht einfach total Spaß, dort mitzuspielen, und ich war quasi direkt in die musikalische Familie aufgenommen – als wäre ich schon immer dabei gewesen. Speziell Carlos und ich haben den gleichen Geschmack und lieben Offenheit in der Improvisation. Das ist bei Gigs grandios und eröffnet viele kreative Möglichkeiten. Ich möchte es nicht mehr missen.

Mit dem Projekt »Another Lifetime« hast du 2010 an die Arbeit von Tony Williams angeknüpft. Für die gleichnamige Tour hast du die Originalsongs der Band mit deinen eigenen Kompositionen kombiniert und den Jazzrock so auferstehen lassen. Wolltest du deinem Mentor ein musikalisches Denkmal setzen?
Ich liebe Tonys Stil und sein Spiel. Er hat die Musik unendlich bereichert und ihren Sound mehrfach verändert. Sein Tuning und seine Koordination machen ihn so innovativ und einzigartig. Ich habe Tony als Teenager bei einer Clinic kennengelernt und war sofort fasziniert von seinem Spiel. Er nannte das »controlled freedom«: diese Disziplin, die Improvisationen in höchster Form zu variieren und mit dem Song bzw.den Noten zu spielen, wie man möchte. Ich genieße diese abstrakte musikalische Verbindung – vorausgesetzt, alle in der Band haben das Wissen und das Können, sie umzusetzen.

Als ich mir vorhin deine Clinic angeschaut habe, fiel mir auf, dass du ohne Backgroundtracks arbeitest, was heute bei Drummern ja eher selten ist. Warum verzichtest du darauf?
Wenn ich die Gelegenheit habe, vor Fachpublikum zu spielen, dann nutze ich sie auch. Backing-Tracks sind dazu für mich nicht notwendig – ich habe auch so mit meinen Trommeln und den Becken genug zu erzählen, lasse der Kreativität einfach freien Lauf und lege los. Der Rest ergibt sich schon von allein. Ich lasse mein Set für mich sprechen.

Ein Schwenk zum Equipment: Deine Hihatcymbals sind ungewöhnlich locker montiert. Was brachte dich dazu, sie so unorthodox zu spielen?
Ich liebe es, so zu agieren. Die Hihat für sich ist ja schon ein vollwertiges Instrument. Ich habe die Becken immer so locker, dass sie schwingen und ihren vollen Sound entfalten können. So hat es Tony Williams auch immer gemacht. Die Cymbals müssen sich möglichst frei bewegen können, auch die Hihats, sonst stoppt man ja ihren Sound ab.


MIT DER SANTANABAND ZU SPIELEN, HAT MIR PERSÖNLICH ENORM WEITERGEHOLFEN


Du bist vor allem als Jazzerin bekannt. Einem großen Publikum wurdest du aber als Drummerin von Lenny Kravitz ein Begriff. Schlagen da zwei Herzen in deiner Brust?
Ich liebe Musik und Abwechslung. Außer Jazz gibt es noch viel andere gute Musik, die ich mit meinem Spiel bereichern kann und durfte. Lenny Kravitz oder Carlos Santana gehören dazu – Gigs, die ich nicht missen möchte und die ich immer noch liebe. Nur allein als Jazzdrummerin kann ich mich auf Dauer nicht verwirklichen und brauche die Herausforderung, beim Trommeln ständig etwas Neues auszuprobieren bzw.auf meine ganz persönliche Art zu agieren und zu reagieren.

Wie kommt es zu deiner Gesangspremiere bei »Give The Drummer Some«, und bei wie vielen Stücken auf dem Album singst du?
Es wird das erste Mal sein, dass ich so viel singe – das tatsächlich erste Mal, dass ich auf einer Platte gesungen habe, war auf dem Santana-Isley-Brothers-Album »Power of Peace«, wo ich eine Originalkomposition von mir mit dem Titel »I Remember« gesungen habe – auf meiner neuen Platte habe ich gleich bei rund zehn Titeln gesungen! Ich liebe Melodie und Harmonie, also ist das Singen für mich als Schlagzeugerin eine schöne Art, dies auszudrücken. Das Ganze ist auch deshalb interessant, weil es beim simultanen Singen und Spielen viel mehr zu beachten gibt. Ich wollte mein Bestes geben, also habe ich mir einen großartigen Gesangslehrer, Kudisan Kai, genommen und auch Hilfe von meinem Gesangsproduzenten, Narada Michael Walden, bekommen. Projektion und Kontrolle der Tonhöhe einer Note hinzubekommen, die Tonqualität, ob mit Vibrato oder ›gerade‹ – all das ist wirklich eine Herausforderung. Es hält mich wirklich auf Trab: Ich lerne viel und übe mich viel in Selbstkorrektur, wenn es nötig ist, um mein Allerbestes zu geben. Abgesehen davon versuche ich, so viel Spaß wie möglich zu haben, während ich jedes Lied mit so viel Energie und Qualität wie möglich darbiete.

