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CLAIRE FOY: VERSCHWORUNG


deadline - das Filmmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 72/2018 vom 14.11.2018

GIRL IN THE SPIDER’S WEB


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Bildquelle: deadline - das Filmmagazin, Ausgabe 72/2018

»Und ich denke, wie bei vielen Leuten, die Tattoos bekommen, bekommt Lisbeth sie, um einen bestimmten Punkt in ihrem Leben zu markieren.«


DEADLINE: Hattest du die Bücher gelesen und kanntest die Figuren?
CLAIRE FOY: Ja. Ich habe die ersten beiden gelesen, also kannte ich es auf jeden Fall. Ich glaube, jeder kann dies behaupten. Sie (Lisbeth Salander ) ist eine Art moderne Ikone geworden. Und ich habe die Bücher sehr geliebt. Ich fand es augenöffnend, speziell die Geschichte, welche sich um eine Frau dreht, und dass sie gleichzeitig die interessanteste Figur ist, der man folgt. ...

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DEADLINE: Hattest du die Bücher gelesen und kanntest die Figuren?
CLAIRE FOY: Ja. Ich habe die ersten beiden gelesen, also kannte ich es auf jeden Fall. Ich glaube, jeder kann dies behaupten. Sie (Lisbeth Salander ) ist eine Art moderne Ikone geworden. Und ich habe die Bücher sehr geliebt. Ich fand es augenöffnend, speziell die Geschichte, welche sich um eine Frau dreht, und dass sie gleichzeitig die interessanteste Figur ist, der man folgt. Ich war ein Fan der Bücher, aber natürlich habe ich sie jetzt wieder, wieder und wieder gelesen.

DEADLINE: Erzähl ein wenig über ihren Charakter. Wer ist sie?
CLAIRE FOY: Die Sache mit Lisbeth ist, dass sie niemandem traut und dass sie in der Vergangenheit sehr verletzt wurde. In diesem Film ist sie auf gewisse Art und Weise ein ausgestalteter Charakter. Sie ist komplett unabhängig. Sie ist eine Kämpferin, und ich denke, dass sie für lange Zeit etwas zu bekämpfen hatte, und in diesem Film trifft man nun auf sie, und sie hat nicht wirklich einen Antrieb. Aber sie ist stärker als sie aussieht.

DEADLINE: Erzähl uns von dem Drachentattoo.
CLAIRE FOY: Das Tattoo ist die wichtigste Sache, weil es gibt bestimmte Tattoos, die sie im Buch hat. Ich wollte sichergehen, dass ich das respektiere und sie alle richtig rüberkommen. Und ich denke, wie bei vielen Leuten, die Tattoos bekommen, bekommt Lisbeth sie, um einen bestimmten Punkt in ihrem Leben zu markieren. Und beim Drachen war ich sehr darauf bedacht, dass es sich vom chinesischen Drachen weg mehr zu einem nordischen, einer Art skandinavischen Drachen bewegt, weil ich dachte, dass das bisher nicht erforscht wurde. Ich wollte sehr, dass der Flügel des Drachen meine Schulter ist, sodass ich ihn etwas bewegen konnte. Und wir hatten die Idee, dass es Flammen gibt, die aus dem Maul des Drachen den Nacken hochgehen.

DEADLINE: Kannst du das weiße Make-up erklären?
C L A I R E F OY: Sie übt eine eine Art Selbstjustiz aus. Sie ist sehr, sehr clever, also extrem intelligent, und deshalb weiß sie, dass sie nicht wiederekannt werden kann. Es ist mehr eine Kriegermaske, damit sie wissen, dass »du« Geschäft bedeutest.

DEADLINE: Was sind ein paar starke weibliche Elemente in diesem Film, die du schätzt?
CLAIRE FOY: Die Sache, die ich von Lisbeth mitnehme, ist weniger die Gewalt und weniger, physisch mit einem Mann auf einer Höhe zu sein, denn sie weiß, dass sie das nie ist. Aber was Lisbeth nutzt, ist ihre Intelligenz. Du kannst vielleicht nicht so stark wie jemand sein, aber du kannst auf eine andere Art schneller als sie sein. Du kannst dir deinen Weg aus einer Situation auf andere Art und Weise denken.

