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CINEMA INCOGNITO


Heimkino - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 16.07.2021

Akustisch optimiertes 7.1.5-Kino mit Doppel-Center und Double-Bass-Array

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NNahe Hannover besuche ich meinen heutigen Gastgeber, der mich bei sommerlichen Temperaturen gut gelaunt empfängt. Zur Erfrischung gibt es erst mal ein Kaltgetränk. Im großzügig bemessenen und gut klimatisierten Wohnzimmer, das ganz gemütlich im italienischen Stil eingerichtet ist, erfahre ich, was mich in den nächsten Stunden erwartet.

„Der Kinoraum soll für Filmbetrieb und Musikhören gleichermaßen geeignet sein“, erklärt mein Gastgeber. „Bei Spielfilmen liegt meine Priorität allerdings eher auf dem Bild. Ausnahmen sind Konzerte und Musikfilme. Beim Stereo-Musikhören zählt natürlich nur der Ton.“

Ich schaue mich um. Zu meiner Überraschung erinnert nichts im Haus ans Hobby. Keine Filmplakate, Repliken, Vintage-Produkte, die einen ersten Hinweis auf das eigene Lichtspielhaus liefern können. Das Kino scheint geheim zu sein. ...

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„Möchtest Du das Cinema Incognito mal sehen?“, fragt mich mein Gastgeber.

„Natürlich“, antworte ich voller Vorfreude und werde zu einer unscheinbaren weißen Tür geführt. Es ist der Eingang, der direkt vom Wohnzimmer abgeht. Völlig inkognito befindet sich dahinter das ganz in Schwarz gehaltene Heimkino. Was für ein Kontrast zum weißen Interieur des Living-Rooms.

Hinter der weiß gestrichenen Eingangstür befindet sich mit ein wenig Abstand eine zweite Tür. Wie in vielen kommerziellen Kinos dient diese Schleuse inklusive Doppeltür vorwiegend der Schalldämmung, damit der Sound nicht durch das ganze Haus wummert. Darüber hinaus hat die zweite Tür noch einen weiteren Zweck: Darin ist nämlich ein Lautsprecher verbaut.

Die musikalische Tür

Als ich das riesige Lichtspielhaus betrete, fällt mir sofort die neue Charakteristik des Raumklanges auf. Hinter mir schließt der stolze Kinobesitzer die Tür. Da alle technischen Komponenten, wie Endstufen, Vorstufe, Player und Projektor, außerhalb des Lichtspielraumes untergebracht sind, ist es hier jetzt ganz still.

Von der ersten Planung bis zur Fertigstellung hat das Projekt rund vier Jahre benötigt. „Handwerkliche Arbeiten sind nicht mein Ding, außerdem fehlt mir da auch das Talent“, lacht der Hausherr. „Das Planen hat mir hingegen viel Freude bereitet.“

Als eine echte Herausforderung stellte sich damals die Installation des linken Surround-Lautsprechers heraus. Dort wo dieser eigentlich hin gehört, befindet sich nämlich die Eingangstür. Eine Platzierung daneben kam damals nicht infrage. Auch sollte der Lautsprecher nicht für jeden Filmabend erst an seinen optimalen Platz geschoben werden. Daher wurde der große Surroundlautsprecher in die Tür verbaut (siehe Fotos). Aufgrund des hohen Gewichts mussten eine Spezialkonstruktion und verstärkte Scharniere her. Eine Blende aus Akustikstoff verdeckt den Speaker, so dass sich eine einheitliche Optik ergibt. Überhaupt gefällt mir, dass im Raum fast keine Technik zu sehen ist. Erst bei ganz genauer Betrachtung entdecke ich die vier Top Speaker für Dolby Atmos, die unter der akustisch behandelten Zimmerdecke angebracht sind.

