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Ciopora Deutschland: „Züchter-Konzentration gefährdet nicht die Vielfalt“


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 09.03.2019

Gespräch mit Prof. Dr. Jürgen Grunewaldt als scheidenden Ciopora Deutschland-Geschäftsführer.


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Die Ciopora besuchte das Institut für gartenbauliche Produktionssysteme (Uni Hannover).


Prof. Dr. Jürgen Grunewaldt.


Fotos: Ciopor

Ende Februar traf sich die Züchtervereinigung Ciopora Deutschland zu ihrer alljährlichen Mitgliederversammlung – dieses Mal unter anderem am ehemaligen Fachbereich Gartenbau der Leibniz-Universität Hannover, um sich ein Bild von den laufenden Forschungsarbeiten zu machen. Prof. Dr. Jürgen Grunewaldt, bald scheidender Geschäftsführer Ciopora Deutschland, stellte sich in diesem Rahmen den ...

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... Fragen der TASPO.

Wie sieht Ciopora Deutschland die Konzentrationen durch Fusionen der Züchter?
Grunewaldt: Aus wirtschaftlichen Gründen und wegen der teils weltweiten Aktivitäten der Ciopora-Mitglieder ist eine Konzentration der Züchterhäuser unabwendbar. Anders als bei den Züchtern von landwirtschaftlich genutzten Arten befasst sich jeder weltweit tätige Zierpflanzen- und Obstzüchter, abgesehen von wenigen Ausnahmen wie Rosenzüchtern, mit einer breiten Palette von Arten. Insofern bleibt trotz Firmenfusionen die Vielfalt der Sorten erhalten. Und auch, wenn fachfremdes Kapital zur Ansammlung von zuvor agierenden Einzelfirmen in einem Firmenkonglomerat führt, entstehen zwar Wettbewerbsverschiebungen, beeinträchtigen aber noch nicht das breite Sortenangebot.

Wo besteht derzeit der höchste Forschungsbedarf bei der Züchtung?
Grunewaldt: Forschungsbedarf besteht bei der Entwicklung genetischer Marker und deren Integration in den Züchtungsablauf. Zu nennen sind hier: die genetische Analyse der Anpassung an veränderte Produktionsvorgaben und Witterungsabläufe und die Entwicklung dafür geeigneter Selektionsmarker, die Entwicklung von genetischen Markern für wirtschaftlich bedeutende Merkmale und deren Einsatz in der Marker gestützten Selektion und die Auswahl von Elterntypen für vorgegebene Merkmalskombinationen mit Hilfe molekularer Marker.

Wie steht es mit der Frage Verunreinigungen mit GVO (Gentechnisch veränderten Organismen) bei der Züchtung?
Grunewaldt: Das Auftreten transgener Petunien und die vergeblichen Anstrengungen, deren Herkunft lückenlos zu ermitteln, haben gezeigt, dass Zuchtmaterial vor seiner Verwendung auf eine mögliche gentechnische Veränderung hin zu untersuchen ist. Unsere Mitglieder haben Untersuchungen selber durchführen lassen und das Ergebnis für jedermann zugänglich publiziert, deshalb sind Züchter und Verbraucher auf der „sicheren Seite“.

Wie sehen Sie die EU-Gesetze zu GVO?
Grunewaldt: Zurzeit sind Freisetzung und Inverkehrbringen von GVO innerhalb der EU nicht gestattet. Ausnahmeregelungen betreffen beispielsweise „Mutanten, die aus langjährig angewendeter, sicherer Mutationsauslösung“ hervorgehen – durch energiereiche Strahlen oder mutagene Chemikalien. Spontan auftretende und induzierte Mutanten werden in großem Umfang zur Sortenentwicklung von vegetativ vermehrbaren Zierpflanzen und Obstarten genutzt. Sie sind daher unverzichtbare genveränderte Organismen, wie aus unserer Sicht auch solche aus „sicherer Mutationsauslösung“ und unter Verwendung der CRISPR/Cas-Technik hergestellte Pflanzen. Letztere aber wurden vom Europäischen Gerichtshof als GVO eingestuft: Anders als die Mutanten aus „sicherer Mutationsauslösung“ erhielten sie keine Ausnahmeregelung, dürfen nicht freigesetzt, nicht in Verkehr gebracht werden.

Rechnen Sie bei vegetativen Sorten damit, dass es Patente geben wird?
Grunewaldt: Das zuständige Europäische Patentamt (EPA) hat zurückliegend Patente, in denen Pflanzen einbezogen sind, erteilt – und auch widerrufen. Zurzeit werden anhänge Patentanträge bearbeitet. Grundsätzlich sehen wir die Patentierung als eine Möglichkeit, den Züchtervorbehalt wesentlich einzuschränken. Da die Anforderungen zur Erteilung eines Patentes und die Kosten erheblich sind, wird es keine Patentinvasion geben.

Wo sehen Sie die Zukunft der Züchtungsforschung an den Hochschulen?
Grunewaldt: Ciopora Deutschland sieht eine ihrer Hauptaufgaben in dem Erhalt von Lehre und Forschung in den öffentlich geförderten Einrichtungen in Deutschland. Ohne die wird zukünftig auch in diesen Bereichen die Nachfrage unter den wirtschaftlich stärkeren Bewerbern entschieden. Damit wären, bedingt durch den Marktwert der unterschiedlichen Arten, „kleinere“ Zierpflanzenzüchter zunehmend und stark benachteiligt. Auch Züchterhäuser mit eigener Züchtungsforschung brauchen ausgebildeten Nachwuchs aus den Hochschulen.