DEADLINE: Was war das Spezielle daran, mit Fede zu arbeiten?

CLAIRE FOY: Fede ist ein wirklich sehr spezieller Regisseur. Er ist so musikalisch. Er versteht das Filmemachen auf eine Art, dass er der Zuschauer ist, aber auch zur gleichen Zeit der Regisseur, was meiner Meinung nach sehr selten ist. Er versteht, wenn du den Rhythmus und das Tempo des Films ändern musst, um etwas über die Geschichte zu kommunizieren, aber er hat auch das Interesse des Publikums, damit sie etwas anderes über den Charakter lernen können. Er plottet es alles und weiß alles auf eine musikalische Art und Weise.

DEADLINE: Was sind Elemente dieses Films, die auf der großen Leinwand gesehen werden sollten?
CLAIRE FOY: Es ist ein Kinofilm, die Größe alleine und die Einstellungen, die Fede ausgewählt hat. Es ist so schön ausgeleuchtet. Ich glaube, er ist riesig im Sinne des Formats. Ja, er muss auf einer großen Leinwand gesehen werden.

DEADLINE: Wie war es, mit Sylvia Hoeks zu arbeiten?
CLAIRE FOY: Ich liebe Sylvia. Ich finde, sie ist toll. Ich denke, sie ist so eine talentierte Schauspielerin. Wirklich. Nach jeder Szene dachte ich mir, Sylvia, du bist so außergewöhnlich. Sie ist offen für alles. Sie ist voller Energie. Sie will mit Vollgas die Sache angehen. Sie will nicht auf Nummer sicher gehen. Sie ist mental sehr stark. Sie ist einfach brillant. Ich finde sie außergewöhnlich.

DE ADLINE: Findest du, dass die Geschichte globaler ist?
CLAIRE FOY: Ich finde den Film sehr interessant, weil er nicht nur ein Thriller ist. Es ist nicht nur ein Actionfilm. Im Herzen ist er sehr ergreifend und herzzerreißend.

OT: the girl in the SpiDer’S weBRegie: Fede Alvarez / USA 2018 / 117 Min.Darsteller: Claire Foy, Sverrir Gudnason, Sylvia Hoeks, Vicky Krieps, Lakeith Stanfield, Christopher ConveryProduktion: Scott RudinFreigabe: FSK 16Verleih: Sony PicturesStart: 22.11.2018

Lisbeth Salander (Claire Foy ) und Mikael Blomkvist (Sverrir Gudnason ) haben bereits seit einiger Zeit keinen Kontakt mehr miteinander. Während der Journalist mittlerweile von seinen Kollegen nicht mehr sonderlich ernst genommen wird, da er seinen Biss verloren hat, nimmt es Lisbeth mit der NSA auf: Als sie die US-Abhörbehörde hackt, entdeckt sie Beweise für eine groß angelegte Verschwörung innerhalb des Geheimdienstes.

Als Frans Balder, einer der weltweit führenden Experten für Künstliche Intelligenz, ermordet wird, kreuzen sich die Wege der einstigen Gefährten jedoch mal wieder. Während seiner Recherchen zum Tod des Experten entdeckt Blomkvist Verbindungen zu Lisbeth. Hat sie womöglich etwas mit dem Ableben Balders zu tun? Während sich diese Fährte schnell als Trugbild erweist, treten neue Probleme auf: So müssen der Journalist und Lisbeth unter anderem Balders autistischen Sohn August vor einem Gegner schützen, der so gefährlich scheint wie kein Feind zuvor.

Im Jahr 2004 verstarb Stieg Larsson, der Autor der berühmten MILLENNIUM-Trilogie, an den Folgen eines Herzinfarkts. Rund elf Jahre später machte sich mit David Lagercrantz ein Schriftsteller ans Werk, die Reihe des verstorbenen Kollegen fortzusetzen – natürlich in dessen Stil. Ein höchst schwieriges Unterfangen, da jeder Buchstabe mit Argusaugen und großer Skepsis beobachtet wird, dennoch gelang das Vorhaben durchaus. Die Verfilmung des vierten Teils der MILLENNIUM-Reihe hat es da einfacher, weil sie nur dem Vergleich mit dem zugrunde gelegten Roman und vor allem den vorangegangenen Filmen standhalten muss.

