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CIOs engagieren sich für den Einsatz digitaler Lerntechnologien


Computerwoche - epaper ⋅ Ausgabe 48/2019 vom 18.11.2019

Der digitale Wandel zwingt Unternehmen, ihre Mitarbeiter technisch fortzubilden und sich mit innovativen Lerntechnologien zu beschäftigen. Wir haben drei CIOs beziehungsweise Digitalisierungverantwortliche gefragt, wie sie hier Fortschritte erzielen wollen (siehe „Die Fragen der Redaktion”, Seite 41 oben).


Artikelbild für den Artikel "CIOs engagieren sich für den Einsatz digitaler Lerntechnologien" aus der Ausgabe 48/2019 von Computerwoche. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Computerwoche, Ausgabe 48/2019

Von Karen Funk,Redakteurin, und

Hans Königes, leitender Redakteur

Fabian Mayer, Stadt Stuttgart: „Die Digitalisierung stellt für uns eine gigantische Herausforderung dar.”


Fabian Mayer, Erster Bürgermeister von Stuttgart

1 2 Die Digitalisierung stellt für eine große Verwaltung, also einen großen ...

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1 2 Die Digitalisierung stellt für eine große Verwaltung, also einen großen Dienstleister wie die Stadtverwaltung Stuttgart, eine gigantische Herausforderung dar. Wichtig ist es, die Beschäftigten von vornherein mitzunehmen und die Führungskräfte aktiv einzubeziehen. Aus diesem Grunde haben wir in der Weiterbildung parallel zur Vorstellung unserer Digitalstrategie einen neuen Bereich zum Thema digitale Kompetenz installiert, in dem alle 14.000 Mitarbeiter/-innen in den über 100 Berufsfeldern Informationen und Weiterbildungen zum Bereich Digitalisierung/neue Medien/Arbeit 4.0/agiles Arbeiten erhalten.

Für die Führungskräfte gibt es darüber hinaus entsprechende Vorträge und Workshops – etwa zu den Themen „Konstruktive und destruktive Führung im Zeitalter der Digitalisierung” oder zur Veränderungskompetenz. Im kommenden Jahr werden wir mit der internen Ausbildung von sogenannten Digital Movers beginnen, die innerhalb der einzelnen Ämter die Digitalisierung und die damit verbundenen Veränderungen vorantreiben sollen. Deren Weiterbildungskonzept wird klassische Module beispielsweise zu Digitalisierung, E-Government, Prozess- oder Veränderungs-Management enthalten, aber auch neue Module zum Einsatz innovativer Tools, etwa agile Methoden, Plattformen und künstliche Intelligenz.

Ein ganz wichtiges Thema sind bei uns die Führungskräfteentwicklung und alle Themen rund um das Onboarding neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, da wir mit einer hohen Altersfluktuation zu kämpfen haben. Hier gibt es ein Onboarding-Programm „Young Professional” für Hochschulabgänger, die neu bei der Stadt anfangen. Für Führungskräfte gibt es Kurse zu Themen wie Agile Führung 4.0 oder digitale Führungskompetenz. Die Veranstaltungen finden noch als Präsenzveranstaltungen statt. Jeder Fachbereich erhält bei uns ein Lernbudget für externe fachliche Schulungen, die internen fachübergreifenden Veranstaltungen organisiert unser eigenes Weiterbildungszentrum. Bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehen wir von durchschnittlich zehn Lerntagen im Jahr aus.

3 Wir legen auf die Qualifizierung und auf die Netzwerkkompetenz, die mit den fachbereichsübergreifenden Veranstaltungen generiert wird, großen Wert. Das ist insbesondere für die besseren internen Abläufe und die Arbeitgeberidentifikation unerlässlich. Neben dieser Netzwerkkompetenz sind auch Veränderungskompetenz – auch in Bezug auf neue technische Entwicklungen –, Diversity-Kompetenz und für uns als Dienstleister nach wie vor die soziale Kompetenz wichtig.

Externe fachliche Schulungen werden im Verwaltungsbereich fast ausschließlich in Präsenzveranstaltungen angeboten. E-Learning konnte sich bislang nicht durchsetzen, da für Behörden der gegenseitige Austausch und das Lernen von anderen oft im Vordergrund steht.

Martin Hofmann, Volkswagen: „Themen rund um Plattformen, Architekturwissen und Softwareintegration möchten wir künftig ausbauen.”