Maßangefertigte Lautsprecher

Den Anspruch an einen exzellenten Klang hat der Inhaber konsequent umgesetzt. Passend für das Kino sind Lautsprecher exklusiv entwickelt worden, welche seine hohen audiophilen Ansprüche befriedigen. Hierbei handelt es sich um ein individuelles Vier-Wege System mit optimierten Schallabstrahlverhalten. Das ermöglichen die nach d’Appolitto angeordneten Chassis. Das Ziel: Horizontal strahlen die Lautsprecher gleichmäßig breit ab, vertikal gleichmäßig eng. Durch diese Schallführung werden ungewollte Reflexionen verringert.

Sechs dieser identischen Speaker verteilen sich unsichtbar im Raum. Vier davon sind als Rears an der Seite und hinten eingelassen. Zwei Frontlautsprecher befinden sich links und rechts neben der 3,85 Meter breiten Leinwand. Angesteuert werden die maßangefertigten Lautsprecher nicht von der Vorstufe, sondern von zusätzlichen mini DSPs. Die vier Wege werden damit einzeln phasen- und laufzeitkorrigiert getrennt. Das ist mit der Vorstufe nicht möglich.

Als Top-Speaker kommen vier KEF Q350 zum Einsatz. Deren Gehäuse wurde ebenfalls bearbeitet, so dass sie direkt auf den Referenzplatz abstrahlen.

Zwei weitere Lautsprecher sind mittig unter- und oberhalb der Bildwand platziert. Hierbei handelt es sich um einen Doppel-Center, der die Dialoge im Film exakt dazwischen abbildet, also auf Höhe der Leinwandmitte. Mit Akustikstoff-Blenden schließen die Speaker allesamt bündig an den Wänden ab.

Leinwand mit Doppel-Center

Üblicherweise wird im Heimkino nur ein einziger Center-Lautsprecher verwendet. Dieser wird mittig unter einer Leinwand platziert, oder auf 5/8-Höhe hinter einer schalldurchlässigen Bildwand. Nicht so in diesem Fall. Hier hat sich der Kinobesitzer dazu entschieden, einen Doppel-Center zu verwenden. Der Grund dafür leuchtet ein: Die Leinwand ist nicht akustisch transparent, trotzdem soll der Ton aus der Bildmitte kommen. Durch zwei Lautsprecher ist es nun möglich, dass Dialoge genau zwischen diesen wiedergegeben werden. Ähnlich wie bei klassischen Stereolautsprechern, bei denen Nachrichtensprecher aus der Mitte zu hören sind, wird mit einem Doppel-Center ebenfalls eine Phantom-Schallquelle erzeugt. Die mittige Ortung bleibt auch bestehen, wenn einer der seitlichen Sitzplätze verwendet wird, da sich der Abstand nicht nennenswert verändert zwischen Boden- und Decken-Center.

Ein weiterer Aspekt dieser Installation ist, dass der obere Lautsprecher als Teil der Dolby-Atmos-Installation Anwendung findet. Neben den vier Deckenlautsprechern für das Atmos-Setup kommt der fordere Center als fünfter Lautsprecher hinzu.

„Der Center ist zwar als Doppel-Center ausgeführt“, erklärt mir der Musikliebhaber, „den oberen Speaker zähle ich zusätzlich als 5. Lautsprecher der Höhenebene.“ Hintergrund: Die Trinnov Altitude 32 kann als Vorstufe objektbasierte Ton-Events aus Filmen exakt im Raum platzieren. Findet ein akustisches Ereignis mittig über der Leinwand statt, wird das zusätzlich vom obigen Center-Lautsprecher wiedergegeben. Clever.

Double-Bass-Array und Raumakustik

„Der Raumeingang an der Rückseite brachte für die Realisierung des DBA einige Probleme mit sich“, berichtet der stolze Kinobesitzer. „Damit die DBA-Rückwand eine geschlossene Fläche bekommt, habe ich eine zweite Tür einbauen lassen.“

Gleich 16 Peerless XXLS Chassis mit 12 Zoll werden in jeweils 70 Liter Gehäusen verbaut. Da es sich um eine dedizierte DBA-Anordnung handelt, kommen vorne acht und hinten acht Subwoofer zum Einsatz, die vorgabengetreu platziert worden sind.

