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CLASSIC -CHECK: Think BIGGER


Off Road - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 11.12.2018

Einmal V8-Luxus in Pick-up-Breite ohne Nutzwert, bitte! So hat man sich einen Bronco bestellt. Ein echter Reise- und Spaßoffroader, schon seit den 60er-Jahren des letzten Jahrtausends. Für mich und viele andere ein wahr gewordener Traum aus Stahl, V8 und Hardtop – aber auch ein selten gewordener …


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Bildquelle: Off Road, Ausgabe 1/2019

Aus dem kleinen Geländekönner musste Ende der 70er-Jahre der Big Bronco werden. Die Verkaufszahlen des größeren Chevy Blazer und des Jeep Grand Wagoneer zwangen Ford, prompt zu reagieren. Die zweite Generation (78-80) entlieh sich nahezu alle Bauteile aus der erfolgreichen FPick-up-Baureihe. Es gab zwar immer ...

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Aus dem kleinen Geländekönner musste Ende der 70er-Jahre der Big Bronco werden. Die Verkaufszahlen des größeren Chevy Blazer und des Jeep Grand Wagoneer zwangen Ford, prompt zu reagieren. Die zweite Generation (78-80) entlieh sich nahezu alle Bauteile aus der erfolgreichen FPick-up-Baureihe. Es gab zwar immer noch einen Sechszylinder, aber der Markt wollte in dem Fullsize-Geländewagen einen V8 haben. Den gab es auch in Form des legendären 351M-Motors. Diese Generation mit der später nicht mehr verbauten F-100-Starrachse zählt heute zu den gefragesten, weil sie sich schnell einen Ruf als unzerstörbar erarbeitet hatte. Alles war Heavy Duty, aber der Wagen benutzte diese Fähigkeiten ja „nur“ im Freizeit- und Offroad-Bereich. Diese goldene Generation erzielt heute Liebhaberpreise, die jenseits der 100 000 Euro liegen können – wenn man einen findet.

UPGRADE ZUM ABSTIEG

Dass Ford in den 80er-Jahren dann damit aufhörte, dieses Konzept fortzusetzen, kann nur mit den höheren internen Kosten für die Qualitätsteile begründet werden und dem allgemeinen Trend, komfortabler und abgespeckter zu bauen. Der neue Bronco hatte wieder serienmäßig einen 4,9-Liter-Reihensechser an Bord. Generation drei bediente sich bei der Front immer noch am Pick-up-Band, aber es erfolgte die Umrüstung auf eine vordere TTB-Einzelradaufhängung (Twin Tractor Beam), die nicht an die Zuverlässigkeit der Starrachse ranreichen konnte. Der Zugewinn an Komfort kann nicht die ständigen Probleme rechtfertigen, die mit ihr einzogen – obwohl die Innereien von einer Dana 44 stammten. Grad bei stärkerer Belastung kam es zu Beschädigungen an den Antriebswellen. Das Grundkonzept, den Bronco mit Blechund Rahmenteilen der Pick-ups zu bauen, wurde bis zum Produktionsende 1996 beibehalten. Schnauze und Dashbord sehen aus wie bei den Trucks. Nachfolger wurde der Expedition. Gute Ford Broncos sind wirklich rar geworden, Projekte findet man zwar reichlich – aber vielleicht auch ein echtes Groschengrab. Wir begeben uns in die direkte Nachbarschaft, zu den US-Car-Experten von Girbinger, und zeigen, worauf man achten sollte beim Bronco-Kauf.

T |F Dr. Björn Schulz

Historie

1Zu Beginn der 60er-Jahre musste Ford auf die Erfolge des International Scout und des CJ-5 reagieren und Donald Frey, der Mustang-Schöpfer, entwickelte ein Konzept für einen Geländewagen, der ohne militärische Absichten als Sport-Utility-Fahrzeug eingesetzt werden sollte. 1966 wurde der Bronco vorgestellt und schlug zunächst auf dem Markt gut ein mit seinem ultrakurzen Radstand und der zweitürigen Karosserie. Anfangsmotorisierung war ein Reihensechszylinder mit 2,8 Liter Hubraum (170 cu in).

Freizeit-SUV: Der erste Prospekt.