Die Fragen der Redaktion

1 Welche Themen und welche Kurse haben bei Ihnen zurzeit hohe Priorität? Wie werden sie umgesetzt? Wie lernen die Mitarbeiter?

2 Gibt es besondere Angebote, um die Mitarbeiter auf agiles Arbeiten oder die digitale Transformation vorzubereiten? Welche Rolle spielen dabei neue Lerntechnologien?

3 Welche Kompetenzen werden künftig wichtiger?

4 In welche Themen möchten Sie stärker investieren?

4 E-Learning-Angebote wie Webinare, Online-Lernangebote und VR-Brillen werden wir allerdings in den technischen Bereichen und im Themenfeld der IT schnellstmöglich aufgreifen, da das Angebot, die Inhalte und die besondere Lernsituation hier anders aussehen. Dies ist ein aktuelles und zentrales Projekt im Bereich der Weiterbildung. Die flächendeckende Einführung von Verfahren wie etwa eines E-Recruitment (wird derzeit flächendeckend ausgerollt), die E-Personalakte oder ein Dokumenten-Management-System erfordern eine schnelle und gute Qualifizierung vieler Mitarbeiter/-innen, E-Learning-Tools sind hier absolut notwendig. Ebenso wollen wir laufende Arbeitsschutzunterweisungen, Sicherheitsschulungen, Belehrungen etc.künftig als E-Learning beziehungsweise mit virtuellen Tools anbieten können.

Insbesondere das Themenfeld IT und Digitalisierung ist bei diesen Entwicklungen ein wichtiger Treiber. Um eine nachhaltige Aufgabenerfüllung seitens der Stadt sicherzustellen, müssen wir in der Lage sein, Alternativen zum regulären Bewerbermarkt zu schaffen und durch interne Qualifizierungsprogramme Funktionen im Bereich IT und Digitalisierung auch mit fachfremden Kräften besetzen können. Hier werden wir Weiterbildungsangebote ganz neu aufbauen und auch die Anzahl drastisch steigern müssen (Aufbau IT/Digitalkom petenz, Prozess-Management, Vernetzung/Collaboration, neue Arbeitsformen). Die Bereiche Personalentwicklung, Ausbildung und Weiterbildung sind bei uns eng verzahnt, so dass wir gerade auch in der Ausbildung immer wieder mit neuen Lernformen experimentieren und diese dann auch auf die Weiterbildung übertragen. Themen und Begriffe wie VR-Brillen, Barcamps, Projektlernen, Gamification sind dort durchaus schon geläufig.

Martin Hofmann, CIO Volkswagen

1 Alle technologischen Themen sind gefragt. Hohe Priorität für uns haben im Moment Schulungen zu Amazon Web Services und Microsoft Azure. Daneben sind nach wie vor Qualifizierungsangebote zu Entwicklersprachen wie Python und auch Java und C++ wichtig. Aber auch Methodenwissen – zum Beispiel Pair Programming und unsere Prozesse zur Sofwareentwicklung – werden gut nachgefragt. Stark im Kommen sind Angebote wie unsere selbst konzipierten Architekturschulungen.

Wir bieten mit Lernplattformen wie Pluralsight oder Open SAP Möglichkeiten des individuellen, orts- und zeitunabhängigen Lernens. Weitere Plattformen integrieren wir gerade zusätzlich. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass kooperatives Lernen in Gruppen gut unterstüt zend wirkt. Dies sind regelmäßige Treffen für den Austausch und gemeinsame Projekte. Klassenraumtraining findet noch da statt, wo wir technische Ausstattungen benötigen wie beim Thema CAD. Sehr spezielle Themen, die kleinere Mitarbeitergruppen betreffen, werden auch über externe Schulungen vermittelt.

Im Umfeld der digitalen Transformation diskutieren wir Möglichkeiten, unseren Beschäftigen eine definierte Stundenzahl pro Woche oder ganze Lerntage für die Weiterbildung anzubieten.

2 Es gibt diverse Angebote zum Thema agiles Arbeiten. Die Ausprägungen reichen hier von Angeboten zu agiler Softwareentwicklung bis hin zu agiler Organisation im Unternehmen. Wir setzen sie in erster Linie durch viel Gruppenarbeit in den Projekten um.