Ein paar Akustikmaßnahmen sind gut zu erkennen. Dazu gehören Absorber und Diffusoren an der Decke.

„Den zentralen Deckenabsorber habe ich so gestaltet, dass er die Erstreflexion des oberen Centers an der Decke bedämpft“, erklärt mir mein Gastgeber. Da Reflexionen zum Hörplatz unerwünscht sind, sollte dieser Effekt so weit wie möglich vermieden werden. Auch vor dem unteren Center befinden sich Absorber. Mit der angewinkelten Basotectplatte wird der reflektierte Schall nicht in Richtung Referenzplatz gelenkt, sondern dort absorbiert. „Das Reflexionsproblem ist damit gelöst.“

Weitere Absorber und Diffusoren befinden sich an den Seiten- und Rückwänden Diese sind allesamt mit schwarzen Akustikstoff bezogen, damit sie nicht vom Filmgeschehen ablenken.

Unter den Podesten befindet sich ebenfalls Absorbermaterial. Dieses sorgt dafür, dass das Podest mit den Sitzen darauf nicht unnötig angeregt wird zu schwingen.

Film ab

Jetzt beginnt für mich der schönste Teil des Besuches: Der Bild- und Ton-Check. Und es gibt richtig was auf die Ohren. Zunächst startet mein Gastgeber mit Stereomusik. Was für ein Erlebnis. Ich vermisse nichts. Höhen, Mitten, Grundton, Bass, alles klingt vollkommen stimmig. Die Interpreten stehen mitten auf der Bühne. Wird der Pegel erhöht, schmeicheln die Lautsprecher immer noch meinen Ohren. Nichts verfärbt. Bass-Drums und Snare tönen total authentisch. Frauenstimmen klingen realistisch, so als ob die Interpretinnen vor mir auf der Bühne stehen und alleine für mich live singen würden. Großartig!

Als nächstes steht etwas gröbere Kost auf dem Programm. Der JVC DLA-X7000 projiziert die 4K-Fassung von „Mad Max: Fury Road“ auf die riesengroße Leinwand. Bereits das Warner Logo leuchtet in prächtigen Farben. Der hohe Kontrastumfang schält den Rost auf dem „W“ plastisch heraus. Als Max in der Wüste neben seinem Auto steht, tönt seine Stimme sonor und voluminös aus den Frontlautsprechern. Die Stimmen, die jetzt im Raum umherwandern, werden präzise auf und zwischen den Lautsprechern wiedergegeben. Es kommt zu keiner klanglichen Verfärbung. Das habe ich so gut bislang nur ganz selten in Heimkinos gehört. Als die Verfolger ins Bild rasen mit ihren futuristischen Autos, laufen die Subwoofer des DBA zur Hochform auf. Präzise werden feinste Tiefbassabstufungen in den Raum gedrückt. Von der Decke sind perfekt ortbare Effekte der Dolby-Atmos-Tonspur wahrnehmbar. Während der Dialogszenen werden die Stimmen präzise auf der Leinwandmitte platziert. Der Doppel-Center macht hier einen richtig guten Job. Selbst auf den Plätzen links und rechts neben dem Referenzplatz bleibt die präzise Darstellung erhalten. Das ist ganz großes Kino!

Fazit

Das CINEMA INCOGNITO ist ein echtes High-End-Heimkino, das mit überwältigender Akustik und einem XXL-Bild begeistert. Die speziell für den Raum entwickelten Lautsprecher vereinen Kino-, Studiound High-End-Klangeigenschaften. Raumgestaltung und handwerkliche Umsetzung sind makellos. In Summe wurde ein gemütliches Lichtspielhaus geschaffen, in dem auf höchstem Niveau Blockbuster, Konzerte und Stereo erlebt werden können.