VERSCHWÖRUNG zeichnet sich wie die vorherigen Thriller durch eine einschüchternde, düstere Atmosphäre aus, die den Zuschauer von Beginn an in ihren Bann zieht. Absolut nichts strahlt etwas Positives aus. Man ahnt sofort, dass in der Welt wieder einiges im Argen liegt, dessen sich Lisbeth Salander (souverän verkörpert von Claire Foy ) annehmen muss. Dass sie dabei nicht sonderlich zimperlich vorgeht, ist jedem klar, der die vorherigen Filme oder Bücher kennt, und so erwartet den Zuschauer in der Folge ein ebenso temporeicher wie von gewaltsamem Adrenalin geprägter Ritt.

Dass dies nicht irgendwann in eintönige Langeweile abgleitet, ist Regisseur Fede Alvarez zu verdanken. Dieser bewies bereits mit DON’T BREATHE und dem Remake von EVIL DEAD sein Händchen für düstere Ästhetik und eine packende Erzählweise. So sorgt er unter anderem durch effektive Schnitte und abwechslungsreiche Bilder auch in VERSCHWÖRUNG dafür, dass das Geschehen immer frisch wirkt und der

Zuschauer bei der temporeichen Handlung am Ball bleibt. Die Adaption des vierten Teils der MILLENNIUM-Reihe ist damit zwar vielleicht noch kein Meilenstein der Filmgeschichte, in Sachen Qualität steht sie ihren Vorgängerwerken jedoch in nichts nach – und das ist ja auch schon mal was.

THE HOUSE THAT JACK BUILT

Regie: Lars von Trier / Dänemark, Deutschland, Spanien, Frankreich 2018 / 152 Min. Darsteller: Matt Dillon, Bruno Ganz, Uma Thurman, Siobhan Fallon Hogan, Sofie Gråbøl, Riley Keough Produktion: Louise Vesth Freigabe: tba Verleih: Concorde Start: 29.11.2018

Die Sichtung von Lars von Triers neuestem Werk gelang gleich zweimal. Einmal in einer Pressevorführung, bei der die abgebrühte Journaille müde von den Provokationen des Dänen schien und man das »Serienkiller als Helden«-Thema als in den 90ern abgehakt (NATURAL BORN KILLERS, MANN BEISST HUND ) bezeichnete. Und einmal mit einem erstaunlich jungen Festivalpublikum, dem so nach und nach das Lachen verging. In THE HOUSE THAT JACK BUILT fährt der Titelheld (gut wie selten: Matt Dillon ) in die Hölle. Begleitet vom liebevollen Verge (eine Stimme für die Ewigkeit: Bruno Ganz ), verbringt er den Weg dorthin damit, sein Leben als Serienmörder anhand von sechs Vorfällen (ergo brutalen Morden ) nachzuerzählen.

Es geht um Jacks Zwangsneurosen, wie seinen Putzwahn, ebenso wie darum, dass der gelernte Ingenieur endlich sein eigenes Heim bauen möchte. Um Opfer, die ihn quasi »zwingen«, ermordet zu werden (Uma Thurman ), oder um seine »Familienplanung«, die in einem Massaker endet. Dazwischen baut von Trier immer wieder zweifelhafte Verweise auf die Kunst genauso wie auf die großen Tyrannen ein; alles eine recht vorhersehbare Provokation, in der sich der Regisseur gerne neben seinem Titelhelden sehen möchte. Doch das eigentlich Besondere an THE HOUSE THAT JACK BUILT IST, dass er ein sehr schonungsloser Spiegel der Gesellschaft ist. Wie von Trier es selbst umschrieb, leben wir in einer Welt, in der das Leben »böse und seelenlos« ist, was er durch den »Aufstieg des Homo Trumpus« belegt sieht. Jack ist ein Monster, das mit allem durchzukommen scheint. Einmal unterstützt er sein Opfer dabei, Hilfe zu rufen, sagt die Worte »Ich bin ein Serienmörder« zu einem Polizisten, schleift eine Leiche kilometerweit hinter seinem Auto her, nichts hat Konsequenzen.