Motorvarianten Bronco

R6-Benziner 4,9 154 PS/115 kW

V8-Benziner 5,7 Bj. 78-86 (5,0/Efiab 86) 210 PS/154 kW (134 PS)

Unter der Lupe

1Zu Besuch in der eigenen Heimat
Dieses Mal hatte ich es nicht weit, nur die Straße runter, da standen schon zwei Muster-Broncos für mich bereit. Bei US-Car Girbinger warteten ein 1976er- und ein 1980er-Bronco in einem super Zustand auf unsere Begutachtung.

2Das V8-Herz
Die meisten Broncos, die es nach Deutschland schafften, hatten den 5,0-Liter-V8 verbaut. Der war mit seinen 134 PS nicht grad ein Biest, eher ein Cruiser. Umso ärgerlicher, dass er sich als Lagerschalenfresser entpuppt. Obacht – Ölcheck!

3Zündung, Vergaser und Co.
Ein gut eingestellter Bronco startet unaufgeregt und seidenweich. Probleme mit Originalteilen sind selten, Nachrüst-Vergaser sind da schlimmer. Zündung/Elektrik arbeiten unauffällig. Klimakompressoren sind fast immer kaputt. Check!

4Getriebe/Verteilergetriebe
Hier gibt es durchaus Positives zu berichten. Sowohl die frühen C6-Heavy-Duty-Dreigangautomaten als auch die 4-gängigen (Overdrive) fallen selten negativ auf bei guter Pflege. Gleiches gilt für das Verteilergetriebe. Dank an die F-Baureihe!

5TTB-Vorderachse 1
Sieht nicht nur eigenartig aus, benimmt sich auch so. Die zwei gegenläufigen Dreiecksarme mit der Antriebswelle, die in den linken Teil zum Diff laufen, verfügen über zu viel bewegliche Teile. Macht Komfort, aber auch Probleme durch die Kräfte.

6TTB-Vorderachse 2
Während das Dana-Diff sich noch manierlich benimmt, gehen die Antriebswellen in regelmäßigen Abständen kaputt, auch die Buchsen. Die abschmierbaren Kreuzgelenke können einfach abscheren. Abhilfe: teure verstärkte Wellen. Check!

Laufende Kosten

Strebt man die günstige H-Zulassung an, darf der Bronco nicht allzu verbastelt sein.
In schlechtem Zustand drohen horrende Werkstattkosten, wenn man nicht gelernter Karosseriebauer ist. Verschleißteile bekommt man (Motor, Getriebe usw.), bei Blechen und Anbauteilen hört der Spaß auf und man wird zu Sherlock Holmes. Bronco fahren ist kein wirklich günstiges Hobby! Überlegen!

Steuer H-Zulassung 192 EUR

Versicherung nach Fahrzeugwert

ET-Preise brutto

Viele Teile sind einfach nicht mehr zu bekommen und man wird leider zum weltweiten Ebay-Junkie …


Bronco-Onlinemarkt

Ein Liebhaber-Bronco auf den ersten Blick: Der Rost soll sich in Grenzen halten, das Fahrzeug wurde immer gut gepflegt und bildet die günstigste Basis, einen Big Bronco sein Eigen zu nennen. Noch ist er nämlich kein Oldtimer, aber das wird ja automatisch kommen. Der Preis: 5000 VB. Check!

Gefunden bei mobile.de


Will man sich die Karosserie-Werkstatt sparen , sollte man auch mal einen Blick über den großen Teich wagen. Hier sind die Fullsize-Broncos grade in Kalifornien etwas verpönt. So kommen gute Preise für nahezu rostfreie Autos zustande. Importgebühr kann sich schnell rechnen. Preis: 7900 Euro.

Von privat bei autoscout24.de


Der erste echte Oldie, auch noch für einen vernünftigen Preis: Dieser 1980er-Bronco wurde schon nach Deutschland geholt und wartet darauf, in den H-Zulassungskampf hierzulande einzusteigen. Er steht gut da und ist für das Geld sicher einen Check wert. Der Preis: 11 950 Euro.

Gefunden bei mobile.de


Unter der Lupe

1Hinterachse und Fahrwerk
Die Hinterachse ist nur durch Vernachlässigung totzukriegen. Ölcheck! Die originalen Blatt- und Schraubenfedern sind unauffällig und gut. Obacht ist bei Umbauten und Höherlegungen geboten. Das Broncogewicht ohne Anpassungen zehrt!