Auffällig an Cindy Blackman-Santanas Setup sind die extrem locker aufgehängten Hihats: »Sie müssen schwingen können, wie alle Becken«, sagt sie dazu.


Kirk Hammett überrascht als Gitarrist neben Namen wie John McLaughlin und Carlos Santana etwas – musikalisch denkt man bei dir ja nicht gleich an Metallica. Wie kommt es zu der Zusammenarbeit?
Ha! Ich wollte mit Kirk spielen, weil ich seine Energie, seinen Sound und seine Ideen liebe. Es ist mir ganz egal, unter welchem Label seine Musik erscheint. Für mich ist viel wichtiger, wie sie rübergebracht wird und wie gefühlvoll, energiegeladen, mit welcher Einstellung und mit welchem Vibe das passiert. Kirk ist großartig in jeder dieser Kategorien, daher war ich wirklich begeistert, als er zusagte.

Heißt das, dass man dich auf deinem Album als Metaldrummerin erleben kann?
Ich lebe ja nicht in einer Blase und spiele auch nicht in einer – also: Würde ich Heavy Metal spielen? Wenn ich es fühle und Musikalität, Energie, Innovation und Vibe hinzufügen kann – dann ja!

BIOGRAFIE

Cindy [bürgerlich: Cynthia] Blackman-Santana wurde am 18. November 1959 in Yellow Springs, Ohio, geboren. Sie stammt aus einer musikalischen Familie: Ihre Mutter, eine klassische Musikerin, nahm sie oft zu Konzerten mit. Seit dem Alter von 13 Jahren nahm Blackman-Santana Unterricht und sammelte unter anderem im Orchester ihrer Highschool Spielerfahrung. Nach der Schulzeit zog sie nach New York, wo sie in den Achtzigerjahren ihre Karriere als Straßenkünstlerin begann. Ihre ersten Aufnahmen entstanden in den späten Achtzigerjahren, als sie mit dem Cindy Blackman Quartet erste akustische sowie elektrische Jazzalben veröffentlichte. Bekannt wurde sie als Schlagzeugerin von Lenny Kravitz, mit dem sie von 1993 bis 2004 arbeitete. 1997 erschien ihr Lehrvideo »Multiplicity«. 2010 kam sie in die Band von Carlos Santana, den sie im selben Jahr heiratete. Ihr neues Soloalbum »Give The Drummer Some« soll im Herbst 2020 erscheinen.

EQUIPMENT

Drums: verschiedene Gretsch-Kits (70er-Jahre-Vintage-, »USA Custom«-und »Broadkaster«-Kits) mit Tony-Williams-Kesselgrößen (24˝ Bassdrum, 12˝ und 13˝ Toms und 14˝, 16˝, 18˝ Standtoms, 14˝ x 6,5˝ Snare)

Cymbals: Istanbul Agop

22˝ »Mantra«-Ride

16˝ »OM«-Crash

20˝ »OM«-Crash/Ride

18“ »Mantra«-Crash

15˝ »Mantra«-Hihats

Felle: Remo »CS Black Dot« als Schlag-und Resonanzfelle, »Ambassador«-Coated (Snare)

Hardware: DW 5000-Bassdrumpedal, Stative aus der 3000-, 6000-und 9000-Serie

Stöcke: Vic Firth (»Cindy Blackman-Santana«-Signature-Modell)

DISKOGRAFIE

Auswahl) Cindy Blackman: Arcane (1988), In The Now (1998), Works on Canvas (2000), Another Lifetime (2010), Give The Drummer Some (erscheint 2020); mit Santana: Corazon – Live From México (2014), Africa Speaks (2019)

NETZ

www.cindyblackmansantana.com


Foto: Maryanne Bliham

Foto: Heinz Kronberger