Was den Einsatz von neuen Lerntechnologien angeht, setzen wir nicht mehr nur auf eine Formel. Aus Online-Angeboten, Videos, Klassenraumformaten, Gruppen- und Projektarbeit wird der richtige Mix zusammengestellt. Es hängt davon ab, welches Vorwissen bei den Teilnehmern besteht, welche Rolle sie zukünftig wahrnehmen sollen und in welchem Umfeld gearbeitet wird. Bei individuellen Weiterbildungen kann zu 100 Prozent online gelernt werden. Sollen größere Gruppen geschult werden, wird der Präsenzanteil mindestens 50 Prozent betragen, um die Vernetzung der Teilnehmer untereinander zu fördern.

Hartmut Willebrand, H. & J. Brüggen: „Das Training geht immer mehr in Richtung Prozesse und Kommunikation.”


1. CW-Kongress zu Lerntrends

Wer mehr darüber erfahren will, welche Kompetenzen Mitarbeiter benötigen, um fit für die digitale Welt zu werden, und welche Technologien dabei zum Einsatz kommen, meldet sich am besten gleich an:

Lernen im 21. Jahrhundert

Digitale Kompetenzen und neue Lerntechnologien,

27. November im Airport Business Park.

https://lernen21.computerwoche.de

3 Fachlich auf dem neuesten Stand zu sein ist genauso wichtig wie Sozial-, Analyse-und Lösungskompetenz. Der technologische Wandel ist rasant, und erfolgreich ist man nur noch im Team und/oder Netzwerk.

4 Themen rund um Plattformen, Architekturwissen und Softwareintegration möchten wir künftig ausbauen.

Hartmut Willebrand, CIO H. & J. Brüggen KG

Hartmut Willebrand hat sich in seiner Antwort auf die folgenden drei Fragen konzentriert: Was lernen die Mitarbeiter, also welche Kompetenzen werden wichtiger, und in welche Themen investiert H. & J. Brüggen? Zweitens ist ihm wichtig, wie Mitarbeiter lernen, ob es dabei besondere Angebote gibt, und schließlich bleibt die Frage, wann die Beschäftigten lernen, ob sie etwa Klassenraum-Training intern oder externe Schulungen besuchen. Im Einzelnen heißt das:

Die Weiterbildung in der IT der H. & J. Brüggen KG setzt sich im Wesentlichen aus den folgenden drei Säulen zusammen:

• Externe Schulungen,

• Webinare,

• Training on Project/Operation.

Nach wie vor gehört die externe Schulung zum klassischen Repertoire der Weiterbildung. Grundlegende neue Themen bis hin zu Zertifizierungen der Hersteller sind ein fester Bestandteil. Mitarbeiter sind zwischen drei und fünf Tagen in einem Klassenraum-Training. Klarer Vorteil hier ist, dass sie sich voll und ganz dem Thema widmen können, kein „störender” operativer Betrieb lenkt sie ab. Fragen werden direkt mit dem Trainer in der Gruppe besprochen. Oft ergeben sich hier soziale Verbindungen, die weit mehr Nutzen haben können als nur das Training. Der Nachteil ist der hohe organisatorische Aufwand – wann finden Schulungen statt, passt es in den betrieblichen Ablauf, wo finden sie statt?

Ergänzt wird diese klassische Schulung durch kurze, themenbezogene Webinare. Teils direkt zu den Fragestellungen, die sich im Job oder der Tätigkeit ergeben, manchmal aber auch als Blick über den Tellerrand. Vorteil ist die hohe Flexibilität mit hohem Informationswert. Gute Webinare sind kurz und knackig. Wenn man es schafft, sie geschickt in den Alltag und den betrieblichen Ablauf zu integrieren, sind sie ein hervorragendes Mittel der Weiterbildung.

Training on Project – on Operation: mit Einführung neuer Themen, neuer Systeme erfolgt eine Weiterbildung über die Berater, die häufig diese Projekte begleiten. Für das Unternehmen ist es wichtig, das Beratungs-Know-how zum Mitarbeiter übergehen zu lassen und im Unternehmen zu halten. Auch hier gilt es, langfristige, intensive Partnerschaften aufzubauen.

Neben den klassischen IT-Kompetenzen (Server, Netzwerk, EUC, Applikationen wie SAP) geht das Training immer mehr in Richtung Prozesse und Kommunikation. Oder anders ausgedrückt, der Mitarbeiter benötigt Nähe zu den Prozessverantwortlichen, den Key Usern im Unternehmen. Aus rein technischer Sicht investieren wir in Themen rund um Datensicherheit und Datenschutz (DSGVO) und IoT. Aus Applikationssicht ist es weiterhin SAP, hier S/4HANA.


Fotos: Stadt Stuttgart; fotodesign-schilling.de

Foto: Hartmut Willebrand