Eingangs erwähnte Serienkillerfilme aus den 90ern beschäftigten sich sehr genau mit der Rolle der Medien, die aus Mördern Stars machten. In THE HOUSE THAT JACK BUILT geht es darum, dass man alle Regeln brechen kann, ohne die Folgen fürchten zu müssen. Es ist ein unangenehmer Film, der oft mit schwarzhumorigen Momenten aufgelockert wird. Doch er ist nicht unüberlegt und vor allem nicht überflüssig.

EinE HarTE WElT BraucHT HarTE FilmE, Von TriEr liEFErT VErlÄSSlicH!

JUPITER’S MOON

Regie: Kornél Mundruczó / Ungarn, Deutschland 2017 / 128 Min. Darsteller: Merab Ninidze, Zsombor Jéger, György Cserhalmi, Mónika Balsai Produktion: Viola Fügen, Michel Merkt, Viktória Petrányi, Michael Weber Freigabe: FSK 12 Verleih: nfp Marketing & Distribution

Der junge Aryan flieht zusammen mit seinem Vater von Syrien aus über Serbien nach Ungarn. Doch kurz hinter der Grenze werden sie schon von den Polizisten erwartet, die sich nicht scheuen, ihre Waffen zu benutzen. Aryan wird von mehreren Kugeln in der Brust getroffen und sackt zusammen. Plötzlich steigt sein vermeintlich toter Körper hoch in die Luft und schwebt in dieser über die Bäume, bis er aus der Tiefe hinabstürzt. Erst auf der Krankenstation im Flüchtlingslager kommt er wieder zu Bewusstsein. Der dort behandelnde Arzt ist von Aryans unglaublicher Fähigkeit fasziniert und versucht schnell, aus seiner Entdeckung Profit zu machen. Fortan zieht er mit dem Syrer von Haus zu Haus reicher, todkranker Patienten, denen er Aryan für gutes Geld als Engel verkauft. Der Flüchtling kommt vom Regen in die Traufe, und der Polizist, der Aryan anschoss, ist den beiden bereits auf den Fersen.

Kornél Mundruczó, der schon 2014 mit seinem ungewöhnlichen Hunde-Rachethriller UNDERDOG (alias WHITE GOD ) überraschen konnte, bleibt auch diesmal seinen sozialkritischen Wurzeln treu. Gut sichtbar für alle in Handlung und Titel (Europa ist der Name eines Jupitermondes ) drückt er den Finger tief in die offene ungarische Wunde, die in diesem Fall Viktor Orbán heißt und dessen restriktive Flüchtlingspolitik ins Zentrum rückt. Zwar konzentrierte sich Mundruczó offenbar erst viel später im Entwicklungsprozess auf diese Thematik – im Vordergrund stand seine Faszination für Wunder in einer krisengeschüttelten, vermutlich fernen Zukunft. Doch der gegenwärtigen Krise in seinem Heimatland konnte er sich dann doch nicht entziehen und verlagerte die Geschichte. Diese ist in düster-schmutzigen Bildern gehalten, so wirkt nicht nur die Szenerie, sondern auch die Herzen derer, die sie bevölkern. Korruption, Gier, Selbstsucht, Lug und Trug – in diesem Ungarn fühlt man sich als Flüchtling sicher noch weniger willkommen als im schon real problematischen. Zwar hat der Film einige Längen und nicht alle Figuren sind so interessant angelegt wie der Arzt, doch JUPITER’S MOON zieht trotz allem seine Spannung aus der Verfolgungsjagd und der ungewöhnlichen Erzählweise. Hier wird Sci-Fi zum Fantasymärchen, Märchen zum Drama und Sozialdrama zum Thriller mit fensterklirrendem Action-Finale.

SEHEnSWErTEr GEnrEmix