2Lenkung und Bremsen
Sicherheit durch F-150-Technik. Die Bremsen sind für Pick-ups entworfen und haben mit dem „Leichtgewicht“ Bronco keine Probleme. Die Lenkung arbeitet für US-Maßstäbe sauber. Hier auf Rad-/Reifen-Umbauten achten! Spiel checken!

3Rostcheck Rahmen
Der Bronco-Leiterrahmen kann durch regelmäßigen Schutz manchmal noch gut dastehen. Oft sieht es an den Querträgern, Aufnahmen und Halterungen aber düster aus. Ersatz gibt es kaum. Kann teuer werden. Augen, Finger und Magnet!

4Rostcheck Blechkleid
Ganz einfach: Überall schauen! Hier lohnt es sich, sich Zeit zu lassen. Bleche sind kaum zu bekommen! Alles, was durch ist, muss in Handarbeit restauriert werden. Falze, Türen, Kanten checken, auch wenn es auf den Flächen gut wirkt – Obacht!

5Hardtop und Anbauteile
Schlimmer als beim Blech kann es nicht werden? Denkste, das Hardtop mit den Schiebefenstern ist sehr selten zu bekommen. Gute Teile gibt es auch online kaum. Dichtungen genauso. Gründlich checken und alles mit dem Auge abfahren!

6Interieur und Elektrik
Gemütlicher sitzt man nur auf dem Sofa zu Hause. Der Bronco war ein Komfort-Wunder. Eine gute und gepflegte Innenausstattung ist Gold wert. Originalbezüge für die Sitze sind selten. Elektrik und Schalter unauffällig, aber dank F-150 verfügbar.

Die seltenen Broncos – ein Restaurationskampf, der sich lohnt?

Serie: Gebrauchtwagencheck

Der Traum vom Bronco – ein echter Allradler im Fullsize-US-Gewand. Eine echt emotionale Investition.


Schnäppchen oder Scheunenfund gibt es noch. Wurde dokumentiert und vernünftig Hand angelegt, hat man vielleicht ein paar Tage Ruhe. Pfusch-Broncos und Blender können einen in den Ruin treiben. Keine Scham, wenn man als Ungelernter im Vorfeld einen Kaufexperten zu Rate zieht, das spart im Nachhinein oft richtig Geld. Durch die schlechte Ersatzteilversorgung müssen viele Reparaturen, z.B. am Blech, in Handarbeit und mit selbst hergestelltem Ersatz durchgeführt werden. Definitiv nichts für schwache Nerven und Anfänger. Die Technik dagegen ist einfach und beherrschbar. Ein Bronco-Kauf sollte wohl überlegt sein, sonst steht er viele Jahre rum, anstatt rumzucruisen.
Die aktuelle Marktbeobachtung vonwww.classic-data.de sieht einen Bronco Bj. 80 mit Note 1 bei 41 500, mit Note 2 bei 18 500 Euro. Tendenz steigend! Eine anstrengende Investition, lohnt sich aber!

Unser -Experte: Axel Kreß

Unser geduldiger und hilfsbereiter Nachbar in Ottobrunn. Der gelernte Kfzler Axel ist der Werkstattleiter und und der Mann mit dem großen Plan bei US CARS GIRBINGER. Mit über 20 Jahren US-Erfahrung, zunächst bei Geiger-Cars, kümmert er sich nun gewissenhaft um die durstigen V8-Gäste bei Girbinger. Bronco kennt er fast zu gut, die hat er schon mehrfach komplett neu eingekleidet, und er stand mit Rat und Tat zur Seite während der Produktion. Aber es muss nicht immer US-Eisen sein, bei Girbinger und Axel sind auch alte Europäer gern gesehene Gäste. Der güldene Zustand-1-2-Bronco ist dort zu bestaunen und zu kaufen. Einen Ausflug sind die USSpezis immer wert. Wir bedanken uns für die tolle Zeit bei Euch!

Kontakt:
US CARS GIRBINGER D-85521 Riemerling

Rudolf-Diesel-Str. 21
Tel. +49-(89) -89067480
Web: us.autohaus-girbinger.de

Axel Kreß, der Mann mit dem strengen Bronco-Blick. Danke für die Tipps und Deine Hilfe!